Mission Energiewende | Tourismus & Nachhaltigkeit

„Die Konsequenzen sind den allermeisten noch gar nicht bewusst“

Malmö oder Mallorca? Flugscham oder Zugstolz? Balkonien oder Dubrovnik? Mit dem Sommer kommt die Zeit für Urlaub, Erholung, Abschalten vom Alltag. Er bringt aber auch jede Menge Arbeit für Reiseveranstalter, das Hotel- und Gaststättengewerbe, die Kreuzfahrtbranche, Fluggesellschaften. Tourismus und Nachhaltigkeit in Zeiten der Klimakrise — wie passt das zusammen?

„Unplanbarkeit“ — Klimakrise verändert das Reisen

Die Klimakrise macht den Tourismus zunehmend unberechenbar. Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen und Stürme verändern Urlaubsziele weltweit und zwingen Reisende wie Anbieter zum Umdenken. Kein Verlass mehr auf Regen- oder Trockenzeit, Hotels investieren in Klimaanlagen und auch die Infrastruktur gerät an ihre Grenzen — von überhitzten Bahnstrecken bis zu beschädigten Straßen. Gleichzeitig steigen die Kosten: Ernteausfälle, Extremwetter und eine sinkende Auslastung in besonders heißen Regionen treiben die Preise nach oben.

Wir haben tatsächlich auch in Deutschland Hitzetote. Das ist erst der Anfang — wir müssen uns auf noch heißere Sommer und damit auch auf höhere Kosten einstellen.

Prof. Dr. Harald Zeiss, Experte für nachhaltigen Tourismus

© Christian Wyrwa

Besonders Mittelmeerländer könnten langfristig Gäste verlieren, wenn sich Reisende verstärkt für kühlere Ziele wie Skandinavien entscheiden — ein Phänomen, das in den vergangenen Jahren unter dem Namen „Coolcation“ bereits diskutiert wurde. Doch auch dort fehlt vielerorts die touristische Infrastruktur für einen massiven Besucherzuwachs. Hinzu komme, dass viele Menschen in klassischen Urlaubsländern wirtschaftlich vom Tourismus abhängig seien und von dieser Entwicklung unmittelbar betroffen wären.

Nachhaltig reisen: Frage der Prioritäten

Bei der tatsächlichen Buchung von Reisen spielt der Faktor Nachhaltigkeit bislang nur eine untergeordnete Rolle, erklärt Harald Zeiss, Experte für nachhaltigen Tourismus.

Viele Menschen sagen, Nachhaltigkeit sei ihnen beim Reisen wichtig. Sobald sie aber tatsächlich buchen, entscheiden meist der Preis, die Bequemlichkeit oder der nächstgelegene Flughafen. Zwischen Anspruch und Verhalten gibt es noch immer eine große Lücke.

Prof. Dr. Harald Zeiss

Umso wichtiger seien politische Maßnahmen wie klimafreundlichere Infrastruktur, effizientere Flugrouten und der Ausbau erneuerbarer Energien. Auch kleine Veränderungen könnten demnach Wirkung zeigen: Hotels sparen durch clevere Anreize Wasser, Energie und Wäsche, ohne den Komfort ihrer Gäste und Gästinnen spürbar einzuschränken.

Prof. Dr. Harald Zeiss ist unter anderem Professor für Tourismusmanagement an der Hochschule Harz. Welchen Tipp er für Menschen hat, die sich an die nächste Urlaubsplanung setzen, das erfahrt ihr in dieser Folge von „Mission Energiewende“ mit detektor.fm-Moderatorin Ina Lebedjew. Diese Episode ist Auftakt einer Sommerserie im Klima-Podcast, in der wir auf Urlaub und Nachhaltigkeit schauen.

Redaktion