KI verändert auch die Werbebranche grundlegend. Der Kreativdirektor von RYSM, Alf Frommer, über algorithmische Medien, verlorene Gatekeeper und die Frage, warum echte Kreativität nicht automatisierbar ist.
Werbung ist heute allgegenwärtig — und gerade deshalb kann man als Nutzerin und Nutzer das Gefühl bekommen, dass man sie gar nicht mehr richtig wahrnimmt. In einer Welt voller KI-generierter Inhalte, personalisierter Feeds und algorithmischer Logiken stellt sich daher eine zentrale Frage: Wie können Marken überhaupt noch sichtbar bleiben?
Alf Frommer ist Kreativdirektor bei der Berliner Kommunikationsagentur RYSM und arbeitet seit fast 30 Jahren in der Werbebranche. Er beschreibt, wie Künstliche Intelligenz nicht nur Produktionsprozesse beschleunigt, sondern auch die Medienlandschaft selbst verändert. Besonders deutlich wird das in sozialen Netzwerken, meint er.
Instagram ist beides: Ein soziales Medium, wo man seine Freunde hat; aber wenn ich in den „For You“-Bereich gehe, dann bin ich halt in einem algorithmischen Medium.
Alf Frommer, Kreativdirektor bei der Kommunikationsagentur RYSM
Werbung konkurriert dort nicht mehr nur mit anderen Kampagnen, sondern mit einer riesigen Menge automatisiert erzeugter Inhalte. Sichtbarkeit wird dadurch immer schwieriger — und Vertrauen zu einem zentralen Thema.
KI verändert auch die kreative Arbeit selbst. Ideen lassen sich schneller visualisieren, Inhalte in Minuten erzeugen. Gleichzeitig wird es immer schwerer zu erkennen, was echt ist und was nicht.
Selbst ich muss oft genau hinschauen, um zu erkennen, ob etwas echt ist oder von einer KI stammt. Für viele andere ist das kaum noch möglich.
Alf Frommer
Alf Frommer beschreibt noch einen anderen grundlegenden Wandel, den die Werbebranche mit anderen Bereichen teilt — etwa mit der Musikindustrie oder dem Journalismus. Lange Zeit haben Agenturen eine Gatekeeper-Funktion gehabt: Sie haben mitentschieden, welche Ideen, Trends und Bilder sichtbar werden. Diese Rolle geht zunehmend verloren. Trends entstehen heute oft außerhalb von Agenturen, in algorithmischen Räumen wie TikTok und Instagram. Um relevant zu bleiben, braucht es deshalb kulturelles Gespür, Neugier und Mitarbeitende aus unterschiedlichen Generationen, die zusammen arbeiten.
In dieser neuen Folge des „brand eins Podcast“ spricht Alf Frommer mit detektor.fm-Moderator Christian Bollert darüber, wie er die Zukunft der Werbebranche sieht und warum er es heute wichtig findet, nicht mehr so stark zu provozieren, wie er es noch vor ein paar Jahren auf Twitter getan hat.