Traditionelles Handwerk, regionale Zutaten und eine über 100-jährige Familiengeschichte: Eigentlich hat die Bäckerei Bergmann vieles, was sich Kundinnen und Kunden wünschen. Trotzdem spiegelt sich die Wertschätzung nicht immer im Kaufverhalten wider. Muss die Bäckerei ihre Stärken einfach besser kommunizieren? Die Zusammenarbeit mit Kreativschaffenden bringt ein ganz anderes Problem ans Licht.
Mit günstigen Supermarktpreisen kann die Bäckerei Bergmann nicht mithalten. Stattdessen setzt der Thüringer Familienbetrieb auf traditionelles Handwerk, lange Teigführung und regionale Zutaten. Schon heute stammen mehr als 80 Prozent der verwendeten Rohstoffe aus Thüringen. Doch wie lässt sich die Kundschaft vom Wert dieser Arbeit überzeugen?
Um das herauszufinden, nimmt Geschäftsführer Matthias Bergmann 2023 an einem Cross Innovation Lab der Thüringer Agentur für Kreativwirtschaft teil. Drei Tage lang arbeitet er dort mit einem Kommunikationsdesigner, einer Künstlerin und einer Porzellandesignerin zusammen. Doch statt direkt neue Werbeideen zu entwickeln, stellen die Kreativschaffenden erst einmal jede Menge Fragen. Dabei wird deutlich: Mit ihren 45 Verkaufsstellen wird die Bäckerei von vielen Menschen als große Kette wahrgenommen — und das ist im Bäckerhandwerk nicht unbedingt positiv besetzt. Aus der Frage, wie sich Regionalität besser vermitteln lässt, wird plötzlich eine viel grundsätzlichere: Wie kann eine große Bäckerei zeigen, dass hinter ihren Produkten echtes Handwerk steckt?
Ich habe einen Spruch gelernt nach dem Cross Innovation Lab: Wenn du das Problem richtig gut beschreiben kannst, sind das schon 50 Prozent der Lösung.
Matthias Bergmann, Geschäftsführer der Bäckerei Bergmann
Eine der Ideen aus dem Workshop ist überraschend einfach: Die Brötchentüten werden zur Erzählfläche. Statt nur das Firmenlogo zu zeigen, erzählen sie inzwischen von regionalen Rohstoffen und der Geschichte des Familienbetriebs. Und das ist nur eines von vielen Ergebnissen des Workshops. Dutzende Flipchartblätter voller Post-its, Skizzen und Stichworte zeugen davon, wie viel die Gruppe ausprobiert hat. Einige Ideen schaffen es bis in die Verkaufsstellen, andere werden getestet und schließlich wieder verworfen.
Für Claudia Köhler von der Thüringer Agentur für Kreativwirtschaft zeigt das Beispiel, welches Innovationspotenzial in der Zusammenarbeit unterschiedlicher Branchen steckt. Dabei wird die Kreativwirtschaft selbst als Wirtschaftsfaktor häufig unterschätzt. Im Jahr 2022 erzielte die Branche eine Bruttowertschöpfung von rund 117 Milliarden Euro. Damit lag sie knapp hinter dem Fahrzeugbau und noch vor dem Maschinenbau.
Warum bekommt die Kreativwirtschaft trotz dieser Zahlen so wenig Aufmerksamkeit? Was hat sich bei der Bäckerei Bergmann durch den Perspektivwechsel noch verändert? Und lässt sich der Erfolg der neuen Ideen überhaupt messen? Darüber spricht detektor.fm-Redakteurin Philine Klinger mit Matthias Bergmann und Claudia Köhler in der neuen Folge von „Machen statt Quatschen“.