Milliarden Mikroorganismen leben in und auf uns. Doch unser Mikrobiom ist Teil eines viel größeren Netzwerks: Menschen, Tiere, Pflanzen und Umwelt sind dadurch miteinander verbunden. Warum diese Erkenntnis wichtig werden könnte.
Milliarden von Organismen bilden unser sogenanntes Mikrobiom: Sie leben auf und in unserem Körper. Dieses Mikrobiom besteht unter anderem aus Bakterien, Viren, Pilzen und Archaeen. Es unterstützt uns unter anderem bei der Verdauung und der Immunabwehr.
Doch dabei handelt es sich nicht um ein abgeschlossenes System: Mikroorganismen werden ständig zwischen Menschen, Tieren, Pflanzen, Nahrungsmitteln und der Umwelt ausgetauscht. Neue Forschungsansätze betrachten deshalb die Gesundheit von Menschen auch im Kontext ihrer Umwelt und beispielsweise der Menschen und Tiere, mit denen sie leben.
Bereits bei der Geburt wird das menschliche Mikrobiom durch die Mutter geprägt. Später spielen Familie, Haustiere und soziale Kontakte eine wichtige Rolle. Untersuchungen zeigen, dass Menschen, die zusammenleben, zahlreiche identische Bakterienstämme teilen. Je länger sie zusammenleben, desto größer wird die Übereinstimmung. Auch außerhalb von Haushalten können Mikroben übertragen werden.
Besonders deutlich wird die Vernetzung bei Antibiotikaresistenzen. Der intensive Einsatz von Antibiotika — insbesondere in der Landwirtschaft — begünstigt resistente Bakterien. Diese können sich zwischen Tieren, Menschen und der Umwelt verbreiten: über Tierhaltung, Gülle, Böden, Gewässer und Lebensmittel. Resistente Gene können zudem zwischen Mikroorganismen ausgetauscht werden.
Gleichzeitig geht weltweit mikrobielle Vielfalt verloren. Ein industrialisierter Lebensstil, stark verarbeitete Ernährung, Desinfektionsmittel und die zunehmende Urbanisierung können dazu beitragen, dass nützliche Mikroorganismen verschwinden. Eine geringere Vielfalt des Darmmikrobioms wird mit verschiedenen chronischen Erkrankungen in Verbindung gebracht.
Auch Böden und Pflanzen sind von dieser Entwicklung betroffen. Eine geringere mikrobielle Vielfalt kann Pflanzen anfälliger für Krankheitserreger machen und den Einsatz von Pestiziden fördern.
Schließlich spielt auch die natürliche Umgebung eine Rolle. Studien zeigen, dass Kontakt mit vielfältigen natürlichen Lebensräumen das Mikrobiom beeinflussen kann. Künftig könnte deshalb auch die Gestaltung von Städten und Gebäuden stärker darauf ausgerichtet werden, mikrobielle Vielfalt zu ermöglichen.
Unser Mikrobiom hat eine sehr große Bedeutung für uns und unsere Gesundheit.
Frank Schubert
Frank Schubert ist Biologe und Redakteur bei Spektrum der Wissenschaft. Im Gespräch mit detektor.fm-Moderator Marc Zimmer erklärt er, wie unser Mikrobiom funktioniert und warum es von weitaus größerer Bedeutung für unsere Gesundheit ist, als lange angenommen.