Marode Infrastruktur, veraltete Lehrpläne, zu wenige Lehrkräfte, sinkende Aufmerksamkeitsspannen, nachlassende Leistungen, dazu immer mehr psychische Probleme bei Schülerinnen und Schülern: Das deutsche Schulsystem steckt in der Krise. Was muss sich ändern?
Schule war lange ein Privileg für wenige: Erst 1919 wurde in Deutschland die gemeinsame Grundschule verpflichtend für alle Kinder eingeführt. Gut einhundert Jahre später ist die Liste an Mängeln im Schulsystem lang. Das liegt auch daran, dass viele der Strukturen tradierten Entwicklungen folgen, die den Anforderungen an Bildung und Schule in der Gegenwart nicht mehr gerecht werden, sagt der Bildungsforscher Kai Maaz.
Dabei müssten wir eigentlich längst wissen, wie Schule besser geht. Denn die Wissenschaft erforscht schon seit Langem, wie Lernen funktioniert, was guten Unterricht ausmacht und wann Schule erfolgreich ist. Dazu kommt das Erfahrungswissen aus der Schulpraxis.
Wie würden Bildung und Schulkultur aussehen, wenn man die Ergebnisse aus der Forschung und die Erfahrung aus der Praxis einmal konsequent zusammendenkt? Um das herauszufinden, hat Spektrum der Wissenschaft 17 führende Expertinnen und Experten aus der Schul- und Bildungsforschung, aus Pädagogik und Psychologie gebeten, aufzuschreiben, wie die Schule der Zukunft auf Grundlage des heute verfügbaren Wissens aussehen müsste. Einer davon ist Kai Maaz. Er ist Direktor des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation, Sprecher des Nationalen Bildungsberichts und Mitglied der ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz.
In Zurück zum Thema beschreibt er seine Vision des Schulsystems von morgen.