Die Künstliche Intelligenz wird unsere Zukunft tiefgreifend prägen — sagen viele. Alke Martens widerspricht: Das kommt alles etwas anders.
Immer schneller, immer mächtiger, immer durchdringender: Wenn über Künstliche Intelligenz (KI) gesprochen wird, werden Geschwindigkeit und Disruption wie selbstverständlich vorausgesetzt. Die einen sehen die Technologie als Heilsbringer, andere warnen vor tiefer Krise und Weltuntergang — die meisten positionieren sich wohl irgendwo dazwischen. Dabei gibt es für beide Seiten oft überzeugende Argumente. Gemein ist vielen Prognosen, dass sie KI als sehr mächtiges Werkzeug beschreiben, das aufgrund seiner scheinbar überwältigenden Möglichkeiten schwer zu greifen ist. Alke Martens, Professorin für Praktische Informatik und Didaktik der Informatik an der Universität Rostock, sieht das etwas anders:
Für mich ist die Investitionshöhe für diese Art von Software deutlich überzogen. Das ist sinnlos.
Prof. Dr. Alke Martens
Martens weist darauf hin, dass sich aktuelle Large Language Models (LLM) inzwischen zu einem guten Teil aus KI-generierten Texten bedienen und auf deren Auswertung trainiert wären. Das maschinelle Wiederkäuen dieser mehrmals durch die Maschine gejagten Inhalte führe statt zu einer Qualitätsverbesserung zum Gegenteil. Damit stießen diese Modelle an ihre Grenzen, und zwar so lange, bis ihre grundlegende Funktionsweise und Programmierung hinterfragt werden würde — was laut Martens aktuell nicht passiert. Vielmehr sei es so, dass Software aktuell nach Anwendung suche, die Modelle also gar nicht aufgrund konkreter Bedarfe entstehen würden. Martens glaubt, dass wir es mit einer KI-Blase zu tun haben, die aber vermutlich nicht von einem Tag auf den anderen platzen wird. Denn die KI-Giganten wüssten ihre Interessen und Investitionen durch politischen Einfluss zu schützen.
Was aber auch in Zukunft nicht durch KI zu ersetzen sei, ist: menschliche Kreativität.
Das Wichtige ist, dass unsere Superpower darin besteht, den totalen Müll zu denken und daraus noch irgendwelche Diamanten zu erzeugen. Das können wir auch ohne Computer und das müssen wir bewahren.
Prof. Dr. Alke Martens
Wo aktuelle KI-Technologie an ihre Grenzen stößt, warum wir uns den Einsatz von KI bei kreativen Prozessen gut überlegen sollten und warum sie den Vergleich mit der Atomkraft nicht teilt, den Philipp Klöckner in der vergangenen Ausgabe dieses Podcasts gezogen hat, darüber (und noch mehr) hat detektor.fm-Moderator Christian Bollert in dieser Ausgabe des „brand eins Podcasts“ mit Alke Martens gesprochen.