Spektrum-Podcast | Muschelseide

Mythen, Muscheln und Missverständnisse

Muschelseide ist ein Stoff, aus dem Legenden gestrickt werden. Selten, golden glänzend und geheimnisvoll. Doch steckt hinter dem Stoff der Reichen und Schönen der Antike nur ein großes Missverständnis?

Muschelseide ist ein sehr seltenes und besonderes Material. Sie ist bereits seit der Antike bekannt und galt als Luxusstoff. Es gibt viele Geschichten darüber, dass sogar Könige und Pharaonen Kleidung daraus getragen haben. Allerdings stimmt das so wahrscheinlich nicht ganz. Doch dazu später mehr.

So wird Muschelseide hergestellt

Die Muschelseide wird nicht — wie normale Seide — von Raupen hergestellt, sondern aus den feinen Fäden einer Muschel, der sogenannten Großen Steckmuschel. Diese lebt unter anderem im Mittelmeer. Mit den haarähnlichen Fäden hält sie sich am Meeresboden fest. Genau diese Fäden werden gesammelt, gereinigt und weiterverarbeitet. Eine extrem aufwendige und handwerklich anspruchsvolle Arbeit.

Wie Forschende kürzlich herausfanden, ist für den goldenen Glanz eine spezielle Behandlung der Muschelfäden verantwortlich. So bekommt der Stoff seine edle Optik wohl durch die Behandlung mit Säure, zum Beispiel mit Zitronensaft. Das verbessert nicht nur die Farbe, sondern auch die feine Struktur der Fasern, die das Licht dann auf spezielle Weise reflektieren.

Allerdings scheint ein großer Teil der Geschichte rund um die Muschelseide etwas übertrieben oder falsch verstanden worden zu sein. Darauf wurde angesichts der Meldung über die Zitronensäure jedenfalls Lars Fischer aufmerksam. Ein möglicher Grund dafür ist ein Missverständnis aus der Antike: Das Wort „Byssus“ konnte sowohl sehr feines Leinen als auch diese Muschelfäden bedeuten. Also ein einfacher Übersetzungsfehler?

Die haben ganz schön dick aufgetragen in der Pressemitteilung.

Lars Fischer

Foto: Spektrum der Wissenschaft

Fischer ist Redakteur bei Spektrum der Wissenschaft und wurde bei der Recherche zur sagenumwobenen Muschelseide stutzig. Dann stieg er genauer in die Geschichte ein und fand Spannendes heraus. Im Gespräch mit detektor.fm-Moderator Marc Zimmer verrät Fischer, was er entdeckt hat.

Redaktion