Valium für Delfine – Tierschützer kritisieren Haltungsbedingungen in Delfinarien

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In Nürnberg und Duisburg gibt es die letzten Delfinarien Deutschlands. Münster schließt Ende der Saison. Tierschützer erheben jetzt schwere Vorwürfe gegen den Tiergarten Nürnberg: dort werden den Tiere angeblich Psychopharmaka verabreicht.


Valium für Delfine - Tierschützer kritisieren Haltungsbedingungen in Delfinarien Sieht ganz munter aus: Delfin im Delfinarium des Nürnberger Tiergarten. / Foto: Timm Schamberger, dapd

Jürgen Ortmüller Jürgen Ortmüller(rechts) zusammen mit dem ehemaligen Flipper-Trainer und Tierschutzaktivisten Ric O´Barry Werden die Delfine im Tiergarten Nürnberg mit Medikamenten ruhiggestellt? Tierschützer vom Wal- und Delfinschutzforum haben Unterlagen ausgewertet, aus denen hervorgeht, dass alle sieben Delfine aus dem Tiergarten Nürnberg über längere Zeit ein hochdosiertes Psychopharmakon bekommen haben sollen. Eines der Tiere war tragend.

Diazepam wird eigentlich gegen Angstzustände,  epileptische Anfälle und als Schlafmittel verabreicht. Bekannt ist es vor allem als Valium und kann stark abhängig machen. Darum ist es für eine Langzeittherapie nicht geeignet.

Der Zoodirektor des Nürnberger Tiergarten verteidigt sich: Es handle sich nur um geringe Dosen, die für die Tiere appetitanregend wirken sollen. Außerdem zweifelt er die Auswertung der Tierschützer an. Die Tierschützer vom Wal- und Delfinschutzforum wollen nun die Staatsanwaltschaft einschalten.

Jürgen Ortmüller ist der Gründer und Geschäftsführer des Wal- und Delfinschutzforums und hat mit uns über die Anschuldigungen gegenüber des Tiergarten Nürnberg gesprochen.


Es wurden bereits 4 Kommentare zu diesem Artikel geschrieben. Diskutieren Sie mit.
  1. Rüdiger

    Rüdiger am

    Ich will nicht bestreiten, dass die Delfine in Nürnberg u. a. mit Diazepam behandelt wurden. Dazu muss man aber wissen, dass die Dosierung des Medikaments vom Gewicht des Patienten abhängt. Menschen mit einem Gewicht von 70 bis 80 kg, können bei Bedarf bis zu 60 mg Diazepam AN EINEM EINZIGEN TAG bekommen. Das WDSF (nicht zu verwechseln mit dem WDCS!) hängt sich nun daran auf, dass ein Delfin der Art Tursiops Truncatus (im Mittel 300 bis 400 kg schwer) innerhalb 4 Monaten 145 mg Diazepam erhalten habe.

    Dass der Geschäftsführer des WDSF kein Fach-Veterinär für Wale und Delfine ist, kann man ihm nicht zum Vorwurf machen, dass er aber, er, ein einfacher Steuerberater, sich als Delfin-Experte aufspielt und Fachtierärzten für Zoo-, Gehege- und Wildtiere sowie Fachtierärzten für Tierschutz sagen will, wo´s langgeht, ist der Gipfel der Maßlosigkeit und Selbstüberschätzung.

    Dabei ist der der Geschäftsführer des WDSF nachweislich noch nicht mal in der Lage; wesentlich einfachere Sachverhalte richtig wiederzugeben. Den von Münster nach Sauvage in Frankreich umgesiedelten Delfin Kite beispielsweise sucht er fälschlicherweise in Harderwijk, Holland. Anstatt den Zoo Duisburg wegen angeblich „falscher Tierhaltung“ zu verklagen, verklagt er die Stadt Duisburg. Warum nur fallen seine Anhänger auf diesen Wichtigtuer herein, der selbst einfachste Zusammenhänge nicht rafft, sich dann aber als „der Delfin-Experte“ schlechthin darstellt?

  2. Antonietta

    Antonietta am

    In Delfinarien werden Delfine auf keinen Fall artgerecht gehalten! In Gefangenschaft lebende Delfine werden in kleine Becken gepfercht, die oft nur wenige Meter lang und breit sind. Normalerweise schwimmen Delfine in der freien Wildbahn bis zu 150 Kilometer pro Tag und tauchen bis zu 300 Meter tief. In der Gefangenschaft ist dies unmöglich! Außerdem besitzen Delfine ein sehr gutes Gehör sowie ein Sonar, das zur Erzeugung und Wahrnehmung von Ultraschalllauten dient, die unter anderem zur Kommunikation zwischen den Tieren herhalten. Durch das Brummen der Pumpen in den Schwimmbecken und der Musik während der Shows stehen die Delfine über alle Maßen unter Stress.

    Mit für die Tiere qualvollen Methoden werden den Tieren Kunststücke beigebracht und eingetrichtert. Ehemalige Tiertrainer bestätigen, dass den Tieren oft zu diesem Zweck Nahrung verweigert, und die Delfine zur Bestrafung in Isolationshaft gehalten werden!

    Delfine sind sehr soziale Tiere und äußert intelligent. In freier Wildbahn schwimmen die kleinen Wale meist mit Hunderten ihrer Artgenossen zusammen durch die Meere. Familienverbände bleiben ein Leben lang zusammen. Auch dies ist in einem Zoo auf keinen Fall möglich!
    Delfingehirne sind dem Menschen sehr ähnlich. Die US-Forscherin Lori Marino geht sogar davon aus, dass Delfine genauso intelligent wie Menschen sein können. Sogar dem Menschenaffen sind sie hoch überlegen. Diese schlauen Tiere dürfen auf keinen Fall in Gefangenschaft gehalten und für Tiershows mit Kunststücken, sowie Schwimmen mit den Tieren oder Delfin-Therapien missbraucht werden! Das ist Sklaverei! Delfine haben ein Recht auf Freiheit! Delfinarien müssen verboten werden!!

    Viele Menschen erzählen, dass sie den Delfinen ansehen, wie glücklich sie sind. Falsch! Das “Lächeln” der Delfine ist nur Täuschung! Der scheinbar freundliche Gesichtsausdruck der Tiere ist ihr Verhängnis. Für die Tiere stellt die Gefangenschaft eine große Tortour dar. Langeweile quält die Tiere unter anderem. Nur eins der vielen oben genannten Dinge. Oft wurden schon Selbstmordversuche der Tiere beobachtet!

    Psychisch und physisch haben die Tiere bereits einen Schaden, auch wenn man es ihnen nicht ansieht.

    Die Sterberate in Deutschlands Zoos ist erschütternd! In 40 Jahren Zuchtbemühungen gibt es in Europa keinen einzigen Delfin, der in dritter Generation überlebt hat. Nach langen Jahren erfolgloser nachhaltiger Zucht und mehr als 100 verstorbener Delfine alleine in den Zoos von Duisburg und Nürnberg (wahrscheinlich sogar noch mehr - die tatsächliche Sterberate wird von den Zoos geheim gehalten) müssen WIR endlich die Schließung der Delfin-Anlagen fordern!

    Wir müssen für die Rechte der Tiere eintreten, wenn sie selbst nicht sprechen können!

  3. Lisa

    Lisa am

    Hä, Duisburg schließt doch gar nicht, sondern Münster.

  4. Rüdiger

    Rüdiger am

    @ Antonietta
    Sie sollten ihrem Post vielleicht hinzufügen, dass alle Ihre Aussagen ausschließlich unbestätigte Vermutungen sind.

 

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