Satelliten und Raketen verglühen am Ende ihrer Lebensdauer. Dabei entstehen Schadstoffwolken — und bisher weiß niemand, wie diese langfristig Atmosphäre und Klima verändern.
Angespannte Atmosphäre: Die Raumfahrt erlebt derzeit einen historischen Boom. Unternehmen wie SpaceX schicken Tausende Satelliten ins All, weitere Zehntausende sollen folgen. Was zunächst nach einer Erfolgsgeschichte moderner Technologie klingt, hat möglicherweise Nebenwirkungen, über die bislang kaum etwas bekannt ist.
Denn der Weltall-Boom hat womöglich weitreichende Folgen für die Umwelt. So ist der Orbit bereits jetzt voll mit Weltraumschrott. Die meisten Satelliten und Raketen werden in Zukunft nach Ende ihrer Lebensdauer kontrolliert oder unkontrolliert in die Atmosphäre eintreten und dort verglühen. Forschende fragen sich: Was passiert mit den Stoffen, die beim Verglühen in der oberen Atmosphäre zurückbleiben?
Ein Team des Leibniz-Instituts für Atmosphärenphysik (IAP) in Kühlungsborn konnte erstmals direkt nachweisen, dass Rückstände eines konkreten Wiedereintritts in der Mesosphäre messbar sind. Nach dem Absturz einer Falcon-9-Oberstufe von SpaceX im Februar 2025 registrierten die Forschenden eine zehnfach erhöhte Lithiumkonzentration in rund 95 Kilometern Höhe. Mithilfe von Lasermessungen und Atmosphärenmodellen gelang es ihnen, die gemessene Lithiumwolke auf den Ort des Wiedereintritts vor der irischen Küste zurückzuführen.
Die eigentliche Sorge gilt jedoch weniger dem Lithium als den großen Mengen anderer Stoffe, insbesondere Aluminiumoxiden. Diese entstehen beim Verglühen von Satelliten und Raketen und gelangen in Atmosphärenschichten, die bislang nur wenig erforscht sind. Die Mesosphäre besitzt keine wirksamen Selbstreinigungsmechanismen wie tiefere Atmosphärenschichten. Einmal eingetragene Stoffe können dort über Jahrzehnte verbleiben.
Welche Folgen solche Rückstände für Klima und Umwelt auf der Erde haben, ist bislang weitgehend unbekannt. Einige Effekte könnten harmlos sein, andere möglicherweise problematisch. In diesem fehlenden Wissen sehen Forschende das eigentliche Risiko.
Sie plädieren dafür, die Prozesse in der Atmosphäre besser zu untersuchen, um mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen und technische Lösungen zu entwickeln.
Das ist ein riesiges Experiment, das über unseren Köpfen stattfindet.
Thomas Siebel
Thomas Siebel ist Redakteur bei Spektrum der Wissenschaft und hat sich mit den Folgen des Raumfahrt-Booms für unsere Atmosphäre beschäftigt. Im Gespräch mit detektor.fm-Moderator Marc Zimmer erklärt er, wieso die Menge an Rückständen zum Problem werden kann und wie man diesem in Zukunft begegnen könnte.