Ich hatte seit Wochen eine Kiste mit gerahmten Fotos rumstehen, die ich längst aufhängen wollte. Neulich habe ich es dann einfach gemacht, und es ging viel schneller, als ich dachte. Und jetzt freue ich mich jeden Tag über den Anblick der neuen alten Fotos.
Im Alltag machen wir uns das vielleicht nicht so klar, aber ein Zuhause, in dem wir uns wohl und sicher fühlen, das wir nach unseren eigenen Vorstellungen gestalten können, das wirkt sich auf unser ganzes Leben aus. Und für viele Menschen gehört da auch das sogenannte Ausmisten dazu, also Möbel, Hausrat, veraltete Technik auszusortieren, die wir nicht mehr brauchen, nicht mehr schätzen oder auch einfach nicht mehr mögen. Und an der Stelle kommen oft Wertstoffhöfe ins Spiel. Welche Rolle spielen sie, wenn es um den Schutz des Klimas geht? Darum geht es heute. Ihr hört den Klima-Podcast von detektor.fm. Ich bin Ina Lebethjeff. Hi! Mission Energiewende – Der detektor.fm-Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen in Kooperation mit Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter mit Solarlösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 Prozent Ökostrom.
In vielen Großstädten stehen Verschenkekisten vor Haustüren. Es gibt Umsonstläden oder die Möglichkeit, gut erhaltene Möbelstücke für einen guten Zweck zu spenden, zum Beispiel an ein Sozialkaufhaus. Und dann gibt es da aber die hoffnungslosen Fälle: Das durchgesessene Sofa, den Stuhl, der nicht mehr zu retten ist, die kaputte Lampe. Sammeln, korrekt entsorgen, wiederverwenden – das ist die Aufgabe von Wertstoffhöfen in Deutschland, sagt die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Dr. Marike Hoffmann ist dort Senior Expert im Bereich Kreislaufwirtschaft, und sie kennt sich mit dem Thema aus. Deswegen sprechen wir jetzt darüber. Willkommen im Klima-Podcast, Frau Hoffmann! Hallo, vielen Dank für die Einladung!
Sie sagen: sammeln, korrekt entsorgen, wiederverwenden. Darum geht es auf dem Wertstoffhof. Können Sie kurz erzählen, wie die Mechanismen dahinter sind? Also, was passiert, nachdem ich meine ausrangierten Sachen da abgegeben habe? Zum Beispiel, wenn die Container voll sind? Also, auf den Wertstoffhöfen entscheidet sich ja letztendlich, was mit den Dingen passiert, die da abgegeben worden sind. Sie haben es schon erwähnt: Recycling ist oft eine sehr gute Option. Da können eben die Materialien, die darin enthalten sind, nochmal in eine neue Nutzung gebracht werden. Die Produkte werden dann zum Beispiel sortiert, zerkleinert, und ja, Kunststoffe, zum Beispiel viele Metalle, können dann eben nochmal für neue Produkte eingesetzt werden. Und sehr gut ist natürlich, wenn man auf dem Wertstoffhof auch die Möglichkeit hat, das, was eben noch funktioniert und gut erhalten ist, nochmal wieder zu verwenden. Also zum Beispiel, indem es dort ein Second-Hand-Kaufhaus gibt oder eine Zusammenarbeit mit einem Repair-Café. Manchmal gibt es kleine Tauschecken. Das alles ist ein sehr großer Beitrag zum Umweltschutz.
Genau, ich habe mal in Hamburg gelebt, da habe ich das gesehen und erlebt. In Berlin gibt es, glaube ich, auch solche Alternativen, wo das sozusagen gekoppelt ist mit anderen Nutzungsformen. Also ganz perfekt ist es sozusagen, wenn man direkt beim Abgeben fragt, ob es denn noch funktioniert oder wenn was kaputt ist, was denn kaputt ist. Weil diese Informationen sind natürlich total wertvoll, wenn man dann die Produkte nochmal wieder aufbereitet. Also bei Möbeln kann man ja relativ direkt sehen, ob man die noch verwenden kann. Bei Elektrogeräten zum Beispiel müssten die ja dann auch getestet werden oder repariert werden. Das ist immer sehr wertvoll, wenn sowas eben an Wertstoffhöfe angegliedert ist, damit die Dinge die eben häufig noch funktionieren – das sind so 20 Prozent bei den Elektrogeräten, die noch ein Wiederverwendungspotenzial haben – dass die dann auch tatsächlich nochmal in eine zweite Nutzung kommen. Klar, was ich weggebe, kann vielleicht für jemand anders einfach ein super Freudefaktor sein und einen großen Wert haben.
Ja, ganz genau. Bevor wir darüber reden, wie wichtig oder hilfreich Wertstoffhöfe für den Klimaschutz sind: Ist denn Wertstoffhof gleich Wertstoffhof? Also, wir schauen uns ja verschiedene Wertstoffhöfe regelmäßig an. Wir machen so Testbesuche auch vor Ort und sehen dort sehr große Unterschiede. Also, das fängt bei den Öffnungszeiten an. In einigen ländlichen Regionen haben die Wertstoffhöfe nur ein oder zwei Tage die Woche auf, zum Teil oder saisonal sehr stark unterschiedliche Öffnungszeiten. Das ist natürlich eine Grundvoraussetzung, dass die Leute ihre Sachen zum Wertstoffhof bringen, dass das eben so einfach wie möglich ist. Und neben den Öffnungszeiten spielt natürlich auch das Personal eine Rolle, ob man seine Fragen eben beantwortet bekommt, ob man Unterstützung hat beim Sortieren und ob man vielleicht dann auch vor Ort erklärt bekommt, warum es denn überhaupt sinnvoll ist, bestimmte Dinge extra zum Wertstoffhof zu bringen. Und wenn es dann darüber hinausgeht, also um besonders viele Materialien fürs Recycling zu sammeln oder auch Wiederverwendungsoptionen bereitzustellen, da sehen wir eben noch sehr große Defizite in ganz Deutschland. Deswegen zeichnen wir auch mit unserem Wettbewerb eben einzelne Wertstoffhöfe aus, die darüber hinausgehen, also die zum Beispiel so ein Secondhand-Kaufhaus auf dem Gelände haben oder auch umfassende Umweltbildung machen und damit eben zeigen, was es eigentlich für ein Potenzial gibt auf einem Wertstoffhof.
Können Sie mal ein ganz konkretes Beispiel nennen, was manche Wertstoffhöfe da so toll machen? Sie haben ja gerade gesagt, Sie haben einen Wettbewerb, wo Leute antreten können. Was leisten die? Was machen die anders als andere Höfe vielleicht? Ja, also zum Beispiel in Sondhoven gibt es so ein großes Secondhand-Kaufhaus, und da wird wirklich im großen Umfang noch nutzbares Material gesammelt. Es werden alte Gegenstände bei den Leuten zu Hause abgeholt. Dann gibt es auch eine Zusammenarbeit eben mit professionellen Akteuren, die prüfen und reparieren können. Und die aufbereiteten Produkte werden dann in verschiedenen Secondhand-Kaufhäusern, die es da in der Region gibt, dann angeboten. Und es gibt auch dort Bestrebungen, dass man teilweise Gegenstände auch online vertreibt, sodass es wirklich nochmal wahrscheinlicher wird, dass jemand, der das noch gebrauchen kann, gefunden wird für die jeweiligen Altprodukte.
Ach, spannend! Ja, okay, das ist natürlich dann wirklich sehr serviceorientiert und für Leute zugänglicher. Das ist so ein Aspekt, der wichtig ist, oder? Also, uns ist sehr wichtig, dass man das zusammendenkt. Also, dass man auf dem Wertstoffhof nicht nur hinfährt und denkt, man wird da Sachen los, sondern dass man eben auch sieht: Kreislaufwirtschaft – Dinge können auch wieder sozusagen in die Nutzung zurückgebracht werden. Das müssen jetzt auch nicht nur die wiederverwendeten Sachen sein. Viele Wertstoffhöfe verkaufen auch zum Beispiel Kompost, der aus der Biotonne dann gewonnen wurde. Dadurch wird den Leuten einfach klar, es hat einen Sinn, die Sachen getrennt zu sammeln. Es hat einen Sinn, hierher zu kommen, weil dann eben auch wieder neue Sachen daraus entstehen.
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Also, ich fand das mal spannend. Ich war auf dem Wertstoffhof und habe, glaube ich, alte Medikamente weggebracht, damit die korrekt entsorgt werden können, und habe Kleidung abgegeben. Und da wurde ich zum Beispiel gefragt, ob die Kleidung noch so gut ist, dass ich sie, also auch wenn sie mir jetzt nicht mehr gefällt, dass man sie wirklich noch tragen kann. Also, dass sozusagen auf die Qualität der Altkleider geachtet wurde. Das fand ich schon cool, dass da so darauf Rücksicht genommen wurde. Also, weil man weiß ja sozusagen, dass die Qualität von Kleidung in den vergangenen Jahren immer weiter sinkt und die vielleicht nicht mal mehr als Putzlappen oder als Füllmaterial für Autotüren oder so verwendet werden können, weil es einfach zerfällt, irgendwie mit der Zeit.
Ja, das ist ein ganz wichtiger Hinweis, den man auf dem Wertstoffhof eigentlich bekommen sollte, dass man eben auch Abfälle vermeiden kann, wenn man beim Kauf schon darauf achtet, besonders langlebige Produkte zu wählen. Also, passiert ja vielleicht vielen Menschen, dass sie sich Möbelstücke kaufen, die eher minderwertig sind und dann schneller kaputt gehen. Und die kann man dann eben auch secondhand nicht nochmal verkaufen, weil sie einfach schon nach wenigen Jahren nicht mehr schön aussehen. Und dass man vielleicht daraus lernt, dass auch wenn es ein bisschen teurer ist, man sich eher hochwertige Produkte, genauso für Kleidung, zulegt, eben damit sie ganz lange genutzt werden und auch weitergegeben werden können.
Welchen Einfluss haben denn jetzt gut funktionierende Wertstoffhöfe auf den Klimaschutz in Deutschland? Es gibt verschiedene Effekte, die sozusagen die Wertstoffhöfe beitragen können. Vielleicht fangen wir mal beim Recycling an. Da ist es ja so, dass wenn man möglichst viele Materialien gut voneinander trennt und dann separat auch recycelt, dass man dann eben die Emissionen, die die Neuproduktion dieser Materialien verursachen, einspart. Und so vielleicht grob zur Einordnung: Aluminium ist sehr energieintensiv in der Herstellung. Da ist es wirklich sehr sinnvoll, auch Stahl erneut ins Recycling zu geben. Auch Kunststoff ist sehr energieintensiv in der Herstellung. Da wird ja auch Erdöl für verbraucht. Wenn man das herstellt, da ist es ein bisschen komplizierter als bei den Metallen, weil es eben so viele verschiedene Sorten von Kunststoffen gibt und da eben teilweise auch Zusatzstoffe drin sind. Das heißt, es lohnt sich auch, bei den Kunststoffen sozusagen nochmal zu trennen. Also, wenn man zum Beispiel größere Mengen PVC-Bodenbelag hat, extra zum Wertstoffhof zu bringen, machen dann aber auch nicht alle Wertstoffhöfe, dass sie das dann getrennt sammeln. Da müsste man sich vorher informieren. Aber auch Hartplastik separieren einige Wertstoffhöfe extra, sodass daraus dann tatsächlich wieder neue Produkte werden. Wenn man das jetzt einfach im Restmüll sozusagen sammeln würde, da reichen die Sortiertechniken noch nicht aus, dass man daraus dann wirklich wieder hochwertige neue Produkte macht. Das landet dann eben meistens in der thermischen Verwertung, also der Verbrennung.
Ja, das ist sozusagen der Beitrag vom Recycling. Und noch größeren Beitrag kann man aber leisten, wenn eben Sachen wiederverwendet werden. Dafür muss man wissen, dass sozusagen viele Gegenstände in den CO2-Rucksack durch die Herstellung mit sich bringen. Und das spart man natürlich ein, wenn jemand sich dann jetzt keinen neuen Laptop kaufen muss oder einen neuen Schrank kaufen muss, sondern eben ein gebrauchtes Produkt noch ein paar Jahre länger verwendet. Also die Lebensdauer ist ja dann meistens nicht genauso lang. Aber für diese Zeit, die man das Produkt dann eben noch weiter nutzt, spart man diese Herstellungs-Treibhausgase dann ein. Und um vielleicht mal ein Gefühl dafür zu bekommen: Bei so einem Laptop stecken bis zu 300 Kilogramm CO2 Emissionen drin, durch eben die Materialgewinnung und die Herstellung von dem Gerät. Und das ist ungefähr eine Autofahrt von über 1000 Kilometern. Und deswegen ist es eben sehr sinnvoll, den so lange wie möglich zu benutzen. Und diese CO2-Emissionen, die in dem Produkt stecken, die sind bei vielen Elektrogeräten eben auch deutlich höher als die, die man durch den Energieverbrauch sozusagen ausstoßen würde. Also gerade Handys, Laptops, da ist eigentlich die Devise: so lange wie möglich benutzen, um eben die Neuproduktion zu verhindern. Und da gibt es ja auch ganz gute Alternativen. Also, weil man kann ja zum Beispiel, es gibt ja Plattformen, wo man gebrauchte wieder aufgearbeitete technische Geräte sehr gut kaufen kann.
Ja, also da gibt es ja wirklich Möglichkeiten inzwischen auch online. Also, wenn man dieses Kaufengefühl haben möchte, sich das online zu bestellen und da ja was Gutes für die Umwelt zu tun und trotzdem eben sozusagen in Anführungsstrichen ein neues oder anderes Gerät zu haben, das dann moderner ist oder mehr kann oder ja neue Bedürfnisse erfüllt, die man vielleicht über die Jahre entwickelt hat.
Ganz genau! Es gibt sehr hochwertige Geräte auch mittlerweile auf dem Secondhand-Markt. Die Anbieter stellen da auch Garantie zur Verfügung, und man sollte auch wirklich seine alten Geräte in die Wiederverwendung geben. Da gibt es auch gute Prozedere, die den Datenschutz dann zum Beispiel gewährleisten. Da muss man sich, wenn man sich an seriöse Anbieter wendet, eigentlich keine Sorgen machen. Die Deutsche Umwelthilfe hat auch eine Handysammlung, die wir demnächst wieder aktivieren werden. Da geht es uns eben auch darum, dass man die Geräte wiederverwendet und auch Ersatzteile gewinnt, weil das ist natürlich auch ein Punkt. Von manchen Geräten gibt es die Ersatzteile nicht mehr, und wenn man die dann dem Gebrauchtmarkt zur Verfügung stellt, dann kann vielleicht nochmal jemand sein Handy reparieren, wo es die Ersatzteile sonst nicht mehr geben würde. Und vielleicht zum Vergleich nochmal: Bei Möbeln können bei größeren Möbeln auch CO2-Emissionen von 100 bis 150 Kilogramm drinstecken. Deswegen ist es eben auch bei Möbeln besonders wichtig, dass man sie so lange wie möglich benutzt, insbesondere wenn da eben auch CO2-intensive Materialien wie Metalle oder Kunststoffe drin verbaut wurden. Da habe ich ein gutes Gewissen. Wir haben gerade Möbel von Freunden übernommen, die bei denen nicht mehr reinpassen. Das macht auch einfach Spaß, wenn man Sachen denen nochmal ein neues Leben geben kann und das für einen selber ja auch einen Mehrwert hat.
Auf jeden Fall! Ich finde auch die Mischung von alt und neu auch sehr charmant, aber das ist natürlich auch vollkommen Geschmackssache. Es gibt diesen Begriff der Abfallhierarchie. Können Sie nochmal kurz erklären, was das bedeutet? Worum geht es da genau? Das ist ein Prinzip, was schon sehr lange in der Gesetzgebung steht. Darauf basiert eigentlich die gesamte Gesetzgebung der Kreislaufwirtschaft, so als Leitprinzip, dass man sagt: Abfälle sollten in allererster Linie natürlich vermieden werden. Das ist einfach am umweltfreundlichsten, wenn sie gar nicht erst entstehen. Und die zweitbeste Option ist dann eben genau die Wiederverwendung, also dass man Sachen, die vielleicht zu Abfall geworden sind, doch nochmal prüft und in eine neue Nutzung gibt, wie das zum Beispiel dann bei so einem Secondhand-Kaufhaus der Fall ist. Bei Verpackungen ist das klassischerweise das Mehrweg, was dann eben aus Umweltsicht viel umweltfreundlicher abschneidet, weil wenn man eine Flasche oder einen Becher ganz häufig benutzt, dann entfallen diese ganzen Emissionen, die eben mit der Neuherstellung und dann auch mit der Entsorgung zusammenhängen, plus die ganze Verschmutzung der Umwelt durch Kunststoff.
Ja, erst dann, wenn diese Optionen sozusagen ausgeschöpft sind, ist ein Recycling zu bevorzugen, dass man also wirklich das Material nochmal nutzt. Und erst danach kommen so andere Nutzungen, wie – also thermische Verwertung nennt man das dann, also wenn es in die Verbrennung geht, dann kann man wenigstens noch die Energie des Materials nutzen. Und wenn die Sachen sehr schadstoffbelastet sind, dann ist die allerletzte Option eine Beseitigung, also wo dann wirklich im Vordergrund steht, ja, das Material unschädlich zu machen, aber es keinen Nutzen mehr hat.
Ich habe gelesen, dass es im Landkreis Karlsruhe gerade den ersten Self-Service-Wertstoffhof gibt, der eröffnet hat. Da können zum Beispiel Leute Termine per App ausmachen und außerhalb der Öffnungszeiten Dinge und Hausrat vorbeibringen. Könnte so etwas flächendeckend von Nutzen sein oder funktionieren? Wie sehen Sie das? Also, diese automatische Rückgabe ist auf jeden Fall positiv, was die Öffnungszeiten betrifft. Also, das haben ja viele Menschen das Problem, dass sie zu den üblichen Arbeitszeiten nicht die Möglichkeit haben, irgendwo hinzufahren. Und wenn das jetzt wirklich 24 Stunden aufhat, das ist, denke ich, für viele Menschen schon auch eine große Erleichterung und führt dann vielleicht eher dazu, dass die Menschen häufiger die Dinge zum Wertstoffhof bringen, die sonst anderweitig entsorgt werden würden. Aber uns ist eigentlich auch wichtig, dass eben diese Möglichkeit genutzt wird, dass man mit den Menschen interagiert. Also, ich denke nicht, dass man bei so einem automatischen Wertstoffhof dann ein Gespräch darüber führen würde, ob die Lampe noch funktioniert und nochmal benutzt werden kann. Und man kann jetzt auch nicht seine Fragen dazu loswerden. Was kann denn eigentlich in die Wertstofftonne? Was kann in den Papiermüll? Diese übliche Beratung, die eigentlich auf dem Wertstoffhof stattfinden kann, wenn da genügend Zeit vorhanden ist, die fällt dann komplett weg. Man hat vielleicht auch mehr Probleme mit Betrug. Also, es gäbe auch schon einige Nachteile bei so einem System. Deswegen würde ich sagen, das kann eine Ergänzung sein, aber sollte jetzt die klassischen Wertstoffhöfe nicht ersetzen.
Naja, und das macht ja auch einfach wirklich mehr Spaß, als Mensch mit Menschen zu interagieren. Also, ja, sind immer nur kleine Momente. Es ist ja genauso wie an der Supermarktkasse, wo man sich eben kurz begegnet und sich vielleicht kurz austauscht. Aber man kann eben auch mal eine Frage loswerden oder kriegt einen Kommentar zu den Sachen, die man hingebracht hat oder ein Rat oder eine Anweisung dahin, in welchen Container ich das jetzt packen soll. Deswegen stimmt es schon, unter Menschen mit Menschen zu sein, das ist auf jeden Fall ein bisschen angenehmer. Aber klar, es gibt natürlich einfach Möglichkeiten für Leute, die es dann einfach nicht packen, wenn sie im Schichtdienst arbeiten oder so. Oder der klassische Samstagvormittag, wo die Wertstoffhöfe sehr überrannt werden, wo dann teilweise auch die Wartezeiten sehr lang sind. Wenn man da vielleicht eine Systematik schafft, dass man Dinge auch so abgeben kann und die werden dann vielleicht nachsortiert, das wäre dann ja natürlich notwendig, wenn man da nicht vor Ort beraten kann. Ja, das könnte schon hilfreich sein.
Sie haben es vorhin im Laufe des Gesprächs auch schon ein bisschen angedeutet, aber ich würde es gerne noch mal kompakt zusammenfassen: Wo liegen denn sozusagen im Moment die Herausforderungen für Wertstoffhöfe? Wie schaffen die das, dass sie mit der Zeit gehen, dass sie sich entwickeln? Also, klassischerweise waren Wertstoffhöfe sehr auf die Abfallentsorgung fokussiert. Die Leute wollten schnell ihre Dinge loswerden. Und mittlerweile kann auf Wertstoffhöfen einfach viel mehr passieren. Also die ganze Umweltberatung, Abfallberatung kann idealerweise am Wertstoffhof stattfinden, weil man eben dort als einzige Möglichkeit mal auf geschultes Fachpersonal trifft. Darüber hinaus müssen natürlich auf den Wertstoffhöfen immer mehr verschiedene Fraktionen gesammelt werden. Man braucht eigentlich immer mehr verschiedene Container, weil es auch immer mehr tolle Recyclinganlagen gibt, die verschiedene Dinge recyceln können, wenn sie denn ordentlich getrennt werden. Deswegen haben viele Wertstoffhöfe gerade im städtischen Bereich auch ein Platzproblem. Das heißt, es ist die Frage, wie organisiert man die Leerung der Behälter mit dem ganzen Publikumsverkehr. Und eigentlich müssen sich Wertstoffhöfe noch darüber hinaus in Richtung Wiederverwendung weiterentwickeln. Und dafür braucht es auch ganz neue Räume auf den Wertstoffhöfen. Also teilweise Schulungszentren haben einige Wertstoffhöfe eingerichtet oder eben Second-Hand-Kaufhäuser. Das können vielleicht nicht alle Wertstoffhöfe in dem Umfang umsetzen, aber es ist schon wichtig, dass man vielleicht pro Landkreis oder pro Stadt einen größeren Wertstoffhof hat, wo man weiß, da kriegt man über das reine Abfallloswerden noch ein bisschen mehr geboten. Und wenn die kleineren Wertstoffhöfe darüber hinaus noch eine kleine Tauschecke einrichten würden, da kann sich sehr viel noch entwickeln in den nächsten Jahren.
Gibt es einen Aspekt, den wir in Sachen Wertstoffhöfe und Klimaschutz bis jetzt ausgelassen haben, wo Sie sagen, es wäre wichtig, dass die Leute das wissen? Ein wichtiger Punkt wäre vielleicht noch in Bezug auf Klimaschutz tatsächlich die guten alten Kühlschränke und Gefriertruhen, die teilweise noch FCKW enthalten. Also bis in die 90er Jahre konnten FCKW verwendet werden. In diesen Kühlschränken steckt wirklich sehr viele Klimaemissionen, also Klimagase drin. Und die FCKW wurden dann in den 90er Jahren ersetzt durch F-Gase, die genauso klimaschädlich sind. Also die haben ein Potenzial von 10.000 Mal von dem Potenzial von CO2. Das ist schon sehr viel. Wenn man so einen alten FCKW-Kühlschrank jetzt illegal entsorgen würde, und das würde alles in die Luft geraten, was da drin ist, das ist ungefähr so viel Emissionen wie ein Jahr Autofahren. Das heißt, es ist wirklich wichtig, dass man diese älteren Geräte, aber eben auch die, wo noch F-Gase drin sind, die waren nämlich bis 2018 noch erlaubt, dass man die unbedingt zum Wertstoffhof bringt, weil dort kommen die dann in Spezialanlagen, wo man diese F-Gase und FCKW dann abtrennen kann. Es gibt auch sehr viele Schrotthändler, die sehr gerne Elektrogeräte annehmen und eben auch Kühlschränke, weil sie eben mit den Metallen Geld verdienen. Das ist aber illegal. Und die würden dann eben das Gerät nicht so behandeln, dass die FCKW abgetrennt werden. Die würden dann in die Luft gehen. Das heißt, das ist wirklich wichtig, dass man darauf achtet, die korrekt zu entsorgen.
Also, alle Gartenlaubenbesitzer, die noch irgendwo einen kleinen Kühlschrank rumstehen haben, sollen damit zum Wertstoffhof, wenn er nicht mehr mitmacht. Oder ja, also auch wenn man eine Wohnung ausräumt von der Familie etc. 2018 ist ja jetzt auch noch nicht so lange her. Man sollte diese Geräte auf jeden Fall korrekt entsorgen. Egal, ob man dafür irgendwas noch geboten kriegt. Das machen ja die Schrotthändler teilweise auch. Sie haben noch Geld dafür auszahlen. Aber Elektrogeräte müssen unbedingt entweder im Fachhandel oder auf den Wertstoffhöfen abgegeben werden. Das sagt Marieke Hoffmann, bei der Deutschen Umwelthilfe. Sie ist Senior Expert im Bereich Kreislaufwirtschaft. Ganz, ganz vielen Dank für die interessanten Einblicke und das Gespräch! Sehr gerne, danke für die Einladung!
Und das war es für diese Woche mit dem Klimapodcast von detektor.fm. Wenn euch gefällt, was wir hier machen, dann lasst uns doch bitte gern ein Abo da. Schickt diese Folge oder unseren ganzen Feed an Menschen weiter, die sich für Klimathemen interessieren könnten. Das hilft uns, damit wir gefunden werden. Danke fürs Zuhören, sage ich natürlich. Produziert hat diese Folge Paula Bültemann. Und ich bin Ina Lebethjev und ich sage Danke für eure Aufmerksamkeit. Bis nächste Woche, macht’s gut! Tschüss! Mission Energiewende – Der detektor.fm-Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen in Kooperation mit Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostrom-Anbieter mit Solar-Lösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 Prozent Ökostrom.