Spektrum-Podcast | Aalschmuggel

Das lukrative Geschäft mit geschmuggelten Fischen

Vom Aussterben bedroht — und trotzdem millionenfach geschmuggelt: Warum der Europäische Aal zum Objekt internationaler Kriminalität geworden ist.

Aalschmuggel ist ein extrem lukratives Geschäft. Der Europäische Aal (Anguilla anguilla) ist in seinem Bestand in den vergangenen Jahrzehnten um rund 90 Prozent zurückgegangen. Die Art gilt als vom Aussterben bedroht: Wanderhindernisse wie Staudämme, Wasserkraftwerke, verschlechterte Lebensräume, Umweltbelastungen und der Fischfang setzen ihm zu. In vielen Regionen gelten inzwischen strenge Fangverbote.

Doch weil der Aal vielerorts als Delikatesse gilt, floriert weltweit ein Schwarzmarkt mit Profiten in Millionenhöhe. Besonders lukrativ ist der Aalschmuggel der Jungtiere, sogenannter Glasaale. Der Grund: Europäische Aale können bislang nicht wirtschaftlich in Gefangenschaft gezüchtet werden, deswegen sind Aquakulturen auf Wildfänge angewiesen.

Ein Kilogramm Glasaale erzielt Preise zwischen 7.000 und 9.000 Euro. Organisierte kriminelle Netzwerke haben den Handel längst professionalisiert. Europol bezeichnet den Handel mit Glasaalen inzwischen als eines der größten Wildtierverbrechen Europas.

Aalschmuggel als Bedrohung einer Art

Die Ermittler und Ermittlerinnen reagieren mit internationalen Polizeioperationen, doch der Aalschmuggel passt seine Methoden ständig an. In den vergangenen Jahren entstanden immer komplexere Schmuggelrouten über den Balkan, Nordafrika und inzwischen auch Osteuropa bis nach Asien. Die Tiere werden in Koffern oder zwischen anderen Lebendtiertransporten außer Landes gebracht. Dank ihrer Robustheit überstehen sie Transporte von bis zu 48 Stunden.

Gleichzeitig warnen Forschende vor den ökologischen Folgen eines möglichen Aussterbens des Aals, der als Spitzenprädator eine wichtige Rolle in aquatischen Ökosystemen spielt. Sie fordern deshalb strengere internationale Schutzmaßnahmen, eine konsequentere Bekämpfung der organisierten Kriminalität und eine bessere Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Strafverfolgung.

Wir brauchen Räuber wie die Aale, damit ein Ökosystem funktionieren kann.

Andreas Jahn

Foto: Spektrum der Wissenschaft

Andreas Jahn ist Biologe und Redakteur bei Spektrum der Wissenschaft. Im Gespräch mit detektor.fm-Moderator Marc Zimmer geht er auf die Besonderheiten des Aals ein und erklärt, wie der internationale Aalschmuggel funktioniert.

Redaktion