Doppelstunde Sport | Januar 2015

Radcross, Crowdfunding, Streif und Doping

21.01.2015

Im Januar beschäftigt sich die Doppelstunde Sport mit einem Sprinter, der per Crowdfunding zu den Olympischen Spielen will, der Ski-Dokumentation "Streif - One Hell of a Ride" und dem Nischensport Radcross. Außerdem: das Ende der Sportgerichtsbarkeit und Doping in Deutschland.

Crowdfunding für Olympia

Sven Knipphals ist einer der schnellsten Männer Deutschlands. Er sprintet die 100 Meter in 10,2 Sekunden. Bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Zürich hat er im vergangenen August mit der Staffel Silber gewonnen. Das nächste große Ziel des 29-Jährigen sind die olympischen Spiele in Rio de Janeiro 2016. Dafür haben der Sprinter und sein Agent eine ungewöhnliche Idee. Denn Sven Knipphals betreibt seit dem Herbst ein Crowdfunding, bei dem Fans und Unterstützer ihn per Spende dem olympischen Traum ein Stück näher bringen können. Wir haben mit Sven Knipphals über die Aktion und ihre Hintergründe gesprochen.

10562652_943644008995067_550691717856199496_oVon olympischen Sportarten kann man nicht leben, es sei denn man ist ganz, ganz oben dabei.Sven KnipphalsDer Sprinter will sich mit Online-Spenden auf Olympia 2016 vorbereiten. Foto: privat 

Epischer Werbeclip mit Schwächen

Es ist das schnellste, härteste und gefährlichste Rennen im Ski Alpin-Weltcup: das Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel. Die extreme Hausstrecke, die „Streif“ zieht seit jeher Athleten und Zuschauer in ihren Bann. Zum 75. Jubiläum des Rennens geht die Dokumentation „Streif – One hell of a Ride“ dem Mythos des Rennens auf den Grund. Darin setzten die Macher im Auftrag des Renn-Sponsors Red Bull auf eine Mischung aus Stimmen legendärer „Streif“-Bezwinger, Original- und gestellten Hochglanzbildern sowie die für den Brausehersteller typische Werbeclip-Optik. Das funktioniert nur bedingt, meint Doppelstunde Sport-Moderator Alexander Hertel, der den Film gesehen hat.

Pseudodoku mit AnspruchIn "Streif - One Hell of a Ride" verbinden die Macher den Mythos des Rennens mit einer nicht immer passenden Werbeclip-Optik. 

Mit dem Rennrad durch den Schlamm

Im Sommer Rennrad fahren ist nicht schwer, im Winter braucht das schon etwas mehr Überwindung. Wenn man dann noch die Reifen leicht profiliert und durchs Gelände prescht, betreibt man Querfeldeinsport. Man kann auch Cyclocross dazu sagen. Im Januar hat sich die deutsche Querfeldein-Elite in Borna bei Leipzig getroffen, um die deutschen Meisterschaften auszufahren: Ein Großfamilientreffen im Schlamm. Aufstrebende Talente, Leistungsträger und alte Hasen haben auf und neben der Strecke für Stimmung gesorgt. Ein 3,2 Kilometer langer Rundkurs mit Stadiondurchfahrt diente als Kulisse. Wer sich bei den Damen und Herren das Meistertrikot erfahren hat und was den Reiz des dreckigen Rennradfahrens ausmacht, das hat unser Reporter Gerolf Meyer in Borna herausgefunden.

Bildschirmfoto 2015-01-21 um 10.45.29Nichts für ZimperlicheBeim Querfeldein-Rennen geht es hart zur Sache und das im knöcheltiefen Schlamm. Foto: Gerolf Meyer 

Impressionen von der Cyclocross-WM. Die nächsten Weltmeisterschaften beginnen am 29. Januar im tschechischen Tabor.

Das Ende der Sportgerichtsbarkeit

Dieses Urteil wirbelt die Sportwelt durcheinander. Das Oberlandesgericht München hat mit einer richtungsweisenden Entscheidung das Ende der Sportgerichtsbarkeit eingeläutet. Bislang sind die Streit- und Strafverfahren der Sportwelt vor den intransparenten Schiedsgerichten der Sportverbände ausgetragen worden. Dazu zählten auch Dopingvorwürfe. Laut den Regeln des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) verpflichten sich Athleten, in solchen Fällen keine ordentlichen Gerichte anzurufen. Gegen diese Verpflichtung hatte die Eisschnelläuferin Claudia Pechstein geklagt und sie hat Recht bekommen. Pechstein war 2009 wegen Blutdopings gesperrt worden. Über die Auswirkungen des Urteils haben wir mit dem Dopinggegner und Kritiker der Sportgerichtsbarkeit, Wolfgang Franke, gesprochen.

Franke_209Die Deutschen haben die Eigenschaft, sie halten sich selbst für so sauber und den Rest der Welt für so dreckig. Das ist ein scheinheiliges Völkchen.Werner FrankeDer Mikrobiologe kämpft seit Jahrzehnten gegen Doping und kritisiert die Sportgerichtsbarkeit. Foto: DKFZ-ZMBH-Allianz 

Die ungehörten Doping-Opfer

Bis zu 15.000 Menschen sind Opfer des staatlich organisierten Dopingsystems in der DDR geworden. Schon Kinder sind mit leistungssteigernden Mitteln vollgepumpt worden. Viele leiden bis heute unter den Spätfolgen: Bandscheibenvorfälle, Organschäden, Tod. 2002 hat die Bundesregierung zwar ein Dopingopfer-Hilfegesetz (DOHG) verabschiedet, das eine einmalige finanzielle Entschädigung vorsieht. Aber vielen reicht das nicht. Alleine bei der gemeinnützigen Doping-Opfer-Hilfe (DOH) haben sich bislang 700 Menschen gemeldet. Passiert ist seitdem jedoch kaum etwas. Über das DDR-Dopingsystem und die Tatenlosigkeit vom Politik und DOSB haben wir mit Ines Geipel gesprochen, die ehemalige Weltrekord-Sprinter ist selbst Opfer des DDR-Dopings und Vorsitzende der DOH.

Bildschirmfoto 2015-01-20 um 22.11.02Wir haben eine Gesellschaft, die selber hochgradig dopt, eine Kultur der Chemie.Ines Geipelweiß aus eigener Erfahrung, welche Folgen das Dopingsystem der DDR hat. Foto: DOH 

Redaktion: Alexander Hertel, Andreas Bischof, Gerolf Meyer, Maximilian Hendel