Wir müssen weg vom motorisierten Individualverkehr, sagen Fachleute. Und hin zu mehr ÖPNV, Zügen und Fahrrädern — denn diese Formen des Verkehrs verursachen pro Personenkilometer deutlich weniger Emissionen als Auto, Flugzeug oder LKW. Unter welchen Umständen lassen sich mehr Menschen für klimafreundliche Mobilität begeistern?
Die niederländische Stadt Utrecht gilt als Musterbeispiel für eine gelungene Fahrradpolitik. Wolf-photography | Shutterstock
Verkehrssektor als Sorgenkind der Klimapolitik
Der Verkehrs- ist neben dem Gebäudesektor das Sorgenkind der deutschen Klimapolitik: Der CO2-Ausstoß im Verkehrssektor liegt bei rund 146 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Seit den 1990er-Jahren stagniert dieser Wert, obwohl die Fahrzeuge in den vergangenen Jahrzehnten emissionsärmer geworden sind. Der Grund: mehr Verkehr — technische Fortschritte werden durch stetig wachsende Verkehrsleistungen fast vollständig aufgezehrt. Das ist mit Blick auf ambitionierte Klimaziele ein Problem. Die Lösung dafür liegt in der Verkehrswende. Der Journalist Ingwar Perowanowitsch macht mit seiner Arbeit sichtbar, wie die Verkehrswende in der Praxis aussehen kann.
Das Versprechen der Verkehrswende ist, dass sie allen Menschen zugutekommt — auch den Autofahrern.
Ingwar Perowanowitsch, Journalist und Filmemacher
Mit dem Fahrrad der Verkehrswende auf der Spur
Ingwar Perowanowitsch ist für seinen Film „Cycling Cities“ mit dem Fahrrad durch Europa gefahren: Von Freiburg über Paris, Utrecht, Amsterdam bis nach Kopenhagen hat er sich Beispiele für eine gelungene Verkehrswende angesehen. Als Positivbeispiel gilt dabei Paris: Die Hauptstadt Frankreichs hat in den vergangenen Jahren geschafft, was in Berlin in weiter Ferne scheint: Das Auto wurde zurückgedrängt, um Platz für andere Verkehrsformen zu machen. Davon profitieren die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt, denn die Luftqualität in Paris hat sich deutlich verbessert. Während 2019 noch 400.000 Menschen im Großraum Paris einer über den Grenzwerten liegenden Belastung von Stickstoffdioxid ausgesetzt waren, sank die Zahl bis 2023 auf 5.000. Paris hat dafür massiv Parkplätze abgebaut und die Flächen „in Parks und Plätze umgewandelt“, wie Perowanowitsch erzählt. Ähnlich sei es auch in den anderen Städten gewesen, die er besucht hat.
Jede Stadt, die den lebenswerten Umbau geschafft hat oder gerade dabei ist, ihn zu schaffen, hat eine Lösung für das Parkplatzproblem gefunden.
Ingwar Perowanowitsch
Was die „Cycling Cities“ sonst noch gemein haben, das verrät Journalist Ingwar Perowanowitsch im Interview mit detektor.fm-Moderatorin Ina Lebedjew in dieser Folge von „Mission Energiewende“.