Es schmiegt sich an, es atmet, es kuschelt – und lebt doch nicht

11.02.2010

Nähe geben, trösten, da sein - allein kann sich der Mensch das nicht geben. Der Designer Stefan Ulrich sagt: "Der globale Jobnomade vereinsamt, und seine Gefühlswelt droht zu verflachen." Darum hat er den "Funktioniden" entwickelt. Kann der einen Menschen ersetzen?

Der Funktionide simuliert Atem und Herzschlag und reagiert auf Berührungen und Stimmen. / © Stefan Ulrich

Schon immer sind Designer damit beschäftigt, Produkte so zu entwickeln, dass Menschen die Arbeit damit einfacher und angenehmer wird. Es geht um Leistungssteigerung, um Verbesserung von Effizienz und Effektivität. Doch was sich seit kurzem im Designbereich abspielt, könnte ein Paradigmenwechsel sein. Immer stärker geht es nicht mehr nur um Werkzeuge, sondern um den Menschen selbst – und um die Befriedigung emotionaler Grundbedürfnisse. Die Produkte werden angenehm, hell, warm, sie sollen sich in den Alltag einbinden. Sie sollen interagieren und reagieren. Der Mensch soll sie nicht als störend empfinden. Die Technologie, um dies zu erreichen heißt: elektroaktive Polymere.

Einer, der diese Technologie genutzt hat, ist der Designer Stefan Ulrich. In seiner Arbeit „Neue Versprechen“ entwickelte er einen „Funktioniden“. Ähnlich einer großen weißen Raupe täuscht der Funktionid Atmen und Herzschlag vor und soll so Wärme und Nähe geben in einer Zeit, die zunehmend als Vereinsamt und Unmenschlich empfunden wird. Stefan Ulrich hat sich dazu ausführlich mit quasi-lebenden Materialien und der Schaffung künstlicher Nähe beschäftigt und spricht darüber bei detektor.fm im Interview.

Funktionide Part II from eltopo on Vimeo.

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Marcus Engert

ist bei detektor.fm verantwortlich für Programm und Redaktion, unterrichtet im Master-Programm "Online Radio" der MLU und hat vor detektor.fm u.a. für die Nachrichtenagentur dapd, den BBC World Service und verschiedene ARD-Anstalten gearbeitet. Kann sich bei Kennenlern-Fragen, wenn es denn unbedingt sein muss, für Kaffee und gegen Tee, für Meer und gegen Berge, für Bier und gegen Wein entscheiden, aber niemals zwischen Hunden und Katzen.

Kommentare:

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  • tamara says:

    Da kriegt man ja Angst um unsere Kinder. Ob die echte von künstlicher Nähe noch unterscheiden können? Trotzdem: faszinierende Arbeit!