Hypatia gilt als die erste große Mathematikerin der Geschichte — und gleichzeitig gibt es kein einziges eigenes Werk von ihr. Wie also hat sie die Mathematik geprägt und was wissen wir über sie?
Das Alexandria der Spätantike ist der Place to be für alle Forschenden und jene, die welche werden wollen. Das Museion im Hafenviertel der Stadt gilt als die Blaupause für heutige Universalbibliotheken, damals galt es als die größte Bibliothek ihrer Zeit. Abertausende Schriften sollen dort aufbewahrt worden sein — beziffern lässt sich das Ausmaß heute leider nicht mehr.
Hypatia wächst in Alexandria auf, ihr Vater bringt ihr Mathematik, Philosophie und Astronomie bei. Theon von Alexandria ist selbst Gelehrter, führt ein eigenes Institut, ist in der Stadt angesehen. Bald schon überragt die Tochter den Intellekt des Vaters, wird von der Schülerin erst zur Kollegin, später zur Nachfolgerin und somit Leiterin der Schule. Ähnlich wie ihr Vater genießt auch Hypatia hohes Ansehen: bei ehemaligen Schülerinnen und Schülern, bei Politikern und anderen Gelehrten, auch weit über die Stadtgrenzen hinaus.
Eigene Werke und Schriften hat Hypatia nicht hinterlassen, ihre Lehren stehen heute nicht in Schulbüchern oder sind Bestandteil eines Seminars an der Universität. Und doch gilt sie als eine der großen Mathematikerinnen der Antike, vielleicht sogar als die erste Mathematikerin überhaupt. Und doch ist es heute, über 1500 Jahre später, vor allem Hypatias Tod, der in der Geschichte in Erinnerung geblieben ist. Denn ihr Tod ist so brutal wie sinnlos: Hypatia wird ermordet.
Sie fangen an, das Gerücht zu verbreiten, dass Hypatia so eine Art Hexe sei, die Orestes verzaubert hat und gegen die Christen hetzt. Und das ist der Punkt, der das Fass zum Überlaufen bringt.
Demian Nahuel Goos
Ihre Ermordung stellt den Höhepunkt der politischen und gesellschaftlichen Spannungen innerhalb Alexandrias dar.
Was wir sonst noch über Hypatia wissen und was wir von ihrem Leben lernen können, besprechen Manon Bischoff und Demian Nahuel Goos von Spektrum der Wissenschaft mit detektor.fm-Moderatorin Rabea Schloz.