Neue Tarife bei der GEMA: Steht die Clubszene wirklich vor dem Aus?

28.06.2012

Die GEMA will neue Tarife einführen - und viele Club-Betreiber fühlen sich in ihrer Existenz bedroht. Die Debatte kocht hoch. Die Argumente der GEMA, die Argumente der Kritiker - und ein Kommentar zur Debatte.

Die GEMA setzt sich für das Urheberrecht der Künstler ein. Aber wieviel ist geistiges Eigentum wert? © Foto: Volker Hartmann/dapd.

Die GEMA hat in Deutschland nicht gerade einen guten Ruf. Vielen gilt sie als zu mächtig, manchen gar als reine Profitmaschinerie. Nun will die GEMA ab 2013 ein neues Tarifsystem einführen. Es soll fairer und transparenter werden. Sie betont, dass sich für viele gar nichts ändern würde. Club-Besitzer beschweren sich derweil lautstark. Ihrer Meinung nach wird es vor allem eines: exorbitant teurer. Wir beleuchten alle Seiten:


Die Seite der Club-Besitzer:

Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Diskotheken und TanzbetriebeStephan BüttnerGeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Diskotheken und Tanzbetriebe 

Die GEMA vergibt jährlich für über eine Million Veranstaltungen Lizenzen, da scheinen die rund 3000 Clubs mit ihren Partynächten relativ gering. Sie sind es aber, für die die Tarifänderungen am drastischsten ausfallen. Diese richten sich nach der Clubgröße, wie lange an einem Abend Musik gespielt wird und nach dem Eintrittspreis.

Die Betreiber sind empört und begründen ihre Entrüstung mit Kostensteigerungen bis zu 1000 Prozent im Einzelfall. Einige drohen gar, ihre Diskotheken wegen höherer Abgaben zu schließen. Viele Partyhungrige fürchten eine Schließungswelle der Clubs und gehen wütend auf die Straße. Stephan Büttner vom Bundesverband Deutscher Diskotheken und Tanzbetriebe fasst die Kritik zusammen.

Neue Tarife bei der GEMA: Steht die Clubszene vor dem Aus?


Die Seite der Gema:

Pressesprecherin der GEMAGaby SchilcherPressesprecherin der GEMA 

Am Samstag wollen die Club-Betreiber auf die Situation aufmerksam machen und für fünf Minuten die Musik abstellen. Wenig Eindruck scheint diese Kritik und der Protest hingegen bei der GEMA zu machen. Um deren Sicht auf die Dinge zu hören, haben wir auch mit der Pressesprecherin der GEMA, Gaby Schilcher gesprochen. Die Gema rechtfertigt ihre Tariferhöhungen damit, dass das bisherige Tarifsystem ungerecht gewesen sei. Gaby Schilcher sieht darum enormen Handlungsbedarf:

Die Diskotheken bezahlen (…) einen lächerlich geringen Anteil an die Urheber. – Gaby Schilcher

Neue Tarife bei der GEMA: Steht die Clubszene vor dem Aus? - GEMA


Der Kommentar zur Debatte:

beschäftigt sich mit der GEMA - und sieht deren Vorteile zu wenig berücksichtigt.Marcus Engertbeschäftigt sich mit der GEMA - und sieht deren Vorteile zu wenig berücksichtigt. 

Zwei sehr konträre Positionen heizen die Debatte an. Und genau die ist Gegenstand unseres Kommentars. Marcus Engert sagt: getroffene Hunde bellen!

Was die Groß-Diskos und Clubs jetzt zahlen sollen, zahlt jeder freie Konzert-Veranstalter schon seit Jahren. – Marcus Engert

Der Kommentar zum mitlesen:

Getroffene Hunde bellen. Und die Betreiber von Discotheken bellen zur Zeit sehr laut. Das überrascht nicht. Schließlich geht es Ihnen ans Geld. Wenn jetzt manche Betreiber vorrechnen, ihre Abgaben würden mit der GEMA-Tarifreform um hunderte und tausende Prozente steigen und die Schließung drohe, dann sorgt das zurecht für Protest. Nur: das ist nicht die ganze Wahrheit. Man kann und muss die GEMA für vieles kritisieren. Aber nicht dafür, dass sie eines erkannt hat: Betreiber von Discotheken fahren gern mal Benz. Veranstalter handgemachter Konzerte fahren Golf2.

Was nämlich die Groß-Discos und Clubs jetzt zahlen sollen, zahlt jeder freie Konzert-Veranstalter schon seit Jahren. Wer bisher eine eher kleine Band veranstaltet, für den ist die Gema nicht selten so teuer wie die Band-Gage – mitunter noch höher. Mit einem Unterschied: Der Aufwand an Mensch und Material ist um das x-fache höher. Hier stehen mehrere Menschen auf der Bühne. Hier werden Instrumente geschleppt, aufgebaut, Tonmenschen mischen Ton, Lichtmenschen machen Licht, Stagehands müssen abbauen. Dem steht gegenüber: ein Mensch an zwei Plattentellern oder einem Laptop. Kommt ein DJ am Club an, trägt er bestenfalls noch eine Plattentasche. Aufbau, Abbau, Technik mieten? Fehlanzeige. Der Aufwand an Mensch und Material ist für Live-Konzerte um das x-fache höher. Die Gagen sind es oft nicht.

Das Geschäft mit kleinen und mittleren Bands ist am Boden. Hier wird kein Geld verdient. Jeder Hobby-Veranstalter lernt schnell: will er gutes Geld machen, ist er mit DJs besser dran. Konzerte? Das ist Liebhaberei.

Die GEMA hat das all die Jahre nicht interessiert. Die Club-Betreiber auch nicht. Jetzt sollen die das gleiche bezahlen – und das Gejammer ist riesig. Vom Clubsterben ist die Rede. Die Betreiber rechnen Horror-Zahlen vor – und lassen den Vergleich mit anderen Musik-Veranstaltern unter den Tisch fallen. Sie radikalisieren und instrumentalisieren ihre Fans. Das schadet mehr, als es nutzt.

Sind wir ehrlich: Die GEMA-Diskussion ist überformt. Von einem Punkt, der mit der Reform gar nix zu tun hat. Die GEMA ist eine Zwangsabgabe. Das findet der Mensch per se doof. Erhöhungsdebatten sind da Öl ins Feuer. Nicht wenige derer, die jetzt „Die armen Clubs!“ schreien, meinen eigentlich „GEMA abschaffen!“. Und zweitens: die GEMA-Diskussion ist unsachlich. Natürlich muss die GEMA lautstark kritisiert werden. Für ihre Bürokratie und ihren Wasserkopf. Für ihre unfaire Verteilung der Einnahmen an Urheber. Für ihr intransparentes Verhalten, das sich nur Monopolisten erlauben können. Darum geht es bei den Debatten aber nicht.

Das, was jetzt stattfindet, ist eine nachträgliche Korrektur. Die Schaffung gleicher Verhältnisse. Ich persönlich werde jedenfalls keiner schließenden Großraum-Disco auf der grünen Wiese nachweinen. Wenn es an etwas in diesem Land nicht mangelt, dann an Tanzveranstaltungen mit Musik aus der Konserve. Um eines klarzumachen: ich bin wahrlich kein Freund der GEMA. Es gibt sicher auch kleine Clubs, die jetzt zu Unrecht Sorgen haben müssen – und das ist schlimm. Die führen aber die Debatte auch nicht an. Die Anführer der Debatte wollen sich einen komfortablen Status Quo sichern. Und indem sie das verheimlichen, und sich gegenüber anderen Musikschaffenden nicht erklären und nicht solidarisieren, sind sie der GEMA ähnlicher, als ihnen lieb sein kann.


+++ Unser Hörer Paul Kux ist anderer Meinung. Für ihn hat die GEMA viele gute Seiten – und diese würden nicht genügend dargestellt. Lesen Sie im folgenden seinen Gastkommentar. +++


Gastkommentar:
Tränen, Gänsehaut, Lachen – Warum die GEMA zu Unrecht in der Kritik ist

Nach unserem Spezial zur GEMA-Debatte meldete sich ein Hörer bei uns. Er ärgerte sich, denn immer wieder würden die selben Fehler reproduziert – und vieles wichtiges werde in der Debatte nicht dargestellt. So sei die GEMA auch ein “System, das junge Künstler im Live-Sektor subventioniert, wenn sie einfach ihre Gema-Listen ausfüllen”, mailte uns Paul. Daraufhin haben wir ihn gefragt, ob er seine Punkte nicht in einem Gastkommentar zusammenfassen möchte – und wir freuen uns sehr, dass er dazu bereit war. Lesen Sie hier seine Erwiderung zur GEMA-Debatte:

Schlagzeuger, 21 Jahre alt, kein GEMA-Mitglied.Paul KuxSchlagzeuger, 21 Jahre alt, kein GEMA-Mitglied. 

GEMA vs. Youtube vs. Clubbetreiber

Da steht sie nun, die GEMA. 65.000 Komponisten, Textdichter und Verleger haben sich mit ihrer freiwilligen Mitgliedschaft dazu entschieden, der GEMA ihre Wahrnehmungsrechte zu übertragen, um nicht mit jedem Radiosender, Club, Geschäft oder Veranstalter einzeln verhandeln zu müssen – und trotzdem eine faire Vergütung für die kommerzielle Nutzung ihrer Werke zu erhalten. Doch in den Köpfen der meisten ist die GEMA der perfekte Kapitalismus. Ein geldgieriger Verein. Nur an den eigenen Taschen interessiert. Und staatlich erzwungenes Monopol noch dazu.

Dabei bleibt vieles ungesagt. Dass die GEMA keine Gewinne erwirtschaften darf, zum Beispiel. Dass ihre 14 bis 15% Verwaltungsaufwand international verglichen im guten Mittelfeld liegen. Dass der ganze Rest an die Mitglieder ausgeschüttet wird. Und dass jeder angebliche Monopol-„Vorteil“ der GEMA – wie zum Beispiel GEMA-Vermutung (bei Wikipedia erklärt) – einfach mit der Gründung einer Konkurrenz-Verwertungsgesellschaft nichtig gemacht werden könnte.

+++ Gema vs. YouTube +++

2009 lief der Vertrag zwischen der GEMA und Youtube aus. Youtube gehört bekanntermaßen zu Google, einem Unternehmen mit 37,9 Mrd. US-Dollar (2011) Umsatz. Die Plattform war mal dazu gedacht, Videos online leicht zugänglich zu machen. Mittlerweile hören 93% aller 12- bis 19-jährigen Musik im Netz – und nutzen dabei fast ausschließlich YouTube als Quelle. Wohin das geführt hat, wissen wir alle: sowohl bei Videos mit GEMA-Musik als auch bei Videos ohne jeden GEMA-Zusammenhang tauchen diese Meldungen auf.

© dapd/youtube 

Das ist auch nicht falsch. Die GEMA hat die Rechte nach 2009 nicht eingeräumt. Aber nicht aus Böswilligkeit, sondern weil Youtube die Rechte nie nachgefragt hat. Das ist ungefähr so, als wäre der Bäcker der Böse, weil er einem Passanten kein Brötchen verkauft hat, der gar nicht nach einem Brötchen gefragt hat. Youtube verdient mit einem Click auf ein gut besuchtes Video ca. 15ct (geschätzt, offizielle Zahlen sind nicht bekannt). Sie machen das mit den verschiedenen Werbebannern, welche über die ganze Seite verteilt und teilweise gesehen werden müssen, bevor das Video abspielbar ist. Alles kein Problem, Youtube ist ein wirtschaftliches Unternehmen, es muss Gewinn erwirtschaften.

Doch nun weigert Youtube sich, von diesen Einnahmen 0,6ct pro Click an die GEMA und damit an die Urheber ihres Geschäftskerns zu zahlen. Oft wird hier auf andere Länder verwiesen, in denen alles besser liefe. Schaut man sich diese Einigungen einmal an, wird schnell klar: lange werden die auch keinen Bestand mehr haben. So führte eine Sperrung der meisten Videos für den britischen Markt dazu, dass die PRS als britisches Gegenstück zur GEMA Verträge mit 0,011 Pence pro Click abschloss. Darauhin forderten viele Mitglieder den Rücktritt von CEO Steve Porter, welcher für die Verträge verantwortlich war und schließlich seinen Posten räumte.

+++ GEMA vs. Clubs +++

Ähnlich verhält es sich mit der Diskussion um die neuen Club-Tarife. Im Kern stehen die aktuell 11 Veranstaltungs-Tarife, welche oft wegen ihrer Unübersichtlichkeit kritisiert wurden. Nach 2 Jahren Verhandlungen brach die Dehoga (der deutsche Hotel- und Gaststättenverband) die Verhandlungen ab. Damit war die GEMA gesetzlich verpflichtet, neue Tarife einseitig zu veröffentlichen und ihre Kontrollinstanz, die Schiedstelle des Patent- und Markenamtes, anzurufen, um diese Tarife prüfen zu lassen.

Dieser Schritt wurde genutzt, um die Tarife von 11 auf 2 zusammenzufassen und eine Vergütung in Höhe von 10% des Tür-Umsatzes einzuführen. Diese 10%, welche anhand der Größe des Clubs, stellvertretend für Besucherzahl und Eintritt, berechnet werden und sich nur auf Tanzveranstaltungen beziehen (Konzerte sind nicht betroffen), bedeuten für viele kleine Veranstaltungen eine Entlastung. Für Discotheken wird es teils deutlich teurer. Deren Diskotheken-Pauschale kennt bisher nur die Unterscheidung in mehr oder weniger als 16 Veranstaltungen im Monat. Oft werden daher nun Zahlen wie „1.000 % Erhöhung“ in den Raum Geworfen – allerdings ohne sie in den richtigen Zusammenhang zu stellen.

Genau das wäre aber entscheidend: So hat ein Club von der Größe des Leipziger „Werk II“

  • mit ca. 1100 Gästen pro Veranstaltung
  • bei angenommenen 8€ Eintritt
  • 8.800 € Umsatz gemacht
  • musste davon aber aufgrund der Pauschale lediglich 119,50 € an die GEMA abführen – und damit an die Urheber der dort gespielten Musik.

Das sind weniger als 11 Cent pro Besucher.

Nach den neuen Tarifen müssten inklusive aller Zeitzuschläge für Veranstaltungen mit einer Dauer von bis 8 bis 12 Stunden pro Veranstaltung 880,00€ abgeführt werden. Die entspricht einer Erhöhung von über 700%. Auf den einzelnen Besucher herunter gerechnet handelt es sich aber um lediglich 95 Cent pro Kopf.

Ein Fazit: wer schreit, hat Unrecht

Und hier kommt es nun zur entscheidenden Frage: Ist es einem Clubgänger, welcher derzeit mit Kampagnen, Demonstrationen und Hass-Kommentaren gegen die neuen kämpft, wirklich nicht möglich, diese 95 Cent pro Club-Abend aufzubringen?

Können 95 Cent pro Kopf wirklich die Existenz eines bisher stabilen Clubs, mit all seinen Liebhabern, gefährden? Können diese Gäste nicht vielmehr endlich mit der Gewissheit tanzen, dass der Grund für die Glücksgefühle, die sie beim Tanzen spüren, jetzt gerecht entlohnt wird?

Sogar die größten Vertreter der Anti-GEMA-Bewegung, Dr. Motte und Bruno Kramm, sind als Urheber GEMA-Mitglieder. Auf den jährlichen Mitgliederversammlungen der GEMA hätten sie etwas bewegen können – nur dort wurden sie leider selten gesehen. Und auch jetzt bekommt man nur ausweichende Antworten, wenn es um den längst überfälligen Austritt aus dem „monopolistischen Dinosaurier“ (so Kramms Worte) geht.

Zu hoffen bleibt nur eines: dass sich der Trend, dem zu folgen, der am lautesten schreit ein wenig beruhigt. Und dass die Leute erkennen, wer hier der Monopolist (Schon mal eine andere Plattform als Youtube probiert?) und wer der Kapitalist (Frag doch mal den Clubbetreiber deines Vertrauens nach seiner Auto-Marke!). Und wenn man dann ehrlich ist, könnte man sich sogar zu folgender Frage durchringen: Ist vielleicht die GEMA mit all ihren Urhebern – welche bei uns für Tränen, Gänsehaut, Lachen, Freude und Trauer sorgen – gerechter und schützenswerter, als es die Kampagnen der Gegenseite vermuten lassen? Ich finde: ja.

Kommentare:

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  • Fine says:

    ganz ehrlich, teilweise sind deine argumente verständlich und jeder von uns will das weiterhin musik produziert wird. aber man merkt an deinem kommentar, dass du keinen blassen schimmer davon hast, was es heißt, einen club, ein restaurant o.ä. zu führen, und zwar so, dass man damit überleben kann. meine familie betreibt zwei restaurants in der zweiten generation, und niemand von uns, kann es sich leisten, ein teures auto zu fahren oder in den urlaub zu fliegen, weil neben den gema-gebühren alle anderen abgaben ebenfalls steigen. zudem kann ich sagen, dass kein veranstalter die preise aus eigennutz an seine gäste weitergeben will, es ist ein teufelskreis, gestiegene kosten für die betreiber, steigende kosten für die gäste, ergo weniger gäste usw. themenabende wie salsa-tanzbälle oder veranstaltungen von tanzvereinen die mottoabende zu ihrem tanzstil veranstalten wollen um mit ihren mitgliedern einen schönen abend zu verbringen, werden sich dies nicht leisten können, was dazu führt, dass sinnvolle freizeitangebote und gemeinschaftsinteressen nicht mehr bezahlbar sind. welche schule soll sich denn zum beispiel einen abiball leisten können, wenn sie für raummiete und dj das 5fache oder mehr zahlen muss, da der veranstalter bzw. zur verfügung steller des raumes und der musik selbst seine horrenden kosten decken muss?



    und mich als leidenschaftlichen clubgänger und festivalbesucher regt es einfach tierisch auf, dass man bei diesem verein einfach nicht durchsieht, ich habe mich belesen und mir pro- und kontra argumente angehört, es ist undurchsichtig und unfair, wie die gelder berechnet und verteilt werden. auch ist es unverständlich, ob die mitgliedschaft wirklich sooo freiwillig ist, denn kein künstler kann seine rechte allein vertreten, somit hat die gema eine vorteilhaftere stellung was ihre bedingungen angeht, und es ist ja wohl lachhaft, wie die bedingungen für die einzelnen abstufungen der mitgliedschaften sind.



    und ps: frag doch mal die gema-mitarbeiter nach ihren automarken, ich wette der vorstand fährt nicht mit rad zur arbeit.

  • subliminal subotnik says:

    nach all den Kommentaren und Aussagen die ich hier lesen durfte, belibt zu sagen :



    - euer wissen um das was in den clubs, welche sich gegen die GEMA Tarifreform 2013 stellen, vorgeht und wie sie funktionieren - es reichlich duerftig bestellt zu sein scheint.



    1. es ist mitnichten so das der aufwand unserer Partys soviel geringer ist als der eines konzertes.

    gut es giebt gelegentlich weniger techniker und herkoemmliche instrumente.



    2. es treten nicht nur DJs auf .. sondern auch viele life-acts , ja auch ohne schlepptop,



    3. es giebt eine ganze reihe anderer kuenstler die an solch einem abend beteiligt sind: DEKO-artists, performer, lichtkuenstler. ...



    4. es gilt in der regel das sogenannte club-in-club prinziep, das bedeutet dass sich kleine veranstalter in einem club einmieten.

    konkret: veranstalter zahlt miete(+getraenke-mindest-umsatz-garantie) an den betreiber der location.



    es bleiben ihm folglich nur die eintrittsgelder um seinen artists(dj,liveact,deko,projektionen) die gagen zu zahlen , die werbung , zusaetzliche technik und personal, etc ;) ja + steuern+gema+GVL+GVÜ+kuenstlersozial-abgabe .



    was bleibt da den wohl uebrig fuer den veranstallter ?



    in meinem “umfeld” sind diese veranstalter meist den auch die musiker oder dekorateure selbst die veranstalten, die wenigsten haben ueberhaupt ein auto !!!



    oftmals KOSTET so eine veranstaltung schlicht geld ! die artists BEZAHLEN fuer ihre auftritte !



    DAS ist DIE REGEL , in den kleinen clubs !



    GELD laesst sich auf diese art und weise nur verdienen wenn eman einige oder einen fetten sponsor hat!

    Diese zeiten sind einerseits laengst vorbei - und kleine events fuer sponsoren sowiso uninteressant - auch wollen viele kuenstler sowas garnicht .



    das argument die dizzen wuerden ja so ungerecht weniger als die konzert-veranstalter zahlen - ist eine klassische teile und herrsche taktik !!!

    Es hatte durchaus sein ziel als die abgaben fuer konzerte erhoeht wuerden ... in weiser vorraussicht!



    auch das argument der subvention von newcomern durch die GEMA, wenn sie denn nur tracklisten schreiben wuerden - funktioniert leider NULL !



    in der electronischen musik wird diese oftmals live produziert - der “track” entsteht also erst auf der buehne !

    ***dabei ist es sicher kein problem fuer den kuenstler, dabei gleich ne tracklist mitzuschreiben, haende und fuesse hat der mensch ja schliesslich genug ;)***



    ich denke die GEMA sollte sich mit allen beteiligten zu runder-tisch verhandlungen treffen und auf augenhoehe mit den leuten diskutieren um eine gerechte und gangbare loesung mit allen beteiligten treffen, als beteiligte sehe ich hier insbesondere auch vertreter der kleinen clubs und der kleinen nicht-GEMA-artists .



    das ganze muss oeffentlich und fair ablaufen.



    all my best regards



    subliminal subotnik

  • Dragonnight says:

    Was ich zu diesem Thema sagen kann, die von der Gema immer wieder angegebenen 10% vom Eintritt sind nicht Real!



    Wenn man Ihre eigenen Tarife nimmt, und rechnet auf dieser Basis einmal einen Club durch, der NICHT GENAU auf 100, 200, 300,...m² liegt, sondern z.B. 238m² hat, dann passt das schon nicht mehr.

    Der 238m² Club wird nämlich von den Abgaben her wie ein 300m² Club behandelt - hat aber wesentlich weniger Einnahmen durch den Eintritt.

    Wenn man dann ganz real die Aufschläge für >5 Std. Öffnungszeit und den nicht mehr Zeitgemäßen Aufschlag für MP3 usw. Nutzung hinzu rechnet, dann liegt man oft schon bei 20 - 30% Gema Abgabe vom Eintritt!



    Natürlich kann man per Härtefallregelung einen geringeren Besuch des Abends bei der Gema melden - aber das ist ein Reines Bürokratisches Monster!

    Jeder Club muss zudem ab 01.01.13 jeden Öffnungsabend separat bei der Gema anmelden, es gibt ja keine Pauschaltarife mehr.

    Wenn man von 3 Öffnungstagen ausgeht, dann sind das schon 150 Meldungen je Club pro Jahr.

    Gehen wir Real davon aus, das bei den meisten Clubs nur 1 Öffnungstag wirklich voll ist, und die anderen deutlich schwächer sind (einzelne Ausnahmen mal nicht berücksichtigt), dann kommen nochmal 100 Härtefallmeldungen je Club dazu um die Gemavorgabe auf die Realen Besucherzahlen anzupassen.



    Bisher gab es pro Club 1-2 Meldungen im Jahr - mit den neuen Tarifen dann ca. 250 pro Club und Jahr!

    Das ist Bürokratiewahnsinn in Reinkultur - und die Gema hat jetzt schon einen Wasserkopf als Verwaltung!



    Und diese genannten Punkte können nicht wegdiskutiert werden, sondern das sind alles Angaben aus den aktuellen neuen Tarifen der Gema.



    Das Prinzip der GEma ansich ist völlig OK, und es ist für die Urheber und Kreativen absolut Notwendig.

    Aber ob man die Gema in Ihrer aktuellen Form so weiterführen sollte - da bin ich skeptisch.

    Es gibt andere und effektivere Systeme - Siehe Nachbarländer - aber das ist ein anderes Thema ;-)

  • John OGallagher says:

    Der Kommentar von Markus Engert ist anschaulich und auch nicht schlecht geschrieben, nur eines wurde gar nicht berücksichtigt und das macht die Sache für die Clubs so gefährlich ...



    Es wird IMMER von voll besuchten CLubs ausgegangen und das ist gar nicht mehr regelmäßig der Fall, zumindest in unserem schönen Bundesland Schleswig-Holstein. Damit senken sich zwar die 10 % pro Kopf Abgaben des EIntrittsgeldes, aber der Rest nicht ! Es wird in Zuklunft die Gesamtfläche der Diskothek berechnet, obwohl darin Lagerräume, Küchen etc. mit enthalten sind, die einem Gast verständlicherweise nicht zugänglich gemacht werden dürfen.

    Dann der Hammer: Nach 5 Stunden Spielzeit erhöt sich der Beitrag um 50 % und dann immer alle weiteren 5 Stunden.



    Das sind Punkte, da muss man ganz klar mit der GEMA verhandeln können.

    Das Problem ist, daß die GEMA null Verhandlungsbereitschaft zeigt und das ist das Problem, warum nicht nur DIskothekenbesitzer laut bellen, sondern alle Dienstleister, die auch unter den Folgen dieser Reform existenziell bedroht sind.

  • Erfurter says:

    hier wird nur über Discotheken gesprochen. ich mache Veranstaltungen mit kleinen Bands ohne Eintritt. es passen so 100 leute in da Lokal. von den Getränke Verkauf wird die Band Bezahlt. dann müssen wir noch Vergnügung Steuer an die Stadt Bezahlen dann kommt mehr Strom auf uns zu gema Zahlen wir so 25 Euro. mit dem Neuen Tarif würden wir so 79 Euro Zahlen müssen. da können wir uns keine Kostenlose Live Musik mehr Leisten und das ist das ende.denn würden wir Eintritt nehmen würde die Gema Gebühren gar nicht mehr zu Bezahlen sein.weil es Rechnet ich nach Eintritts Preis und Größe de Lokales.

  • Paul Kux says:

    Oliver:

    Die Musik ist zwar ein emotionales Produkt aber trotz allem ein Produkt. Bei Clubs sogar das Kernprodukt des Geschäfts. Warum sollte es also anders behandelt werden als zum Beisiel Getränke? Wenn ein Veranstalter für 500 Leute kalkuliert und nur 100 erscheinen, sitzt er am Ende auf einer ganzen Menge Zeug. Da ist die Härtefallregelung der GEMA, die bei großem Ausfall greift doch schon ein großes Entgegenkommen.

  • Marcus Engert says:

    Liebe Hörerinnen und liebe Hörer,



    haben Sie alle vielen Dank für Ihre zahlreichen Rückmeldungen - die freuen uns wirklich sehr!

    Wenig überraschend ist das ganze ein kontroverses Thema. Und es ist dazu noch außerordentlich komplex und vielschicht. Daher bitten wir herzlich um Verständnis dafür, dass wir nicht alle Aspekte des Themas bis ins letzte Detail darstellen können. Wir wollen, dass auch ein breiteres Publikum sich mit unseren Inhalten befasst - und darum müssen wir auch auf die Länge unserer Beiträge achten. Zwar nehmen wir uns durchaus viel Zeit für Hintergründe. Doch erschöpfend können auch wir dieses Thema nicht behandeln…



    Daher wollen wir Sie auch ermutigen: wenn Sie Webseiten, Blogs, Interviews etc. finden, in denen Aspekte gut dargestellt werden, die Ihrer Meinung nach hier fehlen, verlinken Sie diese gern hier. Uns freut das!



    Nun schnell zu Ihren Kommentaren direkt:



    @Flo: Wir haben niemandem und keiner Discothek den Untergang gewünscht, das ist eine etwas einseitige Verzerrung. Gleichwohl haben Sie Recht mit Ihrem Einwand, dass in ländlichen Regionen Großraumdiscotheken oftmals die einzige Musikkultur sind. Trotzdem: gerade die können mangels Konkurrenz Ihre Preise freier gestalten. Und zehn Cent mehr auf das ein oder andere Getränk ist sicherlich für keinen Jugendlichen unzumutbar.



    @Tabea: Danke für die Verteidung, aber bitte: nett bleiben. Beleidigen disqualifiziert.



    @Tatjana: Sorry, wir kennen das Stück der Kollegen beim DLF nicht. Ganz unwahrscheinlich scheint das aber nicht zu sein, s. dazu die Gegenüberstellung der alten und neuen Tarife: https://www.gema.de/fileadmin/user_upload/Musiknutzer/Informationen/tarifstruktur_u_v.pdf

    Diese Tabelle jedoch sollte mit Vorsicht gelesen werden, wie RA Thomas Stadler gezeigt hat: http://www.internet-law.de/2012/07/werden-die-neuen-gema-tarife-wirklich-ein-clubsterben-auslosen.html



    @Sven: korrekter Einwand! Allein, man könnte mit der Zahl mehr anfangen, wenn man ihr auch eine Zahl von Live-Konzert-Events gegenüberstellen würde. Das Verhältnis wäre spannend. Plus die Frage, ob die Tarifreform eventuell einen long tail hat, weil sie bewirkt, dass für Veranstalter kleine Live-Konzerte nicht mehr vollkommen unattraktiv sind…?



    @Jakob: Klar, Electronica setzen sich durch und breiten sich aus. Ich persönlich tanze außerordentlich gern dazu. Nur, daraus zu schließen, dass das Konzept der Band am Ende ist, finde ich ein bisschen gewagt. Das beeinflusst sich gegenseitig, klar. Aber ich sehe nicht, dass sich das verdrängt. Ne gut abgehende Live-Band auf einer Bühne bleibt etwas ganz anderes, als vor einem DJ-Pult zu stehen. Ich persönlich denke: es gibt genügend Freunde beider Darstellungsformen - und der ein odere andere (inkl. mir) zählt sich zu beidem.



    @Oliver: Das geht sehr ins Detail, ich bin da auch ein wenig überfragt. Aber das ist ja auch etwas, dass die Betreiber bzw. ihre Vertretung mit der GEMA ausboxen muss. Und die wiederum hat Teile der neuen Pläne ja schon als “Verhandlungsmasse” bezeichnet (den 50%-Aufschlag nach 5h zum Beispiel). Kurzum: wenn die Clubbetreiber da vollkommen unfaire Berechnungsgrundlagen sehen, müssen sie das bei den Verhandlungen bzw. jetzt bei der Rechtsaufsicht der GEMA, die das ganze jetzt prüft, durchsetzen.



    @Jürgen: Das dürfte schwer werden :-) Aber so funktioniert die GEMA ja auch nicht. Die arbeitet halt umlagefinanziert und nach einem Punktesystem. Das kenne ich nicht im Detail. Bei Konzerten und Airplays im Radio muss schon via Titellisten nachgewiesen werden, was gespielt wurde. Bei Clubveranstaltungen kann ich mir das nur schwer vorstellen. Aber wie gesagt: im Detail weiß ichs nicht…

  • Jürgen Jürgens says:

    ...und wenn mir jetzt noch jemand glaubhaft nachweist, dass auch die tatsächlich bei den Veranstaltungen und in den Clubsund Diskotheken gespielten Autoren das Geld bekommmen, habt ihr mich auf eurer Seite.

  • Paul Kux says:

    Falsch, Oliver:

    Die GEMA berechnet zwar ausgehend von einer 2/3-Auslastung des Clubs, hat allerdings die Härtefallregelung, die beantragt werden kann, wenn die tatsächliche Gästezahl von der regulären Auslastung abweicht. Meines Wissens wird dann die Abgabe anhand der tatsächlichen Gästezahl berechnet.

  • Oliver says:

    “Warum sollte es also anders behandelt werden als zum Beisiel Getränke? Wenn ein Veranstalter für 500 Leute kalkuliert und nur 100 erscheinen, sitzt er am Ende auf einer ganzen Menge Zeug.”



    @Paul Kux: Wenn er am Mo auf 80% seiner Getränke liegen geblieben ist, wird er für den Di vielleicht gar keine Getränke einkaufen oder nur 20%. Wenn dagegen 80% der Besucher ausbleiben, dann darf er dennoch für die Gesamtsumme zahlen, die die Gema sich ausgedacht hat. Und am Dienstag ebenso. Und am Mittwoch auch.



    Bei Getränken gibt es das nur dann, wenn man eine Mindestabnahme z.B. mit der Brauerei vereinbart hat. Dazu wird man aber nicht gezwungen. Die Gema erzwingt diese Mindestabnahme und berechnet die MINDESTabnahme doch sehr optimistisch.

  • Oliver says:

    Wenn ich das der Diskussion richtig entnommen habe, werden die Preise pro Club auf Basis einer theoretischen Auslastung ermittelt, bei der für alle Wochentage mit der gleichen Besuchermenge gerechnet wird. Das entspricht aber nicht der Realität. Clubs, die z.B. Mo-Sa Disco-Veranstaltungen haben, haben natürlich am Fr. und Sa. die meisten Besucher und in der Woche weniger. Das Berechnungsmodell müsste also auf Basis der tatsächlichen Besucher arbeiten und nicht auf der Basis geschätzter Maximalzahlen.

  • Jakob says:

    Ist es nicht so, dass die populäre Musik überhaupt elektronischer wird, dass DJs statt fremder Platten ihre eigenen Stücke live spielen (und dafür Synthesizer, Drum Machines etc. anschleppen) und sich die Jugendkultur (die ja die Clubs füllt) vom Konzert in einer Konzerthalle zu elektronischen Musikproduzenten in Clubs verlegt? Das ist ein seit längerem stattfindender Vorgang, die jungen Kulturschaffenden wählen andere Mittel, sich auszudrücken, und werden eben deswegen in Clubs gebucht. Und das kulturelle Produkt dieser Leute ist mit sicher wegweisender und kunstvoller als die tausendste Schüler-Rock Band. Das Konzept der Band ist einfach mit den modernen Produktionsmitteln (Laptop) am Ende.

  • sven says:

    “Die GEMA vergibt jährlich für über eine Million Veranstaltungen Lizenzen, da scheinen die rund 3000 Clubs mit ihren Partynächten relativ gering.”



    Nun sind 3000 Clubs mit 2 bis 3 Veranstaltungen pro Woche auch schon für etwa 300.000 bis 450.000 Veranstaltungen pro Jahr verantwortlich. Finde ich nun nicht relativ gering.

  • Tatjana Meinert says:

    Frage: Hab im Deutschlandfunk kürzlich gehört,  dass Konzerte und Live-Auftritte von neuen, kleinen Bands werden stark billiger werden sollen. Teilweise angeblich über 50%.

    Könnt ihr das bestätigen?

  • Tabea says:

    Hä? Der Kommentar geht total klar.

    Die Club-Schreihälse (und offenbar auch du, Flo) sind es doch, die in ihrer “Kultur” eine schützenswerte Elite sehen !?!

    Nur weil jetzt mal einer kommt und sagt, es kann nicht wahr sein, dass Musik mit Bands x-mal teurer bei der Gema ist, als DJs, geht sofort wieder das Draufdreschen los.

    Der Punkt der da gemacht wird find ich total schlüssig: wenn die Club-Menschen sich mit den Musikern und Veranstaltern von Musikern solidarisieren würden, wären die Chancen doch viel höher, gemeinsam also mit vereinter Kraft am “System Gema” was zu ändern. Aber nein, ihr Disco-Fans habt nur euch im Sinn. Dann wundert euch auch nicht, wenn ihr allein gegen die mächtige gema nicht ankommt.

    Und woher weißt du eigentlich, dass es “nicht umsonst so viele Gegner dieser Reform” gibt? Man hört ja nur die. Die die das anders sehen nicht.

    Ich finds absolut zum kotzen wenn die gema den tot von clubs erzwingt. aber nur, weil jemand nicht hundertprozentig dieser Meinung ist (wie zb der kommentar), wird das was da gesagt wird nicht automatisch alles Unfug.

    Also komm ma klar und hör auf so reflexhaft rumzuschreien.

  • Flo says:

    Der Kommentar zeigt einen ziemlich arroganten Kulturelitarismus und offenbart mehr über sich selbst als das er wirklich intensiv mit der Reform auseinandergesetzt hat. Man muss Discos nicht mögen, ihnen aber den Untergang zu wünschen lässt tief blicken! Wer denkt denn bitte an die Jugendlichen in ohnehin strukturschwachen Gebieten für die die Disco auf der grünen Wiese die Einzige ist? Die GEMA führt mit ihrer Flächenabrechnung gerade zu dieser Entwicklung, dass nur an konzentrierten Stellen Discos entstehen können, weil man sich halbvolle Discos als Veranstalter nicht mehr leisten kann!



    Ich hätte mir neben der kritischen Analyse der GEMA-Gegner aber auch ein kritisches Hinterfragen der Aussagen der GEMA gewünscht, aber das kann man offenbar nicht erwarten. Es gibt nicht umsonst so viele GEMA-Gegner gerade bei dieser Reform. Und ja, die Leute haben auch kapiert, dass es am Ende nicht die Betreiber, sondern vor allem die Besucher trifft, wenn es geschlossen oder teurer wird.