@ Eric Untermann:
Sie schreiben zu Thomas Gesterkamp: “Inzwischen hat er auf der Veranstaltung der FES vorgestern selbst zugegben: Der Aufschrei in Foren sei ein Beleg für eine politische Niederlage, die er den Gruppen wie MANNdat oder AGENS zugefügt habe - sie hätten es nun nicht mehr so leicht, im vorpolitischen Raum Gesprächspartner zu finden. Und darum ging es ihm, nicht darum, eine inhaltliche Analyse anzufertigen.”
Herzlichen Dank, dass Sie meine Vermutung bestätigen, dies sei das Ziel von Gesterkamps Schrift gewesen. Dieselbe Linke, die, als sie noch in der Opposition war, einen “herrschaftsfreien Diskurs” gefordert hat, tut jetzt, da sie in der Machtposition ist, vieles, um solch einen Diskurs zu unterbinden. Gesterkamp wurde hier von detektor.fm als “Kämpfer für das männliche Geschlecht” vorgestellt, freut sich aber Ihrer Darstellung nach wie Bolle, wenn die zahllosen Männer in den Internetforen empört und angewidert über seine Versuche sind, die Anliegen dieser Männer ins Zwielicht zu rücken. Wie passt das zusammen?
Dabei scheint mir der Verweis auf die “Junge Freiheit” der letzte Verzweiflungsschrei zu sein, wenn Leuten in der Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner auf Sachebene die Argumente ausgehen. “Aber er hat der Jungen Freiheit ein Interview gegeben!” ist längst zu einem Signal für Hilflosigkeit geworden. Aktuell berichtet Mathias Brodkorb auf “Endstation Rechts”, wie der Ex-Grünen Politiker Oswald Metzger im Interview mit der JF das Existenzrecht der “demokratischen Rechten” verteidigt:
http://www.endstation-rechts.de/index.php?option=com_k2&view=item&id=4861:ex-grünen-
Auch Mathias Brodkorb hat sich wiederholt dafür ausgesprochen, zwischen Rechtsradikalen wie etwa der NPD und der demokratischen Rechten wie der JF zu differenzieren. Sind die also alle rechtsradikal: Der ehemalige Grüne Oswald Metzger? Matthias Brodkorb, der Redaktionsleiter von “Endstation Rechts”? Arne Hoffmann, der seit Jahren engagiert gegen Fremdenfeindlichkeit anschreibt? Das ist genau das, was Walter Hollstein mit der “Verniedlichung des Rechtsextremismus” meint: Wenn wir Hinz und Kunz zum Rechtsradikalen ernennen, verliert dieser Vorwurf seine Kraft.
Ähnlich argumentiert auch der aktuelle MANNdat-Newsletter, wo es treffend heißt:
“Der gute Herr Gesterkamp, der offensichtlich unter einer ausgeprägten Rechts-links-Sehschwäche leidet, übersieht dabei nur ein wesentliches Detail: Je mehr Leute als ‘rechtsradikal’ bezeichnet werden, die es nachweislich nicht sind, umso mehr senkt man die Hemmschwelle für die tatsächlich Radikalen. Früher oder später nimmt niemand mehr diesen Vorwurf ernst, was zwar der Demokratie schadet, den Rechtsradikalen aber nutzt.”
Bei der Nordrhein-Westfalen-Wahl sind 40 Prozent der Wahlberechtigten nicht zur Wahl gegangen, weil sie sich von der herrschenden Politik nicht mehr repräsentiert fühlen. Teil dieser Politik ist, dass parteiübergreifend jede Partei eine Frauenbeauftragte hat, aber keinen Männerbeauftragten, dass es ein Ministerium für Frauen gibt, aber keines für Männer undsoweiter undsofort. Jungen bringen sich zwölfmal häufiger um als Mädchen - warum das so ist, interessiert in der hohen Politik offenbar keine Socke. Geschätzte 90 Prozent der Obdachlosen sind männlich – warum das so ist, wird nicht erforscht. Was gäbe es für ein Geschrei, wenn in beiden Fällen Mädchen und Frauen die Hauptbetroffenen wären! Bürgerrechtlern, die die skizzierte Situation ändern wollen, mit durchschaubaren Diffamierungen weiterhin aus der Debatte ausgrenzen zu wollen, wird auf Dauer nicht gutgehen. Das kippt spätestens dann, wenn für jeden sichtbar geworden ist, wie stark die männliche Jugendarbeitslosigkeit inzwischen die weibliche übersteigt.
Insofern habe ich auch wenig Sorge, dasss Gesterkamp mit seiner Schmähschrift MANNdat und AGENS aus dem vorpolitischen Raum gedrängt haben könnte. Welcher Name fällt Ihnen ein, wenn Sie an die Bürgerrechtsbewegung der Schwarzen in den USA denken? Beispielsweise Martin Luther King. Wie hießen denn die Leute, die Martin Luther King als Radikalen und Kriminellen verteufelten? Das weiß heute kein Mensch mehr. So dürfte es zuletzt auch Thomas Gesterkamp gehen.
Von einem “alternativen Internetradio” allerdings erwarte ich, dass es sich nicht nur zum Sprachrohr der ohnehin im Bundestag vertretenen Parteien SPD und Grüne macht, sondern tatsächlich alternative Gruppen wie MANNdat und AGENS zu Wort kommen lässt. Es reicht nicht aus, einerseits hervorragende alternative Musik wie meinethalben The Shins zu spielen, aber andererseits im politischen Bereich nur dem Mainstream und dem Establishment eine Plattform zu bieten! Insofern freue ich mich auf Interviews oder Streitgespräche mit so reizvollen Querdenkern wie Gerhard Amendt oder Monika Dittmer.
Bettina Wagner