Shakuntala Devi gilt als eine der größten Rechenkünstlerinnen des letzten Jahrhunderts: Ihr ist es gelungen, elfstellige Zahlen miteinander zu multiplizieren und die 23. Wurzel aus einer 201-stelligen Zahl zu ziehen. Wie schafft man es, selbst große Zahlen im Kopf zu rechnen?
Shakuntala Devi ist ein Ausnahmetalent. Binnen weniger Sekunden kann sie elfstellige Zahlen miteinander multiplizieren, Wurzeln ziehen oder Wochentage bestimmen, selbst für Daten, die Jahrhunderte zurückliegen.
Devi wird Ende der 1920er-Jahre in Bengaluru in Indien geboren. Dass sie ein besonderes Talent für Zahlen hat, das merkt Devi schon früh. Mit nur drei Jahren soll sie sich die Reihenfolge eines kompletten Kartendecks gemerkt haben, mit gerade mal sechs Jahren kann sie schon mit großen Zahlen rechnen — zum Vergleich: Andere Kinder in diesem Alter lernen gerade erst, zwei und fünf zu addieren.
Viele Mathematiker können nicht ansatzweise das vollbringen, was Shakuntala Devi konnte.
Manon Bischoff
Dieses besondere Talent zieht sich durch Devis Leben. Sie gibt Shows, sie zeigt ihr Können im Fernsehen, an Universitäten, sie geht sogar als schnellste Kopfrechnerin ins Guinness-Buch der Rekorde ein. Und auch privat lassen die Zahlen die Frau nicht los — die Ziffern auf Kennzeichen während einer langen Autofahrt oder die Preise an der Kasse beim Einkaufen. Devi erkennt überall Muster und Spielereien.
Als ich das gelesen habe, musste ich an den kleinen Demian denken, unterwegs zur Schule. Ich habe das mit den Kennzeichen auch immer gemacht.
Demian Nahuel Goos
Damit beeindruckt sie mathematische Laien wie Mathematiker und Mathematikerinnen gleichermaßen. Es gibt kaum jemanden, der die Grundrechenarten so auf die Spitze treiben kann. Deswegen wird Shakuntala Devi gerne auch als „Human Computer“ bezeichnet. Der Vergleich passt ihrer Meinung nach aber gar nicht. Auf die Frage, warum sie eigentlich noch so viel im Kopf rechnet, obwohl ja mittlerweile jeder einen Taschenrechner habe, antwortet sie: Wir laufen ja auch, obwohl wir Autos haben. Wenn man doch etwas genauso gut kann wie eine Maschine, warum sollte man dann die Maschine nutzen, statt es einfach selbst zu machen?
Devi gilt in ihrem Heimatland Indien nicht nur als Mathe-Ikone, sie hat darüber hinaus auch zahlreiche Bücher geschrieben. Unter anderem ist sie für ein Buch über Homosexualität bekannt, es war eines der ersten Bücher darüber in Indien und gilt bis heute als bahnbrechend für die konservative indische Gesellschaft. In dieser Folge „Geschichten aus der Mathematik“ spricht detektor.fm-Redakteurin Rabea Schloz mit Demian Nahuel Goos und Manon Bischoff von Spektrum der Wissenschaft über das Leben und Rechnen von Shakuntala Devi.