Einkaufen ohne Verpackung und Plastik, regional und nachhaltig. Klingt doch super! Fast zu gut, um wahr zu sein. Unverpackt-Läden und Supermärkte machen das möglich. Mittlerweile gibt es fast in jeder großen Stadt und in den meisten Regionen Deutschlands einen Unverpackt-Laden. Aber wie gut funktioniert das Konzept? Darum geht’s heute. Ihr hört den Klima-Podcast von detektor.fm. Ich bin Ina Lebedjew. Hi! Mission Energiewende – der detektor.fm-Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen in Kooperation mit Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter mit Solarlösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 % Ökostrom.
Unverpackt-Läden in Deutschland
Chrissi Holzmann kümmert sich beim Verband der Unverpackt-Läden um PR und Marketing. Der Branchenverband vertritt mehr als 330 Mitglieder in Deutschland und setzt sich für eine verpackungsreduzierte Zukunft ein. Und sie betreibt selbst den Bio- und Unverpackt-Laden Servus Resi im Süden von München. Und ich freue mich, dass wir heute sprechen können. Chrissi Holzmann, willkommen im Klima-Podcast! Hi Ina, vielen Dank für die Einladung! Ich habe viele Jahre in Norddeutschland gelebt, zuletzt in Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern. Und kurz bevor ich dort weggezogen bin, hat in meiner Straße ein Unverpackt-Laden aufgemacht. Jetzt, nach etwa fünf Jahren, ist er nicht mehr da. Und ich habe gelesen, dass zuletzt wirklich viele Unverpackt-Läden in mehreren Regionen und Städten Deutschlands schließen mussten. Wie geht es denn eurer Branche im Moment insgesamt? Aktuell? Also das, was du aus deiner Heimatstadt berichtest, das ist leider in mehreren Orten und Städten Deutschlands Realität. Wir hatten den Peak mit den meisten Unverpackt-Läden deutschlandweit Anfang 2021 und haben uns seither tatsächlich drastisch minimiert. Das hat ganz viele Gründe, die man tatsächlich auch in seinem eigenen Einkaufsverhalten feststellen kann. Es ist nichts Branchentypisches. Also es betrifft nicht nur uns Unverpackt-Läden, sondern ganz generell den stationären Einzelhandel. Wenn man sich mal so in den Innenstädten umschaut, dann wird man feststellen, dass es leider sehr viel Leerstand gibt. Also ob das Bücherläden sind, die schließen, ob das Blumenläden sind, die schließen. Seit der Pandemie sind Leute Fan geworden von diesem One-Stop-Shopping, also einmal hin, alles drin. Und für uns ist es tatsächlich auch ein bisschen traurig, wie sich die Innenstädte verändern. Es gibt irgendwie riesengroße Einkaufsmalls, die immer gleichen Logos der Giganten sind zu sehen und zu erkennen. Und kleine inhabergeführte Läden haben es zunehmend schwerer bekommen. Und das betrifft uns Unverpackt-Läden. Gerade wir sind eine sehr junge Branche.
Herausforderungen im Alltag
Natürlich auch. Du betreibst ja selbst einen Unverpackt-Laden und hast es ja jetzt gerade auch schon geschildert. Kannst du mal erklären, worin im Alltag so die Herausforderungen liegen und womit ihr zu kämpfen habt? Also abgesehen davon, dass sozusagen die Kundschaft ein eigenes Verhalten entwickelt und sich vielleicht umorientiert hat in den vergangenen Jahren. Also ich habe mit meinem Laden jetzt im März ein sechsjähriges Jubiläum und mir geht es tatsächlich sehr gut. Es ist aber, wie du schon gesagt hast, nicht immer ganz ohne Herausforderungen. Eine davon liegt tatsächlich in der Presse und der öffentlichen Berichterstattung, weil wir Unverpackt-Läden da tatsächlich ganz oft totgesagt werden. Also es ist oft zu lesen von so Schlagzeilen: „Unverpackt packt ein – sterben der Unverpackt-Läden“ und so weiter und so fort. Und das ist nicht hilfreich, weil der Mensch ein soziales Wesen ist und der Mensch auch gerne Trends folgt. Und wenn die öffentliche Aussage der Trend ist, dass die Branche sowieso keine Zukunft hat, dann ist das zusätzliche Energie, die wir als InhaberInnen da noch reinstecken müssen, um da einfach gegen anzukämpfen. Das zweite ist, dass wir mehr und mehr Aufklärungs- und Bildungsarbeit leisten müssen. Also tatsächlich ein Verständnis in der Bevölkerung schaffen müssen, dass wir uns in einer knüppeldicken Plastikkrise befinden. Das hat in der Politik zunehmend an Wichtigkeit verloren. Wenn wir uns umschauen, diese Stapelkrise, die 2020 eigentlich mit der Pandemie angefangen hat, dann kamen mittlerweile leider unzählige Kriege dazu, Inflation und so weiter und so fort. Da ist diese Plastikkrise einfach hinten runtergefallen. Und ich weiß nicht, ob du dich persönlich erinnerst: 2019 und 2020 war dieses Thema mit Plastikfrei, mit Unverpackt. Jeder ist irgendwie zu einem Clean abgegangen. Man hatte da eine ganz andere Wahrnehmung dafür. Und da war das noch so richtig da draußen: Es ist eine Krise, da kann ich aktiv was dagegen tun. Da waren die Leute on fire. Und mittlerweile ist so: „Noch eine Krise? Ey, hör mir auf damit.“ Und das ist für uns unglaublich anstrengend, dann Bewusstsein dafür zu schaffen, dass wir ein unglaublich großer Hebel sind, um nicht nur gegen die Plastikkrise, sondern auch gegen den Klimawandel was ausrichten zu können. Das heißt, das ist so ein bisschen auch die Problematik: Jeder kümmert sich um seins oder um den engsten Kreis, weil einfach so eine Überlastung da ist und nicht viel mehr geht. Und das wirkt sich aus auf eure Arbeit. Ja, das Gefühl habe ich schon, dass die Leute natürlich mental mit allem, so nachvollziehbarerweise, mit allem, was in der Welt zurzeit passiert, ausgelastet sind und sich dann nach Feierabend vielleicht einfach freuen, sich was vom Supermarkt liefern zu lassen oder eben zu sagen: „Ach, ich kaufe da zum großen Discounter komplett alles ein.“ Und da eben nicht mehr so die Kapazitäten da sind, sich mit anderen Problemen auseinanderzusetzen und eben noch diese extra Meile zu gehen und vielleicht zum Käseladen, zum Obst- und Gemüsegeschäft und eben auch zum Unverpacktladen noch zusätzlich zu gehen.
Unterstützung durch den Verband
Ihr seid ja als Branchenverband dafür da, eure Mitglieder in ihren unterschiedlichen Belangen zu unterstützen. Was könnt ihr denn tun, dass solche Geschäfte sich besser halten oder überhaupt halten können? Wie könnt ihr helfen, vielleicht auch Schließungen zu verhindern? Also unser Verband besteht nicht nur aus uns LadnerInnen, sondern wir haben auch viele Fördermitglieder. Und da sind unter anderem auch ProduzentInnen und LieferantInnen dabei, die uns dann Mitgliedern tatsächlich auch bessere Einkaufskonditionen anbieten. Weil auch da ist es natürlich so: Wir bestehen aus lauter inhabergeführten Geschäften, die einzeln bei den Big Playern natürlich viel schlechtere Lieferkonditionen haben als jetzt eine Kette, die aus 10 bis 100 Filialen besteht. Das ist dann natürlich schon mal finanziell ein großer Benefit. Dann sind wir dafür da, unsere Mitgliederläden zu empowern. Das heißt, da einfach viel Fachwissen zu bieten, egal ob das in Sachen Buchhaltung und Steuerberatung ist, ob das in Sachen PR und Marketing ist, ob das in Sachen Kalkulation und Controlling ist. Bei uns LadnerInnen ist es ganz oft so, dass wir eröffnet haben mit ganz viel Idealismus. Und das ist eine Herzensangelegenheit und was die meisten von uns der Sache wegen tun. Und da sind kaufmännische Kompetenzen ganz oft nicht so ausgeprägt wie bei Menschen, die ein Geschäft eröffnen, hauptsächlich um das Ziel des Profits zu verfolgen. Und da springen wir oder wollen wir als Verband natürlich auch einspringen. Also einfach Wissen zu vermitteln, dass Leute sich weiterentwickeln können, die bei euch Mitglieder sind. Richtig, genau. Ja, und das Letzte, was wir als Verband tun wollen, ist auch, wenn wir natürlich sehr klein sind und dagegen die Big Player ein bisschen anstinken, ist natürlich Lobbyarbeit. Und wir versuchen, in der Politik, in der Wirtschaft auch eine Stimme zu finden und der Umwelt, dem Klima, die da natürlich keine große Lobby haben, auch eine Stimme zu geben.
Das Prinzip Unverpackt
Ich vermute, dass die meisten Menschen inzwischen wissen, was ein Unverpacktladen ist. Aber das Prinzip ist ja, dass ihr sozusagen Lebensmittel offen anbietet, also entweder in Mehrwegbehältern oder so zum Abfüllen in eigene Gläser oder Tupperdosen oder was man eben so im Haushalt zu Hause hat. Kannst du mir mal erzählen, wie sozusagen – also wahrscheinlich hast du ja auch einen Vergleich dazu, wie es im herkömmlichen Supermarkt abläuft. Was sind bei euch die Besonderheiten, mit denen ihr umgeht, wenn ihr so einen Laden führt im Alltag? Ja, also der größte Unterschied ist, dass wir einen viel höheren Personal- und einen viel höheren Flächenaufwand haben. Im konventionellen Supermarkt, egal ob normal oder bio, ist es in der Regel so, dass die Ware angeliefert wird und direkt ins Regal gestellt wird. Bei uns kommen die Produkte ja nicht direkt in die Spender. Also es fährt kein Lieferant irgendwie vorbei und schüttet seine Sonnenblumenkerne direkt in die Bins, sondern die Produkte kommen im Großgebinde. Das sind in der Regel 25-Kilo-Säcke, die zu uns ankommen. Und die müssen erstmal verräumt und gelagert werden. Also in meinem Laden habe ich fast die gleiche Fläche nochmal an Lagerfläche wie an Verkaufsfläche. Wenn man jetzt die Mietpreise in größeren Städten kennt, dann weiß man, dass da natürlich erst mal eine höhere Ladenmiete mit weniger Verkaufsfläche zu zahlen ist. Die Ware muss verräumt werden. So ein Sack, wenn der einmal angebrochen ist, der muss luftdicht umgefüllt werden. Dann werden die Spender, die dann letzten Endes auf der Ladenfläche zu finden sind, befüllt. Die müssen etikettiert werden mit Mindesthaltbarkeitsdatum, mit Chargenummer, mit Herkunft und so weiter und so fort. Und da ist natürlich schon ein längerer Zeitaufwand auch damit verbunden und damit höhere Personalkosten. Sowohl für uns als LadenerInnen als auch für die Leute, die dann tatsächlich zum Abfüllen kommen, hat das gleichzeitig aber auch den schönen Effekt, dass man sich mit den Produkten sehr viel verbundener fühlt und ein besseres Gefühl dafür hat, dass das, was man da konsumiert, tatsächlich auch irgendwo herkommt. Ich habe gesehen, dass ihr so zu fünft seid, dass du mindestens vier Kolleginnen hast, mit denen du den Laden betreibst. Das hätte ich tatsächlich auch nicht vermutet, dass man so viele Menschen braucht, um so ein Geschäft gut zu führen und am Laufen zu halten. Ja, genau. Also ich habe jetzt vier MitarbeiterInnen. Wir sind natürlich nicht alle immer gleichzeitig da und es sind nicht alles Vollzeitangestellte. Gleichzeitig ist es so, dass es schon schön ist, wenn man das alles nicht alleine wuppen muss. Auch für den eigenen Rücken ist das angenehmer, wenn man die körperliche Arbeit nicht alleine stemmen muss. Ja, und natürlich ist es auch schön, mit Menschen zusammenzuarbeiten, mit denen man ein Team bildet. Total! Also wir sagen da sowohl im Geschäft als auch im Verband ganz oft: Eins plus eins ist drei. Wenn man zwei Köpfe zusammensteckt, kommt einfach viel mehr raus als wenn zwei Köpfe alleine vor sich hin denken.
Politische Forderungen
Um nochmal auf den Verband zurückzukommen: Ihr habt ja auch einige politische Forderungen. Wie sehen die aus und welche ist vielleicht die wichtigste davon? Wenn du mich fragst, ist die wichtigste politische Forderung tatsächlich die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf unverpackte Produkte oder solche in Mehrweggefäßen. Wir sind der Meinung, dass ein nachhaltiges Einkaufen, ressourcenschonendes Einkaufen für die VerbraucherInnen tatsächlich am Preisschild sichtbar sein sollte. Und wenn man jetzt bedenkt, dass Kunststoff, Plastik, aber auch jede andere Verpackung, also auch Papier und Glas, wächst nicht einfach so und ich kann es beliebig oft und easy abernten, dass die Kosten, die dann für die VerbraucherInnen und die dann letzten Endes für die Bevölkerung für uns als Gesamtgesellschaft entstehen durch Verpackung, die externalisierten Kosten, die sind so hoch und die tragen wir gesamtgesellschaftlich. Während die Profite, die die Kunststoffindustrie einstreicht, die sind privat. Also da machen sich ein paar wenige die Taschen voll und das, was an Umweltfolgekosten, an Gesundheitsfolgekosten dabei rauskommt, das müssen wir als Gesellschaft stemmen. Und deswegen wäre es für uns einfach folgewichtig zu sagen: Jeder Bürger, jede Bürgerin, die sich dazu entschließt, ressourcenschonend einzukaufen, zahlt dafür tatsächlich auch weniger. Und wenn das dann letzten Endes am Preisschild sichtbar ist, dass Nachhaltigkeit weniger kostet, dann wäre das ein riesengroßer Schritt und tatsächlich auch der größte Hebel, den die Politik hätte, um unverpackten Einkauf attraktiv zu machen.
Impact der politischen Entscheidung
Was meinst du, welchen Impact hätte so eine Entscheidung, wenn die kommen würde? Oh, ich denke in riesengroßen. Also jetzt bei Lebensmitteln, ob ein Kilo Reis, das ist natürlich viel zu teuer, was ich jetzt sage, weil ich es leichter rechnen kann: Statt 10,70 Euro einfach nur 10 Euro kostet, das macht einen Unterschied. Und bei Kosmetik und Reinigungsprodukten sind es 19 % Mehrwertsteuer, die einfach gespart würden. Und ob dann eben Shampoo 11,90 Euro kostet oder nur 10 Euro, das macht einen riesengroßen Unterschied. Und für den, sage ich mal, Bundeshaushalt ist das, was dadurch verloren ginge, ein Minimum an dem, was wir tragen müssen für Müllabfuhr, für Recyclinganlagen, für den Gesundheitsfolgekosten, die durch Mikroplastik entstehen. Und die sind schon da. Insofern wäre das eine Win-Win-Situation für alle.
Müllvermeidung durch Unverpackt-Läden
Weil du gerade so auf die Unterschiede zu sprechen gekommen bist: Welchen Unterschied macht denn überhaupt ein Unverpacktladen in der Menge an Müll, wenn Menschen dort einkaufen statt im herkömmlichen Supermarkt? Also für mich als Privatperson macht es natürlich einen riesengroßen Unterschied. Wenn ich jetzt von meinem eigenen Haushalt ausgehe und ich meine – klar, ich bin jeden Tag im Unverpacktladen. Für mich ist das ein Luxus. Ich gehe, ich würde sagen, vielleicht einmal in zwei Monaten bringe ich meinen Restmüll weg. Also mein Biomüll ist ab und zu natürlich voll. Sonst war es das komplett, weil ich als Privatperson zu 95 % unverpackt einkaufe. Natürlich entsteht im Unverpacktladen Müll, weil, wie gesagt, die Produkte kommen jetzt nicht lose aus dem Heuwagen des Bauern direkt zu uns im Laden. Aber der große Unterschied ist eben, dass die Produkte im Großgebinde kommen, dass die Produkte meist in Papier verpackt werden und eben ganz viel in Mehrweg kommt. Und der Müll, der entlang der ganzen Lieferkette eingespart wird vom Unverpacktladen zum konventionellen Bioladen, beträgt 84 %. Also insgesamt werden 84 % Verpackungsmaterialien eingespart, nur durch den Verkauf im Unverpacktladen.
Der Weg zum Unverpackt-Laden
Du hast es ja gerade beschrieben: Es ist ja klar, wenn man einen Unverpacktladen besitzt, dann steht man ja auch mit jeder Faser seines Körpers quasi dahinter. Wie bist du denn da hingekommen, das zu machen? Du hast ja wahrscheinlich nicht schon für immer unverpackt vorangetrieben. Das gibt es ja auch vielleicht noch gar nicht so ewig lange. Genau, das ist ja auch ein bisschen das Problem. Tatsächlich, der erste Unverpacktladen in Deutschland hat 2014 aufgemacht. Wir sind wirklich noch eine sehr, sehr junge Branche. Mein Laden habe ich seit sechs Jahren. Meine private Reise hat vielleicht vor acht Jahren angefangen. Da habe ich vom WWF tatsächlich einen Bericht gelesen über Plastik in den Meeren und über grundsätzlich Mikroplastik in unserer Umwelt. Und ich war so erstaunt. Erst habe ich das Gefühl, ich habe das für Fake News gehalten, weil ich dachte, da würde doch irgendjemand, der für uns verantwortlich ist, das doch zu verhindern wissen. Da gäbe es doch Bemühungen, das tatsächlich so weit nicht kommen zu lassen. Und Plastik in Kosmetik, die ich mir auf die Haut schmiere, das ist doch bestimmt verboten. Und je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigt habe und da eingelesen habe, habe ich festgestellt, dass das leider bittere Realität ist. Und dann habe ich für mich selbst beschlossen, einfach so verpackungsfrei, plastikfrei wie möglich einzukaufen und zu konsumieren. Und habe ganz schnell festgestellt, wie schnell ich an Grenzen stoße. Also dass unser Einzelhandel oder die Art und Weise, wie wir in unserer Gesellschaft handeln, darauf nicht ausgerichtet ist. Dann habe ich mir gedacht: Ich habe mich selber schon immer als Teil der Lösung empfunden und gesehen. Dann habe ich mir gedacht, wenn es mir so geht, geht es vielleicht auch anderen Leuten in meiner Haut so. Dann versuche ich, das nicht nur für mich selber möglich zu machen, sondern auch für meine Nachbarinnen und Nachbarn.
Forschung zu Zero Waste
Bitte widmet eure Aufmerksamkeit doch kurz unserem Werbepartner. Ihr wollt 100 % Ökostrom? Dann wechselt jetzt zu Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter. Hier bekommt ihr Ökostrom aus Sonne und Wind, intelligente E-Mobilität und Solaranlagen für günstigen Strom vom eigenen Dach. Ich habe auf Instagram gesehen, dass ihr euch auch mit Forschungsvorhaben zum Thema Zero Waste und Kreislaufwirtschaft beschäftigt. Was kannst du darüber erzählen? Das Wort Kreislaufwirtschaft ist heutzutage in aller Munde. Sei es im Bau oder weiß der Geier was. Das macht natürlich auch Sinn. Das Thema Recycling hat das Logo geklaut und natürlich auch das Wort geklaut. Recycling steht ganz am Ende der Abfallpyramide. Recycling sollte als allerletztes erst dran kommen. Wirklicher Kreislauf sieht tatsächlich so aus, dass Verpackungen so oft wie es geht und so lange wie es möglich ist wiederverwendet werden. Wir kennen das alle von Bier: Dass wir eine leere Bierflasche nicht wegwerfen oder zum Altglas tragen, das ist mittlerweile in unserer DNA drin. Joghurt, Milch auch. Bei uns in den Unverpacktläden gibt es super viel in den ganz standardisierten Mehrweggläsern und Flaschen. Ob das Wein ist, Senf, Ketchup, Olivenaufstriche, süß und salzig, Nussmus, Nussnougataufstrich usw. Und dann, wie ich ja vorhin erzählt habe, dass ganz viel in Großgebinde kommt, versuchen wir natürlich auch die Verpackung, die letzten Endes bei uns im Unverpacktladen noch ankommt, zu minimieren. Da sprechen wir von 20-Liter-Gefäßen, in denen dann z. B. die Cashews ankommen oder auch die Schokolade, was teilweise jetzt schon bei uns der Fall ist. Aber da versuchen wir immer mehr Produkte zu beziehen und das zu erforschen, wie viele Einsparungen es dafür geben kann und ob das dann eben nicht nur für uns Unverpacktläden sinnvoll wäre, sondern z. B. auch in der Gastronomie, in der Hotellerie, in der Außerhausverpflegung ganz grundsätzlich, um da als Pionierinnen einfach nach vorne zu gehen.
Kritiker der Unverpackt-Läden
Du hast ja vorhin schon mal angesprochen: Wir bewegen uns gerade alle in so einer Multikrise, wo einfach so viel passiert, das wir aushalten müssen oder das wir wahrnehmen in unserem Alltag. Es gibt viele Kritiker, die sagen, dass unverpackte Lebensmittel einzukaufen eben besonders umständlich ist, dass man eben da seine Gefäße ranschleppen muss, dass es teuer ist. Ich stelle mir auch vor, ich hatte mal eine Nachbarin, die hatten vier Kinder. Da hat man dann einfach immer gesehen, was da an Masse herangeschleppt werden muss, damit alle versorgt sind und wie viel da dann auch an Plastikmüll wieder abtransportiert werden musste. Das ist mir schon aufgefallen. Es ist sehr teuer. Ist das Vorurteil gegenüber Unverpackt-Läden? Das können wir, glaube ich, festhalten. Und es macht Arbeit. Man muss halt selber was reinstecken. Was entgegnest du Leuten? Wie überzeugt ihr von eurer Arbeit? Da hast du die zwei wichtigsten Punkte angesprochen: Einmal ist es aufwendig, zweimal ist es teuer. Das stimmt beides. Es wäre gelobt zu sagen, es geht ruckzuck und schneller als zwei Klicks Shopping. Und es wäre gelobt zu sagen, wir können mit den Preisen von einem konventionellen Supermarkt oder von einem Discounter mithalten. Gleichzeitig würde ich es gerne ein bisschen differenziert betrachten, weil es ganz oft einfach nur eine Frage der Prioritäten ist. Für uns alle ist es irgendwie normal zu sagen: „Ich gehe drei, vier Mal die Woche ins Fitnessstudio und packe dafür meine Sporttasche.“ Danach wasche ich die Klamotten und hänge die auf und so weiter. Und ich nehme auch die Viertelstunde, 20 Minuten in Kauf, die ich da hinfahre und wieder zurückfahre. Warum kann es nicht genauso normal sein zu sagen: „Ich packe meinen Einkaufskorb für einen Unverpacktladen, stelle da meine Gefäße rein?“ Bei unserer Stammkundschaft ist es schon in Fleisch und Blut übergegangen. Einfach, wenn irgendein Gefäß leer geht, lass es die Olivenölflasche sein, die ist leer gegangen, dann kommt die in den Unverpacktkorb. Spüle die Flasche, ist leer gegangen, kommt in den Unverpacktkorb. Klar, ist es zeitaufwendig, aber viele Dinge, die wir tun, sind zeitaufwendig. Und auch Social Media zu konsumieren und da ein bisschen zu scrollen, ist zeitaufwendig. Das ist also die eine Sache der Priorität. Die zweite Sache ist das finanzielle. Ja, Unverpacktläden sind teurer als konventionelle Supermärkte, aber in der Regel nicht teurer als Biomärkte. Wir kaufen einfach Bioqualität ein. Dazu kommt, dass wir im Gegensatz zu vielen Bio-Läden unglaublich großen Wert auf Regionalität legen. Die Bohne, die bei uns im Umkreis von 50 Kilometern wächst, ist leider Gottes teurer als eine Bohne aus China, weil wir alle wissen, da sind die Löhne günstiger, die werden da vielleicht in Monokultur angebaut und so weiter und so fort. Und auch die Löhne sind teurer und auch da versuchen wir Unverpacktläden nachhaltig einzukaufen und zu handeln. Und das ist das, was die Produkte letzten Endes teurer macht. Aber auch zu entscheiden, wofür ich mein Geld ausgebe, ist natürlich ein riesen Werkzeug von uns KonsumentInnen. Und auf der einen Seite geben wir ohne mit der Wimper zu zucken 5,90 Euro für irgendein komisches Kaffeegetränk aus. Das ist für uns super normal geworden. Und wenn es dann tatsächlich um das geht, was uns ernährt und wie wir vielleicht auch die Stadt gestalten können in der wir leben, Zukunft zu gestalten, da ist es irgendwie normal, über Geld und über Preise zu sprechen. Und das ist einfach so ein bisschen ein Mindshift, der passieren muss. Und ich kann es von den meisten Leuten nicht sagen, die schon mal im Unverpacktladen eingekauft haben. Unterm Strich ist der Bon, wenn man gewohnt ist, im Bioladen oder auf dem Wochenmarkt einzukaufen, sehr viel niedriger. Und es ist in der Regel oft nicht das Produkt, das viel kostet, sondern die Art und Weise wie wir konsumieren. Wenn ich jetzt vergleiche, wie eine gute Freundin von mir Wäsche wäscht, wie viel Waschmittel sie benutzt von einem konventionellen Produkt, die gibt unterm Strich bestimmt sehr viel mehr für ihr Waschmittel aus als ich, obwohl es vielleicht nur die Hälfte davon kostet, weil ich einfach mit sehr viel mehr Bedacht Produkte verwende. Und das ist das, was man bei Nachhaltigkeit ganz oft übersieht, dass es mehrschichtig ist und sein kann.
Positive Aspekte des Unverpackt-Einkaufs
Ich hatte neulich mal ein Interview mit einer Zukunftsforscherin. Da ging es darum, wie wir arbeiten und wie die Art, wie wir arbeiten, unsere Viertel verändert. Da musste ich gerade dran denken, dass wir uns wahrscheinlich gar nicht darüber bewusst sind, dass die kleinen Entscheidungen Dinge shiften und verändern und verschieben. Total! Und ich denke mir, ganz viele von uns ärgern sich drüber, dass das Leerstand in der Stadt ist. Und ganz viele sagen: „Ich hätte so gerne vor Weihnachten, vor Ostern die Möglichkeit, in den Bücherladen zu gehen und da ein bisschen zu stöbern und zu bummeln und zu flanieren und in die Schaufenster zu gucken.“ Aber es reicht eben nicht nur, in die Schaufenster zu gucken und dann bei den großen Giganten online zu bestellen. Jeder von uns kann sein direktes Umfeld mitgestalten. Ich habe gelesen, dass dir persönlich das besonders am Herzen liegt, auch einfach zu vermitteln, wie viel Freude unverpacktes Einkaufen macht und wie viele positive Nebeneffekte so ein Einkauf hat. Was ist denn daran so toll? Eigentlich, dass wir zum Abschluss vielleicht mit etwas Positivem rausgehen. Es ist ja zweischneidig, weil es hat so viele verschiedene Aspekte. Das Thema. Ich fand es sehr, sehr spannend bisher. Ich finde immer, unverpacktes Einkaufen ist belebend für die Seele. Man ist sehr unverpackt. Man ist sehr unmittelbar am Lebensmittel dran. Es macht auch mehr Spaß, aufs Erdbeerfeld zu gehen und da die Erdbeeren zu pflücken. Man ist einfach näher dran. Gleichzeitig ist es im Unverpackt-Laden entschleunigt und entspannt. Du kannst irgendwie quatschen, egal ob das ein anderer Kunde oder eine andere Kundin ist, mit der du dich über ein Rezept austauschst. Wir LadnerInnen sind immer da, um zu beraten, um Tipps zu geben und Tricks zu haben für irgendein kleines Problemchen oder Wehwehchen, das man vielleicht hat. Man wird die Qualität sehr schnell lieben lernen, weil einfach eine Nuss, die direkt vom Produzenten oder der Produzentin zu uns in den Laden kommt, ohne einmal um die Welt zu schippern und dreimal umverpackt zu werden, eine ganz andere Frische und einen ganz anderen Geschmack hat als etwas, was im 200-g-Tütchen im Supermarkt ist. Letzten Endes macht es auch super viel Spaß, weil man einfach keinen Müll mehr wegbringen muss. Das ist wirklich ein ganz langer Rattenschwanz, der da dran hängt. Man wird selber sehr, sehr beseelt sein, wenn man das einmal in seinen Alltag integriert hat. Das sagt Chrissi Holzmann beim Verband der Unverpackt-Läden. Sie ist für PR und Marketing zuständig und sie betreibt ihren eigenen Bio- und Unverpackt-Laden Servus Resi im Süden von München. Ganz, ganz herzlichen Dank für das spannende Gespräch. Vielen Dank dir, Ina! Das war es für diese Woche mit dem Klima-Podcast von detektor.fm. Wenn euch gefällt, was wir hier machen, dann lasst uns doch ein Abo da und schickt diese Folge oder unseren ganzen Feed an Menschen weiter, die sich für Klima-Themen interessieren könnten. Vielen Dank dafür! Und natürlich sage ich auch Danke fürs Zuhören. Produziert hat diese Folge Stanley Baldauf. Und ich bin Ina Lebedjew. Und ich sage Dankeschön und bis nächste Woche! Wenn ihr Lust habt, macht es gut. Bis bald! Tschüss! Mission Energiewende – der detektor.fm-Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen in Kooperation mit Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter mit Solarlösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 % Ökostrom.