Unter europäischen Wäldern liegen wertvolle Rohstoffe wie Lithium und Wolfram verborgen. Doch herkömmliche Testbohrungen belasten die Natur stark. Ein Forschungsprojekt nutzt nun Pflanzen als natürliche Indikatoren für tief in der Erde liegende Erzvorkommen.
Im sächsischen Erzgebirge verbirgt sich unter dichten Wäldern ein gewaltiges Vorkommen an strategischen Rohstoffen wie Lithium, Zinn und Wolfram. Um diese tief liegenden Schätze ohne umweltschädliche Großbohrungen aufzuspüren, setzt das europäische Forschungsprojekt DeepBEAT am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf auf einen völlig neuen Ansatz: Die Wissenschaftler nutzen heimische Pflanzen als natürliche Geodetektive.
Die traditionelle Geobotanik ermittelt, welche Pflanzenarten auf bestimmten Böden wachsen. Die sogenannte Phytogeochemie geht tiefer — buchstäblich. Sie analysiert, wie Blätter, Kiefernnadeln, Rinden oder Pilze im Innern chemisch zusammengesetzt sind. Und das kann viel darüber aussagen, was sich in der Tiefe verbirgt. Denn über geologische Bruchzonen gelangen winzige Spuren der tiefen Lagerstätten nach oben und hinterlassen in der Flora messbare chemische Muster der Rohstoffe. Ursprünglich stammt die Grundidee aus der Herkunftsanalyse von Lebensmittelimporten wie Tee.
Es hat sich über die Jahre immer weiterentwickelt, dass die Pflanzen tatsächlich sehr präzise oberflächennahe Geologie abbilden können, und zwar unabhängig davon, welcher Boden oben drüber liegt.
Dr. Solveig Pospiech, Wissenschaftlerin beim europäischen Forschungsprojekt DeepBEAT am HZDR
Kiefernwurzeln reichen beispielsweise bis zu neun Meter tief ins Erdreich und nehmen dort gelöste Elemente auf. Um das feine chemische Signal der Rohstoffe aus der Tiefe präzise auszuwerten, müssen die Forschenden jedoch zunächst störende Umgebungssignale aus den obersten Bodenschichten herausfiltern. Neben der technischen Präzisionsanalytik steht bei DeepBEAT vor allem der direkte Dialog mit den Menschen vor Ort im Mittelpunkt. Häufig gibt es Ängste vor künftigen Bergbauprojekten. Deshalb kommuniziert das Team frühzeitig mit den Anwohnern. Dabei bedient sich DeepBeat des FPIC-Prinzips, das unter anderem in der Deklaration der Rechte indigener Völker beschrieben wird. FPIC steht für das Prinzip der freien, vorherigen und informierten Zustimmung (im Englischen: Free, Prior and Informed Consent). Dr. Solveig Pospiech betont, wie wichtig eine transparente Aufklärung ist. Laut ihr ist nur so eine Akzeptanz und soziale Vertretbarkeit zu erreichen.