Hypatia von Alexandria
März des Jahres 415 nach Christus in Alexandria unter römischer Herrschaft. Eine Frau eilt durch die Straßen der Küstenstadt. Vielleicht weht ihr eine leichte Brise vom Mittelmeer um die Nase. Die Frau ist Philosophin und Mathematikerin. In intellektuellen Kreisen der Stadt gilt sie als universal Gelehrte, als anerkannt und respektiert. Schon seit gut 30 Jahren stehen ihre Lehren sinnbildlich für ein friedliches Miteinander zwischen der traditionellen Philosophie und dem Christentum. Alexandria gilt als eines der wichtigsten Wissenszentren der Spätantike, doch auch die Religionen ringen hier um Macht. Es herrschen Spannungen, bisher aber ist es friedlich in der Stadt. Doch im März 415 ist etwas anders; die Stimmung kippt. Und so stößt die Philosophin auf der Straße auf einen wütenden Mob aus Christen. Was genau sie im Schilde führen, ist noch nicht klar, doch sie wird schnell umzingelt und gefasst. Das ist die Geschichte von Hypatia von Alexandria.
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Geschichten aus der Mathematik. Mein Name ist Rabia Schloz, ich bin Journalistin und Redakteurin bei detektor.fm. Bisher konntet ihr an dieser Stelle ja meine Kollegin Caro Breitschädel hören. Liebe Grüße an dieser Stelle! In Zukunft aber darf ich euch durch diesen Podcast führen. Und nicht fehlen dürfen dafür natürlich auch meine beiden KollegInnen von Spektrum. Ich sage Hallo an Manon Bischoff und Demian Nauel Goos. Hallo ihr beiden!
Hallihallo, Rabia! Es freut mich sehr, dich hier zu haben. Lieben Gruß an Caro! Alles Gute für die Zukunft, und ich hoffe, wir verschrecken dich nicht in Zukunft mit zu viel Mathe. Ich glaube, wir kriegen es hin. Ich habe ja davor auch den Podcast immer mal gehört, sowohl in der Abnahme als auch dann privat. Von daher bin ich ja schon ein bisschen gewappnet und weiß deswegen so ein bisschen, was auf mich zukommt. Und damit das auch unsere HörerInnen wissen, wollen wir doch mal direkt in unsere heutige Folge einsteigen und schauen, was da heute auf uns zukommt.
Wissen ist Macht
Sehr gerne! Wissen ist Macht, was Francis Bacon mal so schön formuliert hat. Das wussten auch schon die BewohnerInnen von Alexandria im vierten Jahrhundert nach Christus. Allerdings gilt in der Küstenstadt noch ein anderer Grundsatz: Über Macht entscheidet auch der Glaube, vor allem der christliche. Unsere heutige Geschichte haben wir ganz im Rahmen des Internationalen Tags der Frauen in der Mathematik ausgesucht. Der ist am 12. Mai zu Ehren des Geburtstags von Maryam Mirzakhani. Über sie haben wir auch schon eine Folge gemacht, und die verlinken wir euch auch in den Shownotes. Wer die also noch nicht gehört hat, kann da auf jeden Fall auch nochmal reinhören.
Unsere heutige Folge gibt Einblicke in das Wissenschaftszentrum der Spätantike. Alexandria gilt damals als das neue Athen, als der Place to be für Gelehrte und jene, die welche werden wollen. Und Alexandria ist auch eine Stadt der Gegensätze: Auf der einen Seite Bildung, Philosophie und wissenschaftliche Tradition, auf der anderen Seite religiöser Fanatismus, politische Intrigen und zunehmende Gewalt. Und in genau dieses Spannungsfeld gerät unsere heutige Protagonistin, Hypatia.
Hypatia als Mathematikerin
Und Hypatia gilt heute als angeblich die erste große Mathematikerin. Ist das denn so, Demian? Also die Antwort auf diese Frage ist erst einmal ein klares Nein. Also schon bei den Pythagoreern, da sprechen wir vom 5. Jahrhundert vor Christus und rund 900 Jahre vor Hypatia, da waren Frauen den Männern tatsächlich schon gleichgestellt, und bei ihnen konnten eben halt entsprechend auch Frauen in der Mathematik machen. Das gilt tatsächlich als gesichert, auch wenn wir keine konkrete Frau aus dieser Zeit mit Namen kennen. Dann lass es uns doch vielleicht mal so formulieren: Hypatia ist die erste große Mathematikerin, über die wir ein paar mehr Informationen haben als über ihre Vorgängerin. Ist das richtig? Ja, schon.
Und welche Informationen haben wir da über sie? Also, sie wird irgendwann zwischen 350 und 370 nach Christus in Alexandria geboren. Sie kommt aus einer gesellschaftlich anerkannten Familie. Ihr Vater Theon ist Mathematiker und der bekannteste Wissenschaftler des Museums von Alexandria. Das ist eine berühmte Einrichtung für Gelehrte und Wissenschaftler. Das ist ja ehrlich gesagt fast schon ein bisschen untertrieben. Also das Museum ist ja das Wissenschaftszentrum der Spätantike und beherbergt in den Jahrhunderten vor Hypatias Geburt die größte Bibliothek ihrer Zeit und gilt heute als so eine Art Blaupause für Universalbibliotheken. Auch wenn das wahrscheinlich zum Zeitpunkt, an dem Hypatia gelebt hat, nicht mehr ganz so krass war.
Und Hypatias Vater Theon ist da ein anerkannter Top-Mathematiker. Also tatsächlich ist er auch der Vater, der in Hypatia das Interesse für die Mathematik und für die Philosophie weckt. Die Tatsache, dass sie sich später der Philosophie und der Mathematik eben auch widmen kann, ist ein Indiz dafür, dass ihre Familie den höheren gesellschaftlichen Schichten angehört, da so etwas ansonsten für Frauen in der damaligen Zeit kaum möglich gewesen wäre.
Wie und was sich Hypatia an Wissen konkret angeeignet hat, das lässt sich teilweise schwer rekonstruieren. Aber als sehr wahrscheinlich gilt, dass sie, sagen wir mal, im Alter von 18, 19, 20 Jahren, also wenn man heutzutage ein Studium beginnen würde, Schülerin in der philosophischen Schule ihres Vaters wird. Der hatte nämlich auch eine eigene Akademie. Dort lernt sie eine Kombination aus Mathematik, Astronomie, Philosophie, wie das eben halt damals so war. Darunter studiert sie zum Beispiel auch das Organon. Das ist das große Werk des Aristoteles. Zu Aristoteles haben wir auch eine Geschichte im Podcast. Hört auch gerne mal rein.
Aber ja, zurück zu Hypatia. Hypatia ist in Mathematik super talentiert und ganz bald wird auch klar, sie ist sogar talentierter als ihr Vater. Aus diesem Grund gilt sie bald schon als seine Nachfolgerin und ja generell die Nachwuchswissenschaftlerin Alexandrias. Nach ihrem Studium in der Schule des Vaters wird sie dann zu seiner Kollegin. In den frühen 380er Jahren übergibt Theon schließlich seiner Tochter Hypatia schrittweise die Leitung der Schule. Er bleibt der Institution zwar lange Zeit als so eine Art Professor Emeritus erhalten, aber jetzt hat Hypatia das Sagen.
Und damit ändert sich teilweise der Lehrplan und die Bücher, die halt gelesen werden. Teilweise aber auch die philosophische Ausrichtung der Schule als Ganzes. Und diese Ausrichtung findet vor allem auch bei den Christen der Stadt besonderen Anklang. Das ist in einer Stadt mit einer christlichen Mehrheit, die sich mit anderen philosophischen Strömungen nicht wirklich identifizieren kann, unglaublich wichtig. Es wird zu einem Erfolgsgaranten für ihre Schule. Und doch sind es, so haben wir es ja ganz zu Beginn in der Folge schon gehört, wütende Christen, die Hypatia umzingeln und verschleppen. Wie es dazu kommen konnte und was da passiert ist, das verraten wir euch gleich.
Hypatias Einfluss
Manon, wir haben eben schon von Demian gehört, dass Hypatia als eine der ersten Mathematikerinnen gilt, wenn auch sie wohl nicht wirklich die Allererste war. Und trotzdem hatte sie ja großen Einfluss auf die damalige Zeit. Was ist denn von ihrer Mathematik heute noch übrig? Also ich muss sagen, im Studium habe ich jetzt keine expliziten Werke von ihr gesehen. Es gibt zahlreiche Hinweise, die darauf deuten, dass sie mathematisch tätig war. Aber leider besitzen wir halt kein Werk von dem wir wissen, dass sie es wirklich verfasst hat.
So gar nichts? Also keinen Satz der Hypatia oder irgendwas, was man so in der Schule vielleicht mal noch lernen könnte? Nee, also den Satz der Hypatia gibt es nicht. Aber ganz nebenbei, das würde jetzt auch gar nicht so super viel aussagen. Also nehmen wir mal zum Beispiel den Satz des Pythagoras. Das dürfte ja wohl der bekannteste irgendwie unter den Laien sein. Mittlerweile wissen wir, dass der Satz des Pythagoras gar nicht von Pythagoras stammt. Der war nämlich schon viel, viel früher bekannt. Also heute geht man davon aus, dass Pythagoras die Formel in Griechenland bekannt gemacht hat. Daher wohl der Name. Aber das ist eine andere Geschichte. Also wahrscheinlich sollten wir auch mal Pythagoras eine ganze Folge widmen.
Ja, das ist dann vielleicht eher ein Problem für Zukunftsmanon und Zukunftsdemian. Lassen Sie uns jetzt aber vielleicht erst mal bei Hypatia bleiben. Wenn so gar kein Werk aus der Mathematik von ihr bekannt ist, woher wissen wir denn dann, dass sie so eine erfolgreiche Mathematikerin war? Also das ist geschichtlich gesichert. Es gibt mehrere verschiedene Quellen, die sie halt als Mathematikerin nennen. Und sie hat an mehreren extrem einflussreichen Mathematikbüchern gearbeitet als Kommentatorin. Das bedeutet, das kann man sich mehr oder weniger wie eine Lektorin heute vorstellen oder so eine Herausgeberin. Also sie hat die Texte ihrer Kollegen aufbereitet, ergänzt und teilweise auch noch übersetzt.
Also ist sie quasi mit dem Rotstift einmal so über die Gedanken der anderen drüber gegangen. Also das würde ja vielleicht auch so ein bisschen zu ihrer Rolle als Lehrerin in der Spätantike passen, oder? Ja, auf jeden Fall. Aber da steckt damals natürlich noch viel, viel mehr dahinter. Also man muss lesen können, schreiben und den Inhalt halt auch verstehen. Und das ist für Hypatia als Universalgelehrte natürlich jetzt nicht so das Problem. Aber damals gab es ja zum Beispiel auch keinen Buchdruck oder Kopiere. Das heißt, die Werke musste sie von Hand abschreiben und ergänzen. Tatsächlich war das früher die Regel. Also Texte wurden abgeschrieben und ergänzt.
Und die Werke, die wir jetzt heute als Originale bezeichnen, das sind in Wirklichkeit Kommentare. Das ging ja sogar bis ins 19. Jahrhundert ganz ähnlich so. Also viele MathematikerInnen haben die Werke anderer übersetzt oder zum Beispiel den Nachlass Verstorbener herausgegeben und haben diese Gelegenheit dazu genutzt, so ein paar Kapitel einfach hinten anzufügen. Und manchmal waren diese paar Kapitel, diese eigenen Kapitel, genauso lang wie das eigentliche Werk, das sie halt kopiert haben. Und dadurch hat man ja dann auch erheblichen Einfluss auf den Inhalt und auch darauf, welches Wissen genau weitergegeben wird.
Absolut. Also deswegen sollte man auch nicht unterschätzen, welche Beiträge KommentatorInnen wie Hypatia damals geleistet haben. Das ist wohl auch mit ein Grund, warum Hypatia, obwohl sie jetzt keine eigenen mathematischen Werke geschrieben hat, auch heute noch als einflussreiche MathematikerIn gilt. Und ihre Arbeit hatte ja auch noch den Mehrwert, dass wenn Personen keine Lehre haben, ihnen die kommentierte Version eines Lehrstücks geholfen hat, um die Inhalte besser zu verstehen und zu begreifen. Das hat die Inhalte natürlich auch viel mehr Menschen zugänglich gemacht als nur jenen, die sich jetzt Zugang zu einer gelehrten Schule leisten konnten.
Für diese Arbeit braucht man also nicht nur Fachwissen, sondern ja auch didaktisches Geschick. Wenn am Ende nur Kauderwelsch steht, dann bin ich ja nach dem Lesen von so einem Kommentar auch nicht wirklich schlauer als vorher. Ja, genau. Also viele HistorikerInnen vermuten, dass einige Passagen in antiken Mathebüchern von Hypatia selbst stammen. Aber welche genau, es lässt sich halt meistens nicht wirklich mit Sicherheit sagen. Denn da wurde ja auch nicht immer haargenau festgehalten, wer jetzt genau was geschrieben hat.
Aber kannst du trotzdem sagen, um welche Bücher es sich handelt? Also ich meine, wir sind hier im Podcast über Mathematik, da brauchen wir doch irgendwas Handfestes, irgendwas mit Zahlen und Buchstaben. Okay, das lasse ich mir natürlich nicht zweimal sagen. Das habe ich befürchtet. Also einmal gibt es die Konika von Apollonius von Perge, dann geht es um das Almagest von Claudius Ptolemaeus und um die Arithmetika von Diophantus von Alexandria.
Okay, das sagt mir jetzt nicht alles, wenn ich ehrlich bin. Kein Problem, aber du hast in der Schule wahrscheinlich einige der dort dargestellten Konzepte tatsächlich gelernt. Also fangen wir mal mit Ptolemaeus an. Das ist wohl der bekannteste der Gelehrten. Das dürfte auch der Grund sein, ich zumindest über den, was weiß. Denn der hat das ptolemäische Weltbild geprägt, also die Vorstellung, dass die Erde im Zentrum des Universums ist und alles andere dreht sich quasi so ein bisschen um uns herum.
Ja, genau, also das ist ja auch erst mal recht naheliegend, wenn man in den Himmel so schaut. Also der Fixsternhimmel, der scheint uns ja zum Kreisen, ebenso wie die Sonne und der Mond. Und in seinem Buch beschreibt Ptolemaeus, wie genau sich die Himmelskörper bewegen und wie man deren Position berechnen kann. Also das ist ja schon auch eher so ein bisschen Richtung Astronomie. Das stimmt, und das passt auch ganz gut zu dem, was wir über Hypatia wissen. Also überliefert ist ja, dass sie mit ihrem Vater daran gearbeitet hat und es ergänzt haben soll. Ihr Vater beschreibt sie als ihm fachlich überlegen, und sie hat zumindest an einem Kapitel umfangreich gearbeitet und damit dann womöglich auch die Vorstellung dieses Weltbildes geprägt und weitergetragen. Wobei wir ja sagen müssen, dass ihre Vorstellungen von damals heute als widerlegt gelten. Aber klar, mit der Zeit erfahren wir natürlich auch mehr und haben bessere Methoden, um sie etwas zu überprüfen. Also ist jetzt auch nicht so, als kann man das Hypatia vorwerfen, dass sie das zum damaligen Zeitpunkt so gesehen hat.
Hypatias Werke
Was gibt es denn noch von Hypatia? Also als nächstes können wir uns die Konika von Apollonius von Perga anschauen. Leider ist hierbei die kommentierte Version von Hypatia verloren gegangen, denn wir haben nur die arabischen Versionen der Schrift. Dennoch gibt es in Quellen wie der Suda, also dem bekanntesten Lexikon des Oströmischen Reichs, Hinweise darauf, dass sich Hypatia mit dem Text beschäftigt hat.
Und worum geht es darin? Apollonius hat sich unter anderem angeschaut, wie Kegelschnitte aussehen können. Ist jetzt ein bisschen schade, dass wir keinen Videopodcast haben, sonst könntet ihr jetzt nämlich sehen, wie ich so meine Arme wie so ein kleines Kegelhütchen über meinen Kopf halte, wie so ein Verkehrshütchen. Das sind doch Kegelschnitte, oder? Also das kann man, das macht man ja. Ja, genau, so ein Verkehrshütchen ist auf jeden Fall das richtige Bild. Und Apollonius hat sich überlegt, welche Form die Schnittfläche hat, wenn man das Hütchen zersägt.
Also ich weiß jetzt nicht, ob du auch eine Kettensäge da hast oder generell eine Säge? Zufällig, also eine Säge hätte ich im Keller. Eine Kettensäge jetzt leider nicht. Aber wenn ich jetzt mal bei meinem kleinen Verkehrshütchen auf meinem Kopf bleibe, dann würde ich ja sagen, wir schneiden das einmal durch und ich schneide jetzt einmal, keine Ahnung, waagerecht. So, und dann habe ich ja eine kreisförmige Fläche, weil ich schneide den Zipfel oben ab und dann ist es rund, wenn ich von oben drauf gucke. Genau, richtig.
Aber du könntest das Hütchen ja auch schräg durchschneiden. Also in diesem Fall hast du dann entweder eine Ellipse oder eine Parabel. Ellipsen sind ja so langgezogene Kreise, also so ein bisschen wie so ein umgekipptes Ei. Ja, genau, also das ist lustigerweise auch die Form unserer Planetenbahn zum Beispiel. Das wissen Hypatia und ihre Zeitgenossen aber natürlich noch nicht. Das wird zwar manchmal behauptet, wenn man googelt, weil sie sich ja auch mit Ptolemäus Texten zur Astronomie beschäftigt hat. Aber es gibt wirklich keinerlei Hinweise darauf, dass sie wusste, dass die Planeten ellipsenförmige Bahnen haben.
Und die dritte Art von Kegelschnitt, also die Parabeln, die kennst du vielleicht noch aus der Schule. Also das sind die Graphen von quadratischen Funktionen, also von Gleichungen mit x hoch 2. Hier so eine x-Achse und eine y-Achse und dann geht es auf der einen Seite steil runter und auf der anderen Seite geht es steil wieder hoch, so wie so eine Achterbahn. Und wenn man das Parabellenial vergessen hat, dann musste man diesen ganzen Kramer noch frei Hand zeichnen.
Ja, und Hypatia musste das wahrscheinlich sogar auch machen. Also ich glaube nicht, dass sie ein Parabellenial hatte. Nee, wahrscheinlich nicht, die arme Frau. Aber ich denke nicht, dass das das größte Problem war. Naja, also sie hat sich ja auch mit anderen, teils sehr, sehr viel aufwändigeren Sachen beschäftigt. Der Arithmetiker von Diophantus zum Beispiel. Die bestanden eigentlich aus 13 Bänden, aber es sind nur noch 10 übrig geblieben. Und von denen hat sie wohl einige kommentierte Versionen halt erstellt. Und in diesen werden etliche Aufgaben rund um Gleichungen vorgestellt, inklusive Lösungen.
Dann haben wir doch fast ein eigenes Werk von Hypatia, wenn sie da sogar so krass mitgearbeitet hat, dass die Versionen noch von ihr sind. Ja, zumindest einige der Aufgaben stammen vermutlich wirklich aus ihrer Hand. Das Aufgaben aus Diophantus Buch, die prägen die mathematische Forschung noch heute. Muss man überlegen, das ist ja über 1500 Jahre alt, dieses Teil. Was rechnet man denn da heute noch rum? Ist das alles so komplex oder warum ist das heute noch so relevant?
Also Diophantus hat sich unter anderem dafür interessiert, welche ganzzahligen Lösungen eine Gleichung haben kann. Also das lässt sich auch geometrisch ausdrücken: Wie viele ganzzahligen Punkte liegen zum Beispiel auf einem Funktionsgrafen wie einer Parabel? Also der Achterbahn. Genau. Und es gibt bis heute noch keinen systematischen Weg, um das auszurechnen. Das hatten wir in der Folge zu Nico Jordan besprochen, also dem rumänischen Präsidenten. Da kann man sich dieses Problem noch mal genauer anhören. Verlinken wir euch auch in den Show Notes. Und tatsächlich knabbert die Mathewelt da heute noch dran.
Zum Beispiel wurde der diesjährige Abelpreis, also so eine Art Nobelpreis der Mathematik, an Gerd Faltings verliehen, und der hat genau solche Fragestellungen bearbeitet. Das ist ja irgendwie schon krass. Das hätte ich gar nicht gedacht, dass so tausende Jahre alte Aufgaben doch heute Probleme darstellen. Man hätte ja meinen können, irgendjemand hätte sie mal lösen können. Ja, ich finde es auch immer wieder verrückt. Und frustrierend ist es, dass wir halt nicht wissen, wie viel davon eventuell sogar auf Hypatia zurückgeht.
Und sie ist ein gutes Beispiel dafür, wie wertvoll man als Mathematiker oder Mathematikerin sein kann, auch wenn man kein besonders wichtiges Problem gelöst hat. Also oft gelten ja vor allem die Mathematiker als besonders klug oder angesehen, die auch Lösungen präsentieren. Aber Hypatia ist halt echt ein gutes Beispiel dafür, dass man die Mathematik mit seinen Gedanken auch prägen und voranbringen kann, selbst wenn man am Ende auch noch zu keinem Ergebnis kommt. Und irgendwie finde ich auch die Vorstellung schön, dass wenn wir diese alten Werke lesen, dann auch höchstwahrscheinlich Passagen von Hypatia mitlesen.
Quellenlage zu Hypatia
Demian, wir haben jetzt auch schon von Manon oft gehört, es ist nicht ganz klar, Quellenlage ist dünne, Werke sind nicht mehr so richtig vorhanden. Das ist ja oft so die Krux bei solchen historischen Persönlichkeiten. Oft sind es dann eben auch Erzählungen von Erzählungen von Erzählungen. Und alle, die die Geschichte erzählen, geben natürlich auch nochmal ihren eigenen Senf dazu. Deswegen ist es immer ein bisschen schwierig nachzuvollziehen, was denn dann tatsächlich passiert ist. Wie ist das Ganze denn bei Hypatia? Wie sind da die Quellen?
Schwierig, ganz kurz zusammengefasst. Aber ja, als ich mit der Recherche zu Hypatia angefangen habe, ist mir halt schnell aufgefallen, was ich ja würde mal sagen schwierig finde. Hypatias Leben und insbesondere ihr Tod wurde und wird immer wieder instrumentalisiert. Die Geschichtsschreibung war früher sehr sexistisch und das liest sich auch immer wieder bei den Quellen zu Hypatia. Und heute, ja, würde ich sagen, ging es in die andere Richtung. Sie ist so eine Art feministisches Idol in der Wissenschaft.
Und ich habe jetzt für die Folge versucht, sagen wir mal, all diese Verzerrungen auszuklammern, was nicht wirklich einfach ist. Aber es gibt schon auch ein paar ganz coole Erstquellen zu Hypatia. Konkret sind es Briefe von einem Schüler Hypatias an die Philosophin, die unterhalten blieben. Und sein Name ist Sinesius von Kyrene. Jetzt muss ich aber sagen, so als Schüler ist man da vielleicht auch nicht ganz unbefangen. Also ich würde jetzt meinem Lehrer von früher keinen hasserfüllten Brief schreiben oder so.
Kommt auf den Lehrer an. Aber ja, nein, Gott will ja natürlich. Aber ich finde die Briefe super spannend. Also er schreibt viel über Politik, Gesellschaft und Religion. Und viele seiner Briefe sind uns halt tatsächlich erhalten. Besonders eben auch an Hypatia. Eine erste Beobachtung zu diesen Briefen: Mir ist halt direkt aufgefallen, dass viele seiner Briefe nicht wirklich wie Briefe klingen, wenn man sie einfach mal durchliest, sondern vielmehr wie literarische Werke oder öffentliche Reden.
Und es stellt sich heraus, dass damals ganz oft solche Briefe mit dem Hintergedanken verfasst wurden, dass sie dann beim Adressaten laut vorgelesen werden. Und daher dieser eher literarische Stil fand ich super interessant. Also waren Briefe im Grunde ja die Sprachnachrichten der Antike? Kann man das so sagen? Absolut! Fänd ich ja ganz persönlich sehr grauenvoll. Bin kein Fan von Sprachnachrichten.
Was stand denn da so drin in diesen Briefen? Also aus seinen Briefen kann man sehr viel über Hypatia selbst erfahren. Sinesius selbst gilt als einer ihrer treuen Schüler, der ihre Lehren voll übernommen hat. Und er schreibt ihr halt, als er die Ausbildung bei ihr bereits beendet hat und wieder zurück zu Hause in Kirene ist. Er ist halt selbst Christ und schafft es, seine Philosophie und seinen Glauben miteinander zu verbinden, was damals nicht wirklich typisch war.
Und hier ein Beispiel, wie er einmal einen Brief an sie anfängt. Ich zitiere: Also mir gefällt, dass man wirklich diesen Respekt da liest, aber auch die Nähe zwischen Hypatia und den Schülern. Und es gibt unzählige solche kleinen Indizien über diese besondere Beziehung, die sie zu ihren Schülern hatte. Da muss ich aber noch mal kurz einhaken. Ich stolpere da so ein bisschen. Also klar ist es natürlich, wie du sagst, ein bisschen anders geschrieben, als wir heute vielleicht schreiben würden. Aber vor allem anders finde ich dieses Mutter, Schwester, Lehrerin und Wohltäterin. Wie muss man sich das vorstellen? Ist das so Mutter Teresa-mäßig? Oder wo kommt das her?
Ja, also solche Begriffe wie Mutter, die könnte man vor allem aus moderner Sicht irgendwie ein bisschen sexistisch interpretieren. Das darf man tatsächlich in diesem Fall nicht wirklich. Denn diese Bezeichnung kommt aus einer Tradition der Platoniker rund 800 Jahre zuvor. Damals wurden Lehrer als Eltern der Seele verstanden. Es wird auch schnell klar, dass die beiden einander vertrauen. So schickt er zwei Verwandte nach Alexandria zu ihrer Schule. Hier noch mal ein Zitat: „Ich betrachte dich neben der Tugend selbst als das einzig Unversehrte. Du besitzt stets Macht und mögest du sie lange haben und sie weise einsetzen. Ich empfehle dir Nikaios und Philolaos, zwei ausgezeichnete junge Männer, die durch Verwandtschaft verbunden sind.“
Das war zum Beispiel eine Frage, die mir halt aufkam: Wie gelangen eigentlich Schüler in diese philosophische Schule? Ich denke, man könnte jetzt diesen Brief als Empfehlungsschreiben bezeichnen oder als Vetternwirtschaft. Aber ich glaube, das war damals nicht so problematisch wie heute. Was man aber auch sieht, ist dass Hypatia einen ungeheuren Einfluss hat. Und dass man halt zu ihrer Schule geht, wenn man was werden möchte. Hypatias Schule ist so etwas wie eine Harvard University, was das Prestige angeht.
Und in diesem Brief kann man auch sehen, wie hoch Sinesios Hypatias Urteil schätzte. An einer anderen Stelle fragte er halt nach Feedback zu seinen eigenen Büchern und fragte halt eben nach Rat zu seinen negativen Erfahrungen. Das alles Jahre, nachdem er schon die Schule Hypatias verlassen hatte. Und heute wissen wir übrigens, dass eines der Bücher von Sinesios nur veröffentlicht wurde, weil es eben von Hypatia abgesegnet wurde. Ich glaube, diese Briefe zeigen halt generell, welchen Stellenwert Hypatia als Intellektuelle hatte. Nicht nur in Alexandria, sondern auch weit darüber hinaus.
Also klar, das sind jetzt natürlich Briefe eines offensichtlich sehr angetanen Schülers. Das darf man natürlich immer nicht überinterpretieren. Allerdings kennen wir ja auch aus anderen Quellen, einfach wissen wir ja, dass Hypatia eben sehr angesehen war und eine hohe Stellung in Alexandria hatte. Und du hast ja auch gesagt, Sinesios selbst war Christ.
Du Du hast das vorhin einfach so in einem Nebensatz erwähnt und hast auch gesagt, dass er das aber trotzdem mit seiner Philosophie vereinbaren konnte. Tatsächlich ist es aber so, dass du das sehr bewusst gesagt hast. Das spielt nämlich in diesem Kontext eine unfassbar wichtige Rolle.
Das wird nämlich klar, wenn man sich Alexandria von damals mal genauer anschaut. Das Christentum, das ist ja noch gar nicht so alt zum damaligen Zeitpunkt. 400 Jahre sind in Religionsjahren ehrlich gesagt noch nichts, wenn man sich überlegt, dass das Judentum mehrere tausend Jahre alt ist. Hypatia selbst ist Paganistin, also gehört zum damaligen Heidentum. Und damit ist sie in Alexandria natürlich nicht alleine. In der Stadt leben viele Strömungen und Religionen zusammen, und das geht auch lange Zeit gut.
Ja, bis 412 nach Christus. In diesem Jahr stirbt der damalige Patriarch von Alexandria. Patriarch, das ist sowas wie das christliche Oberhaupt in Alexandria. Und der hatte zwar damals schon Minderheiten verfolgt und benachteiligt, aber alles in allem konnte man noch ganz gut zusammenleben. Als sein Neffe Kyril als Nachfolger ausgewählt wird, spitzt sich die Lage aber zu. Und damit kommt es vermehrt zu Konflikten in der Stadt.
Denn Kyril selbst hatte seine Ausbildung zum Patriarchen nicht völlig beenden können, als ihm die neue Rolle des Patriarchen zukam. Wie muss man sich da so eine Ausbildung vorstellen? Lernt man da, Zepter zu schwingen und zu regieren? Also ich denke mal, man lernt das, indem man den Patriarchen begleitet, die Tagesgeschäfte beobachtet, wie Verhandlungen aussehen, wie Gespräche und generell die Rolle des Patriarchen wahrgenommen wird. Und das ist so eine Art Ausbildung zum Patriarchen.
So eine Art, wie würden wir heute sagen, Auszubildender oder Praktikant. Genau, man läuft so mit, guckt mal so ein bisschen, was man da so macht. Okay, das hat er aber nicht vollständig beendet, weil der Patriarch eben frühzeitig, früher als erwartet, gestorben ist. Genau. Entsprechend hat er jetzt keine natürliche Autorität. Also nicht Autorität im positiven Sinne, meine ich natürlich.
Und das macht er halt im Wett mit Gewalt und Willkür. Das war sein Ansatz, um sich eben seine eigene Macht zu sichern. Ist ja nicht selten der Fall. Ja, eben. Also wenn ich sowas schon höre, dann weiß ich ja eigentlich schon, was als nächstes passiert. Also ich kenne wirklich kein historisches Beispiel, bei dem so ein kleines Männlein an die Macht kommt und seine Komplexe dann irgendwie mit Willkür und Gewalt auszugleichen versucht.
Und am Ende ist dann alles friedefreie Eierkuchen. Wie läuft es denn hier ab? Ja, es läuft auch hier nicht wirklich gut. Also was folgt, ist ein Konflikt zwischen den verschiedenen Parteien, also Christen, Juden, Heiden, aber auch die weltlichen und die religiösen Herrscher. Das alles ausgelöst von Kyril selbst. Der möchte nämlich eine jüdische Minderheit durch Androhung kontrollieren, was ihm aber nicht wirklich gelingt.
Die Juden der Stadt sind empört, und es kommt auf den Straßen zu Gefechten zwischen Christen und Juden. Das führt zu Plünderungen von Synagogen. Und man kann ja schon erkennen, dass hier etwas aus dem Fugen gerät. Und jetzt kommt der römische Stadthalter ins Spiel. Das wäre sowas wie der weltliche Herrscher in der Region. Der heißt Orestes und der greift jetzt ein.
Es ist eben seine Aufgabe, dass die Stadt wieder unter Kontrolle gerät. Und so ziemlich jede Aktion der beiden, jetzt Kyril und Orestes, heizt den Konflikt weiter an. Einer sucht zum Beispiel die Unterstützung des Kaisers in Konstantinopel, der andere aktiviert gewaltbereite Straßenkämpfer. Und so geht es immer weiter.
Und wie passt Hypatia da rein? Beteiligt sie an diesen Kämpfen? Also nicht direkt, soweit wir wissen zumindest. Aber Orestes, der Stadthalter, der bittet sie halt um Hilfe. Philosophen sind schon seit jeher als politische Berater tätig. Es ist also ein natürlicher Schritt. Außerdem ist Hypatia neutral. Sie hat keine Vorgeschichte, weder mit der einen Seite noch mit der anderen.
Und wie wir halt gesehen haben, steht ihre Schule für ein friedliches Miteinander verschiedener Kulturen, Regionen und Weltanschauungen. Sie ist eigentlich perfekt, um als harmonisierende Instanz zu agieren. Sie trifft sich halt mit Orestes und weiteren Eliten der Stadt, um eben zu diskutieren, wie der Konflikt wieder unter Kontrolle gebracht werden könnte. Und damit gerät sie ja dann zwischen die Fronten.
Genau, denn das versetzt jetzt Kyril und sein Lager in Rage. Warum genau, ist jetzt schwer zu rekonstruieren. Aber vermutlich wird jetzt Hypatias Einflussnahme im Konflikt als ein Konflikt der Orestes, den Christentum den Rücken kehrt. Was natürlich die religiösen Fanatiker um Kyril herum als Provokation verstehen. Sie fangen an, das Gerücht zu verbreiten, dass Hypatia so eine Art Hexe sei, die Orestes verzaubert hat und gegen die Christen hetzt.
Und das ist der Punkt, der das Fass zum Überlaufen bringt. Jetzt gehen die Fanatiker auf die Straßen und suchen Hypatia und finden diese auch, als diese vermutlich nichts ahnend durch die Gassen der Stadt geht. An diesem Tag stirbt Hypatia, vermutlich qualvoll und wohl auch recht brutal. Mehr ins Detail müssen wir hier, glaube ich, nicht gehen.
Aber ja, ihre sterblichen Überreste werden schließlich außerhalb der Stadt eingeäschert. Das ist übrigens ein Zeichen dafür, dass sie wirklich für eine heidnische Magierin oder sowas da eben halt gehalten wurde. Denn es war damals Tradition, Kriminelle und Ausgestoßene außerhalb der Stadt einzuäschern, um die Stadt von deren Einfluss zu säubern.
Das ist ja schon auch ein starker Kontrast zu ihrem bisherigen Leben. Also sie war ja in Alexandria eigentlich über die Jahre hoch angesehen und plötzlich wird sie außerhalb der Tore bestattet, nachdem sie brutal ermordet wurde. Was für ein Kontrast zu ihrem Leben eigentlich. Absolut.
Also hier muss man auch sagen, Wissenschaftler gehen heute deswegen auch davon aus, dass ihr Tod vermutlich nicht das eigentliche Ziel von Kyril war. Wahrscheinlicher ist es, dass man sie halt einschüchtern wollte, damit sie sich vom Konflikt fernhält. Und irgendwie ist das dann auch aus dem Ruder gelaufen. Eine Sache ist aber sicher: Die Ermordung Hypatias schockierte das gesamte römische Reich.
Es war damals nicht üblich, dass Gelehrte und Intellektuelle wie Hypatia ermordet werden, schon gar nicht so brutal und öffentlich. Das erkennt man auch daran, dass ihr Tod so sehr in Erinnerung geblieben ist, also bis heute. Die Ermordung Hypatias hatte weitreichende negative Folgen für Kyril, der für die aufgeheizte Stimmung in Alexandria eben verantwortlich gemacht wird und auch dafür, die Werte des Christentums verraten zu haben.
Das hat in der Stadt ziemlich viel Macht und Einfluss gekostet. Der Konflikt endet unmittelbar nach dem Tod Hypatias. Alle Parteien befürchten, dass alles noch weiter eskalieren wird und außer Kontrolle geraten wird, wenn jetzt nicht alles beendet wird. Was für ein unfassbar sinnloser Tod eigentlich.
Ja, also Hypatia gilt als eine Gelehrte, die ihr Wissen im Dienste der Gesellschaft einsetzt. Mit ihrem Tod geht eine wesentliche Säule der alexandrinischen Philosophie verloren. Sie hat keine Nachfolger ausgebildet, sodass mit ihrem Tod auch ihre Schule ein Ende findet. Das kulturelle und intellektuelle Leben Alexandrias stagniert jetzt.
Dabei wird sie vor allem für ihren brutalen Mord in Erinnerung bleiben, wegen der politischen Umstände, die dazu geführt haben. Aber auch, weil er in einem kaum größeren Kontrast zu dem stehen könnte, was Hypatia in ihrem Leben verkörpert hat: den Zusammenhalt einer Gesellschaft trotz unterschiedlicher Weltanschauungen und das grenzenlose Streben nach Wissen und Weisheit im Dienste der Allgemeinheit.
Ich finde es deswegen auch wichtig, dass wir noch einmal auf ihr großes Wirken eingehen, damit ihr Tod nicht das Letzte ist, was wir hier über sie hören. Manon, was würdest du denn sagen, was ist Hypatias Erbe für die Mathematik? Ob sie jetzt tatsächlich die Mathematik bis heute geprägt hat, das kann ich jetzt nicht mit Garantie sagen.
Aber ich glaube, dass sie so oder so eine zentrale Figur in der Geschichte der Mathematik ist. Zum einen, weil sie eben eine unfassbar kluge Frau gewesen sein muss, die die Mathematik und Philosophie eben zur damaligen Zeit geprägt hat. Und zum anderen, weil sie erheblich dazu beigetragen hat, die nächste Generation MathematikerInnen und PhilosophInnen auszubilden.
Also sie hat ihr Wissen weitergegeben, sie hat junge Leute für die Mathematik begeistert, und sie selbst wurde ja auch durch ihren Vater erst zur Mathematik gebracht. Ich finde, wenn man das alles zusammen nimmt, dann steht Hypatia ganz symbolisch dafür, dass man andere für Mathematik begeistern kann.
Also redet mit euren Freunden, mit euren Kindern darüber. Nicht immer nur: „Ach, ich war so schlecht in Mathe“, sondern auch mal das Interesse wecken, selbst wenn es einem vielleicht nicht ganz so sehr liegt. Demjan, was ist dein Take-away? Ich denke, man sieht sehr gut, wie schnell eine Situation außer Kontrolle geraten kann, wenn man immer mehr den Konflikt nährt und das Gegenüber entmenschlicht oder?
Das auf jeden Fall. Und damit beenden wir die heutige Geschichte aus der Mathematik. Vielen lieben Dank euch beiden. In der nächsten Folge widmen wir uns dann einem Mann mit einem äußerst ungewöhnlichen Lebenslauf. Ein Mann, der dafür gesorgt hat, dass die Mathematik abstrakter denn je wurde.
Also genau mein Ding. Wenn ihr schon eine Idee habt, wer es sein könnte, dann schreibt uns doch einfach in die Kommentare, dort, wo ihr diesen Podcast hört. Wir freuen uns auf eure Tipps. Ciao und bis zum nächsten Mal. Tschüss!
Geschichten aus der Mathematik ist eine Kooperation vom Podcast Radio detektor.fm und Spektrum der Wissenschaft. Die Idee für den Podcast und die Story kommen von Demjan Nauel Gos, die Mathematik erklärt hat. Manon Bischoff. Die Musik kommt von Tim Schmutzler. Die Folge produziert hat Benjamin Serdani. Und die Moderation kommt von mir, Rabea Schlotz. Alle Folgen findet ihr auf detektor.fm und spektrum.de. Untertitel der Amara.org Community.