Album der Woche: 13 & God – Own Your Ghost

02.05.2011

Dass Indie und Hip-Hop Hand in Hand gehen können, hat man bisher selten gehört. Für gewöhnlich brodeln beide Musikstile bevorzugt in ihrem eigenen Saft. Nicht so bei 13&God. Die Band setzt sich zusammen aus der deutschen Indieband The Notwist, die mit ihren elektronischen Soundtüfteleien im Pop zuhause ist und der amerikanischen Hip-Hop-Formation Themselves, die ohne Ghettoromantik und weite Hosen auskommt. In dieser Woche erscheint ihr zweites Album „Own Your Ghost“.

Der erste Eindruck, den man von Own Your Ghost bekommt, ist alles andere als erbaulich. Auf dem Cover schwebt ein Skelett und ein Blick auf die Tracklist verrät: Hier geht es um die schwerfälligen Themen im Leben. Own Your Ghost ist ein Konzeptalbum, das sich um Tod, Krankheit und Altwerden dreht.

Das Album berührt Themen, die im Pop normalerweise kaum Platz haben. Dass 13 & God sich mit ihnen auseinandersetzen, hat ganz persönliche Gründe. Kurz bevor die Aufnahmen zum neuen Album beginnen sollten, hatte Dax Pierson, ein Mitglied von Themselves, einen schweren Unfall. Seitdem ist er querschnittsgelähmt. Die Aufnahmen haben deshalb – im Gegensatz zum Debüt – ausschließlich in Amerika stattgefunden. Dax war die ganze Zeit per Skype und über Audiostream zugeschaltet.

Dabei dürfte es nicht so leicht gefallen sein, die Ansprüche der beiden Bands zu verbinden. Es gibt zwei Songs auf der Platte, die nach einem Alleingang der jeweiligen Band klingen: Ein Stück von Themselves und einen reinen Notwist-Hit. Sie stehen gleich am Anfang des Albums, als wolle sich die jeweilige Band erst einmal in seiner Ursprungsformation vorstellen, bevor es an die Zusammenarbeit geht.

Der Großteil der Platte klingt dann aber nach gleichberechtigter Kollaboration. Während die beiden Bands ihre verschiedenen Stile auf dem Debütalbum hemmungslos aufeinander prallen ließen, vereinen sie diese nun zu fabelhaften Soundhybriden. Mal bildet Notwist-typisches Soundgefrickel das Fundament für die Raps von Themselves. Dann wieder ist es umgekehrt und die Geräuschkulisse der Rapper läuft unter dem melancholischen Gesang von Notwist-Sänger Markus Acher. Oftmals kann man aber gar nicht genau sagen, welche der beiden Bands den Anstoß zu einer Melodie, einem der kryptischen Texte oder zum Sound gegeben hat.

13&God ist eine Band geworden, wenn auch nicht im klassischen Sinne. Das Album ist virtuell entstanden. Die Songs sind zwischen Bayern und Kalifornien durchs Netz geflogen und haben an den heimischen Rechnern ihren Feinschliff bekommen. Nur zu den Aufnahmen und Touren sind die Musiker zusammengekommen. Umso erstaunlicher ist es, wie organisch die Stücke klingen – als wäre eine Hip-Hop/Indie/Elektro-Kollaboration das Natürlichste der Welt.

Und trotz der schwerfälligen Themen ist Own Your Ghost kein deprimierendes Album. Es hat den Tiefgang, der in der schnelllebigen Popwelt selten geworden ist. Es spiegelt Ängste und Zweifel wider, die wohl bei jedem früher oder später auftauchen. Aber nur die wenigsten dürften sie so kunstvoll in Musik packen können.

13 & God – Old Age

Kommentare:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *