Mission Energiewende | Klimakurs in China

Sonne, Wind & Kohlestrom

Einerseits ist China bekannt für Plattformen, die den deutschen Markt mit teils schadstoffbelasteten Produkten fluten; auch die Tatsache, dass China nach wie vor Kohlekraftwerke baut, wird hierzulande kontrovers diskutiert. Andererseits ist China der Vorreiter für den Ausbau erneuerbarer Energien weltweit. Wie passt das zusammen?

China für Großteil der Emissionen verantwortlich

Das Bild von China in der deutschen Öffentlichkeit könnte zweigeteilter nicht sein: Einerseits baut China Kohlekraftwerke, 2022 und 2023 wurden durchschnittlich zwei neue Kraftwerke pro Woche bewilligt. Andererseits wurden dort im April dieses Jahres erstmals mehr E-Autos als Verbrenner neu zugelassen. Es liegt nicht zuletzt am großen Binnenmarkt, dass der chinesische Hersteller BYD Tesla als Marktführer überholt hat. Und trotzdem: China ist für rund 30 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. „In den letzten zehn Jahren war China außerdem für den Großteil des Wachstums an Emissionen verantwortlich. Das heißt, wenn Chinas Emissionen nicht mehr gewachsen wären, hätten wir global wahrscheinlich schon einen Emissionshöchstpunkt erreicht“, erklärt Belinda Schäpe vom Center for Research on Energy and Clean Air. Der unabhängige Klima- und Energie-Thinktank hat seinen Sitz in Helsinki. Schäpe leitet das China-Team.

China ist sowohl eines der größten Probleme, wenn es um den Klimawandel geht, als auch ein superwichtiger Teil der Lösung.

Belinda Schäpe, Center for Research on Energy and Clean Air

Sind Chinas Klimaziele noch erreichbar?

China hat sich im Wesentlichen zwei Klimaziele gesetzt: den Höhepunkt der Emissionen vor 2030 zu erreichen und bis 2060 klimaneutral zu sein. Dass das Land sein Ziel für 2060 erreicht, hält Schäpe für machbar. Beim 2030er-Ziel ist sie skeptisch: „In den letzten fünf Jahren sind die Emissionen infolge der Covid-Recovery deutlich stärker gestiegen als ursprünglich geplant. Damit sind sie ein bisschen übers Ziel hinausgeschossen.“ Statt die Ambitionen zu steigern, hat die Zentralregierung die Definition des Ziels geändert.

Viele der einfacheren Emissionseinsparungen wurden schon erreicht. Und jetzt geht es darum, dass Kohle zur Seite tritt und den Erneuerbaren den Spielraum gibt, den sie haben könnten.

Belinda Schäpe

Dabei könnten die Chinesen mit den Europäern zusammenarbeiten. Warum eine Kooperation für beide Seiten vorteilhaft sein könnte, darüber sprechen detektor.fm-Redakteurin Marisa Becker und Moderatorin Ina Lebedjew in dieser Folge von „Mission Energiewende“.

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