Antritt | Wolfang Haas von Santana Europa über 40 Jahre Tandemerfahrung

Warum fährst du so gern Tandem, Wolfgang Haas?

Wolfgang Haas hat das Tandemfahren 1983 für sich entdeckt. Seit 40 Jahren verkauft er Tandems — und fährt am liebsten nichts anderes.

In dieser Ausgabe von „Antritt“ geht es mit Wolfgang Haas von „Santana Europe“ um den Reiz des Tandemfahrens und die Entwicklung der Tandemtechnik.

Eine Tandemtour in Jugoslawien …

… und schon war es um ihn geschehen: Wolfgang Haas aus Rosenheim ist 1983 mit seiner damaligen Freundin auf seine erste Tandemreise aufgebrochen — und wenn man es poetisch formulieren will, dauert sie bis heute an. Denn am gemeinsamen Fahren auf einem Rad hat Haas seitdem einen Narren gefressen, obwohl es mit Kompromissen einhergeht. Oder vielleicht gerade deswegen?

Wer Tandem fährt, muss kommunizieren. Stoker und Captain, also die hinten und die vorn sitzende Person, haben nicht nur für sich selbst Verantwortung, sondern immer auch für den anderen oder die andere. Das bedeutet, dass man gemeinsam einen Rhythmus finden muss. Ganz nach dem Motto „It makes or breaks relationships“ gelingt das oder eben nicht. Wenn es mit der Fahrt auf einem Rad klappt, lassen sich tolle Dinge erleben, weil man direkt kommunizieren kann und die Erfahrung auf dem Rad sofort teilt. Man muss sich nicht von schönen Ausfahrten erzählen — man erlebt sie einfach miteinander.

Spezielle Technik für doppelten Fahrspaß

Nur wenige Jahre nach der Jugoslawienreise hat Wolfgang Haas damit begonnen, Tandems des US-amerikanischen Herstellers „Santana“ zu importieren. Das kalifornische Unternehmen hat sich früh als Tandemspezialist einen Namen gemacht. Anders als viele Hersteller, die auch einen oder zwei Doppelsitzer im Programm haben, hat „Santana“ bis heute fast ausschließlich Tandems im Angebot — und Räder mit noch mehr Sätteln. Dementsprechend groß ist die Expertise in Sachen Tandemrahmen und -technik, die sich in einigen Aspekten von denen klassischer Fahrräder unterscheidet. Denn auf dem Tandem wirken viele Kräfte doppelt, zum Beispiel die Gewichts-, die Antriebs- und die Bremskraft. Das verlangt nach speziellen Lösungen im Rahmenbau und auch bei anderen Komponenten. Vor allem in den Neunzigerjahren haben sich viele Fahrradhersteller darum bemüht und entsprechende Räder angeboten. Diese Zeit könnte man auch als Hochzeit des Tandems bezeichnen.

Tandemzukunft in Gefahr?

Seit einigen Jahren geht das Angebot an Tandems allerdings deutlich zurück. Viele Hersteller haben sie aus dem Programm genommen, weil das E-Bike einen klassischen Anwendungsfall in weiten Teilen ersetzt hat: Wo einstmals ein Tandem zum Ausgleich von Leistungsunterschieden angeschafft wurde, entscheidet man sich heute eher für ein E-Bike. Das ermöglicht zwar das gemeinsame Fahren auf zwei Rädern, das gemeinsame Fahrerlebnis auf einem Rad bleibt dabei natürlich auf der Strecke. Was diese Entwicklung für das Tandem bedeutet, wie er die Zukunft des Tandems einschätzt und was er in über 40 Jahren über das Tandem gelernt hat, darüber spricht Wolfgang Haas in dieser Ausgabe von „Antritt“ mit Gerolf.

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Redaktion