Neue Studie: Krisen und Konflikte lösen Bienensterben aus

Wie Honig mit Revolutionen zusammenklebt

25.01.2016

Nicht nur Pestizide sind eine Gefahr für Bienen, sondern auch die Krisen, die der Mensch verursacht. Bürgerkriege und Revolutionen sorgen für Bienensterben - vielleicht sogar weit mehr, als Pestizide und Parasiten. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie. Aber warum reagieren die Honigsammler so empfindlich auf das Weltgeschehen?

Bisher hatten Forscher angenommen, dass hauptsächlich Pestizide, Parasiten und Wetterextreme für das globale Bienensterben verantwortlich sind. Ein Biologen-Team der Uni Halle hat kommt nun zu einem anderen Ergebnis: menschliche Krisen sind es, die den tierischen Honigsammlern nicht gut bekommen, zumindest jenen, die von Imkern gehalten werden.

Gefahr für Welternährung

Neben Rind und Schwein ist die Honigbiene eine der wichtigsten landwirtschaftlichen Nutztiere. Sie hilft den Pflanzen bei der Bestäubung, indem sie ihre Pollen weiterträgt. Das ist besonders aus makro-ökologischer Sicht relevant: viele Pflanzen dienen Tier wie Mensch als Nahrungsquelle und tragen zur biologischen Vielfalt bei.

Etwa 90 Prozent der Wildpflanzen und 75 Prozent der Nutzpflanzen sind laut Schätzungen auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen. Die Insekten werden damit auch zum Wirtschafsfaktor: denn die von ihnen bestäubten Nutzpflanzen haben immerhin einen Wert von 153 Billionen Euro pro Jahr.

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) sieht das Bienensterben deswegen als akute Gefahr für die globale Nahrungsversorgung: 70 der 100 wichtigsten Nahrungsmittel werden schließlich von Bienen bestäubt.

Historische Wende sorgt für Bienensterben

Auffällig ist der Populationsrückgang der Bienen seit den späten 1980ern. So sind in Europa sieben Millionen Bienen in einem Zeitraum von nur sechs Jahren verschwunden. Die Autoren der Studie aus Halle sehen einen Zusammenhang von politischen Krisen und der zurückgehenden Bienenpopulation, zumindest indirekt.

Beispielsweise führte das Ende der Sowjetunion in den 1990ern zu einem sozialen und demografischen Wandel. Viele Imker aus der DDR, die vor der Wiedervereinigung staatliche Zuschüsse erhielten, verloren nach dem Mauerfall das Interesse an der Honigproduktion. Mit dem Bevölkerungsrückgang im Osten Deutschlands nahm außerdem die Zahl der Imkereibetriebe ab.

Ist das Bienensterben eine Frage der politischen Situation in der Menschenwelt? Über den Zusammenhang zwischen globalen Krisen und der Zahl der Bienen hat detektor.fm-Moderatorin Constanze Müller hat mit Silvio Erler gesprochen. Er ist Biologe und forscht an der Martin-Luther Universität in Halle über die Bienen.

Silvio ErlerIn den asiatischen Ländern wird aber die westliche Honigbiene immer häufiger genutzt für die Imkerei, anstatt ihre einheimischen Bienen. Das führt zu der Problematik, dass z.B. einheimische Krankheiten in Asien dann übertragen werden auf die westliche Honigbiene.Silvio Erlerist Biologe an der Martin-Luther-Universität Halle und hat an der Studie zum Bienensterben mitgearbeitet. 

Redaktion: Zülal Yildirim