Malmö oder Mallorca, Flugscham oder Zugstolz, Balkonien oder Dubrovnik. Die Ferien sind da oder stehen zumindest vor der Tür, je nach Bundesland. Zeit für Urlaub, Erholung, Abschalten vom Alltag und jede Menge Arbeit für ReiseveranstalterInnen, das Hotel- und Gaststättengewerbe, die Kreuzfahrtbranche, Fluggesellschaften.
Wir hier im Klimapodcast von detektor.fm krempeln auch die Arme hoch und starten in eine Serie zum Thema Reisen, Urlaub, Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Ich bin eure Host Ina Lebedjew und freue mich, dass ihr am Start seid. Los geht’s!
Mission Energiewende
Der detektor.fm Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen in Kooperation mit Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter mit Solarlösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 % Ökostrom.
Zum Auftakt unserer Serie zu Tourismus und Nachhaltigkeit spreche ich mit Harald Zeiss. Er ist Professor für Tourismusmanagement an der Hochschule Harz, leitet das Institut für Tourismusforschung der Hochschule Harz, führt als Geschäftsführer das Institut für nachhaltigen Tourismus und steht dem Ausschuss Nachhaltigkeit des Deutschen Reiseverbands vor. Und das war noch nicht alles. Vor seiner Hochschullaufbahn hat er das Nachhaltigkeitsmanagement der TUI Deutschland verantwortet. Und ich freue mich wirklich sehr, dass wir heute sprechen können, Herr Zeiss. Herzlich willkommen im Klimapodcast von detektor.fm.
Hitzewelle und ihre Folgen
Hallo Frau Lebedjew. Wenn diese Folge gesendet wird, also wir nehmen ungefähr eine Woche vor Sendung auf, hat Europa eine Hitzewelle hinter sich, die ihresgleichen sucht. Oder der Kontinent steckt sogar noch weiter mittendrin. Fachleute schätzen ein, das, was wir gerade erleben oder erlebt haben, das ist kein normales Sommerwetter. Der Klimawandel ist da und wir müssen damit umgehen.
Wie verändert das die Lage im Tourismus? Ja, dramatisch. Man kann es eigentlich nicht deutlich genug sagen. Und ich würde tatsächlich auch nicht vom Klimawandel sprechen, sondern wir haben eine ausgemachte Klimakrise hier. Jeder mag das Guinness Buch der Rekorde, aber wenn wir hier Hitzerekorde aufstellen hintereinander, dann sieht man sehr gut, dass es eben kein normaler Sommer ist. Oder wie jetzt aus sehr rechten Parteien dann die Nachricht kommt, das ist doch ganz normal. Das ist überhaupt nicht normal.
Und die Konsequenzen, die daraus entstehen, die sind den allermeisten noch gar nicht bewusst. Denn wir haben tatsächlich auch in Deutschland Hitzetote, die verursacht werden durch diese Hitze. Extrem viele Schäden an der Infrastruktur. Es ist eine Unplanbarkeit. Ich kann das persönlich sogar auch einordnen, denn ich war jetzt in dieser Zeit an der Elbe. Zum Glück an der Elbe, da ist es ein bisschen kühler.
Aber die Tagesplanung, ich war dort zum Wandern mit meiner Tochter, die Tagesplanung hat sich komplett verschoben. Und dann sieht man, wie es für den Touristen dann eben ist. Also statt nach dem Frühstück auf eine ausgedehnte Wanderung zu gehen und irgendwann am Nachmittag wieder zurück zu sein, haben wir im Prinzip sofort morgens schnell gefrühstückt, sind dann für drei Stunden maximal raus gewesen und dann zurück den ganzen Tag im Zimmer aufgehalten bei Klimaanlage, um dann abends nach dem Abendessen nochmal eine kleine Runde zu gehen.
Also da sieht man, wie sich das verändert. Da sieht man auch sehr gut, wie das ist, wenn sich das im Tourismus insgesamt verändert. Denn Hotels müssen sich entsprechend anpassen. Die Bahn hat Schwierigkeiten, Autobahnen schmelzen und vieles mehr. Man stellt sich gar nicht vor, was alles daraus entsteht.
Anpassungen im Tourismus
Und vor allem zwei Dinge sind wichtig zu verstehen. Das eine ist, es wird teurer, weil diese Sondersituationen führen immer auch zu steigenden Kosten auf allen Seiten. Und zum anderen, es ist tatsächlich ja nur der Start und der Anfang. Das heißt, wir müssen uns auf noch viel heißere Sommer, noch viel längere Dürreperioden einstellen und eben damit auch noch höhere Preise.
Das ist ja auch das, was WetterexpertInnen sagen, dass das quasi der kälteste Sommer unseres Lebens sein könnte. Also wir haben das hier in Leipzig gerade gesehen, dass einfach die Ummantelung von Straßenbahnlinien von den Gleisanlagen wegschmilzt oder reinschmilzt in die Gleise und dass der Straßenbahnverkehr nach einer Woche Hitze komplett zum Erliegen gekommen ist. Und das ist ja auch nicht irgendwie am nächsten Montag gelöst. Das wird ja eine Weile dauern, bis man diese Reparaturen hinbekommt.
Aber Sie haben gerade gesagt, der Tourismus muss sich anpassen. ReiseanbieterInnen, Destinationen, ganze Regionen. Wie machen die das denn? Wo fängt man da an? Ja, das ist eine gute Frage und es ist zum Teil sehr kleinteilig und es ist zum Teil sehr groß, muss man groß denken.
Also insgesamt beobachten wir, dass eben die Wetterstabilität, so wie wir das kennen, ich spreche jetzt mal weltweit an vielen Orten, nicht mehr gegeben ist. Also zum Beispiel klassische Fernreise nach Asien oder so, da gibt es eine Regenzeit und eine Trockenzeit und die findet jetzt nicht mehr zuverlässig statt. Heißt, wo man früher sagte, ja, dann kann man gut reisen, kann sein, dass sie, wenn sie in der Trockenzeit kommen, dass dann trotzdem Gewitter sind und das kann dann Touristen von Reisen abhalten.
Und dann hängt man an einem Ort und wenn es da regnet, dann regnet es. Was wir auch sehen, ist, dass eben zum Beispiel durch Dürreperioden oder durch Stürme, durch Verwüstung, Überschwemmungen und so weiter, werden ja ganz viele Dinge, zum Beispiel auch in der Landwirtschaft, nicht mehr planbar. Heißt, steigende Preise, Ernten, die ausfallen, steigende Preise.
Wenn die Hitzeperioden zum Beispiel im Mittelmeer sind und die Hotels dann in solchen Hitzeperioden nur noch zur Hälfte gebucht sind, die Kosten laufen ja weiter, heißt das auch steigende Preise und letztendlich auch die große Gefahr, dass sich Menschen dann dauerhaft umorientieren und sagen, das tue ich mir nicht an, in Juli, August nach Italien, Spanien, Griechenland, jetzt mal um Beispiele zu nennen, um die jetzt ganz besonders rauszupicken zu wollen.
Ich bleibe A zu Hause, heißt weniger Umsatz in der Reisebranche. Ich fahre nach Skandinavien, Stichwort Caucasian, da ist es dann kühler. Aber diese Urlaubsländer wie Skandinavien sind ja gar nicht darauf vorbereitet, 10 Millionen deutsche Gäste irgendwie aufzufangen. Die haben ja nicht eine Infrastruktur wie jetzt an der Playa Blanca oder sonst wo, wo also ein Hotel am anderen steht.
Das sind ja kleine Hütten irgendwie im Wald. Also es ist nicht einfach so zu lösen. Und moralisch müssen wir auch sagen, was machen wir denn mit den Menschen, die jetzt vom Tourismus gelebt haben in Griechenland, Italien und Spanien? Denen geht dann die Arbeit aus und nicht nur das, in die Landwirtschaft, ein wesentlicher Einkommensbereich, ist ja dann auch nicht mehr voll funktionsfähig.
Also wir müssen vielleicht auch ein bisschen an unsere Gastgeber denken, denn der Tourist kann schnell mal sagen, gut, dann fahre ich woanders hin, aber die Menschen vor Ort, die davon gelebt haben, was sollen die dann machen?
Urlaubsplanung und Preisentwicklung
Jetzt habe ich in den vergangenen Monaten mit Familien im Bekanntenkreis oder auch mit Fremden im Smalltalk mich unterhalten und die haben mehrfach so geäußert, ja, wir haben für diesen Sommer noch gar nichts geplant. Es ist auch einfach gerade alles sehr teuer und wir gucken, dass wir das Geld zusammenhalten.
Also gerade mit Blick auf sozusagen ReiseanbieterInnen oder Routiers in Griechenland, wie wird das sozusagen dieses Rauskommen und der Tapetenwechsel, also sogar der kleine Urlaub irgendwann ein Luxusgut sein in diesen Zeiten? Naja, was heißt der kleine Urlaub? Also klassischerweise haben wir zum Beispiel Familien als Reisende oder wir haben Paare als Reisende, um es wirklich nur rudimentär aufzuzeigen.
Die Familienreisenden sind ja immer an die Schulferien gebunden. Für die gibt es keine besonders vielen Lösungen. Also entweder man reist im Sommer und dann ist es eben der große Sommerurlaub, sagen wir zwei Wochen. Paare, die jetzt nicht an die Ferienreise oder andere Reisende, die nicht an die Ferien gebunden sind, die können dann auch ausweichen auf günstigere Termine im Frühjahr oder im Herbst, wenn dann auch die Temperaturen vielleicht zurückgegangen sind.
Also da sind zwei sehr große Unterschiede. Ich verstehe, dass Familien sagen, es ist mir zu teuer geworden, wobei das nicht nur der Klimakrise geschuldet ist, sondern letztendlich auch dem Iran-Konflikt und vielen anderen weiteren Krisen, die dazu geführt haben, dass Urlaubsregionen ausgefallen sind, andere dann stärker gebucht sind.
Was man auch nicht vergessen darf, ist die Preisentwicklung in den Ländern ist auch ein Resultat dessen, dass andere Teile in der Welt jetzt zunehmend verreisen. Also aus Asien, Indien, China, aus Südamerika, dort wächst eine Mittelschicht heran, die sich Reisen leisten kann, die zum Teil eben auch diese Infrastruktur dann mitbenutzt.
Das heißt, es sind nicht mehr die Engländer, die Deutschen und die Österreicher, die sich hier die Hotels im Mittelmeer teilen, sondern jetzt kommen noch andere dazu, und zum Beispiel Reisende aus den USA, die Direktflüge auf die Kanaren oder sogar nach Mallorca, soweit ich weiß, haben. Die freuen sich noch im Bauch, weil die Hotelpreise zum Beispiel in den Vereinigten Staaten wesentlich höher sind als die auf Mallorca.
Also für die ist das quasi dann ein Billigurlaub am Mittelmeer, während wir auf die Hotelkosten schauen und sagen, wer soll sich das denn noch leisten können?
Klimaschutz und Reisetrends
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Ich spreche ja hier im Podcast naturgemäß einfach oft mit Menschen, denen Klimaschutz wichtig ist. Und bei mir persönlich ist der Eindruck entstanden, dass es inzwischen so zwei Lager gibt. Die einen, die ganz bewusst auf Fernreisen verzichten und die anderen, die ihre Lust, die Welt zu entdecken, eben voll ausschöpfen.
Das ist ja aber anekdotische Evidenz und keine Wissenschaft und keine tatsächliche Erkenntnis. Wie schätzen Sie das denn ein? Welche Rolle spielen denn Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Ökologie für Reisende? Das ist natürlich mein Kernthema, meiner Arbeit und meiner Forschung.
Daten der sogenannten Fuhr-Reise Analyse, das ist eine sehr seriöse Analyse, die schon seit Jahrzehnten gemacht wird und immer wieder die gleichen Fragen stellt. Sehr verlässlich, sehr repräsentativ. Fragt auch die Teilnehmenden, wie wichtig ist ihnen eine ökologische Seite der Reise und wie wichtig ist ihnen eine soziale Seite. Also einmal Natur und einmal auch die Menschen.
Und die Daten, die erhoben werden, zeigen sehr stabil einen leicht anwachsenden Trend. Man kann sagen, so zwischen 50 und 60 Prozent finden das gut und wichtig. Die Wissenschaftler von der Fuhr haben aber dann ein bisschen später im Fragebogen noch mal eine Frage drangehängt und gesagt, jetzt blicken Sie mal zurück auf Ihren letzten Urlaub und sagen Sie mal, war das jetzt entscheidend, ob es nachhaltig oder sozial verantwortlich war?
Dann sinken die Zahlen dramatisch. Wenn es darum geht, ja, das war ein entscheidendes Element für die Reisebuchung, dann sind wir nur noch bei einer Handvoll Prozent, also drei, vier, fünf Prozent, die sagen, das war mir wichtig.
Also man sieht, Preis, Geldbeutel, aber vielleicht eben auch Convenience, also wo ist der nächstgelegene Flughafen oder was eignet sich so von den Tagen, wo man verreisen kann, sind am Ende dann doch die entscheidenderen Faktoren, gerade eben auch der Preis, sodass wir sagen müssen, also wir sehen jetzt einen Nachhaltigkeitstrend nicht über eine große Zielgruppe.
Wir sehen nur ein gewisses Interesse und ein Bedürfnis, das zu machen, aber wenn es zum Schwur kommt, dann findet das noch nicht statt. Und wir überlegen uns, wie man das am besten machen könnte. Kann man Menschen so anstupsen und sagen, guck mal, hier kostet das gleich, ist aber ein nachhaltiges Hotel, dann würden sie da reingehen.
Rückkehr des Themas Nachhaltigkeit
Fehlt es an entsprechenden Angeboten oder wie ist da die Lage? Ich glaube, dass das Thema, ich bin überzeugt sogar, dass das Thema zurückkommt, gerade eben mit den Diskussionen über Klima. Aktuell haben wir in der deutschen Gesellschaft und in der deutschen Politik ist das Thema Nachhaltigkeit gerade ein bisschen in den Hintergrund gerückt. Das wird aber wiederkommen, siehe heiße Woche, die wir hinter uns haben.
Und was man auch sagen muss, das Thema Fernreise spielt in der gesamt touristischen Bilanz keine so große Rolle. Rund zehn bis zwölf Prozent der Reisen gehen in die Fernreise. Dort wird aber vermutlich der Preis das Entscheidende sein, denn die Fernreise wird absehbar nicht billiger werden und damit ein bisschen auch ein Luxusgut.
Ich kann vielleicht noch ergänzen, es ist ja auch ein bisschen ein Dilemma. Also ich muss sagen, ich stecke in dem Dilemma auch drin. Auf der einen Seite haben wir so viele positive Aspekte, die das Reisen bringt, gerade eben, wenn man fremde Menschen, Kulturen kennenlernt, wenn man weltoffen wird.
Alexander von Humboldt hat ja gesagt, die Menschen mit der schlimmsten Weltanschauung sind die, die die Welt noch nie angeschaut haben. Ein bisschen erleben wir das ja auch, glaube ich, in der politischen Diskussion. Wer unterwegs ist und viel gesehen hat, der hat ein differenziertes Bild der Gesamtwelt.
Und ich glaube, viele sind auch sehr, ja, fast schon ehrfürchtig vor dem, was alles die Welt so hervorgebracht hat. Nicht nur in der Natur, sondern eben auch in der Kultur. Und dann weiß man, was es da zu beschützen gilt. Aber es ist vor allem die Mobilität aus dem Tourismus, die dem Klima schadet. Allen voran die Flieger, die ja nun mal auch in immer sehr weite Distanzen überwinden müssen, auch wenn sie sehr effizient sind.
CO2-Emissionen und Flugreisen
Also ist es so, dass die Klimabelastung durch den Flugverkehr sehr hoch, insbesondere wenn man das auf das Individuum herunterrechnet. Vielleicht ein paar Zahlen zur Einordnung. Die CO2-Emissionen eines durchschnittlichen Deutschen liegen bei zehn Tonnen im Jahr, durchschnittlich. Wenn ich aber jetzt zum Beispiel eine Reise nach Bangkok mache, dann bin ich auf der Fernreise, dann sind das allein rund drei Tonnen CO2-Emissionen, die da entstehen.
Und dann sieht man, dass ich ungefähr ein Drittel meiner Jahresemissionen allein mit diesem Flug schon abgedeckt habe. Da sieht man eben die Verhältnismäßigkeit. Wer seine CO2-Bilanz reduzieren möchte, der findet den größten Hebel in Flugreisen. Die gilt es zu reduzieren und dann kommt die Heizung und Wärmedämmung und sowas.
Deswegen ist das schon eine wichtige Diskussion, die es zu führen gilt. Aber es gibt da keine Lösung, denn die Weltanschauung, von der ich sprach, ist natürlich auch ein wichtiger Aspekt. Und dieses Verbinden aus dem Tourismus, die Völkerverständigung, ist natürlich auch gerade in diesen Zeiten, wo es sehr nationalistisch zugeht in der Welt, ist natürlich auch ein ganz, ganz wichtiger Aspekt.
Klimakompensation und Gerechtigkeit
Da machen Sie mich richtig sprachlos, weil das ja tatsächlich das im Kern trifft. Also einerseits will man die Welt entdecken, also gerade irgendwie mit Familie, den Kindern zeigen, was es alles Schönes gibt und wie toll es ist, andere Länder zu sehen. Und andererseits will man natürlich eben, also ich für meine Begriffe will ich sagen, möchte ich natürlich das Klima nicht belasten und mache mir darum Gedanken.
Also ja, man kann nicht gerade im Moment einfach nicht beides haben oder muss dann irgendwie nach Lösungen suchen. Es gibt tatsächlich, also es gibt jetzt wieder ein gewisses Revival der Klimakompensation. Alle haben es vermutlich verfolgt. Das war so eine Zwischenlösung, dass man es quasi dafür bezahlt, dass man CO2 emittiert.
Und mit dem Geld wird an anderer Stelle in der Welt wird etwas geschaffen, was dann diese CO2-Emissionen quasi wieder einfängt. Dann kamen viele Waldprojekte, viel Schmuh und viele schwarze Schafe, mehr schwarze Schafe als weiße Schafe in der Herde. Und die Kompensation wurde als Ablasshandel und letztendlich auch Betrug entlarvt an vielen Stellen, zum Schaden derer, die es tatsächlich richtig machen, wie zum Beispiel Atmosphäre.
Jetzt hat aber seit der Klimakonferenz in Baku und dem Abkommen, das umgesetzt wurde aus Paris, ist jetzt die Zählungsweise sehr viel besser geworden. Und wir sprechen hier, es sind keine Doppelzählungen mehr möglich. Und die, die noch Klimakompensationen verkaufen, die müssen sich an sehr strenge Auflagen halten.
Das könnte zumindest wieder eine Möglichkeit sein für die, die sowieso reisen, also die sich entschieden haben, zu reisen, zu sagen, wenn ich schon reise, dann kompensiere ich aber auch das, was ich hier an Emissionen emittiert habe. Das macht die Welt jetzt auch nicht wieder heile, aber es macht sie ein Stück besser, vor allem, weil die Gelder, die eingesammelt werden, den Menschen im globalen Süden zugute kommen, deren Lebensstandard verbessert und ein bisschen auch eine Klimagerechtigkeit bringen.
Denn es ist ja diese himmelschreiende Ungerechtigkeit, dass Europa und viele Nationen in den gemäßigteren Breiten im Prinzip diese Klimakrise herbeigeführt haben durch das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas. Und nicht die afrikanischen und asiatischen Armutsländer, die aber völlig schutzlos jetzt den Wetterkapriolen ausgesetzt sind, die keine Infrastruktur haben, sich keine Klimaanlagen leisten können, sondern am Ende als Flüchtlinge aufbrechen müssen, um am Leben zu bleiben.
Verantwortung und Zusammenarbeit
Und die müssen wir unterstützen, denn wir haben die Schweinerei verursacht und es kann nicht sein, dass andere jetzt die Suppe auslöffeln müssen. Was braucht es denn dafür, dass wir da weiterkommen aus Ihrer Perspektive? Ach, es braucht so viel. Es braucht erst einmal einen Abschluss dieser unsäglichen Diskussion, wer jetzt für die Klimakrise verantwortlich ist. Es sind die Menschen, basta.
Das Zweite wäre, wir dürfen die Emissionsreduktion, das Verringern von Emissionen, nicht aus dem Auge verlieren. Also ich persönlich finde die Debatte um diese Technologieoffenheit, das ist keine korrekte Debatte. Es ist erwiesen und es ist klar, dass kein Wasserstoff in Heizungen verfeuert werden sollte. Wir brauchen diesen Wasserstoff für andere Industrien und der ist unsäglich teuer.
Und wir haben ja eine Lösung. Die Wärmepumpe gibt es ja und es ist auch erwiesen, dass sie das sehr gut hinbekommt mit Strom, den wir wiederum aus Windkraft und Solar gewinnen können. Ich weiß nicht, warum wir hier Zeit verzögern und wir müssten im Grunde auch den gesamten Verkehr schnell elektrisch bekommen.
Beim Flug sieht es leider anders aus. Dort gibt es keine Lösung. Es gibt kein elektrisches Flugzeug, es gibt auch kein Wasserstoffflugzeug. Die einzige Lösung ist regeneratives Kerosin, aber auch das braucht letztendlich regenerative Energie und der sollten wir dann eben Wasserstoff und Kohlen nicht wegnehmen.
Die andere Sache ist natürlich dann noch die Klimaanpassung. Die Klimaanpassung findet ja schon statt. Das heißt, grünere Städte, Verschattung, sinnvoller Umgang mit Hitze, Wassersparen, auch in Deutschland und viel mehr. Wir müssen uns darauf einstellen, dass sich das Klima verändert und das sind die Dinge, die auch angegangen werden müssen.
Und auch da finde ich, geht es nicht schnell genug. Tatsächlich haben wir immer noch eine Debatte über Geschwindigkeiten auf den Autobahnen, die ich nicht nachvollziehen kann, weil es wäre so einfach, da einiges an CO2 zu sparen und wir müssten da schneller sein.
Internationale Zusammenarbeit
Die andere Baustelle die wir haben, und jetzt habe ich ja von Deutschland gesprochen, ist dass wir international viel stärker zusammenarbeiten müssen. Wir haben einen Präsidenten in den USA, dem ist das Klima komplett egal, dem geht es nur um Geld und um Macht und teilweise haben wir das auch in anderen Regionen der Welt.
Dabei wäre jetzt, es ist eh schon sehr spät, aber es wäre unabdingbar, dass alle an einem Strang ziehen. Ein winziger Aspekt, der vielleicht für Sie interessant sein könnte, ich habe in Vorbereitung auf diese Sommerserie mit einer Expertin gesprochen über persistierende Kondensstreifen bei Flügen. Ich weiß nicht, ob Sie davon schon mal gehört haben.
Da gibt es wohl einen riesen Hebel, was zu verändern an der Situation, wie also es geht nicht um CO2, sondern es geht um das Zusammenfassen. Jetzt aus dem Stillgreif ist gar nicht so leicht. Es geht um Aspekte von Klimalast, die eben aber nicht über CO2 kommen, sondern über andere Stoffe. Und das sollten Sie sich dann auf jeden Fall mal anhören, weil es wohl einen riesen Hebel hat, wenn man da über diesen Luftschichten drüber oder drunter fliegt.
Flughöhen und CO2-Reduktion
Ja, sehr spannend. Ja, die sind bekannt, diese Situation. Letztendlich geht es um die Flughöhe und die Entwicklung von Kondensstreifen in unterschiedlichen Flughöhen. Die Kondensstreifen wiederum tragen durch die Wolkenbildung dann eben auch zur zusätzlichen Erwärmung bei. Und wenn man sie reduzieren kann, umso besser.
Aber wenn Sie das ergänzen wollen, wir bräuchten zum Beispiel in Europa mal einen einheitlichen Luftraum, statt dass jedes Land Fluglotsen hinsetzt. Wenn Sie die Flugrouten von den Flugzeugen sehen, die fliegen im Grunde zigzag wegen Ländergrenzen, wegen Schutz, also wegen militärischer Gebiete und viel mehr.
Das allein, die Schätzung, wenn das harmonisiert werden könnte, was eine reine politische Entscheidung ist, keine technische Entscheidung, das allein würde zwischen 15 und vielleicht sogar 20 Prozent der CO2-Emissionen im Flugverkehr in Europa reduzieren. Das ist eine reine politische Entscheidung.
Das mit den unterschiedlichen Höhen, das ist nicht ganz trivial, weil der Flugraum natürlich so konzipiert ist, dass absolute Sicherheit da oben herrschen muss. Aber es wäre möglich, wenn die Fluglotsen auch flexibler darauf reagieren würden, weil die könnten zum Beispiel eben dann vorübergehend sagen, bitte wechseln Sie in Flughöhe 8000 Meter oder so. Jeder Flugkilometer in der richtigen Höhe ist ja schon ein Gewinn.
Erkenntnisse aus der Diskussion
Ja, absolut. Wenn es um Nachhaltigkeit und Tourismus geht, gibt es irgendeinen Aspekt, der Sie verblüfft hat in den vergangenen Jahren oder ein Thema, das Sie antreibt oder wo Sie sagen, eine Erkenntnis, die Sie unbedingt weitertragen wollen? Ja, da gibt es unendlich viele.
Das Schöne am nachhaltigen Tourismus ist, dass er sehr komplex ist. Wir haben uns jetzt sehr über die Klimakrise unterhalten, aber im Prinzip geht es ja um alle Aspekte, die die Natur betreffen, sind natürlich relevant. Was zum Beispiel während der Corona-Zeit aufgefallen ist, ist, wie wichtig der Tourismus zum Beispiel für Schutzgebiete ist in Afrika, Asien und Südamerika.
Wenn keine Touristen mehr kommen und die Einkommen fehlen für die Ranger, für die Bevölkerung vor Ort, dann waren viele Gemeinschaften gezwungen, letztendlich wieder Jagd zu machen auf die dort lebenden Tiere. Da hat man gesehen, dass der Tourismus einen wirklich positiven Beitrag leistet.
Ja, sehr spannend. Ist natürlich auch ein ganz anderer Aspekt, wie zum Beispiel Hotels arbeiten. Der Unterschied zwischen einem Salzwasserpool und einem Süßwasserpool, was ja ganz interessant ist. Alle wünschen sich Süßwasserpool, dabei könnte man auch mit Salzwasser arbeiten, der viele positive Aspekte hat.
Es geht um Verschattung, es geht um Nudging. Ich weiß nicht, ob für den Hörer der Begriff bekannt ist. Nudging ist dieses Anstupsen, das ich vorhin schon erwähnte. Man versucht, ein positives Verhalten bei Gästen zu generieren, das dann positiv für das Klima oder für andere Aspekte der Nachhaltigkeit ist.
Ich kann das Nudging so beschreiben, also zum Beispiel, wenn man als Familienvater oder Mutter den Kindern auf das Pausenbrot so ein Gesicht legt aus Gemüse oder Wurst oder was auch immer, das ist Nudging. Also das lustige Gesicht soll dazu einladen, das Brot zu essen, deswegen macht man es ja.
Also ist das vielleicht so dieser Aufkleber im Hotelzimmer, der sagt, wenn du dein Handtuch weiter benutzen magst, dann schmeiß es nicht auf den Boden, dann tauschen wir es nicht aus. Ja, wobei da sind wir tatsächlich auch schon fast beim Priming. Das ist quasi, wenn man versucht, einen Menschen mit einer Nachricht also das ist nicht so spielerisch, sondern letztendlich ist es, man schafft in diesem Fall ein schlechtes Gewissen oder man informiert.
Aber auch da gibt es Studien, die hochinteressant sind, weil sie das ansprechen.
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Zum Beispiel hat man festgestellt, dass wenn man auf die Schilder schreibt, so was wie 87 % unserer Gäste machen das, hat man dann letztendlich einen Impuls, soziales Verhalten zu imitieren. Das ist also besser als nur hinzuschreiben, hängen Sie ihr Handtuch auf, dann lieber zu schreiben, Gäste umweltfreundliche Gäste. machen das unsere Gäste. Machen das oder so, also dass man sagt, wenn auch du zu dieser großen Gruppe gehören willst, dann ist das die suggerierte Nachricht. Dann mach das doch auch.
Lustig, auch in diesem Bereich. Als ich noch für die Tour gearbeitet habe, hat ein Hotel, ein Fünf-Sterne-Hotel, den täglichen Wechsel von Bettwäsche vor als einen Aspekt, einen Luxusaspekt, der durchaus üblich ist. Die haben gesagt, das ist ja eigentlich unglaublich, weil zu Hause wechselt ja auch niemand täglich die Bettwäsche. Krass, ne? Überhaupt nicht, wie wichtig der Drink ist und wie unwichtig im Grunde dieser Wäschewechsel war. Und ich glaube, man müsste mehr da arbeiten.
Und das sehe ich auch bei meinen Reisen. Also jetzt, um nochmal zurückzukommen auf die Elbe-Reise von vorhin: Da hat das Hotel auch geschrieben, also die Zimmerreinigung ist nicht mehr quasi das Normale, sondern ist das Besondere. Das heißt, wenn Sie sich nicht melden, wird Ihr Zimmer auch nicht gereinigt. Wenn Sie sich melden, bringen Sie einfach zum Frühstück diese Karte mit und legen Sie das auf Ihren Tisch. Dann wissen wir, Sie möchten eine Reinigung haben. Dann machen wir Ihr Zimmer sauber.
Also ist keine Einschränkung. Wer das möchte, kann im Grunde jeden Tag seine Karte mitbringen. Aber es ist schon mal diese Umkehrung, dass man aktiv werden muss, wenn man sein Zimmer gereinigt haben will. Und für die fünf Tage, die wir dort waren, haben wir gesagt, wir lassen uns einmal frische Handtücher geben und dann ist auch gut.
Also ich hatte gedacht, es verbietet sich eigentlich, Sie zu fragen, wo Sie im Urlaub waren. Aber Sie haben es ja jetzt selber erzählt, dass Sie an der Elbe unterwegs waren. Wenn Sie Menschen da draußen einen Tipp geben könnten, wenn die nächste Urlaubsplanung ansteht und es geht um Nachhaltigkeit und Reisen, was würden Sie den Leuten sagen? Worauf sollen die achten?
Die sollen auf sich achten. Warum sage ich das? Mein Eindruck ist, auch aus der Tourismuspsychologie und Soziologie, dass die Reisen, die wir machen, sehr stark von dem geprägt sind aus dem sozialen Umfeld, aus dem wir kommen. Das klassische Beispiel ist natürlich auch der Erfolg der Instagramer, die plötzlich Orte und Plätze in der Welt besuchbar machen, weil sie eben sagen, hier ist es schön und alle rennen hinterher.
Und man stellt sich dann schon die Frage, wie es dann sein kann, dass dieser eine tolle Spot seit irgendwie 500 Jahren nicht entdeckt wurde und jetzt kommt eine Influencerin und entdeckt in Anführungsstrichen diesen Ort und dann muss jeder dahin. Dieses Verhalten sollte man versuchen zu umgehen. Und ich weiß, es ist nicht einfach.
Aber nehmen wir mal an, im Fall einer Familie: Ich empfehle, sich als Familie hinzusetzen und sich die Zeit zu nehmen, mal so richtig zu überlegen, was möchten wir eigentlich? Möchten wir gemeinsame Zeit verbringen? Möchten wir dies oder jenes tun? Wollen wir aktiv sein? Wollen wir einfach nur die Beine hochlegen? Wie stellen wir uns das vor?
Und danach dann den Urlaub auszuwählen und nicht sich von exotischen Namen oder was erstmal quasi verleiten zu lassen, um dann einen Urlaub zu machen, der vielleicht gar nicht das ist, was man sich eigentlich so richtig wünscht.
Ich mache das bei den Studierenden an einem Beispiel fest. Ich sage: Stellt euch jetzt irgendwie so einen Instagram-Urlaub vor. Ja, die stellen sich das dann vor, alle haben Bilder im Kopf, und dann sage ich: Jetzt gebe ich euch mal ein anderes Bild, und zwar ihr zusammen mit Freunden an einem Lagerfeuer. Jemand hat eine Gitarre dabei, irgendwo steht ein Kasten Bier, man singt und es ist irgendwie Nacht und der Mond scheint und so weiter.
Was für ein Bild assoziiert ihr damit? Und ganz viele sind dann wirklich ergriffen und sagen: Ja, das ist schön. Und dann merkt man, dass es eigentlich die Gemeinschaft ist, mit Freunden zusammen zu sein, das gar nicht viel braucht, um einen schönen, erholsamen und in Erinnerung bleibenden Urlaub zu genießen.
Das sagt Harald Zeiss. Er ist Professor für Tourismusmanagement an der Hochschule Harz und einer der profiliertesten Experten für nachhaltigen Tourismus in Deutschland. Ganz, ganz herzlichen Dank für das inspirierende Gespräch.
Sehr gerne, Frau Liebethilf. Und das war’s für diese Woche mit dem Klimapodcast von detektor.fm. Wenn euch gefällt, was wir hier machen, dann lasst uns doch gern ein Abo da und teilt den Podcast mit Menschen, die sich für Klimathemen interessieren könnten.
Nächste Woche geht’s weiter um Reisen und um die Frage, wie eine Grünen-Politikerin auf einem Kreuzfahrtschiff Hoffnung für Deutschland schöpfte. Ich freue mich, wenn ihr wieder dann mit dabei seid. Großer Dank und Liebe geht raus ans Team Audio. Produziert hat diese Folge Paula Bültemann. Und die Redaktion hatte ich.
Ich bin Ina Liebethilf und sage danke für eure Aufmerksamkeit. Bis nächste Woche, hoffentlich. Tschüss.
Mission Energiewende. Der detektor.fm-Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen in Kooperation mit Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter mit Solarlösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 % Ökostrom.