Machen statt Quatschen | Wie Cross Innovation das Nachtleben retten soll

Wie lassen sich Nachtleben und Nachtruhe besser vereinen?

Volle Bars, belebte Straßen und Anwohnende, die nachts kein Auge zubekommen: In vielen Innenstädten sorgt das Nachtleben für Konflikte. Doch wie lässt sich der Lärm reduzieren, ohne die Stadt zum Stillstand zu bringen?

Neue Ideen für ein lebendiges Nachtleben

Genau diesem Problem widmet sich das Projekt Green Soundproofing. Dabei suchen Menschen aus Architektur, Handwerk, Forschung und Stadtverwaltung gemeinsam nach einer Möglichkeit, den Lärm in belebten Innenstädten zu reduzieren, ohne das Nachtleben dabei einzuschränken.

Einer der Beteiligten ist Robert Gaa. Er ist Beauftragter für Nachtökonomie der Stadt Mannheim, umgangssprachlich auch Nachtbürgermeister genannt. In seiner Funktion kümmert er sich unter anderem um die Interessen von Bars, Restaurants und Veranstaltenden, vermittelt bei Lärmbeschwerden und kennt die Konflikte zwischen Gastronomie und Anwohnenden. Verschärft wird das Problem durch die Bauweise vieler Innenstädte: Besonders in dicht bebauten Vierteln wird der Schall von den Häuserfassaden reflektiert und dadurch verstärkt. Weil es bislang nur wenige technische Lösungen gibt, reagieren Städte häufig mit Einschränkungen für die Außengastronomie.

Eine Alternative könnte das modulare Lärmschutzsystem von Green Soundproofing bieten. Mitentwickelt wird es von Chiara Weiß, Architektin und Geschäftsführerin von studio more. Ihre Idee: Statt einer herkömmlichen Schallschutzwand sollen flexibel kombinierbare Elemente entstehen, die sich an unterschiedliche Orte in der Stadt anpassen lassen. Die Module können neben- und übereinander angeordnet werden. Dazwischen ist Platz für kleine Tische, Sitzgelegenheiten oder Begrünung. So könnte der Lärmschutz zugleich zu einem Stadtmöbel werden, das nicht nur den Schall reduziert, sondern auch zum Verweilen einlädt.

Visualisierung eines Moduls von Green Soundproofing von studio.more. Foto: Google Gemini (Modell: Nano Banana pro)

Wenn alle von Anfang an mitreden

Das Besondere an dem Projekt ist jedoch ist nicht nur die Idee, sondern auch ihre Entwicklung. Im Rahmen des Förderprogramms CO.VISION arbeiten die Beteiligten von Anfang an zusammen an der Entwicklung. So können sie ihre unterschiedlichen Erfahrungen direkt einbringen, Ideen gemeinsam weiterentwickeln und mögliche Probleme frühzeitig erkennen.

Natürlich gibt es auch Momente, in denen wir etwas ausprobieren und dann feststellen: Anders wäre es vielleicht doch besser. Aber weil wir alle gemeinsam daran arbeiten, gibt es diese Überraschungen nicht erst am Ende.

Chiara Weiß, Architektin und Geschäftsführerin von studio more

Foto: MFG Baden-Württemberg

Denn was auf dem Papier gut aussieht, muss sich später auch im Stadtalltag bewähren. Deshalb prüft die Werkhalle Mannheim, ob sich die Entwürfe von Chiara Weiß überhaupt bauen lassen. Forschende der Fraunhofer-Gesellschaft untersuchen, wie gut die Module den Schall dämpfen. Und Robert Gaa achtet darauf, dass das Stadtmöbel auch den Anforderungen der Stadt entspricht. Schließlich muss es nicht nur Lärm reduzieren, sondern auch bezahlbar, standsicher und wetterfest sein.  Weil all diese Fragen schon während der Entwicklung auf den Tisch kommen, können die Beteiligten ihre Entwürfe frühzeitig anpassen.

Doch was passiert, wenn kreative Ideen auf technische Grenzen und städtische Vorschriften treffen? Kann Green Soundproofing tatsächlich dazu beitragen, das Nachtleben und die Nachtruhe besser zu vereinbaren? Und was können andere Städte von dieser Zusammenarbeit lernen? Darüber spricht detektor.fm-Redakteurin Philine Klinger mit Chiara Weiß und Robert Gaa in der neuen Folge von „Machen statt Quatschen“.