Der Libor-Zins: Banken manipulierten über Jahre

12.07.2012

Misstrauen brachten ihnen viele schon seit Jahren entgegen - und fühlen sich nun bestätigt. Großbanken sollen den sog. "Libor-Zins" über Jahre zu ihren Gunsten manipuliert haben. Inzwischen werden auch deutsche Banken verdächtigt.

Der Libor-Zinsskandal erreicht inzwischen auch die Deutsche Bank. Auch hier hat man anscheinend bewusst getäuscht. Foto: © Mario Vedder/dapd

ist Professor an der Frankfurter School of Finance and ManagementFalko Fechtist Professor an der Frankfurter School of Finance and Management 

Die Geschichte birgt wirtschaftlichen Sprengstoff:

Mitarbeiter der britischen Investmentbank Barclays haben über Jahre die “London Interbank Offered Rate”, kurz “Libor” verfälscht. Der Barclay’s Chef Diamond und beinahe die gesamte Führungsetage wurde ihres Amtes enthoben und zu einer Strafe von mehreren Millionen Pfund verurteilt.

Was ist der Libor?

Der Zinssatz Libor wird einmal täglich in London ermittelt und zeigt an, zu welchen Konditionen sich die führenden Banken am Londoner Finanzplatz Geld untereinander leihen. Die 18 größten Banken melden, wieviel sie für Kredite ihrer Konkurrenten zahlen müssen. Daraus wird der Mittelwert gebildet. Der Libor dient zum Beispiel als Referenz für Kredite an Unternehmen, aber auch für private Studentenkredite.

Der Skandal weitet sich aus

Der Skandal begann mit der Schweizer UBS-Bank. Dort erstattete man Selbstanzeige wegen Zinsmanipulation. Jetzt stürzen immer mehr Kreditinstitute über ihre Machenschaften. Insgesamt wird nun gegen mehr als ein Dutzend Großbanken ermittelt – auch gegen die Deutsche Bank. Die EU reagiert und möchte derlei Eingriffe in Zukunft unter Strafe stellen.

Über den Zinsskandal und seine Folgen sprechen wir mit Prof. Falko Fecht. Er lehrt an der Frankfurter School of Finance and Management.