Mission Energiewende | Kommunale Energiewende

„Es ist nicht nur Idealismus, es hat harte finanzielle Vorteile“

„Wenn es um die Energiewende geht, dann haben sich die Kommunen auf den Weg gemacht“. Das ist das Ergebnis einer Befragung unter 600 Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern, die die Initiative Klimaneutrales Deutschland und die Organisation heimatwurzeln im Frühling 2026 durchgeführt haben. Wie funktioniert Energiewende eigentlich da, wo sie passiert?

Lokal der Energiekrise trotzen

In der niedersächsischen Gemeinde Bakum zeigt sich, wie Energiewende auf kommunaler Ebene funktionieren kann: Bereits seit 2009 werden die meisten öffentlichen Gebäude mit Abwärme aus Biogasanlagen beheizt. Schulen, Sporthallen, Rathaus und Schwimmbad profitieren von einem lokalen Wärmenetz, das die Heizkosten über Jahre hinweg stabil gehalten hat. Während der Energiekrise mussten viele Schwimmbäder ihre Temperaturen senken oder schließen — in Bakum blieb das Wasser warm, erklärt Bürgermeister Tobias Averbeck.

Es war eher eine Stehparty, als dass noch an Schwimmen gedacht werden konnte. Und diejenigen, die das erste Mal kamen, die hatten alle noch Neoprenanzüge an — für zwei Minuten, dann merkte man: ‚Oh, hier ist es doch warm. Hier können wir es aushalten!‘

Tobias Averbeck, Bürgermeister von Bakum in Niedersachsen

Foto: Tobias Averbeck

Heute decke die Gemeinde rund 93 Prozent ihres Wärmebedarfs in kommunalen Gebäuden über erneuerbare Quellen. Auch beim Strom setzt die Kommune auf Eigenversorgung. Mehrere Photovoltaikanlagen wurden auf öffentlichen Gebäuden installiert und über einen gemeinsamen Netzanschluss mit Batteriespeicher verbunden. Dadurch können Schule, Sporthalle, Schwimmbad, Kita und Rathaus gemeinsam mit Solarstrom versorgt werden. Überschüsse fließen in eine kommunale Ladesäule, deren Preise flexibel angepasst werden.

Akzeptanz durch Beteiligung

Ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Energiewende vor Ort, erklärt Averbeck, ist die Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern. Bei einem Windparkprojekt wurde eine Energiegenossenschaft gegründet, an der sich Hunderte Menschen beteiligen. Dadurch profitieren viele direkt von den Anlagen und nicht nur einzelne Investoren und Investorinnen. Aus anfänglicher Skepsis wurde Unterstützung.

Da, wo man den Menschen deutlich macht, dass sie an den Projekten der anderen oder an den Projekten der Kommune teilhaben können, auf ganz unterschiedliche Arten und Weisen, zahlt das unglaublich auf das Konto der Akzeptanz ein. Das ist Wahnsinn!

Tobias Averbeck

Kommunen sollten nicht auf perfekte Rahmenbedingungen warten, findet Averbeck, sondern mit ersten Projekten starten — Fehler gehörten dazu. Gleichzeitig fordert er einfachere Genehmigungsverfahren und weniger Bürokratie, damit lokale Energieprojekte schneller umgesetzt werden können.

Tobias Averbeck, CDU, ist studierter Diplom-Verwaltungsbetriebswirt und Bürgermeister der Gemeinde Bakum im Landkreis Vechta in Niedersachsen. Rund 7.000 Menschen leben dort. Was Averbeck in fast 13 Jahren als Bürgermeister in Bakum gelernt hat, das erfahrt Ihr in dieser Folge von „Mission Energiewende“ mit detektor.fm-Moderatorin Ina Lebedjew.

Redaktion