Windräder, E-Autos und Wasserstoff sollen helfen, das Klima zu schützen und die CO2-Emissionen weltweit zu senken. Die Rohstoffe, die für diese Technologien benötigt werden, kommen dabei oft aus dem Globalen Süden und werden unter ausbeuterischen Bedingungen und auf Kosten der lokalen Bevölkerung abgebaut. Einige Forschende sprechen deshalb vom „Grünen Kolonialismus“.
Die Europäische Union, China, die Vereinten Nationen: Sie alle haben sich der Idee der Green Economy verschrieben, um die Klimakrise einzudämmen. Ist ja auch verlockend, denn im Grunde sagt dieses Konzept: Alles kann weitergehen wie bisher, nur eben in grün. Deshalb werden neue Technologien entwickelt, um klimafreundlicher Auto zu fahren, zu heizen und zu konsumieren. Dafür braucht man allerdings Flächen und Rohstoffe wie Seltene Erden oder Lithium — beides liefert momentan vor allem der Globale Süden. Einige Forschende sehen darin eine Fortsetzung des Kolonialismus, nur eben unter „grünen“ Vorzeichen. So auch Miriam Lang. Sie ist Soziologin und Professorin für Umwelt und Nachhaltigkeit an der Universidad Andina Simón Bolívar in Quito, Ecuador. Sie hat ein Buch zum Grünen Kolonialismus mitherausgegeben und beschäftigt sich in ihrer Forschung mit diesen Themen.
Unsere Umweltpolitik ist dadurch gekennzeichnet, dass Profit immer im Vordergrund steht und Priorität hat vor eigentlichen ökologischen Fragen, und auch dadurch, dass sie kolonial strukturiert ist. Das heißt, dass die ökologischen Kosten ausgelagert werden.
Miriam Lang, Soziologin
Grüner Kolonialismus manifestiere sich in vier Dimensionen, so Miriam Lang. Die erste sei der Zugriff auf kritische Rohstoffe für „grüne“ Technologien, wie wir ihn zum Beispiel in der Demokratischen Republik Kongo sehen. Das Land hat die größten Kobaltvorkommen weltweit. Kobalt brauchen wir für Akkus und Batterien, auch für die von E-Autos. Der Abbau findet oft unter schrecklichen Bedingungen statt.
Die Weltmächte streiten sich darum, wer von den Rohstoffen die größte Portion abkriegt, ohne aber die lokalen Verhältnisse vor Ort zur Kenntnis zu nehmen oder den Menschen vor Ort diesen Rohstoff zu gönnen.
Miriam Lang