Real Work statt New Work: Autorin und Business Creatorin Kira Marie Cremer plädiert für einen Perspektivwechsel im Arbeitsalltag — auf das, was wirklich umsetzbar ist. Im Gespräch geht es um echte Veränderungen, mentale Gesundheit und die Herausforderungen von New Work.
Der Mai gilt traditionell als Monat der Arbeit. Im „brand eins Podcast“ beleuchten wir das Thema auch dieses Jahr wieder aus unterschiedlichen Perspektiven: wie neue Ideen und Konzepte in Organisationen sinnvoll umgesetzt werden können oder den Wandel der Arbeitswelt durch künstliche Intelligenz.
Wenn es um die Frage geht, wie wir in Zukunft arbeiten wollen, kommt man an „New Work“ nicht vorbei. Das Konzept von Frithjof Bergmann stammt aus den 1970ern, ist in den letzten Jahrzehnten aus vielen Perspektiven beleuchtet worden und während der Corona-Pandemie wurden zumindest stellenweise Ideen aus dem Konzept — mehr oder weniger zwangsläufig — vorangetrieben und in der Arbeitswelt integriert.
Gleichzeitig scheint der Begriff „New Work“ in den letzten Jahren ein bisschen verwässert worden zu sein. Von dem Konzept — Arbeit soll Menschen nicht erschöpfen oder entfremden, sondern ihnen mehr Freiheit, Sinn und Selbstbestimmung ermöglichen — sei mittlerweile nicht mehr so viel übrig, meint Autorin, Speakerin und Business Creatorin Kira Marie Cremer. Sie plädiert deshalb für einen radikalen Perspektivwechsel: Real Work statt New Work.
Wir sollten viel mehr Fokus darauf legen, was wirklich in unserer Arbeitswelt stattfindet, als ein theoretisches Ideal nach außen zu tragen, das eine Utopie und meines Erachtens nicht erreichbar ist.
Kira Marie Cremer
Aus der Idee heraus, über die echten Probleme im Arbeitsalltag zu sprechen, entsteht der Podcast „Hotline Hours“. Kira Marie Cremer hostet den Podcast zusammen mit Selma Sadikovic. Es ist ein Community-Podcast, der sich mit Fragen rund um Business und das Arbeitsleben beschäftigt. Dort sollen Fragen beantworten werden, die meistens im Arbeitsleben nicht gestellt werden — weil sich Beschäftige nicht trauen, sie zu stellen. Dabei spielt auch das Thema mentale Gesundheit eine große Rolle.
Die Leute wollen Ansprechpersonen haben. Leute wollen Räume haben, in denen sie sich wirklich austauschen können und die echten Fragen stellen können und nicht mehr nur noch so ein theoretisches LinkedIn-Gebrabbel. Kira Marie Cremer
Kira Marie Kremer beobachtet nach dem großen Homeoffice-Hype der Pandemie einen spürbaren Rückschritt: Unternehmen wickeln Diversity-Programme wieder ab und die Rückkehr zur Präsenzkultur wird erzwungen. Zudem gibt es Herausforderungen und Bedrohungen durch künstliche Intelligenz. Die Folge sei eine tief sitzende Unzufriedenheit bei vielen Menschen. Weil echte Safe Spaces — Räume für ehrlichen, verletzlichen Austausch — in Organisationen selten funktionieren, empfiehlt sie, sich Räume außerhalb des Unternehmens zu suchen, um sich auszutauschen.
Über den Weg zu einer gesunden Arbeitskultur und die Zukunft der Arbeit spricht detektor.fm-Moderator Christian Bollert in dieser Ausgabe des „brand eins Podcasts“ mit Kira Marie Cremer.