Fortschritt | Beamer im Wohnzimmer: Alternative zum Fernseher?

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In der Vorlesung, im Meeting oder in der Fußballkneipe gehören Beamer zum Standard. Aber sind sie auch eine Alternative zum Fernseher im Wohnzimmer? "Fortschritt" bei detektor.fm - diese Woche mit dem Heimkino-Beamer.


Fortschritt | Beamer im Wohnzimmer: Alternative zum Fernseher? Kann sich der Beamer seinen Weg ins heimische Wohnzimmer bahnen? Foto: © Dieter Schütz/ pixelio.de

Andreas Nolde Andreas NoldeRedakteur des Onlinemagazins CHIP. Fernsehen ist in Deutschland immer noch das Unterhaltungsmedium Nummer eins. Kein Wunder also, dass man immer größere Fernseher mit immer höherer Auflösung in deutschen Wohnzimmern finden kann.

Und dann sind da noch Beamer, die mit großer Leinwand und scharfem Bild, dank HD-Technik, ein perfektes Kino-Vernügen liefern können.

Doch sind Beamer wirklich eine Alternative zum Flachbildschirm? Auf was sollte man beim Kauf achten und wie hoch sind die Kosten? Darüber haben wir mit dem Hardware-Experten Andreas Nolde aus der Redaktion des Computermagazins CHIP gesprochen.

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Wie ist Ihre Meinung? Sind Beamer für zu Hause eine echte Alternative zu Flachbildfernseher?

Nolde: Also sie sind sicherlich zu gewissen Teilen eine Alternative. Das Problem ist: Beim Beamer gibt es einiges zu beachten. Wenn ich mir einen Beamer hinhänge oder hinstelle, dann muss ich beachten, dass ich eine gewisse Fläche an der Wand frei haben muss, wo ich eine Leinwand anbringen kann, denn irgendwohin muss ich ja projizieren. Außerdem muss ich darüber nachdenken, wo denn der Ton herkommen soll, denn ein Beamer verfügt im Gegensatz zu einem Fernseher in der Regel nicht über Boxen – oder wenn, dann nur über einen kleinen Mono-Lautsprecher- so dass ich mir also noch über eine Surround-Anlage Gedanken machen muss. Das sind also nur zwei Punkte, wo der Fernseher Vorteile hat. Außerdem haben wir noch das Problem, dass Beamer natürlich eher für dunkle Szenarien gedacht sind. Das heißt, ich muss den Raum etwas abdunkeln, damit ich ein optimal gutes Bild kriege. Das heißt, tagsüber, wenn die Sonne scheint hat der LCD- oder Plasmafernseher natürlich massive Vorteile.

Sollte es denn auch ein Beamer mit HD-Technik sein?

Nolde: Also ich würde heutzutage, wenn ich mir einen Heimkino-Beamer kaufe, auf jeden Fall ein gerät mit Full-HD Auflösung kaufen. Einfach weil die Inhalte, die groß dargestellt werden, dann natürlich besonders schön detailreich sind und scharf sind – und der Beamer ist einfach das optimale Wiedergabemedium für Blue-Rays und hoch aufgelöste Inhalte.

Auf was muss ich bei der Anschaffung sonst noch achten?

Nolde: Also der Beamer sollte auf jeden Fall über eine HDMI-Schnittstelle verfügen. Das ist einfach die Schnittstelle, über die heutzutage hoch aufgelöstes Material übertragen wird zum Beamer oder auch zum Fernseher, aber das ist einfach die Schnittstelle, die wichtig ist. Außerdem, wenn man das Gerät nicht mittig montieren kann vor der Leinwand, sollte man darauf achten, dass es über eine Lense-Shift-Funktion verfügt. Die erlaubt es einem nämlich, das Bild so zu justieren, dass der Beamer, quasi aus der Ecke raus, dann aber trotzdem ein gerades und großes Bild auf die Leinwand projiziert.

Über welche Kosten sprechen wir denn da eigentlich?

Nolde: Also für einen guten Beamer reden wir also ab 1000,- Euro. Dazu kommen noch andere Kosten dazu. Nämlich für die vorhin schon erwähnte Leinwand – da sind auch so 200.- bis 300,- Euro ganz schnell zusammen. Und auch natürlich auf für eine Surround-Anlage, für die man auch durchaus ein bisschen Geld ausgeben kann, aber da geht es auch so im Bereich von 200,- Euro los, dass man halbwegs guten Sound hat.

Und eine weiße Raufasertapete ist keine Alternative zur weißen Leinwand?

Nolde: Also, weiße Raufasertapete geht, wobei ich würde, wenn schon weiß, dann eine glatt verputzte Wand vorziehen - hat immer den Nachteil, dass solche weißen Dinge strahlen. Das heißt, das Beamer-Bild wird unter Umständen auch noch an die Decke oder die Wände rechts links abgestrahlt. Was den Beamer-Effekt so ein bisschen aufhebt. Also, optimal ist es nicht. Es gibt aber tatsächlich Farbe zu kaufen, sogenannte Leinwandfarbe, die man auftragen kann. Die sieht im normalen Zustand aus wie ganz normale Farbe. Die hat aber die ähnlichen Eigenschaften, wie eine Leinwand. Das heißt, sie schluckt mehr Licht und dadurch wird das Bild dann optimal dargestellt.

Jetzt muss ja ein Beamer auch höchstwahrscheinlich hin und wieder mal gewartet werden – worauf muss ich da achten?

Nolde: Man sollte sich regelmäßig die Lüftungseingänge der Lüftung angucken, weil die sich gerne zusetzen mit Staub. Da sind meistens aber Filter eingebaut, die man rausnehmen kann und die kann man dann einfach reinigen. Entweder mit einem Pinsel oder bei manchen Herstellern auch feucht. Ansonsten gibt es eigentlich nichts zu beachten. Die Lampe eines Beamers verliert mit den Jahren an Helligkeit. Das heißt, das Bild des Beamers wird immer dunkler, aber das ist eben wie bei einer Lebensdauer vom Fernsehgerät – irgendwann ist dann Schluss.

Wie lange hält die denn ungefähr?

Nolde: Also, das ist ganz unterschiedlich. Die Hersteller geben ja in der Regel Garantie auch auf die Lampen. Wobei auf die Lampen ist immer ein bisschen gefährlich. Aber so zwischen 2000 und 4000 Stunden müsste so eine Lampe schon halten.

Und wie bekomme ich jetzt am besten raus, welcher Beamer für mich dann der richtige ist, wenn ich einen kaufen möchte?

Nolde: Na gut, es gib ja durchaus Testmagazine und Testseiten im Internet, wie auch unsere. Wir testen also regelmäßig Beamer. Im Moment haben wir 28 Geräte in unserer Bestenliste der Heimkino-Beamer vertreten. Da kann man mal durchgucken. Da gibt's viel zu sehen, was eben Bildqualität und ähnliches betrifft. Da kann man sich ganz gut informieren. Im Fachhandel ist es ein bisschen schwierig, da muss man wirklich den niedergelassenen Fachhändler suchen, weil so Beamer-Testräume gibt es in den großen Flächenmärkten eher nicht. Aber so der niedergelassene Händler im Heimkinobereich – da könnte man schon fündig werden.

Eine Sache haben Sie eben schon kurz erwähnt. Das störende Licht aus anderen Lichtquellen. Wie schwierig ist das mittlerweile? Sind die Beamer so hell, dass sie das schon überstrahlen oder muss man in jedem Fall das Zimmer dunkel machen?

Nolde: Also wir reden jetzt wirklich von Geräten aus der Klasse der Heimkino-Beamer. Die sind in der Regel nicht so hell. Das hat technische Gründe. Es gibt diese Cross-over-Beamer, die man auch aus dem Büro kennt, die sind deutlich heller. Da brauch man ja heute im Büro eben nicht mehr abzudunkeln. Aber bei einem richtig klassischen Heimkino-Beamer werden Sie in der Regel immer ein bisschen abdunkeln müssen, weil sonst einfach das Bild matt und dunkel wirkt. Sie können schon gucken, aber für einen optimalen Sehgenuss muss man wahrscheinlich in der Regel abdunkeln.


Es wurde bereits 1 Kommentar zu diesem Artikel geschrieben. Diskutieren Sie mit.
  1. Spider

    Spider am

    Lautstärke und Hitzeentwicklung sind auch Dinge, auf die man achten sollte.

 

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