Da sind wir teilweise mit 45 km/h lang gebreddert, weil uns der Wind so geschoben hat. Ich ziehe dann die Kamera raus und mache mal schnell ein paar Bilder. Ich entdecke irgendwelche Sachen, die mein Captain gar nicht gesehen hat.
Wie gehst du damit um, wenn ihr irgendwo hochfahrt und dann kommt eine steile, kurvige Abfahrt? Was denkst du? Mir geht es schon oft so, dass mir das manchmal zu schnell wird. Dann lege ich auch Protest ein. Da steht: „Bitte fahren Sie langsamer, wenn Sie eine Leopardkatze sehen.“ Vielleicht ist es sogar so ein bisschen das romantische Ding, dass man was zusammen macht. Einfach, dass es einfach schöner ist.
Was würdest du sagen, wie wichtig ist das Tandemfahren für eure Beziehung? Es ist essentiell, würde ich sagen. Rechts und links war Dschungel, und wir sind mal stehen geblieben und haben den Affen zugewunken, und die uns auch. Das ist schon ein tolles Erlebnis, wenn man da steht.
Fahrrad-Podcast
Ich sorge mehr Freiheit. Hier ist der Antritt der Fahrrad-Podcast auf detektor.fm mit der zweiten April-Ausgabe 2026. Mein Name ist Gerolf Meyer, und ich hoffe, ihr habt so richtig schöne Ostern gehabt. Vielleicht habt ihr ja die Flandern-Rundfahrt verfolgt und ein bisschen von der begeisterten Atmosphäre mitgenommen, die Bernd Landwehr in der letzten Folge hier beschrieben hat.
Mir ist das Gespräch mit Bernd jedenfalls noch eine Weile durch den Kopf gegangen, und ich habe diese Faszination in mehreren Videos, die ich mir nach dem Rennen angeschaut habe, deutlich gespürt. Das betrifft nicht nur das Rennen selbst, sondern auch zum Beispiel die Teampräsentation in Antwerpen und Interviews nach dem Rennen, die Bernd geführt hat.
Und ich bin jetzt aber sowas von gespannt auf Paris-Roubaix am kommenden Sonntag. Ich selbst bin am vergangenen Wochenende unter anderem im Erzgebirge unterwegs gewesen, und diese Tour hat für mich perfekt in die Jahreszeit gepasst. Denn während in den Tälern und im Erzgebirgsvorland die Bäume schon deutlich im Frühlingsprogramm sind, man überall Vögel hören und beobachten kann und zum Beispiel die Magnolien so richtig satt blühen, liegt auf dem Gebirgskamm tatsächlich noch richtig Schnee.
Und wenn man seine Route auch abseits des Asphalts legt, dann kann es passieren, dass man auch mal eine Weile durch den Schnee stapfen muss. Und da bin ich schon wieder ins Radfahren verliebt. Auf einem kleinen Weg über die Grenze, den ich aus dem Sommer kenne und über den man wunderbar fix nach Tschechien rüberrollen kann, ist eben noch etwas Winter übrig.
Und dass ich dieses Spiel der Jahreszeiten am eigenen Körper und der eigenen Geschwindigkeit so direkt nachvollziehen kann, dass ich innerhalb von wenigen Stunden aus eigener Kraft durch so unterschiedliche Stimmungen gleiten kann, das kann für mich am besten der Radsport. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass sich einige von euch ebenso wegen solcher Erfahrungen immer wieder aufs Rad setzen.
Soziale Veranstaltung
Aber Radfahren ist nicht nur Landschaftserfahrung mit allem, was dazugehört. Es ist natürlich auch eine soziale Veranstaltung, und es gibt einen Radtyp, der das alles auf die Spitze treibt. Auf dem Tandem erleben Menschen Landschaften und Länder zusammen, und das kann eine ganz eigene Erfahrung sein.
Und darum geht es in dieser Ausgabe auch um eine Tandemtour, die allerdings nicht im Erzgebirge stattgefunden hat, sondern ein ganzes Stück weiter weg. Kommt mal mit! Im Westen des Pazifischen Ozeans gibt es eine Insel, die fürs Fahrrad eine ziemlich große Bedeutung hat. In Taiwan entstehen sehr viele der Räder, mit denen wir in Europa unterwegs sind. Doch Taiwan ist nicht nur ein Fahrradherstellungsland, sondern man kann dort auch richtig gut Rad reisen.
Das scheint jedenfalls so zu sein, denn Bina Bitte Jägel ist dort gerade drei Wochen lang getourt, zusammen mit ihrem Mann auf einem Tandem. Bina sitzt auf dem Tandem hinten, sie ist also die sogenannte Stalkerin, und da stellen sich gleich noch mehr Fragen. Warum setzt man sich auf ein Fahrrad, dessen Fahrt man nicht kontrollieren kann?
Und wie kommt man zurecht auf einer gebirgigen Insel mit vielen Anstiegen und Abfahrten und einer Sprache samt Schriftzeichen, die man wahrscheinlich nicht so gut versteht? Wir finden das alles raus, denn ich kann mit Bina sprechen, und ich sage Hallo nach München.
Gespräch mit Bina
Hallo Bina! Ja, hallo, grüß dich! Bina, du fährst drei Wochen in den Radurlaub und entscheidest dich aus freien Stücken für den Platz auf dem Rad, auf dem du sehr wenig Kontrolle hast, den hinteren Sattel eines Tandems. Warum denn das?
Ach, ich finde das total cool, weil ich brauche nicht immer auf den Asphalt zu schauen. Ich kann nach rechts und links schauen, ich kann Fotos machen, und ich kann mir auch zwischendurch überlegen: „Hey, lass uns doch anders fahren, weil die Straße ist hier total doof.“ Dann schaue ich gerade auf mein Handy, was ich vor mir habe, und schicke den Manuel jetzt gerade einfach mal eine andere Strecke lang, weil ich zwischendurch umplane, zum Beispiel.
Okay, Manuel, das ist dann dein Tandem-Partner, oder? Ja, ganz genau, ja. Okay, das ist jetzt interessant. Also für viele Menschen bedeutet, glaube ich, dass hinten auf einem Tandem sitzen so ein Verlust von Freiheit, weil sie können ja die Fahrt nicht kontrollieren.
Und das, was du jetzt sagst: „Ich kann rumgucken, ich kann Fotos machen, ich kann dies und das“ klingt eigentlich nach mehr Freiheit. Was stimmt denn jetzt? Ich sage mehr Freiheit, weil, wie gesagt, ich kann rumschauen und muss mich nicht auf den Verkehr konzentrieren. Oder natürlich manchmal mache ich das auch, wenn es mir zu brenzlig wird oder so. Dann kommt von mir auch schon mal ein Kommentar von hinten.
Aber im Großen und Ganzen würde ich sagen, ich ziehe dann die Kamera raus und mache mal schnell ein paar Bilder. Ich entdecke irgendwelche Sachen, die mein Captain gar nicht gesehen hat, so in der Art.
Vertrauen beim Tandemfahren
Okay, mir scheint da noch so ein zweiter Begriff reinzukommen: das Vertrauen. Wenn du sagst, wenn es dir zu wild wird oder zu gefährlich wird, dann sagst du schon auch mal was. Spielt sowohl Freiheit als auch Vertrauen eine Rolle beim Tandemfahren? Absolut! Ich weiß ja, dass mein Captain ganz genauso wenig in einen Unfall verwickelt sein möchte und dass er ja auch gerne weiter mit mir Zeit verbringen möchte.
Deshalb habe ich natürlich Vertrauen. Er will uns ja beide zusammensteuern, und das ist schon ein ganz wichtiger Punkt. Also, er will mich ja nicht da irgendwo in einen Unfall verwickeln oder so etwas.
Jetzt wollen wir hier nicht nur über das Tandemfahren sprechen, sondern auch über Taiwan. Nur zu Beginn noch, bevor wir konkret auf die Reise zu sprechen kommen: Ihr beiden als Team, wie geübt seid ihr? Wie lange macht ihr das schon?
Wir fahren schon seit 25 Jahren zusammen im Tandem. Wir haben das vor der entsprechenden Zeit gekauft. Das war so quasi unsere Anschaffung fürs Leben. Ich, bevor ich ihn kennengelernt habe, den Manuel, meinen Captain, hatte ich eigentlich sowieso schon immer die Idee, dass Tandemfahren eigentlich eine coole Sache sein muss.
Ich war aber immer auch die Langsame, die hinten dran hing, und Leute haben auf mich gewartet. Und deshalb fand ich es natürlich auch cool. Man fährt zusammen, man teilt seine Erlebnisse, man kommt zusammen an. Keiner wartet auf den anderen. Und ja, diese Idee, die hat sich bewahrheitet.
Wir haben am Anfang viele Reisen gemacht, dann kamen die Kinder dazu. Die wurden teilweise mit da eingebunden auf dem Kiddycrank oder im Anhänger. Und jetzt fahren sie nicht mehr mit, jetzt fahren wir selber wieder alleine mit dem Tandem, was natürlich super cool ist.
Kiddycrank können wir kurz erklären. Das ist so eine Kinderkurbel, die hinten auch in der Stalker-Position etwas höher gesetzt wird, damit die Kinder mit ihren kürzeren Beinen vom Sattel an die Kurbel kommen. Ganz genau, so ist es.
Teilweise hatten wir sogar noch einen Trailer hinten dran, dann war es ein richtig langer Zug. Also vorne der Käpt’n, dann ein 5- bis 7-jähriges Kind mit Kiddycrank. Oder wahrscheinlich bis sieben nicht mehr, aber am Anfang vor allen Dingen. Und dann halt so ein Trailer hinten dran. In dem Fall bin ich aber selber mit einem eigenen Rad gefahren.
Aber es gibt natürlich auch die Möglichkeit, ein Trip-Brett oder ein Quattro-Brett damit zu fahren. Wir hatten aber nur ein Tandem, ein zerlegbares Santana-Tandem, was sich ganz toll für solche Reisen eignet. Über all die Dinge müssen wir noch sprechen.
Vorbereitungen für die Reise
Und ich muss dir, bevor wir zu Taiwan kommen, noch eine Nachfrage stellen. Du hast gesagt, du fandest das Tandemfahren schon reizvoll, bevor du es überhaupt versucht hast oder ausprobiert hast. Kannst du dich noch daran erinnern, was dich damals so daran gereizt hat?
Ich fand die Idee einfach gut, dass man da zusammenfährt, einfach sich zwischendurch austauschen kann, Eindrücke teilen kann, dass keiner auf den anderen warten muss. Ja, das ist doch ein schönes Bild. Damit können wir doch mal loslegen.
Jetzt habt ihr euch also nach 25 Jahren gemeinsam Tandemfahren dazu entschieden, eine dreiwöchige Rundreise auf Taiwan zu machen. Wie seid ihr denn auf die Idee gekommen?
Ja, Taiwan man hat immer schon gehört, dass man da gut Fahrrad fahren kann. Viele Fahrräder kommen daher, werden dort gebaut, und große Firmen wie Giant oder Merida sind ansässig. Und wenn man so ein bisschen in der Fahrradszene schon mal was gehört hat, dann hört man auch mal zwischendurch, dass das Fahrradfahren da toll ist, dass es da viele Radwege gibt, dass die Taiwanesen sich auch, dass die selber auch Fahrrad fahren.
Und wir haben uns dann gedacht, wir schauen uns das mal an. Dazu kommt natürlich die Faszination für eine fremde Kultur. Einfach mal Asien, mal was Neues erleben, raus aus Europa und vor allen Dingen mal dahin fahren, solange es noch geht. Wer weiß, wie es da so weitergeht.
Ja, dieser Gedanke, der schwingt natürlich irgendwo auch, wenn man wahrscheinlich nicht so viel weiß über Taiwan, so wie ich, schwingt er natürlich auch da irgendwie mit. Jetzt habe ich überhaupt keine Ahnung davon, wie eure Route auf Taiwan ausgesehen hat. Willst du uns die kurz beschreiben?
Ja, also wir sind einmal rund um die Insel. Die erste Idee, so wenn man halt recherchiert zum Thema Taiwan, da stößt man halt auch auf diese Cycle Route Number One. Die ist mal vom Taiwanischen Ministerium für Verkehr und Kommunikation 2015 eröffnet worden. Und die ist offiziell 968 Kilometer lang.
Und so die Idee ist, dass man die in neun Tagen schafft. Die haben wir mal einfach am Anfang ausprobiert. Man kann sich da einfach mal die einzelnen Bestandteile als GPS-Dateien runterladen und dann losradeln. Was eigentlich so ab Taipei auch erst mal sehr, sehr cool ist, weil man kommt autolos aus Taipei raus, fährt so auf sehr gut ausgebauten Radwegen aus der Stadt raus, am Fluss entlang.
Und da gibt es sogar Toilettenhäuschen alle paar Kilometer und so weiter. Da sind wir erst mal gefolgt Richtung Süden, haben dann aber ziemlich schnell gemerkt, ja, es gibt ja mal einen Radweg, aber manchmal ist der einfach an einer sechsspurigen Straße. Das ist eigentlich nicht so das, was ich jetzt so als schön empfinde.
Man hat zwar immer einen sicheren Radstreifen, den teilt man sich aber manchmal auch mit Motorrollern. Und die gibt es da sehr viele. Und so haben wir dann eigentlich nach zwei Tagen dann beschlossen, wir suchen uns dann doch unsere eigene Strecke. Orientieren uns vielleicht grob noch da an diesem Radweg, aber versuchen es trotzdem lieber mit kleineren Straßen.
Die Route
Ja, Vorteil von dieser Route ist auch, immer wieder, dass es so Stationen gibt mit Wasser oder mit Reparaturequipment und so weiter. Das ist nicht schlecht. Okay, so ganz grob für die Leute, die jetzt überhaupt keine Idee von dieser Route haben, die geht vermutlich um die Insel irgendwie drumrum. Sehe ich das richtig?
Und in welcher Richtung seid ihr gefahren? Seid ihr im Uhrzeigersinn gefahren oder entgegen des Uhrzeigersinns? Darüber habe ich mir halt auch Gedanken gemacht und habe den Empfehlungen gefolgt, dass wir gegen den Uhrzeigersinn fahren, weil man das Meer dann immer rechts hat und dann halt auf der rechten Seite fährt und dann halt den schöneren Ausblick hat.
Und wir hatten auch Glück. Am Anfang hatten wir nämlich einen ganz krassen Rückenwind runter. Da sind wir teilweise mit 45 Stundenkilometern lang gebreddert, weil uns der Wind so geschoben hat. So, das waren die ersten Strecken, die tatsächlich auch am Meer langgingen. Am Anfang.
So, dann sind wir mal ins Land abgewogen, haben da auch den berühmten Sun Moon Lake, der wirklich immer empfohlen wird, angeschaut, fanden den aber jetzt nicht so wild. Sind dann halt im Land eigentlich eher im Gebirgsteil dann Richtung Süden gefahren, weil die ganze Westküste halt aus Millionenstädten besteht.
Also von den 23,5 Millionen Menschen Taiwans lebt 75 Prozent der Bevölkerung eben an der Westküste, was dann halt einfach bedeutet, dass man einfach von einer Millionenstadt zunächst fährt. Und teilweise sind es halt wirklich auch schöne Wege, aber teilweise sind es dann, je nachdem wie man fährt, fährt man dann einfach durch Vororte und Vororte, und dann kommt ein 7-Eleven, ein Tempel, ein Family Mart, und dann kommen wieder Häuser, dann wieder ein 7-Eleven.
Also zur Erklärung: 7-Eleven ist so etwas wie ein Kiosk, wo man jederzeit 24 Stunden am Tag sich versorgen kann mit allem Nötigen. So, wir sind also durchs Landesinnere dann eher Richtung Süden bis an die Südspitze. Und dann sind wir die Ostküste wieder hoch. Die ist geringer besiedelt.
Da gibt es dann eigentlich zwei Hauptrouten, die man wählen kann an der Ostküste. Die eine geht direkt am Meer lang, und die andere geht durch das sogenannte Rift Valley, was sehr schön ist, vor allen Dingen auch, wenn man da dann eben nicht der Hauptstraße folgt, sondern sich kleinere Routen sucht, die da auch zu finden sind.
Da sind wir bis zur sogenannten Taroko-Schlucht, und da sind wir nur ein Stück, konnten wir nur rein, weil da wegen Bauarbeiten dann halt das teilweise dann einfach nicht mehr möglich war, weiterzufahren. Da gab es inzwischen durch Streckensterrungen und nur so bestimmte Zeitabschnitte, wo man fahren konnte.
Deshalb haben wir es da nicht hoch geschafft. Sind dann wieder runter, dann fing es an zu regnen, und wir kamen dann an einen Streckenabschnitt, der auch für Fahrradfahrer gar nicht empfehlenswert ist, weil dann nur noch LKWs diesen zu hohen Highway lang retten. Dann sind wir halt einfach mal ein Stück in den Zug gestiegen und haben dann den letzten Teil oben konnten wir dann wieder fahren, als der Regen aufgehört hat.
Bergiges Gelände
Ja, aus dem, was du jetzt so erzählt hast, auch dass ihr euch ein bisschen dann abseits dieser großen Städte gehalten habt und dieser Ballungsräume, das klingt für mich auch mit Blick hier auf eine Karte, die ich hier offen habe auf dem Bildschirm, das klingt für mich schon auch nach ziemlich bergigem Gelände, oder? Das ist richtig.
Also es ist eine relativ schmale, lange Insel, die einfach in der Mitte ein paar Viertausender hat. Wir sind aber jetzt nicht krass hochgefahren. Wir haben uns eher so am Rande da entlang bewegt. Aber natürlich kommst du dann auch, wenn du nur am Gebirgsrand lang fährst, bei 60 Kilometern auf deine 1200 Höhenmeter. Aber dafür hast du halt einfach eine grandiose Aussicht.
Fährst durch Palmen und was auch immer, Dschungel und oder im flacheren Gebiet durch Bananenplantagen, Ananasplantagen und so weiter. Also wunderschöne Landschaft. Ja, klingt aus unserer Sicht hier ein bisschen exotisch. Ananas, ich habe überhaupt keine Ahnung, wie diese Pflanze aussieht, um ehrlich zu sein. Jedenfalls habe ich sie gerade nicht vor Augen.
Was anderes, was mir noch eingefallen ist, was ich mich gefragt habe im Vorhinein: Wie ist das mit Schrift und Sprache? Also ich vermute, mit Englisch kommt man halbwegs gut durch, oder? Wie sieht es da aus? Ja, so ist es. Also mit Englisch kommt man ganz gut durch, aber hauptsächlich in den großen Städten.
Wenn man jetzt in kleinere Orte kommt, kommt man aber ganz gut mit Google Translate weiter. Die meisten Straßenschilder sind zweisprachig, aber man hat trotzdem auch gelegentlich die Situation, dass es eben doch nur Chinesisch ist. Und ja, wenn man jetzt einfach so sich seine Route gebaut hat, dann ist das ja relativ egal. Man weiß, wo man lang muss.
Aber was zum Beispiel ganz interessant ist, wenn man interessante Straßenschilder sieht, da ist dann so ein Tiger abgebildet und ein paar chinesische Schriftzeichen. Und dann macht man natürlich sowieso ein Foto, weil das was anderes ist. Also da steht: „Bitte fahren Sie langsamer, wenn Sie eine Leopardkatze sehen.“
Oder dann hat man Schilder mit drei Schildkröten. Auch ganz lustig, was da rauskommt bei Google Translate: „Bitte fahren Sie schnell, will Tiere befallen.“ Wahrscheinlich Übersetzungsfehler, keine Ahnung. Oder ein Schild mit Grebsen: „Verlangsamen Sie Ihre Fahrt, wenn Sie Landkrabben sehen oder Affen.“
Und ja, genau, Affen haben wir auch in live gesehen im Dschungel. Auch die Leopardkatze haben wir leider nicht gesehen. Die sah aber auf dem Foto auf dem Schild auch so süß aus. Also putzig. Also vielleicht wäre es ganz schön gewesen, die zu sehen. Genau, das zum Thema Sprache.
Was auch immer schön war, man sieht überall so Schilder mit oder Plakatwände mit vielen Schriftzeichen. Und dann übersetzt man sich das. Das sieht auch alles toll aus. Und dann steht da: „Viel Glück im Jahr des Pferdes.“ Wir haben jetzt das Jahr des Pferdes in China. Interessante Sache.
Jedenfalls ja, die Navigation ist ja auch ein Thema. Wir fanden es auch immer wieder verwirrend. Wir wussten gar nicht mehr: Wo sind wir jetzt? In Gukeng, in Guangxi, in Ganku, in Guangshan, in Guangfu oder in Guangxi? Also habe ich bestimmt alles total falsch ausgesprochen. Ich kann kein Chinesisch.
Und wenn ich das mal vergleiche mit früher, als ich eine Radreise gemacht hatte und ich hatte einfach noch kein Mobilphone, bin ich eigentlich sehr froh, dass das heute so möglich ist, dass man da einfach mit dem Handy navigieren kann und einfach seine Übersetzung machen kann. Mit Google Translate vereinfacht das Reisen enorm. Einfach.
Vorbereitung der Route
Ja, du hast die Route angesprochen, hast gesagt, wenn man sich die Route so selbst gebaut hat, das habt ihr dann wahrscheinlich gemacht. Also wie habt ihr euch darauf vorbereitet? Hast du die Route in Deutschland schon gebaut? Habt ihr Tag für Tag geplant oder wie seid ihr da vorgegangen?
Ich hatte mir erst mal diese Route von diesem Cycleway Number One komplett mal runtergeladen. Dann sind wir losgeradelt und dann haben wir gemerkt, ach nee, wir machen es anders. Und dann halt jeden Tag neu gebaut und jeden Tag neu entschieden.
Auch wir sind halt relativ von morgens gestartet, hatten dann schon so eine Richtung und haben dann geguckt, wie passt es uns heute und bis wohin. So mittags haben wir dann beschlossen, bis wohin wollen wir radeln. Und dann haben wir uns über Booking.com oder über Agoda halt auch irgendwo ein Zimmer reserviert und sind dann bis dahin geradelt.
Also jeden Tag spontan und neu. Und das ist eigentlich auch das Beste, was man machen kann. Wir hatten zwischendurch zum Beispiel auch mal eine Platte. Dann mussten wir da einen Platten entlüften, also ein technisches Problem, wo unsere Schaltung sich ins Hinterrad gefressen hat.
Und dann mussten wir einfach mal einen Tag in der Großstadt fahren und einen Tag in einem Fahrradladen verbringen, um den Schaden wieder zu beheben. Von daher ist es immer am besten, man macht es Tag für Tag.
Klingt von der Perspektive her gar nicht so unterschiedlich zu dem, wie man das in, sag ich mal, Mitteleuropa machen würde. Also buchen über Booking.com, Route so ein bisschen anpassen und wenn es ein Problem gibt, dann findet sich schon ein Radladen. Ja, ja, das kann man schon so sagen.
Es ist ein, ich würde sagen, sehr unkompliziertes Reisen. Sehr einfach. Dann etwas, was eventuell einen deutlichen Unterschied zu Mitteleuropa aufweist und was natürlich in diesem Podcast ein sehr wichtiges Thema ist: Wie sieht es denn mit dem Essen aus?
Kulinarische Erlebnisse
Oh ja, da gibt es auch spannende Sachen. Wenn man so über so einen Nachtmarkt geht, findet man so ganz komische Dinge wie ein Nachtmarkt. Ja, es gibt so viele Nachtmärkte in den Hauptstädten, zum größten Teil. Die machen dann erst um 18 Uhr auf. Und da findet man gebratenes Krokodil oder Krokodilbrühe oder Schlangenfleischsuppe, Schlangenfleischpfannengericht oder Premium Wellness Chicken Feet.
Aber ich bin Vegetarier und von daher, da sucht man erst mal ein bisschen. Aber irgendwann habe ich auch mal irgendwo gelesen, da wo ein buddhistischer Tempel ist, da gibt es auch immer ein vegetarisches Restaurant. Und im Endeffekt war es dann auch ganz easy.
Über Google Maps haben wir immer was gefunden, wo es veganes oder vegetarisches Essen gibt. Und wenn wir keins gefunden haben, dann haben wir uns mit Google Translate einfach einen Satz zusammengebaut: „Servieren Sie vegetarisches oder veganes Essen, zum Beispiel Reis mit Gemüse.“ Und dann haben wir auch immer was bekommen. Das war ziemlich super.
Ansonsten gibt es, habe ich eben schon mal erwähnt, den 7-Eleven, der ja Tag und Nacht geöffnet hat. Da wussten wir auch immer, dort gibt es jederzeit zum Beispiel eine gedämpfte Süßkartoffel. Die haben da so wie so eine Art Brutkasten oder so. Das ist also so ein Ofen, der ist immer an mit heißem Dampf.
Und da sind auch so was wie Dampfnudeln halt mit verschiedenen Füllungen, mit Kraut oder Sesam oder was auch immer. Und man kriegt immer was. Also das ist auch sehr erfreulich. Natürlich in den Bergen oben, dann muss man dann schon mal 30 Kilometer mindestens fahren, bis man wieder was hat. Da muss man natürlich vorher gucken.
Aber spätestens dann gibt es auch wieder einen 7-Eleven oder eine Tankstelle. Was es auch immer gibt, sind Instantsuppen, und sogar in diesen eben genannten Läden kann man sich da kochendes Wasser draufschütten lassen und dann da einfach sein Fertiggericht essen. Also diese Pappdinger, wo du das Wasser draufkippst.
Ja, das kenne ich auch aus irgendwelchen Insta-Stories und so von Leuten, die gerade in Taiwan unterwegs sind, dass man sich dann irgendwie gerade in den 7-Elevens sehr gut verpflegen kann.
Tandemfahren und Abenteuer
So, nur zumindest jetzt seid ihr dort als seit 25 Jahren zusammenfahrendes Team. Es klingt für mich nach so einem Mix aus so irgendwie vertrauten Vorgängen. Also wir gucken bei Booking und dann ganz neuen Sachen. Also allein die Verkehrsschilder mit den verschiedenen Tieren drauf.
Wir sprechen jetzt ja einerseits über Taiwan und andererseits übers Tandemfahren. Was würdest du denn sagen, wenn man so etwas zusammen erlebt, was für mich nach so einem schon ziemlich Abenteuer klingt, dort irgendwo unterwegs zu sein, wo man vorher noch nie gewesen ist? Wahrscheinlich.
Was ist das Besondere daran, wenn man das mit dem Tandem macht? Hat das das irgendeine besondere Auswirkung? Geht das irgendwie besser als auf einzelnen Rädern? Wie ist das für euch da gewesen? Ich glaube, ja, der Vorteil beim Tandem ist ja auf jeden Fall, du kannst besser sprechen.
Also wir können das zumindest. Wir sind ja immer zusammen. Wir können uns zwischendurch austauschen, auch über komische Straßenschilder oder eben auch: „Wollen wir mal was essen?“ Also wenn du mit zwei Rädern fährst, hast du ja auch die Situation, der eine ist schon vorgeradelt und denkt sich dies, und der andere hängt hinten und will aber lieber eine Pause und kommt nicht mehr mit und hat jetzt eigentlich Lust und Hunger.
Und wenn du eben einfach zusammen bist und dich auch gut verstehst, dann kannst du diese Entschlüsse auch viel besser sofort umsetzen. Auch viel, viel spontaner reagieren halt jetzt auf ein Schild, was kommt oder einen Laden, der da ist oder was auch immer.
Ja, ich war selbst auch ziemlich gern und nach Möglichkeit ziemlich viel Tandem, und ich kenne das auch, egal mit wem ich unterwegs bin, dass man so ganz viel, ganz viel teilt und viel, viel direkter teilen kann.
Und ich finde immer, dass auch so ganz viel so Koordinationskommunikation, die man auf zwei einzelnen Rädern hätte, also dort vorne, da müssen wir übrigens rechts und dann hier und machen wir nicht zu schnell und passen mal dort und dort auf, das fällt alles irgendwie weg, weil es gibt nur ein Fahrzeug, und wo das langfährt, da fährt es eben lang.
Das sind so Sachen, die mir auch so scheinen, als würden die einfacher gehen. Gibt es für dich auch Dinge, die schwieriger sind auf dem Tandem, wenn… Man zusammen unterwegs ist. Muss ich jetzt mal nachdenken. Also, ich kann dir mal sagen, was für mich schwieriger ist.
Ja, ich finde es zum Beispiel auf dem Tandem anstrengender für das Sitzfleisch. Also, ich muss aktiver mich dazu entscheiden, aufzustehen.
.
Zum Beispiel mache ich das meistens so, wenn ich irgendwie einen kleinen Pass fahre oder so, dass ich dann hochfahre, ein bisschen Schwung nehme und dann erst mal im ersten Teil der Abfahrt mich erst mal hinstelle. Meistens die Person hinter mir auch, weil man halt weniger aufstehen kann. Man kann nicht intuitiv aufstehen, wie man das auf dem einzelnen Rad macht. Und das ist besonders auf langen Strecken, finde ich, eine Herausforderung.
Das ist absolut richtig. Da haben wir aber auch, da sprechen wir uns dann halt auch ab. Und so, ich frage dann: „Hey, können wir mal, können wir jetzt mal aufstehen?“ Meistens machen wir das halt, weil wir gerade mal einen Berg hochgefahren sind und dann so langsam wieder ausrollen. Und dann muss natürlich irgendwie alles auch passen. Da hast du schon recht. Das ist so ja, aber ich kann mich damit auch gut arrangieren.
Und meistens haben wir beide auch das Bedürfnis: „Ja, jetzt müssen wir mal aufstehen. Jetzt sind wir schon 70 Kilometer gefahren. Da will man nicht mehr die ganze Zeit sitzen.“ Auf jeden Fall. Ja, du hast vorhin die Marke erwähnt des Tandems. Ich habe es aber auch vor Augen und man kann, glaube ich, noch dazu sagen, dass es eigentlich wie so ein, na ja, ich würde es nicht sagen Randonneur, aber es ist ein Tandem mit Rennlenker, also was durchaus schon zum zügigen Fahren auch gedacht ist.
Ja, was ihr da benutzt. Und du hast ganz am Anfang des Gesprächs erwähnt, falls es dir zu wild wird oder zu gefährlich, dann gibst du schon irgendwie Bescheid. Nun ist es ja so, beim Tandem, ich sage immer Geländeverstärker dazu. Das heißt, bergauf bin ich ein bisschen langsamer als mit dem einzelnen Rad. Aber bergab kann man halt auch wirklich viel schneller werden. Man hat nur einen Luftwiderstand, man hat die doppelte Masse.
Also im Vergleich zum einzelnen Fahrrad. Wie ist denn das mit den Abfahrten? Wie gehst du damit um, wenn ihr irgendwo hochfahrt und dann kommt eine steile, kurvige Abfahrt? Was denkst du? Ja, ja, mir geht es schon oft so, dass mir das manchmal zu schnell wird. Dann lege ich auch Protest ein. Dann kommt vom Käpt’n auch die Ansage: „Ja, ich pass auf. Ja, ich fahre langsam. Ja, ich fahre die Kurve nicht zu schnell.“ Das macht er auch.
Und wenn es ganz ehrlich, wenn es ganz brenzlig wird und ich denke mir, ich will jetzt nicht die ganze Zeit meckern, ich mache tatsächlich die Augen zu und denke mir: „Okay, er hat es im Griff. Er ist ein erfahrener Radfahrer. Ich halte jetzt die Klappe und beiß die Zähne aufeinander, halte mich gut fest.“ Und es ist bisher alles gut gegangen. Also das Vertrauen ist da auf jeden Fall. Aber ich würde es auch nicht mit jedem machen.
Also wenn ich weiß, jemand hat schon 100.000 Unfälle gehabt, ich glaube, mit dem würde ich jetzt nicht Fahrrad fahren, Tandem fahren. Ja, und das Vertrauen ist ja auch etwas, was aufgebaut werden muss und auch irgendwie gepflegt. Also ich kann mir vorstellen, dass man da auch ziemlich viel falsch machen kann als Käpt’n. Ich nehme mir das immer vor: „So, übertreib’s nicht, achte drauf, wie es der Person hinten geht.“
Weil wirklich, dann mal eine gefährliche Situation gekommen, die man mit verschuldet hat, da kann ja auch einiges kaputt gehen, wahrscheinlich. Oder? Ja, ganz bestimmt. Das haben wir zum Glück nicht gehabt bisher. Und wo ich mal wirklich Protest eingelegt habe, das fand ich nicht cool. Das war auf Sardinien. Da hatten wir auch eine Abfahrt und vor uns und hinter uns waren riesen, riesen LKWs.
Und vor und runter. Und mein Käpt’n meinte, er muss jetzt diese LKWs in der Abfahrt noch überholen. Das hat mir echt nicht gefallen. Aber wir sind durchgekommen, trotzdem. Aber das Vertrauen ist nicht gebrochen. Ja, und ich finde auch, man lernt dann so dazu. Es gibt manchmal, glaube ich, so eine Grenze, da wird man irgendwie so ein bisschen drüber gestoßen, weil es eben nicht anders geht.
Du sagst, du machst die Augen zu. Das ist auch etwas, das kenne ich von mir. Ich bin mal mit einem fahrtechnisch sehr guten Mountainbiker, bin ich mal auf dem Mountainbike-Tandem Marathon gefahren. Das war auch so, dass ich mir gesagt habe: „Okay, wenn es mir zu krass wird, dann schaue ich einfach auf den roten Rucksack vor mir.“ Und das musste ich auch mehrmals machen.
Aber es war so, dass ich gedacht habe, ich wäre jetzt nie so schnell diesen Hohlweg hier runtergeknattert. Aber er macht das und ich merke dann so krass, was eigentlich geht. Also es war auch immer so ein gewisser Reiz dabei, auch die eigenen Grenzen mal so ein bisschen zu überschreiten. Das heißt, kennst du sowas auch? Ja, siehst du, da sind wir doch bei so einem nächsten Reiz des Tandemfahrens, den es irgendwie ausmacht.
Wir hatten ja schon am Anfang über Freiheit und Vertrauen gesprochen. Wenn wir uns jetzt so den Tandem-Markt mal ansehen, du hast gesagt, vor 25 Jahren habt ihr damit begonnen. Ihr habt euch irgendwann dieses Tandem zugelegt, vielleicht auch dieses ganz am Anfang. Nicht nur gefühlt, sondern ich glaube auch wirklich faktisch. Wenn man 25 Jahre zurückblickt, war das eine Zeit, da gab es mehr Tandems.
Die Bedeutung dieses Radtyps im Fahrradmarkt, die hat abgenommen. Das liegt wahrscheinlich auch an E-Bikes, mit denen so ein klassischer Fall, also zum Beispiel Leistungsunterschiede heute öfter ausgeglichen werden. Falls diese Leistungsunterschiede zum Beispiel bei euch eine Rolle spielen, warum bleibt ihr trotzdem beim Tandem? Also, warum sagt ihr nicht: „Wir nehmen jetzt einzelne Räder, die uns dann entsprechend unterstützen?“
Ja, wir haben tatsächlich auch schon mal diese andere Variante ausprobiert, dass wir auch mal Rennrad und ich, also er mit dem Rennrad, ich mit dem E-Bike. Das kann auch spannend sein, zum Beispiel, dass ich ihn dann abhänge am Berg, was ja auch mal lustig ist. Aber ich glaube, vielleicht ist es sogar so ein bisschen das romantische Ding, dass man was zusammen macht, einfach.
Dass es einfach schöner ist, wenn man eben die ganze Zeit, diese, gerade bei so einer Reise, wenn man alles zusammen erlebt und so, diese Zusammengehörigkeit, die man dabei halt auch hat. Und ja, dieses ständig sich austauschen können, das ist wirklich so eigentlich ein zentraler Punkt auch. Und eben dieses Gemeinsam. Ja, wenn ich fragen darf, was würdest du sagen, wie wichtig ist das Tandemfahren für eure Beziehung?
Das ist essentiell, würde ich sagen. Also, es ist ein wichtiger Punkt, eigentlich nicht der wichtigste Punkt, aber es ist schon mit der wichtigste Punkt, dass wir das zusammen machen können. Ja, es gibt so ein paar klischeehafte Aussprüche über das Tandemfahren. Der eine ist zum Beispiel: „It makes or breaks relationships“, der dann manchmal so übersetzt wird: „Okay, ein Tandem ist wie so ein Zeitraffer.
Also, wenn du rausfinden willst, ob es funktioniert zwischen euch, setze dich auf ein Tandem, du weißt es danach.“ Ja, den habe ich auch schon oft gehört. Natürlich ist es so, du musst beim Tandem, wie auch bei einer anderen Beziehung, musst du ja immer Kompromisse eingehen und dieses Gemeinsame in den Vordergrund stellen.
Ich finde es interessant, dass dieses Gemeinsame etwas ist, wo man immer drauf kommt, wenn man irgendwie ein bisschen länger über dieses Fahrrad spricht. Also, einerseits keine Überraschung, weil man sitzt halt gemeinsam drauf. Aber es scheint mir auch immer ein bisschen um mehr zu gehen als einfach nur: „Wir fahren jetzt mal eine Strecke zusammen auf dem Fahrrad.“
Und ich selbst, ich würde sagen, ich gehöre so ein bisschen zu einer Bubble an Leuten, die Tandemfahren richtig gut finden. Und deswegen spreche ich da auch oft mit Leuten drüber. Ich fahre mit Freundinnen, Freunden, Familie und so. Und so eine These, die wir da so entwickelt haben, auch zu dieser abnehmenden Bedeutung des Tandems, ist, dass dieses Aufeinander angewiesen sein, was man ja hat auf dem Tandem, dass das vielleicht nicht so gut in die Zeit passt.
Also Radfahren bedeutet für sehr viele Menschen Freiheit. Und diese Freiheit erst mal ein bisschen aufzugeben und irgendwas zusammenzumachen, das wirkt dann oft auch wie so eine Freiheitseinschränkung. Interessanterweise hast du aber ganz am Anfang gesagt, es geht ja gerade um Freiheit. Würdest du mir dazu stimmen, dass das so ein bisschen, dass das auf den ersten Blick nicht so gut reinpasst in so Gedanken von Selbstverwirklichung und allem, was da so dranhängt?
Ja, ich meine, du sprichst jetzt von individueller Freiheit. Und ich spreche auch vielleicht auch ein bisschen über Arbeitsteilung. Oder genau, wie am Anfang schon gesagt, dadurch, dass ich jetzt nicht steuern muss, nicht auf den Asphalt gucken muss, nicht auf den Verkehr gucken muss, habe ich eben die Freiheit, in die Gegend zu gucken, Fotos zu machen und andere Dinge rumzuträumen, was auch immer.
Also, es ist so ein bisschen, man gibt was ab und dadurch gewinnt man aber auch was dazu. Ja, das kann man schon so sagen. Genau. Dann nehmen wir mal noch den letzten Ausspruch auf, den ich gekommen bin oder den man öfter hört. Der ist auf Deutsch, der heißt: „Vorne lenkt, hinten denkt.“ Wie sehr trifft denn der zu?
Das kann schon sein. Also, wenn ich jetzt zum Beispiel hinten die Navigation übernehme, dann sage ich ihm natürlich, wo er jetzt langfahren soll. Oder ich recherchiere zwischendurch, wo gibt es denn den nächsten Laden oder das nächste Café oder sowas. Also, wenn das jetzt zum Denken gehört, dann trifft das auf jeden Fall zu. Ich brauche diesen kleinen Kram da nicht zu machen.
Ja, dann kommen wir mal von dieser Beschreibung der Fahrweise zusammen auf einem Fahrrad und allem, was da so vorgeht, kommen wir noch mal zurück zu Taiwan. Wir haben vorhin so ein bisschen darüber gesprochen, wie ihr so die einzelnen Aspekte Navigation, Verpflegung, Übernachtung und sowas organisiert. Aber jetzt einfach mal so als Erlebnisbericht: Gibt es einen besonders schönen Moment oder eine besonders schöne Passage auf dieser Reise, die du uns kurz schildern kannst?
Also, besonders schön fand ich natürlich die Strecken im Inland, wo wir so vielleicht ein Auto in der Stunde uns begegnet ist, wo man sich wirklich einfach voll auf die Natur konzentrieren konnte. Oder ja, bei diesem sogenannten Rift Valley, das letzte Stück, da sind wir eben auch die Seitenstraße gefahren. Rechts und links war Dschungel und wir sind mal stehen geblieben und haben den Affen zugewunken und die uns auch.
Das ist schon ein tolles Erlebnis, einfach wenn man da steht und hochguckt und denkt: „Ist das grün hier? Es ist der Wahnsinn, die Natur hier. Es ist einfach unglaublich schön.“ Also ja, ich würde sagen, das war schon der tollste Tag, als wir da zwischen den Affen standen, mitten im Dschungel.
Ein Tipp, wenn jemand vorhat, nach Taiwan zu fahren: Nehmt euch unbedingt was gegen Insekten mit. Ich bin an einem Tag von den kleinen schwarzen Moskitos befallen worden. Das sind nicht wirklich Mücken, das ist irgendwie so eine Art Genitze, Little Black Mosquitos, die beißen. Und die sind jetzt nicht gefährlich, aber ich hatte dann, glaube ich, so 70 Stiche an einem Bein.
Und das juckt wie Hölle. Und das ist genau an diesem Tag in dem Dschungel da passiert, als wir da standen und hochgeguckt haben und diese mini Mücken nicht bemerkt haben. Und das eigentlich erst 24 Stunden später dann gesehen haben, wie die Beine dann aussahen. Also auch wenn man denkt, da ist gerade kein Insekt, sollte man sich zumindest, wenn man in der Natur unterwegs ist, unbedingt dagegen schützen.
Okay, dann sind wir fast schon bei der Abreise. Da kann man sich ja noch mal die Frage stellen: Warte mal, ein Tandem, das ist doch ziemlich lang, das ist ein ziemlich großes Fahrrad. Wie kriegt man das überhaupt dorthin? Ich gehe davon aus, ihr seid geflogen. Wir sind geflogen und wir haben ja ein zerlegbares Tandem. Das hat S-S-Kupplungen und das passt in einen Koffer rein, welcher sogar noch nicht mal als extra Fahrradgepäck angemeldet werden muss, sondern die konnten wir einfach aufgeben.
Da mussten wir nur aufs Gewicht achten. Alles, was dann zu viel war, kam in den zweiten Koffer rein. Und diese Koffer, die konnten wir in Taipei in dem Hotel, wo wir am Anfang und am Ende waren, einfach ganz problemlos für uns aufbewahrt. Das scheint auch so ein Ding zu sein, dass das absolut üblich ist, dass man da mal drei Wochen einen Koffer im Hotel lässt.
Da haben wir uns vorher ganz schön auf den Kopf gemacht, ob das überhaupt geht und so. Aber überhaupt kein Problem. Vorher angefragt und dann hat es super geklappt. War alles noch da. Klingt sehr danach, dass euch an verschiedenen Stellen so einfach und unkompliziert auch geholfen wurde, dass ihr unterstützt worden seid.
Also wie auch mit dem Defekt, den du beschrieben hast. Klingt wirklich unkompliziert und sehr interessant, was ihr da erlebt habt. Ja, und die Menschen sind wirklich unglaublich nett und hilfsbereit. Und das ist wirklich empfehlenswert. Jetzt seid ihr wieder zurück. Du bist in München. Gibt es schon neue Pläne, vielleicht für nächstes Jahr?
Ja, also Japan wäre mal spannend. Ich weiß noch nicht, wie das da ist. Da muss man sich eigentlich, also ich meine, so Asien an sich finde ich das einfach so, alles, was so ein bisschen anders ist als hier, würde mich gerade mal am meisten interessieren. Ob das mit dem Fahrrad gut ist, keine Ahnung, aber kann man ja ausprobieren. Oder Philippinen oder mal sehen.
Ja, und wenn ihr das mit dem Fahrrad macht, heißt es dann wieder selbstverständlich quasi, dass das mit dem Tandem passiert? Wenn wir mit dem Fahrrad das machen, dann auf jeden Fall mit dem Tandem. Wir haben auch vor, dieses Jahr noch in die Britannien zu radeln von hier aus. Also wir planen weiter viele Reisen.
Wunderbar! Bina aus München ist mit ihrem Käpt’n und Mann Manuel nach Taiwan geflogen und ist dort drei Wochen mit dem Tandem unterwegs gewesen. Dabei hat sie eine Menge erlebt und ich konnte mit ihr darüber sprechen, wie das in Taiwan gewesen ist und wie das überhaupt ist, als Stalkerin auf einem Doppelfahrrad. Bina, ganz vielen Dank dafür und vor allen Dingen viel Spaß weiter zusammen auf dem Rad.
Danke dir auch und hat mir Spaß gemacht. Dieses Zusammen Dinge auf einem Rad erleben, fasziniert mich wirklich immer wieder. Und wenn Bina davon erzählt, wie gern sie mit ihrem Partner auf dem Tandem unterwegs ist, dann kann ich das sehr gut nachvollziehen. Ich finde diesen Zusammenhang aus Autonomie erst mal ein Stück weit aufgeben und dadurch aber gemeinsam ganz neue Dinge erleben und vielleicht sogar Freiheit dazugewinnen, wirklich spannend.
Und falls jemand Lust bekommen hat, die Sache mit dem Tandem auch mal auszuprobieren, ich kann es wirklich nur empfehlen. Irgendwie spricht es in meinen Augen auch ganz allgemein fürs Fahrrad, dass es auch solche Erfahrungen möglich macht. Und genau wie den Schnee im Frühling im Erzgebirge möchte ich diese Möglichkeit der gemeinsamen Erlebnisse nicht missen.
Ich habe schon einige gehabt und es werden hoffentlich noch viele dazukommen. Ganz grundsätzlich hoffe ich, dass Tandems weiter zugänglich bleiben und sich weiterentwickeln. Und ich bin da auch halbwegs optimistisch, denn die Sache an sich ist einfach zu gut jedenfalls in meinen Augen und sicher auch für einige von euch.
Zwei Dinge gibt es, bei denen wir uns schon jetzt sicher sein können. Und zwar ist das zum einen der kommende Sonntag, denn da findet Paris-Roubaix statt. Und damit wird ein weiteres Kapitel in der Geschichte eines großartigen Rennens geschrieben werden. Und außerdem gibt es schon fünf Tage später einen neuen Antritt. Am 17. April ist es soweit und ihr erreicht uns bis dahin bei Instagram, bei Mastodon und unter antritt@detektor.fm.
Ich wünsche euch bis dahin eine gute Fahrt und erfüllende Erlebnisse. Wir hören uns dann in einer Woche wieder, wenn ihr mögt. Ich sage Ciao. Ja, ja, ja, ja. Ja, ja. Ja, ja, ja, ja, ja.