Ada Lovelace war eine Visionärin: Sie denkt über Flugzeuge nach, als es noch gar keine gibt. Und sie schreibt das erste Computerprogramm zu einer Zeit, in der es nicht einmal elektrisches Licht gab.
Anfang 19. Jahrhundert: Wir reisen in eine Zeit vor der Erfindung der Glühbirne, es gibt kein Telefon, die Dampflokomotive nimmt gerade erst Fahrt auf — Wortwitz beabsichtigt.
Zu dieser Zeit kommt in London Augusta Ada Byron zur Welt. Sie ist die Tochter des berühmten Dichters Lord Byron, einem Dandy und Träumer, und der eher strengen und rationalen Aristokratin Anne Noel. Wie sich später zeigen sollte, vereinte Ada Lovelace die Fantasie ihres Vaters und die Wissbegier ihrer Mutter in ihrer Arbeit.
Aber ich würde sagen, sie hat halt eben diesen Geist einer Naturwissenschaftlerin.
Demian Nahuel Goos
Schon als junges Mädchen wird ihr eine intensive Bildung zuteil, rasch zeigt sie ein besonderes Talent für die Mathematik. Begrenzen will sich die junge Frau aber nicht darauf, sie will viel mehr. Sie liest viel über Biologie, über Physik, Mathematik, Technik.
Mit gerade einmal 17 Jahren lernt Ada Lovelace den damals schon etablierten Mathematiker und Wissenschaftler Charles Babbage kennen. Obwohl er mehr als doppelt so alt ist, verstehen sich die zwei auf Anhieb. Beide haben gemein, dass sie sich nicht von altbekannten Grenzen in ihren Gedanken einschränken lassen wollen — die Visionärin trifft auf einen Visionär.
Charles Babbage arbeitet zu der Zeit an der sogenannten Difference Engine, einer rein mechanischen Rechenmaschine. Mit der Zeit entwickelt Babbage die Idee weiter, schließlich hat er die Idee zur Analytical Engine. Diese Maschine sollte weit mehr mathematische Formeln lösen können als die Differenzmaschine, die lediglich für eine Art Rechnung eingesetzt werden konnte. Ada Lovelace unterstützt ihn bei seinen Ideen, die beiden stehen im ständigen Austausch miteinander. Lovelace scheint noch viel mehr als Babbage das Potential hinter der Rechenmaschine zu sehen.
Und hier wird die Geschichte plötzlich erstaunlich modern. Denn die Analytical Engine besitzt viele Bestandteile, die wir heute aus Computern kennen.
Manon Bischoff
Heute ist Ada Lovelace eine der bekanntesten Mathematikerinnen: Sie gilt als die erste Programmiererin. Und das, obwohl es zu ihrer Lebzeit noch gar keine Computer gegeben hat. Wie das zusammenpasst und warum Ada Lovelace ihrer Zeit voraus war, bespricht detektor.fm-Redakteurin Rabea Schloz mit Manon Bischoff und Demian Nahuel Goos in einer neuen Folge von „Geschichten aus der Mathematik“.