Emma Stremblath hat mit Roots eine Umweltrechtsklinik in Deutschland gegründet. Roots ist eine Anlaufstelle für alle, die eine konkrete Rechtsberatung zum Thema Umweltrecht brauchen und zwar kostenlos. Wer das Angebot nutzt und warum es Einrichtungen wie diese überhaupt braucht, darum geht es heute. Ihr hört den Klimapodcast von detektor.fm. Ich bin Ina Lebedjew. Hi!
Mission Energiewende – Der detektor.fm Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen in Kooperation mit Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter mit Solarlösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 % Ökostrom.
Klimaschutz wird in Deutschland immer öfter vor Gericht durchgesetzt. Ein Beispiel dafür ist der Prozess der Deutschen Umwelthilfe gegen die Bundesrepublik Deutschland, der Ende Januar vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhandelt wurde. Dazu haben wir auch eine Folge von Mission Energiewende gemacht, die wir euch in den Shownotes verlinken. Damit Klimaschutz auf dem Rechtsweg durchgesetzt werden kann, braucht es einerseits JuristInnen, die sich mit dem Umweltrecht auskennen, und andererseits Geld, um die Rechtsberatung zu bezahlen. Das haben aber längst nicht alle, die auf dem Rechtsweg für mehr Klima- und Umweltschutz einstehen wollen. Hier kommt die Umweltrechtsklinik Roots ins Spiel. Sie unterstützt Betroffene mit einer kostenlosen Rechtsberatung. Emma Stremblath hat Roots während ihres Jurastudiums gegründet, und darüber sprechen wir jetzt. Herzlich willkommen im Klimapodcast von detektor.fm. Schön, dass du da bist! Hallo! Freut mich sehr, da zu sein.
Ich habe es gerade schon gesagt: Du hast also Roots während deines Studiums gegründet, was ich krass finde und beeindruckend, weil das Jurastudium ja, glaube ich, allgemein bekannt als relativ tough gilt. Wie kam es denn dazu? Wie ist diese Idee entstanden? Also, es fing damit an, dass ich in einer anderen studentischen Rechtsberatung war, und zwar im Bereich von Geflüchtetenhilfe. Also das ist in Deutschland ja relativ weit verbreitet, dass im Law Clinic, also Refugee Law Clinics, Geflüchteten mit Rechtsbeistand zur Seite stehen. Und ich fand das super spannend, und es hat mir vor allem auch irgendwie ganz viel Motivation fürs Jurastudium gegeben, weil ich halt gesehen habe, was ich das Recht verwenden kann. Und ich war aber gleichzeitig bei Fridays for Future und bei anderen Projekten im Bereich Klimagerechtigkeit aktiv und dachte mir dann irgendwann, mit einem Kommilitonen zusammen, das ist eigentlich total schade, dass wir das nicht kombinieren können, dass es das noch nicht so wirklich gibt. Und genau, dann haben wir ein bisschen recherchiert, ein bisschen geschaut, was in Deutschland da bis jetzt schon so zur Verfügung steht und haben tatsächlich zu dem Zeitpunkt relativ wenig gefunden. Und dann dachten wir uns: Ja, okay, dann können wir das mal versuchen, dann machen wir das jetzt einfach mal.
Also, du hast gesagt, du hast dich schon mit einem Kommilitonen da zusammengetan. Wie war das? Wie habt ihr da MitstreiterInnen gefunden? Wie hat das funktioniert? Also, wir haben hauptsächlich in unserem Umfeld erstmal gesucht, also bei uns an der Uni. Und das hat tatsächlich ganz gut funktioniert, weil da schon eine sehr große Begeisterung da war. Also das Jurastudium an sich würde ich als eher konservativ bezeichnen. Und es gibt aber trotzdem viele Leute, die Jura studieren, die deutlich progressiver eingestellt sind und denen dann solche Themen eben auch am Herzen liegen. Und es waren dann gerade am Anfang ganz viele begeisterte Leute, die gesagt haben, das ist super, dass es sowas gibt und dass wir irgendwie zum einen uns dafür einsetzen können und zum anderen auch während des Studiums schon praktische Erfahrungen sammeln können. Genau, und das ging am Anfang ja hauptsächlich über unser Umfeld. Und dann, als wir so ein bisschen größer geworden sind, haben wir das auch deutschlandweit geöffnet. Also inzwischen sind wir nicht mehr nur an die Uni Köln gebunden, sondern haben Studierende, die aus ganz Deutschland bei uns mitarbeiten.
Ist vielleicht eine ein bisschen philosophische Frage für später, aber du hast ja gesagt, du kamst aus der Erfahrung von dieser Refugee-Arbeit. Warum ist es aus deiner Sicht so wichtig, dass eben Umwelt- und Klimaschutzrecht allen offen steht? Ich glaube, das ist unglaublich wichtig. Zum einen ist es einfach ein grundsätzliches Prinzip von unserem Rechtsstaat, dass Personen ihre eigenen Rechte irgendwie einklagen können oder für sie einstehen können, über alle Rechtsbereiche hinweg. Und ich würde sagen, im Klima- und Umweltschutz ist es vor allem wichtig, weil ich das Recht als sehr, sehr wirksames Werkzeug für den Klimaschutz sehe. Zum einen, weil eben Entscheidungen getroffen werden können, die vielleicht kurzfristig nicht ganz so beliebt sind, würde ich jetzt mal sagen, und vielleicht im normalen Gesetzesprozess eben schwerer durchgehen würden. Zum anderen, weil auch viel schneller Entscheidungen getroffen werden können und eben auch einzelne Personen eine sehr direkte Möglichkeit haben, sehr konkrete Entscheidungen zu erwirken, was ja jetzt über den normalen Gesetzesprozess oft ein bisschen schwierig ist. Also ich will damit nicht sagen, dass es nicht beides deshalb wertvoll ist. Ich glaube, es ist einfach nochmal so ein zusätzliches Tool, das wir verwenden können. Und daneben auch der Aspekt, dass dadurch ja auch Gesetze umgesetzt werden. Also die Gesetze bringen ja nichts, wenn niemand da ist, um sich dann darauf zu berufen und sicherzugehen, dass sie dann auch tatsächlich umgesetzt werden.
Also, mich interessieren natürlich jetzt so zwei Aspekte. Das eine: Wer kommt zu euch? Und das andere: Womit befasst ihr euch? Ich weiß nicht, was sinnvoller ist, zuerst zu beantworten, aber welche Rechtsgebiete betrifft es, mit denen ihr euch beschäftigt und für wen? Ich fange mal an. Für wen? Wir beraten eigentlich alle, so ganz grob gesagt, die sich die herkömmliche anwaltliche Beratung nicht oder nur schlecht leisten können oder aus anderen Gründen keinen Zugang zu ihr haben. Und in der Praxis sind es in den allermeisten Fällen Umweltschutzvereine, BürgerInneninitiativen, irgendwelche Zusammenschlüsse, also Ortsgruppen, zum Beispiel von BUND oder NABU, so in die Richtung. Wir hatten ursprünglich gedacht, dass viel mehr Privatpersonen auch zu uns kommen. Es sind tatsächlich relativ wenige Privatpersonen, die zum Beispiel auf die Durchsetzung von einem Radweg oder so da rechtlich hinwirken wollen. Es sind tatsächlich eher Gruppierungen an Personen, aber da in ganz unterschiedlicher Ausprägung. Wichtig ist eben nur, dass die Personen durch ihr Vorhaben irgendwie Klima- oder Umweltschutz vorantreiben wollen und dass sie eben jetzt nicht problemlos sich auch die Beratung durch eine Volljuristin oder einen Volljuristen leisten können.
Und inhaltlich sieht es eigentlich ähnlich aus. Wir machen sehr, sehr viele Sachen. Was wir nicht machen und auch nicht machen dürfen, ist die Betreuung direkt in einem Gerichtsprozess. Das ist gesetzlich relativ streng geregelt. Wir sind ja noch keine VolljuristInnen und können das deswegen einfach nicht machen. Wir beraten praktisch davor, also bevor es überhaupt soweit kommt, wenn Personen zu uns kommen und sagen, da gibt es ein Problem, könnt ihr euch das mal anschauen? Was können wir dagegen machen? Ganz, ganz oft ist es auch schon getan, dass wir dann einfach einen Brief an die andere Seite schreiben. Es hilft ganz oft einfach, wenn die andere Seite das Gefühl hat, okay, da stehen Leute dahinter, die so ein bisschen Ahnung von dem juristischen Background haben. Oder dass wir eben einen Schritt weitergehen und beraten, ob es sich lohnen würde, vor Gericht zu ziehen. Und das ist in ganz vielen verschiedenen Themenfeldern. Was wir gerade ganz oft haben, sind BürgerInnenbegehren. Also zum einen, wie die überhaupt angestoßen werden. Da ist ja auch relativ strenge Regeln dahinter, die nicht missachtet werden dürfen. Und dann aber auch das Thema, wenn das BürgerInnenbegehren dann durchgegangen ist, wie dann sichergestellt werden kann, dass die Forderungen umgesetzt werden, ob dann rechtlicher Anspruch darauf besteht und solche Sachen.
Themen, die wir auch öfters haben, sind so Bauvorhaben. Also wenn zum Beispiel ein Infrastrukturprojekt gebaut werden soll, das in der Nähe von oder in einem Naturschutzgebiet ist oder aus anderen umweltrechtlichen oder einfach Umweltschutzgründen nicht so ideal ist. Da gibt es ja ganz oft so einen Prozess von öffentlicher Beteiligung, wo Personen oder Initiativen sich dann eben beteiligen können. Und da helfen wir dann, diese Beteiligung so ein bisschen juristisch einzuordnen und zu erklären, auf was es genau ankommt, was da drinnen stehen soll. Und dann haben wir aber auch manchmal größere Fälle. Also wir hatten letztes oder vorletztes Jahr zum Beispiel einen Fall, da ging es um eine mögliche Verfassungsbeschwerde von einer NGO zum Thema übermäßiger Flächenverbrauch. Da saßen wir relativ lang dran und war natürlich auch super spannend, sich das alles mal genauer anzuschauen. Das Umweltinformationsgesetz ist auch ein großer Punkt. Das ist im Prinzip eine Möglichkeit, dass Personen von Behörden bestimmte Informationen, die sich eben auf die Umwelt auswirken, anfordern können. Und da wird aber gerne sehr oft zum Beispiel dann was rausgeschwärzt. Ist auch vorgesehen, so dass manche Sachen rausgeschützt werden. Aber dann ist eben die Frage, ist es nicht rechtmäßig, dass die und die Information rausgeschwärzt wurde? Oder können wir da noch mehr verlangen? Da hatten wir ganz am Anfang einen sehr spannenden Fall. Da ging es um Tagebauwerk oder beziehungsweise die Erweiterung von einem Tagebauwerk, und eine örtliche Umweltgruppe wollte klagen auf die Umweltinformationen, um dann eben eine entsprechende Kampagne auch darum machen zu können. Genau, das war ein ganz grober Überblick.
Ja. Krass! Du hast es gerade eben schon angesprochen: Ihr seid ja alle Studierende, und ich hatte gelesen, für eine juristische Beratung braucht es aber am Ende dann doch eine Volljuristin. Wie geht ihr damit um? Wie habt ihr das gelöst? Genau, also das ist im Rechtsdienstleistungsgesetz festgeschrieben. Da gibt es in Deutschland relativ strenge Anforderungen, dass eben nicht jede Person kommen kann und einfach beraten kann und die MandantInnen dann auch berechtigt Vertrauen in die Information praktisch haben. Das funktioniert bei uns so, dass alle Studierenden zuerst eine Kurzausbildung absolvieren. Die organisieren wir zusammen mit VolljuristInnen und geben da über, bei uns sind es jetzt gerade neun Einheiten, glaube ich, so eine Art Crashkurs in die wichtigsten Themen. Also Umweltinformationsgesetz ist ein Thema, europäisches Recht, also europäisches Umwelt- und Klimaschutzrecht, Völkerrecht in Bezug auf Umweltrecht ist auch ein Thema, das wir gerade haben, Emissionsschutzrecht, Bauplanungsrecht, ein bisschen Naturschutzgesetz, solche Sachen. Also die meisten Fälle oder die Fälle, die wir am öftesten haben, praktisch.
Und nachdem die Studierenden dann diese Ausbildung absolviert haben, dürfen sie bei uns mitmachen und eben auch beraten. Also wenn wir einen Fall bekommen, dann recherchieren wir erstmal eigenständig und meistens schreiben wir ein Gutachten, und dieses Gutachten schicken wir bevor wir es an die MandantInnen schicken, immer noch zuerst an eine beratende VolljuristIn. Das sind Personen, die das dankenswerterweise ehrenamtlich bei uns machen und die schauen dann nochmal drüber, schauen praktisch, dass wir nicht was super Wichtiges vergessen haben oder nicht in die komplett falsche Richtung abgebogen sind, sozusagen. Und dann dürfen wir es an die MandantInnen rausschicken. Wir sagen aber auch immer dazu, und es soll auch Personen, die zu uns kommen, bewusst sein, dass wir eben Studierende sind und dass sie jetzt nicht die einsteinig gleichen Standards erwarten können wie bei VolljuristInnen. Aber meistens beschäftigen wir uns mit Themen, die nicht unglaublich komplex sind, und da hilft es halt einfach, dass eine Person, die sich irgendwie ein bisschen in der Gesetzessystematik auskennt und so einen grundsätzlichen Überblick hat, da einfach mal reinschaut und erklärt, wo es drauf ankommt. Und alle Sachen, die für uns zu kompliziert sind, verweisen wir dann an VolljuristInnen.
Habt ihr da manchmal Angst vor der eigenen Courage, also so ein bisschen Imposter? Also ich stelle mir vor, man ist halt natürlich einfach auch noch nicht fertig und hat natürlich auch nicht auf alles Antworten, was so an Fragen reinkommt. Gibt es das, dass ihr manchmal zusammensitzt und sagt, das ist jetzt aber jedoch die Nummer zu groß? Es ist schon viel Verantwortung, auf jeden Fall, und wir geben uns auch ganz viel Mühe, dass wir der gerecht werden. Wir haben auch eben relativ strenge Anforderungen, dass eben dann sowas nicht passiert, wie dass jemand aus Versehen was Falsches sagt. Also was wir zum Beispiel eigentlich nie machen, ist konkrete Rechtsberatung in einem Leichtgespräch geben, einfach weil da das Risiko zu hoch ist, dass dann mal aus Versehen was rausrutscht, das wir nicht überprüft haben, zum Beispiel. Und ja, klar, es besteht natürlich schon ein gewisses Risiko. Man muss aber auch dazu sagen, dass die Personen, die bei uns anfragen, eigentlich immer super dankbar sind, dass wir ihnen helfen und dann auch vollstes Verständnis haben, wenn wir sagen, okay, das dauert jetzt mal ein paar Wochen länger, weil wir uns dann nochmal einlesen müssen und sicher gehen wollen. Oder okay, das ist uns leider zu groß. Wir nennen gerne ein paar AnwältInnen, die das vielleicht machen könnten oder da eventuell Lust drauf hätten, aber wir können es leider nicht machen. Also ich glaube, da ist es schon sehr wichtig, realistisch einschätzen zu können, was wir bewerkstelligen können als Studierende.
Genau. Du machst das ja jetzt schon seit 2023. Gibt es irgendeinen Fall, der dich besonders oder eine Beratung, die dich besonders geprägt hat oder motiviert hat oder die dir doll im Gedächtnis geblieben ist? Wir hatten ganz am Anfang, das war einer unserer ersten Fälle, da ging es um ein Informationsgesetz, und da ging es um diesen einen Tagebau, von dem ich vorher geredet hatte. Ich fand das sehr beeindruckend, weil wir eben in Kooperation mit einem Anwalt diese Klageschrift geschrieben hatten bzw. vorgeschrieben hatten und da dann rechtlich super tief in dem Thema drinnen waren. Und ich war dann eine Woche später über Students for Future auf einer Demo auf genau diesem Tagebau und habe das so in voller Größe gesehen. Und es war schon sehr, ich würde sagen, einfach so ein Gefühl von Wirksamkeit, dass ich so gemerkt habe, okay, es bringt wirklich was, was wir machen hier. Das ist super wichtig, dass es dieses Angebot gibt, und ich freue mich auch total, dass ich da irgendwie einen Beitrag leisten kann. So ein Full-Circle-Moment.
Ja, genau. Ihr wollt ja mit der Umweltrechtsklinik auch einen Beitrag dazu leisten, dass Studierende frühzeitig so für diese zukünftige Berufslaufbahn im Umweltrecht sich begeistern können, und das sichert ja vielleicht auch in irgendeiner Form den Nachwuchs für Umweltbelange. Warum ist es so wichtig? Gibt es da zu wenig Leute oder wie sieht es aus? Im Jurastudium selber ist Umwelt- und Klimarecht fast gar kein Thema. Es gibt an manchen Unis inzwischen im Schwerpunktbereich, also das erste Examen besteht aus so dieser staatlichen Prüfung, also von dem man es irgendwie so kennt, und dann gibt es noch so ein Schwerpunktteil, und da können Studierende sich ein bestimmtes Themengebiet aussuchen, in dem sie sich sozusagen spezialisieren wollen. Und an manchen Universitäten gibt es inzwischen Schwerpunkte im Umweltrecht oder Schwerpunkte, die irgendwie in die Richtung gehen und das behandeln. Aber bis jetzt sei noch an sehr wenigen, und auch an denen, die es gibt, ist dann tatsächlich das Umweltrecht selber auch nur ein relativ kleiner Anteil, was dazu führt, dass die allermeisten Studierenden im Prinzip sechs Jahre, fünf, sechs Jahre Jura studieren und eigentlich nie irgendwie mit Umwelt- und Klimarecht oder der Möglichkeit, das Recht einzusetzen, um Klimaschutz voranzutreiben, Kontakt hatten. Und das ist halt einfach super schade und eine absolut verlorene Möglichkeit, weil ich kenne das ja selber: Ich begeistere mich ja am ehesten für Themen, zu denen ich irgendwie einen Kontext habe, mit denen ich schon mal was gemacht habe. Und ja, da bereitet das Jurastudium einfach meiner Meinung nach absolut unzureichend vor, vor allem, wenn wir bedenken, dass wir in den nächsten Jahren so, so viel machen müssen in dem Bereich und da wahrscheinlich das Recht schon einiges zu tun hat. Und das momentan zwar super engagierte Leute gibt in dem Bereich, aber dann doch relativ wenig Leute gibt, eben in diesem Bereich. Und ich meine, wie soll da irgendwie Nachwuchs entstehen, wenn nicht die Leute zumindest während dem Studium schon mal dafür begeistert werden? Und da ist dann eben die Umweltrechtsklinik auch eine Möglichkeit, sich während dem Studium da schon mal Erfahrungen zu sammeln und eben einfach mal einen Einblick zu kriegen.
Habt ihr darüber hinaus Ideen, wie man das Thema noch mehr im Jurastudium verankern könnte? Also, was ein ganz großer Punkt ist, auf jeden Fall, sind eben diese Schwerpunktbereiche, dass das an mehr Universitäten angeboten wird. Ich persönlich bin auch der Meinung, dass man eben momentan bestehenden Lehrplans auch viel mehr einfließen lassen kann. Ich glaube aber darüber hinaus muss auch einfach das Pflichtprogramm geändert werden, um solche Themen auch zu inkludieren. Also, was da auch eine vergleichsweise einfache Möglichkeit wäre, ich glaube nicht ausreichend, aber schon mal ein guter Anfang, sind Grundlagenfächer. Es ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, aber in vielen, wenn nicht sogar allen Bundesländern, wird vorgeschrieben, dass Studierende mindestens ein Grundlagenfach belegen. Und das sind so Themen, die irgendwie das Recht in den Kontext setzen sollen. Also so Rechtsphilosophie oder Rechtsgeschichte oder römisches Recht oder Recht und Gesellschaft, solche Sachen. Und ich glaube, da wäre zum Beispiel eine Vorlesung in Richtung von Recht als Werkzeug für den Umwelt- oder Klimaschutz sehr angebracht.
Was natürlich ideal wäre darüber hinaus, weil diese Rechtsgrundlagenfächer, da gibt es oft mehrere Optionen, dann können die Studierenden halt eine Option aussuchen. Was darüber hinaus ideal wäre, wäre natürlich ein komplett neues Pflichtfach einzuführen zum Bereich Umwelt- und Klimaschutz beziehungsweise Recht als Mittel für Umwelt- und Klimaschutz.
Es gibt so ein paar Entwicklungen, ich weiß nicht, wie geheim die sind, das musst du mir sagen, aber ihr habt, glaube ich, ein paar Pläne, von denen du erzählen kannst in Zukunft. Genau, also wir werden uns voraussichtlich mit der Climate Clinic zusammenschließen. Die Climate Clinic ist eine Organisation, die macht sehr ähnliche Sachen, die bietet auch Rechtsberatung im Bereich Umwelt- und Klimaschutz an. Der Unterschied ist, dass die abstrakte Rechtsberatung anbieten, also praktisch keine Beratung auf den konkreten Einzelfall bezogen. Die Climate Clinic gibt es schon ein bisschen länger als wir, die ist auch größer als wir. Wir machen aber sehr ähnliche Sachen und sind dann zum Schluss gekommen, dass sich das sehr gut ergeben würde, wenn wir uns zusammenschließen. Zum einen, weil wir von Roots eben oft einfach sehr viele Fallanfragen kriegen und uns dann die Kapazitäten fehlen von Studierenden und dadurch einfach mehr Studierende mit dabei sind, die eben diese Fallbearbeitung auch machen können. Zum anderen, weil wir uns dann auch einfach organisatorischen Aufwand sparen und auch unsere Öffentlichkeitswirksamkeit vergrößern können, wenn wir zusammen eben auftreten. Genau, und deswegen steht da jetzt bald der Zusammenschluss an, auf den ich auch sehr freue.
Naja, cool! Und das heißt, wie groß seid ihr gemeinsam? Also wie viele Leute kann man das sagen? Also wir von Roots sind gerade so um die 30 Studierenden, die Rechtsberatung machen. Es schwankt natürlich immer mal wieder so ein bisschen in der Klausurenphase. Es sind natürlich deutlich weniger Leute, aber wir sind zumindest offiziell 30 Studierende, ungefähr. Und bei der Climate Clinic ist es ähnlich. Ich weiß gerade nicht die Zahl der offiziellen Mitglieder, aber ich glaube, es sind so um die 100 bis 120 Leute. Was natürlich, wenn wir uns zusammenschließen, dann schon deutlich mehr Kapazitäten und auch einfach ein deutlich größeres Netzwerk hervorbringt, was ja auch immer total schön ist. Gerade jetzt im Jura-Bereich hatte ich zumindest oft das Gefühl, dass halt viele deutlich konservativere Personen da unterwegs sind, und dann ist es schön, sich einmal mit anderen Personen zusammenzuschließen, die aus den gleichen Gründen Jura studieren, zum Beispiel.
Na, und auch wenn du sagst, das Thema ist so noch so unterrepräsentiert in der Lehre, dann ist es ja auch spannend zu sagen, wir bilden hier eine Einheit und wir haben denselben Purpose und dieselben Ziele oder ähnliche zumindest. Total!
Ja, du hast es eben ja auch schon mal gesagt, dass das Recht vielleicht eines unserer wichtigsten Werkzeuge gegen die Klimakrise ist oder sein kann. Kannst du das nochmal zusammenfassen, warum du das so wahrnimmst? Also, ich glaube, das Recht ist eines der wirksamsten Werkzeuge gegen die Klimakrise, weil es eben einfach ein bisschen andere Funktionen erfüllt als jetzt zum Beispiel der demokratische Prozess. Zum einen kann eben einfach in der idealen Situation jede Person ihre Rechte in Bezug auf Klimaschutz geltend machen und halt auch unmittelbar geltend machen, also zum Gericht gehen und das einfordern. Zum anderen haben einzelne Klagen, also wenn eine Person das einfordert, oft ganz große Wirkung, weil es ja eben meistens die Rechtsverletzung sich nicht nur auf diese eine Person bezieht, sondern uns alle ja betrifft. Ich glaube auch, dass vor allem Personen oder Personengruppen, also gerade Minderheiten, die eben weniger beachtet werden im demokratischen Prozess oder halt einfach keine Mehrheit erlangen können, dadurch besser geschützt werden. Ein ganz schönes Beispiel dafür ist das Konzept von Rechten der Natur. Gibt es in Deutschland momentan leider noch nicht, aber das Konzept, dass die Natur eigene Rechte hat. Und das wurde in ganz vielen Ländern entwickelt als eine Art Kompromisslösung mit indigenen Bevölkerungsgruppen, und die eben dadurch durch einen rechtlichen Mechanismus jetzt zumindest ein bisschen besser geschützt werden.
Ja, das ist auch ein Thema, über das wir hier im Podcast auf jeden Fall schon mehrfach gesprochen haben. Und es ermöglicht halt auch schnelle Entscheidungen zu treffen und auch Entscheidungen, die vielleicht kurzfristig eher unbeliebt sind. Also jetzt über den demokratischen Gesetzesprozess haben wir ja immer das Problem, dass PolitikerInnen natürlich schon bedacht sind, wiedergewählt zu werden und da dann gewisse Parteien auch gewisse Sachen machen, die jetzt vielleicht langfristig, würde ich zumindest sagen, nicht so sinnvoll sind. Und über den Gerichtsweg besteht das Problem eben einfach nicht, und es gibt uns eben die Möglichkeit, so Gesetze, die schon bestehen, durchzusetzen oder auch auf strengere Gesetze hinzuwirken.
Jetzt steckst du ja selber, hast du ja schon mehrfach gesagt, im Studium, und soweit ich weiß, ich hoffe, das stimmt, bereitest du dein erstes Staatsexamen gerade vor. Ja. Aber wie sieht’s denn aus? Also Roots machst du jetzt schon eine Weile. Wie sehr hat das so deine Pläne beeinflusst? Wo geht’s hin? Weißt du schon, ob das deine Zukunft wird oder ob du Roots erhalten bleibst? Also, ich hab Jura schon angefangen zu studieren mit dem Gedanken, dass ich es verwenden will, um irgendwie unbedingt Klimaschutz zu fördern. Und mir war aber davor nicht bewusst, wie viel da möglich ist und was es da auch für eine tolle Community gibt, der man sich anschließen kann. Und das hat Roots schon einfach mir viel deutlicher noch gezeigt, was es da einfach für coole Möglichkeiten gibt. Und entsprechend will ich auch auf jeden Fall in der Richtung weitermachen. Roots ist ja eine studentische Rechtsberatung, und das fände ich sehr schön, wenn es auch so erhalten bleiben würde. Das heißt, ich könnte mir vorstellen, wenn ich dann mit meinen beiden Examen fertig bin, dass ich dann als Volljuristin da eben unterstützen kann, aber keine irgendwie leitende Position mehr einnehmen. Ich hoffe aber natürlich sehr, dass Roots weiter besteht und plane auf jeden Fall, mich auf andere Weise dann für Umwelt- und Klimaschutz auf den rechtlichen Weg einzusetzen.
Das sagt Emma Stremblath, die mit Roots eine Umweltrechtsklinik in Deutschland gegründet hat. Vielen, vielen Dank für das Gespräch und für die Einblicke in eure Arbeit. Dankeschön, freut mich, dass ich da sein durfte.
Und das war der Klimapodcast von detektor.fm für diese Woche. Das Thema hat Marisa Becker für euch recherchiert. Die Audio-Produktion für diese Folge hatte Wiebke Stark, und die Redaktion hatte ich, Ina Lebedjew. Lasst uns gern ein Abo da, wenn euch der Podcast gefällt. Wenn ihr mögt, was wir hier machen, damit sorgt ihr nämlich dafür, dass auch andere Menschen diesen Podcast finden, die sich für unsere Themen interessieren könnten und die uns eben noch nicht kennen. Ganz, ganz vielen Dank dafür. Wir hören uns nächste Woche wieder, wenn ihr mögt. Macht’s gut. Bis bald. Tschüss!
Mission Energiewende – Der detektor.fm Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen in Kooperation mit Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter mit Solarlösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 % Ökostrom.