Die Erderwärmung dauerhaft auf maximal 2 Grad, besser 1,5 Grad Celsius, zu begrenzen, ist eine Aufgabe, die nur global gestemmt werden kann. Deshalb haben wir uns bei Mission Energiewende vorgenommen, regelmäßig über den deutschen Tellerrand hinaus zu schauen, was andere Länder tun, um das Klima zu schützen und wo es vielleicht noch hakt. In dieser Folge machen wir einen Abstecher in die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, die im Moment stärker denn je auf grünes Wachstum setzt, nämlich China. Ihr hört den Klimapodcast von detektor.fm. Ich bin eure Host Ina Lebedjew. Schön, dass ihr dabei seid.
Mission Energiewende, der detektor.fm-Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen, in Kooperation mit Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter mit Solarlösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 Prozent Ökostrom.
Das Bild von China in der deutschen Öffentlichkeit könnte zweigeteilter nicht sein. Einerseits ist China bekannt für Plattformen, die den deutschen Markt mit teils schadstoffbelasteten Produkten fluten. Und die Tatsache, dass China nach wie vor Kohlekraftwerke baut, wird hierzulande kontrovers diskutiert. Andererseits ist China der Vorreiter für den Ausbau erneuerbarer Energien weltweit und ist inzwischen auch führend bei E-Autos. Im April dieses Jahres wurden in China erstmals mehr E-Autos als Verbrenner neu zugelassen. China hat also genau das, was Europa für seine Energiewende braucht.
Und trotzdem stehen die Deutschen und die EU skeptisch gegenüber, weil das Land den europäischen Markt mit seinen Produkten schwemmt und die Industrie daher einen China-Schock 2.0 fürchtet. Wie steht es um Klimaschutz in China und wie kann Deutschland und die EU von einer Partnerschaft profitieren? Darüber spreche ich mit meiner Kollegin Marisa Becker, die das Thema recherchiert hat.
Länderporträt China
Hallo Marisa. Hallo Ina. Ja, lass uns doch mit einem kleinen Länderporträt starten, um auch wirklich alle abzuholen. Was sollte man an Hard Facts über China wissen? Ja, China ist ungefähr 27 Mal größer als Deutschland, wenn wir auf die Fläche schauen, und teilt seine Grenze unter anderem mit Russland, Nordkorea, der Mongolei, Vietnam, Indien, Nepal und Afghanistan. Insgesamt sind es 14 Länder, die an China angrenzen.
Und China ist auch in Sachen Bevölkerungsgröße ein Land der Superlative. Es hat mit rund 1,4 Milliarden Einwohnern nach Indien die zweitgrößte Bevölkerung der Welt. Das ist ein Punkt, der total wichtig im Hinterkopf zu behalten ist, auch um zu verstehen, warum die Binnennachfrage in China einfach so unfassbar groß ist. Also um dir da mal ein Beispiel zu geben: In Deutschland werden so zwischen 2,5 bis 2,9 Millionen Autos pro Jahr neu zugelassen. Und in China sind es halt 25 Millionen. Das ist schon ein ziemlich großer Unterschied.
Und die Hersteller können dort ja einfach schon auf ihrem Heimmarkt sozusagen mit ganz anderen Mengen rechnen. Und das ist der Effekt der sogenannten Economies of Scale, der besagt, je mehr Produkte ein Unternehmen verkauft, desto drastischer sinken dann eben auch die Kosten für Produktion und Innovation. Ja, genau. Und auch die Kosten für Entwicklung und Forschung können extrem effizient verteilt werden, was dann eben erklärt, warum China so einen hohen Output an E-Autos und Innovationen in diesem Bereich hat. Stimmt’s? Genau.
Und durch dieses enorme Wirtschaftswachstum der vergangenen 50 Jahre gibt es inzwischen auch eine Mittelschicht, die diese Fahrzeuge kaufen kann. Und das ist auch etwas, was man über China wissen sollte. Das Land hat in den vergangenen Jahrzehnten einen enormen Wandel hingelegt, von einem wirklich sehr, sehr armen, man könnte auch sagen Entwicklungsland, hin zu einer der führenden Wirtschaftsmächte weltweit. 1978 hat die Kommunistische Partei Chinas unter Deng Xiaoping entschieden, ihre Planwirtschaft zu öffnen.
Und das hat letztlich zum enormen wirtschaftlichen Erfolg Chinas geführt. Und dieser Erfolg, die vielen Menschen, die dort wohnen, all das sorgt eben dafür, dass China auch der weltweit größte Emittent für Treibhausgase ist. Auch das sollte man wissen. 30 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen werden von China verursacht. Und wichtig: In den letzten zehn Jahren sind die globalen CO2-Emissionen vor allem auch durch China gestiegen. Das heißt, ohne dieses Wachstum würden unsere Emissionen global gesehen wahrscheinlich schon sinken.
Das heißt, China ist definitiv Teil des Problems, aber eben auch ein wichtiger Teil der Lösung, weil da eben auch ein großer Hebel liegt.
Chinas Klimaziele
Wie sieht es denn mit Chinas Klimazielen aus? Europa und Deutschland haben sich ja vorgenommen, bis 2045 beziehungsweise 2050 klimaneutral zu sein. China hat zwei zentrale Klimaziele, und zwar erstens, vor 2030 den Höchststand der Emissionen zu erreichen, und zweitens, bis 2060 klimaneutral zu sein. Und wie realistisch es ist, dass das Land diese Ziele erreicht, das wollte ich von Belinda Schäpe wissen. Sie leitet das China-Team beim Center for Research on Energy and Clean Air. Das ist ein unabhängiger Klima- und Energie-Thinktank mit Sitz in Helsinki.
2060, glaube ich, ist immer noch eine gute Chance, dieses Ziel zu erreichen. Das ist immer noch eine Weile weg. Das andere Ziel ist, vor 2030 den Klimahöchstpunkt zu erreichen. Das war lange auch durchaus machbar, aber was wir leider gesehen haben in den letzten fünf Jahren, vor allem im Zusammenhang auch mit der Covid-Recovery, also vielen Wirtschaftsmaßnahmen infolge der Corona-Pandemie, da sind die Emissionen sehr, sehr viel stärker gestiegen als ursprünglich geplant.
Und damit ist China so ein bisschen übers Ziel hinausgeschossen. Und eigentlich müssten Emissionen jetzt bis 2030 runtergehen, um bestimmte Ziele zu erreichen. Aber statt dass diese Ziele sehr klar so positioniert werden und die Regierung da die Richtung setzt, wurde die Definition ein bisschen geändert. Das heißt, wir sehen auch sehr viele Anpassungen da, wie China sozusagen das ein bisschen zurechtrückt, um dann die Ziele immer noch erreichen zu können.
Das heißt, es ist eine superschwierige Phase. Viele der einfacheren Emissionseinsparungen wurden schon erreicht. Und jetzt geht es wirklich darum, dass Kohle sozusagen zur Seite tritt und tatsächlich Erneuerbaren den Spielraum gibt, den sie haben könnten. Ja, und damit spricht sich etwas an, was mir bei meiner Recherche häufiger über den Weg gelaufen ist. So sinngemäß der Satz: Wenn die Führung in China ein Ziel erreichen will, dann erreichen sie es.
Und zwar ganz egal, ob sie das wirklich tun oder eben nur auf dem Papier, weil sie die Ziele anpassen. Dazu muss man wissen, dass in China ein autokratisches Parteiensystem an der Macht ist, sozusagen. Das heißt, die Strukturen des Staates und der Partei sind richtig eng miteinander verknüpft. Und de facto hat die kommunistische Partei Chinas das Machtmonopol im Staat inne. Auch das ist wichtig im Hinterkopf zu behalten, wenn man verstehen will, wie die Transformation des chinesischen Energiesystems funktioniert.
Energiewende in einem autokratischen System
Okay, die Frage mag ein bisschen naiv klingen, aber wichtig ist sie, glaube ich, trotzdem: Warum macht es denn einen Unterschied, ob eine Energiewende in einem autokratischen Einparteiensystem stattfindet oder eben in einer Demokratie? Weil die chinesische Regierung im Gegensatz zu unserer Regierung in viel längeren Zeiträumen denkt. Also die müssen nicht sozusagen von Wahl zu Wahl denken und über ihre Beliebtheitswerte irgendwie gehen, sondern es gibt zwar auch in China diese sogenannten Fünf-Jahres-Pläne, aber insgesamt ist der Regierungshorizont viel weiter als bei uns.
Ich meine, natürlich kann auch eine Regierung in einer Demokratie langfristig planen, und wir sehen das ja auch auf EU-Ebene. Da passiert das ja zum Beispiel durch den Green Deal. Das Thema in einer Demokratie ist aber, dass bestimmte Themen viel stärker politisiert werden. Wir haben zum Beispiel 2019 bis 2021 in Deutschland ein starkes Momentum für das Klima gesehen, wo die Themen dann auch politisch besetzt wurden von allen Parteien.
Und solche Bewegungen aus der Bevölkerung heraus, die sind in China natürlich nur schwer bis gar nicht möglich. Und gleichzeitig sehen wir aber auch jetzt, wo das Thema eben nicht mehr so verfängt, dass das Thema politisch bei uns auch weniger bespielt wird. Dann lass uns doch am besten gleich draufschauen.
Erneuerbare Energien und Kohlekraftwerke
China baut die Erneuerbaren im absoluten Rekordtempo aus. China schafft in sechs Monaten doppelt so viel Solarkraft wie Deutschland in 25 Jahren, titelte der Spiegel Ende letzten Jahres. Und das Land hat auch als erstes die Marke von einem Terawatt installierter Solarleistung geknackt. Gleichzeitig baut China aber auch neue Kohlekraftwerke. Wie passt das alles zusammen?
Also historisch gesehen hat China schon immer einen großen Teil seiner Energie aus Kohle erzeugt, einfach weil es davon enorm viel in dem Land gibt. Und das war auch am Ende die Basis für das chinesische Wirtschaftswunder, würde ich es mal nennen. Das Land hat eben große Reserven und gleichzeitig einen enorm steigenden Strombedarf. Und dem setzt China jetzt aber von oben sozusagen verordnet einen Ausbau der Erneuerbaren entgegen.
Und inzwischen schaffen sie es tatsächlich auch, diesen wachsenden Strombedarf, also das, was dann eben jährlich durch das Wirtschaftswachstum dazu kommt, durch den Ausbau der Erneuerbaren Energien abzufedern. Der Anteil der Erneuerbaren in der Stromerzeugung liegt aber trotz dieses Rekordausbaus aktuell bei nur ungefähr 35 Prozent, weil der Bedarf eben gleichzeitig so stark steigt.
Und dann kommt noch hinzu, in den letzten Jahren hatte China immer wieder Energie- und Stromversorgungsprobleme. Und deshalb hat die Zentralregierung den Bau neuer Kohlekraftwerke für die Versorgungssicherheit angeordnet. Um mich da einmal so von der Größenordnung her abzuholen: 2022 und 2023 wurden pro Woche, muss man wirklich sich mal vor Augen führen, im Schnitt zwei neue Kohlekraftwerke genehmigt. Also mehr als 100 im Jahr. Und die kommen jetzt eben alle ans Netz und laufen auch.
Und warum? Das hat Belinda Schäpe mir erklärt. Weil die wollen ja auch einen Gewinn machen. Und eigentlich sollten die ja nicht alle so viel laufen. Aber die haben bestimmte Verträge, die sie erfüllen müssen. Und insofern haben wir jetzt im ersten halben Jahr dieses Jahres gesehen, dass sehr, sehr viel Solar- und Windkraft nicht genutzt werden konnte, weil diese ganzen neuen Kohlekraftwerke alle laufen mussten zu bestimmten Prozentzahlen.
Und das ist eben das, was im chinesischen System super schwer umzusetzen ist und zu verändern ist. Weil diese Anreize auf Provinzebene schon bestehen und diese langen Vertragslaufzeiten bestehen. Und dann einfach zu sagen, okay, diese Kohlekraftwerke, die wir jetzt neu ins Netz angeschlossen haben, die werden erst mal nicht laufen, dafür dass wir Erneuerbare anstattdessen nutzen, ist momentan scheinbar noch ein bisschen schwieriger umzusetzen.
Da gibt es ja sehr, sehr viele Ansatzmöglichkeiten und Lösungen theoretisch für. Aber es sind eben sehr, sehr viele Interessen auch da. Also ich glaube, wir sollten nicht die Idee haben, dass es in China nicht auch Lobbyisten gibt oder nicht auch sehr, sehr starke Interessen. Es ist nicht so, dass die Zentralregierung was sagt und alle laufen, sondern es sind eben sehr unterschiedliche Akteure dabei, die sehr unterschiedliche Machtverteilungen haben.
Das heißt, zwischen Januar und Juni wurden 360 Terawattstunden oder anders gesagt, 26 Prozent des Stroms aus Solar- und Windkraft in China abgeregelt, also nicht ins Netz eingespeist, weil eben so viele neue Kraftwerke genehmigt wurden und der Kohlestrom sozusagen Vorfahrt im chinesischen Stromnetz hat. Das heißt, in vielen Provinzen gibt es Verträge, die sagen, 60 bis 70 Prozent der Netzkapazität sind ganz, ganz fest für Kohle verplant. Und da haben dann eben de facto die Erneuerbaren das Nachsehen.
Gründe für den Ausbau der Erneuerbaren
Okay, trotz allem sagt die Zentralregierung aber auch klipp und klar, die Erneuerbaren müssen ausgebaut werden. Warum? Das hat ganz unterschiedliche Gründe. Und Belinda Schäpe sagt, dass es da so vier Hauptmotivationen gibt. Das erste ist sicherlich Energiesicherheit und Diversifizierung. China hat zwar sehr viel Kohle, aber ist enorm abhängig von Öl und Gasimporten. In diesem Jahr sehen wir wieder eine große internationale Energiekrise und wie China darauf geantwortet hat.
Also China konnte die Ölnachfrage um 40 Prozent senken und damit mehr oder weniger den globalen Energiemarkt stabilisieren. Aber das Ganze hat es vor allem dadurch erreicht, durch Elektrifizierung vor allem im Verkehrssektor. Und das schafft natürlich dann eben Resilienz. Also das ist ein großer Motivator. Das zweite ist sozusagen die Wirtschafts- und Industriepolitik. Also führen werden in diesen neuen Technologien die Zukunftstechnologien. Und das hat schon große Auswirkungen.
Letztes Jahr haben grüne Technologien knapp 30 Prozent zum Wirtschaftswachstum beigetragen in China. Das heißt, dass es wirklich zum großen Wachstumsmotor wirkt. Das hängt dann zusammen mit dem dritten Punkt, das ist internationaler Einfluss. Also einerseits ist diese Technologieführerschaft führt natürlich auch zu geopolitischem Einfluss international. Aber China nutzt auch diese Position, um sich stärker zu positionieren als sozusagen in Anführungsstrichen eine Großmacht, die verantwortungsvoll reagiert, vor allem im Kontrast zu den USA, die sich aus diesen Verhandlungen rausgezogen haben.
Und das Letzte würde ich sagen, und das ist nicht das Letzte auf der chinesischen Liste, aber es ist einfach Klimarisiko. China ist nämlich ziemlich stark von der Klimakrise betroffen. Im Climate Risk Index für 2026 liegt China auf Platz elf der Länder, die zwischen 1995 und 2024 am meisten von der Klimakrise und deren Folgen betroffen waren. Nur mal so als Vergleich: Deutschland liegt auf Platz 29.
Und ähnlich wie bei uns waren die letzten Jahre jeweils die heißesten Jahre seit Aufzeichnungsbeginn in China. Es gab starke Dürren, es gab Überschwemmungen und es gab Hitzewellen. Und aus Sicht der chinesischen Regierung ist die Klimakrise ein nationales Sicherheitsrisiko, was auch mit der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Stabilität zusammenhängt. Und dementsprechend arbeiten sie eben auch daran, sich klimafreundlicher aufzustellen. Und das tun sie ja auch unter anderem im Verkehrssektor.
E-Autos in China
Auch im Bereich der E-Autos ist China weltweit führend. 60 Prozent der weltweit registrierten E-Autos sind auf Chinas Straßen unterwegs. In den vergangenen Jahren hat der chinesische Staat die Fahrzeuge stark subventioniert. Damit ist jetzt aber Schluss. Warum denn das? Du hast recht. Die chinesische Regierung hat zum Jahreswechsel 2026 die Förderprämien für E-Autos auslaufen lassen.
Und seit Anfang des Jahres wird auch eine Sales Tax, also quasi so eine Art Mehrwertsteuer auf Elektrofahrzeuge, fällig. Die normale Mehrwertsteuer beim Kauf von Neuwagen liegt in China bei 10 Prozent. Für Stromer werden jetzt dieses Jahr eben 5 Prozent fällig. Und nächstes Jahr steigt der Satz dann auf die regulären 10 Prozent. Und es liegt einfach daran, dass E-Autos inzwischen etabliert sind und quasi keine Förderung mehr brauchen.
BYD, als chinesischer Hersteller, hat Tesla inzwischen als größten E-Auto-Hersteller der Welt überholt. Und deshalb bedarf es einfach aus chinesischer Sicht sozusagen keiner Förderung mehr. Aber dass die Regierung die Förderung jetzt beendet, heißt nicht, dass sie nicht weiterhin an der Dekarbonisierung des Verkehrssektors arbeiten. Das ist vielleicht auch noch mal ganz wichtig.
Also damit verbindet China und Europa etwas Entscheidendes, nämlich die Tatsache, dass beide für ihren künftigen Wohlstand auf eine grüne Wirtschaft setzen. Trotzdem ist die Beziehung von China und Europa durch die Diskussion von Risiken und Rivalitäten so eingerahmt, würde ich mal sagen. Woran liegt das? Aus europäischer Sicht sind vor allem zwei Punkte entscheidend.
Und zwar einerseits sind die Produkte aus China so günstig, dass sie unserer heimischen Industrie echte Probleme machen können. Nehmen wir einmal das Beispiel E-Autos, was ja gerade in der deutschen Diskussion sehr präsent ist. Chinesische Hersteller sind nicht nur günstiger, sondern auch innovativer, und sie dominieren auch den ganzen Batteriemarkt. Und das macht sie zu einer richtig ernstzunehmenden Konkurrenz. Man könnte sogar sagen, sie haben eigentlich den deutschen Herstellern in gewisser Weise auch schon den Rang abgelaufen, einfach weil BYD inzwischen Weltmarktführer ist.
Und gleichzeitig bricht mit dem chinesischen Markt, der eben zunehmend durch eigene Autohersteller besetzt wird, für unsere Autohersteller ein richtig wichtiger Exportmarkt weg. Und auf der anderen Seite hat Europa, gerade auch durch die Lehren aus dem Krieg Russlands gegen die Ukraine, große Angst vor Abhängigkeiten. Ich habe da schon auch Artikel zugelesen, unter dem Motto: Was passiert eigentlich, wenn China theoretisch unsere Solaranlagen ausschalten kann, wenn wir alle dann chinesische Solaranlagen haben?
Und solche Diskussionen, die prägen halt aktuell auch das Verhältnis. Belinda Schäpe bietet aber dafür aus einer anderen Perspektive auf China zu schauen, nämlich dadurch, dass die USA als verlässlicher Partner in Sachen Klimaschutz wegfallen und man an China ohnehin nicht vorbeikommt, weil das Land als größter Emittent und wichtiger Anbieter für Technologien einfach Teil der Lösung ist, liegt eine Kooperation eigentlich auf der Hand.
Und sie sagt, davon können am Ende auch beide Seiten profitieren. China ist eben sehr, sehr gut in der Skalierung von diesen ganzen Sachen. Und das ist was, wo wir in Deutschland und auch in Europa nicht auf die gleiche Art mithalten können, weil wir haben nicht die gleiche Art von Markt und nicht die gleichen verknüpften Lieferketten, die China so aufgebaut hat.
Und insofern hat China eben auch dazu beigetragen, dass die Preise für grüne Technologien so drastisch runtergegangen sind. Und ich glaube, wir müssen uns halt so ein bisschen überlegen, was sind unsere Prioritäten dabei. Die Produktion von diesen Technologien ist eine Sache, aber das ist auch nicht alles. Wenn es um wirtschaftliche Vorteile geht, zwei Drittel des Wirtschaftsbeitrags von zum Beispiel Solarzellen, grünen Technologien im weiteren Sinne, fallen nicht in der Produktion an, gerade weil diese Produkte so günstig sind.
Vielmehr findet dann eben statt in der Entwicklung von Projekten, in der Installation von diesen Projekten, im Servicing von Solarzellen, von Windkraftanlagen und so weiter. Da fallen ja viel mehr Jobs an und viel mehr wirtschaftliche Möglichkeiten, die dazu beitragen können. Und gleichzeitig heißt es natürlich auch nicht, wir sollten alles von China importieren und uns hundertprozentig abhängig machen.
Die chinesischen Hersteller sind immer noch sehr, sehr interessiert an dieser Innovationskraft, die Europa hat und auch an der Marktausführung, die die Europäische Union gesetzt hat. Wie zum Beispiel der Strommarkt funktioniert, ist etwas, was in China noch nicht so gut funktioniert. Sie sieht da viele Punkte, in denen EuropäerInnen und ChinesInnen voneinander lernen und sich auch gegenseitig befruchten können.
Klimaanpassung in China
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Die Folgen der Klimakrise sind in China sehr präsent. Da gab es wirklich richtig schlimme Bilder von Überschwemmungen, bei denen Menschen in einer U-Bahn festgesteckt haben und denen buchstäblich, also wirklich das Wasser bis zum Hals steht. Das sind total beklemmende Bilder, weil wenn man sich dann vorstellt, man würde selber in so einer U-Bahn eingekesselt unter der Erde und dann steht das Wasser bis hier. Das ist schon eine ziemlich bedrohliche Situation.
Und das macht natürlich was mit einer Gesellschaft, wenn solche Bilder dann rumgehen und produziert werden. Und obwohl die staatlichen Medien in China nicht besonders frei sind und das auch nicht unbedingt als Klimakrise benannt haben, was wir auch aus Europa übrigens kennen, auch hier wird ja teilweise dann irgendwie von einzelnen Hitzeereignissen gesprochen und nicht zwangsläufig die Klimakrise sozusagen als Ursache benannt, wird über dieses Extremwetter natürlich berichtet.
Und die chinesische Regierung, die reagiert auch darauf. Im März kam der 15. Fünfjahresplan raus, und in dem wird Klimaschutz tatsächlich auf eine Stufe mit Klimaanpassung gestellt, von der Wichtigkeit her. Und es gibt für 2035 zum Beispiel eine Strategie, um eine Climate Adaptive Society zu werden, also eine Gesellschaft, die sich an die Klimakrise anpassen kann. Da geht es um so etwas wie Frühwarnsysteme, aber auch die Idee der Schwammstadt kommt davor, die ja auch in vielen deutschen Städten präsent ist.
Damit ist gemeint, dass Städte mehr Grünflächen haben, die dann entsprechend mehr Wasser aufnehmen können, auch im Fall von Überschwemmungen. Über die Frage, wie Städte klimaresilienter werden können und aktuelle Forschungsansätze dazu haben wir im vergangenen Sommer hier im Podcast berichtet. Wir verlinken euch die Folge dann noch mal in den Shownotes zum Nachhören.
Aber zurück zu diesem 15. Fünfjahresplan. Darin hat China auch angekündigt, eine größere Rolle in der internationalen Klimadiplomatie spielen zu wollen. Richtig. Genau. Bisher hat China sich gerade im Kontext der UN-Klimakonferenzen selbst so zu den Entwicklungsländern gezählt und auch stark darauf gepocht, was dann eben bedeutet, dass sie weniger Verantwortung tragen müssen, wenn es um so etwas wie Klimafinanzierung geht.
Das heißt, sie haben sehr stark mit dem Finger auf die Industrienationen im Westen gezeigt und an deren historische Verantwortung appelliert, was auch irgendwo richtig ist. Aber jetzt könnte sich das eben ändern, denn China nimmt jetzt sich in Anspruch, eine Führungsrolle in der internationalen Klimapolitik einnehmen zu wollen. Was genau das dann in der Praxis bedeutet, das kann man jetzt noch nicht absehen. Aber das ist zumindest der Plan.
Und das ist sicher auch eine Reaktion darauf, dass die USA sich eben aus diesem Prozess weitestgehend rausgenommen haben und damit eben eine Lücke hinterlassen haben, die China jetzt füllen kann.
Fazit
Liebe Marisa, vielen Dank für diesen Ausflug in den Fernen Osten. Ich bin schon ganz gespannt, welches Land du für die nächste Folge aus unserer Reihe raussuchen wirst. Danke dir! Gerne. Das war der Klimapodcast von detektor.fm für heute. Wenn ihr über die nächsten Folgen rund um Klimaschutz informiert sein wollt, dann folgt doch dem Podcast in der App eurer Wahl.
Produziert hat diese Folge Zwiebke Stark. Und die Redaktion hatte ich, Ina Lebedjew. Und ich sage Danke fürs Zuhören. Ich freue mich, wenn ihr nächste Woche auch wieder mit am Start seid. Macht’s gut! Bis bald! Tschüss!
Mission Energiewende, der detektor.fm-Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen in Kooperation mit Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter mit Solarlösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 Prozent Ökostrom.