Reingehört: Wilhelm Tell Me – Excuse My French

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In knapp einem Monat wird detektor.fm zwei Jahre alt. Das wollen wir groß feiern und haben uns dazu zwei Bands eingeladen: Wolf Gang und Wilhelm Tell Me. Letztere veröffentlichen heute ihr Debütalbum. „Excuse My French“ heißt es und sollte eigentlich schon viel eher erscheinen.


Reingehört: Wilhelm Tell Me - Excuse My French Sich verplappern wie eine Connaisseurs-Gattin aus dem 19. Jahrhundert - Wilhelm Tell Me (Foto: Verena Knemeyer)

Die Botschaft, mit der Willhelm Tell Me ihr Debütalbum in die Welt schleudern, lässt nicht lange auf sich warten: "I’m On Fire". Will heißen: Wir sind da. Jetzt. Und unseren Namen solltet ihr euch besser merken.

Excuse My French heißt das Debütalbum der vier Jungs aus Hamburg. Und wer die Platte dieser Tage zum ersten Mal hört, der könnte glatt vergessen, dass der November begonnen hat. Excuse My French ist ein eindeutiges Sommeralbum: Leichte Gitarren und tänzelnde Synthesizer. Das passt wahlweise draußen oder auch drinnen, nämlich auf der Tanzfläche. Es mag daran liegen, dass der Großteil der Songs im Sommer entstanden ist, auch wenn das ursprünglich ganz anders geplant war, wie Sänger Henning erzählt:

Wir hatten ja eigentlich schon im letzten Jahr im November unsere Songs parat fürs Album und wollten nur noch aufnehmen. Aber dann zog sich das alles hin, wir haben so mit der Produktion gehadert und rumprobiert, wie es klingen sollte. Und als wir uns dann im Klaren waren, wie es klingen sollte, passten die Songs nicht mehr. Und dann mussten wir in zwei Monaten noch mal anfangen, neue Musik zu schreiben.

Zwei Songs sind übrig geblieben, weil die in dem Sound funktioniert haben, den wir haben wollten und der Rest war einfach zu technoid. Das war einfach nicht das, was wir machen wollten.

Das, was sie stattdessen machen wollten, sollte poppiger und tanzbarer klingen. Im Raum standen Vorbilder wie Phoenix oder Tahiti80. Auch wenn diese Referenzen auf Excuse My French nur noch wage passen.

Die Geschichte von Willhelm Tell Me beginnt mit einer Annonce. Henning Sommer, der gerade von Münster nach Hamburg gezogen war, suchte Musiker mit Instrument.

Es gab viele Zuschriften. Aber da waren natürlich auch 17-Jährige Gitarristen bei, die eine Metalband gründen wollten. Ich muss sagen, dass es unglaublich großes Glück und Zufall waren, dass Jan und Matthias, unser Schlagzeuger und Bassist dabei waren. Das waren wirklich zwei Nadeln im Heuhaufen. Da war ich total glücklich, mit denen dann im Proberaum zu stehen und das auszuprobieren. Das hat direkt funktioniert.

Das war Ende 2009. Seitdem haben sich den Jungs nicht viele Hindernisse in den Weg gestellt. Um ihre erste Single Oh My God rauszubringen, gründeten sie kurzerhand ihr eigenes Label und bespielten Clubs und Bühnen im ganzen Land. Die Band gewann den Newcomercontest der Intro, trat auf dem Melt Festival auf und schüttelte scheinbar nebenbei die restlichen Songs für das Album aus dem Ärmel. Der Name der Platte Excuse My French war schnell gefunden.

Die Phrase bedeutet ja soviel wie „Entschuldige, was ich gerade geplappert habe“. Ich stell mir dann immer eine Connaisseurs-Ehefrau aus dem 19. Jahrhundert vor, die sich in großer Runde ein bisschen vergaloppiert hat und dann sagt: „Hahaha, excuse my French.“

Also die Texte sind ja schon so, dass sie relativ offen rausgeschrieben sind. Also eher so ein Stream of Consciousness, was gerade passiert, anstatt das von vorne bis hinten durchzuplanen und fünf Mal die Metapher zu wechseln – ein Geplapper eben.

Geplapper mit Inhalt könnte man auch sagen. Denn in dem, was Henning Sommer da singt, kann man sich durchaus wieder finden. Wie in Aviary, in dem sich das Ich in einen Zug setzt und in die alte Heimat fährt, Freunde trifft und Erinnerungen wiederbelebt. Willhelm Tell Me beherrschen also auch das, die leisen Töne. Auf Excuse My French überwiegen trotzdem die kleinen Hymnen, die gemacht sind für die Tanzfläche. Vergaloppiert ist das keinen Falls. Sondern im Gegenteil: Eigentlich genau richtig.

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