Geschichten aus der Mathematik | Marjorie Rice

Marjorie Rice und die verborgenen Muster der Geometrie

Marjorie Rice hat mit fünf Kindern im Haus alle Hände voll zu tun – und trotzdem entdeckt sie neue geometrische Formen.

Bald ist Weihnachten, für Marjorie Rice immer eine besonders stressige Zeit. Ein Familienfest vorzubereiten, ist immer viel Aufwand: für die fünf Kinder Geschenke kaufen, alles verpacken, Essen planen, einkaufen, zubereiten, das Haus schmücken. Und dann versucht Marjorie Rice nebenbei auch noch, neue mathematische Erkenntnisse zu gewinnen.

Marjorie Rice und ihre Küchenmathematik

Marjorie Rice ist keine studierte Mathematikerin; sie heiratet relativ schnell nach ihrem Schulabschluss, bekommt Kinder und wird Hausfrau. Aber ihre Faszination für Mathematik, die verliert sie auch Jahre später nicht. Als einer ihrer Söhne älter ist und die „Scientific American“ liest, liest Rice gerne mit. Vor allem die Mathe-Kolumne von Martin Gardner hat es ihr angetan.

Martin Gardner hat zwischen 1957 und 1980 jeden Monat in der Zeitschrift „Scientific American“ ein mathematisches Thema behandelt, oft auch mit einer mathematischen Aufgabe. Und die Leserinnen und Leser konnten dann ihre Antworten einschicken.

Manon Bischoff

Foto: privat

Jetzt also, kurz vor Weihnachten in den 1970er-Jahren in San Diego, beugt sich Marjorie Rice über ihre Küchentheke. Vor ihr ein Magazin und Papier, in der Hand ein Stift. Es hat doch tatsächlich jemand geschafft, ein neues Fünfeck zu entdecken, mit dem man eine unendliche Fläche lückenlos füllen kann. Bislang ist man davon ausgegangen, dass schon alle möglichen Formen gefunden wurden — Fehlanzeige. Und wenn die Mathecommunity einmal falsch gelegen hat, dann bestimmt auch ein zweites Mal, oder? Marjorie Rice macht es sich zur Aufgabe, auch ein neues Pentagon für die lückenlose Parkettierung zu finden.

Wir haben ja gesagt, sie hatte keine Ausbildung. Aber ich mein, die ist eine Mathematikerin durch und durch.

Demian Nahuel Goos

Foto: Chris Coe

Tatsächlich findet sie sogar mehr als eine Form, und zwar ohne Mathestudium — also ohne große Vorkenntnisse oder gute Verbindungen in die akademische Welt. Die lassen jedoch nicht lange auf sich warten, als sich die Mathematikprofessorin Doris Schattschneider bei Marjorie Rice meldet.

Was dann geschieht und was wir von Marjorie Rice über den Zugang zu Mathematik und die Geometrie lernen können, das bespricht detektor.fm-Redakteurin Rabea Schloz mit Manon Bischoff und Demian Nahuel Goos von Spektrum der Wissenschaft.

Redaktion