Warum „Gemüsesuppe“ plötzlich besser performt als „Demokratie“? brand eins Social-Media-Redakteurin Naya Bindzus erklärt, wie Algorithmen Sichtbarkeit steuern — und was das für Marken und Medien bedeutet.
Was nützt die beste Marketingstrategie, das klügste Produkt oder der kreativste Inhalt, wenn der Algorithmus entscheidet, ob ihn überhaupt jemand sieht? Wie radikal sich die Logik Sozialer Medien verschoben hat, zeigt ein Experiment, das das brand eins-Social-Media-Team gemacht hat. Als im Sommer 2025 das Thema „Demokratie“ im brand eins-Magazin beworben werden soll, passiert Erstaunliches: Immer wenn das Wort in Social Media Posts auftauchte, bricht die Reichweite ein. Also wagt das Social-Media-Team um Redakteurin Naya Bindzus einen absurden Test — und ersetzt das Wort „Demokratie“ durch „Gemüsesuppe“. Das Ergebnis: Die Suppe gewinnt. Deutlich.
Der Algorithmus hat kein moralisches Bewusstsein. Er sortiert einfach aus.
Naya Bindzus
Nicht der Inhalt allein entscheidet über Sichtbarkeit, sondern die Verpackung — und das Risiko, das ein Begriff signalisiert.
Für brand eins-Social-Media-Redakteurin Naya Bindzus bedeutet das eine fundamentale Verschiebung ihrer Arbeit. Sie sagt ehrlich:
Ich schreibe nicht mehr zuerst für Menschen, sondern für Maschinen.
Naya Bindzus
Bevor ein Gedanke Nutzerinnen und Nutzer auf Social Media erreicht, muss er Filter, Moderationslogiken und Brand-Safety-Schichten passieren. Das heißt, Naya Bindzus versucht, relevante Inhalte in Banalität zu verpacken, um sie durch ein System zu schleusen, das nicht automatisch Relevanz bevorzugt. Sozusagen in Konkurrenz zu Katzen- und Hundebildern.
Wie verändert das die journalistische Arbeit? Ist „algorithmischer Schmuggel“ kreative Anpassung — oder bereits Selbstzensur? Und was passiert mit komplexen Themen in einem System, das Tempo, Reiz und Harmlosigkeit belohnt? Welche alternativen Räume gibt es für die Diskussion von gesellschaftlich relevanten Themen? In dieser neuen Folge des brand eins Podcasts spricht brand eins-Social-Media-Redakteurin Naya Bindzus mit detektor.fm-Moderator Christian Bollert über Sichtbarkeit, die Renaissance von Owned Media und Reichweite versus Relevanz.