Hyperindividualisierung durch KI
Musik, Filme, Texte, ganze Medienwelten — sie alle werden uns heute zunehmend von Algorithmen vorgeschlagen. Streamingdienste, soziale Netzwerke und generative KI versprechen maximale Passgenauigkeit: Inhalte, die perfekt zu unseren Vorlieben, Stimmungen und Lebenswegen passen. Doch was auf den ersten Blick bequem klingt, wirft eine viel größere Frage auf. Der Neurowissenschaftler Henning Beck, der im brand eins Magazin eine Kolumne über KI und Trends aus der Tech-Szene schreibt, formuliert sie so:
Was passiert mit unserer Gesellschaft, wenn jeder nur noch das auf die Ohren und Augen bekommt, was die KI für ihn oder sie eben erstellt hat?
Henning Beck
Foto: Hans ScherhauferDabei, so betont er, geht es um weit mehr als nur um Musikstreaming oder neue Tech-Trends. Er beschreibt, warum Gesellschaften gemeinsame kulturelle Bezugspunkte brauchen — „Lagerfeuermomente“ — , über die viele gleichzeitig sprechen, streiten und lachen können. Ohne diesen gemeinsamen Raum, so seine These, gerät auch der demokratische Austausch in Gefahr, denn Demokratien leben davon, dass es diesen Raum gibt.
Henning Beck: Jede und jeder wird seine eigene Marke sein
Gleichzeitig stellt sich die Frage nach der Bedeutung von Kunst und Kultur. Große Werke leben davon, dass jemand etwas ausdrücken will, eine Haltung, einen Gedanken, eine Erfahrung. Ob das auch für KI gilt, bezweifelt Henning Beck:
Kann KI mir etwas sagen? Halt’ ich für ausgeschlossen mit der Technik im Moment.
Henning Beck
Genau deshalb, meint Henning Beck, werden menschlich geschaffene Inhalte auch künftig besonders wertvoll bleiben. Und wenn Menschen dann auch bereit sind, dafür Geld auszugeben, dann führt das, so hofft er, vielleicht auch zu einer Gegenbewegung.
In dieser neuen Folge des „brand eins Podcasts“ spricht Henning Beck mit detektor.fm-Moderator Christian Bollert über nostalgische Plattenladen-Besuche in San Francisco, Taylor Swift und die Frage, wie viel Individualisierung unsere Gesellschaft verträgt.