Anonymous vs. Ku-Klux-Klan

"Ku-Klux-Klan, expect us"

04.11.2015

Wer sich hinter den weißen Kapuzen des Ku-Klux-Klan verbirgt, bleibt meist geheim. Dem Hacker-Kollektiv Anonymous ist es offenbar dennoch gelungen, den Twitter-Account des Geheimbundes zu knacken: Über 1.000 Namen sollen jetzt veröffentlicht werden.

Als im vergangenen Sommer in der Stadt Ferguson in US-Bundesstaat Missouri der afro-amerikanische Jugendliche Michael Brown von einem Polizisten erschossen wurde, ließen die Proteste nicht lange auf sich warten. Über Wochen und Monate hinweg zogen sich die Demonstrationen der schwarzen Bevölkerung auf den Straßen Fergusons.

Es dauerte nicht lange, bis sich auch der rassistische Geheimbund Ku-Klux-Klan eingeschaltet hat: Demonstranten erhielten Morddrohungen. Außerdem rief der Ku-Klux-Klan in Missouri zu Spenden für den Polizisten auf, der Brown erschossen hatte.

Cyber-War zwischen Anonymous und Ku-Klux-Klan

Als Reaktion darauf hat kurze Zeit später das Hacker-Kollektiv Anonymous eingegriffen. Sie haben Twitter-Accounts von mehreren Ku-Klux-Klan-Mitgliedern geknackt und deren Namen und dazugehörige Bilder veröffentlicht. Damit wollten sich die Hacker an dem Geheimbund rächen.

Zum Gedenken an die Proteste in Ferguson vor einem Jahr hat Anonymous nun angekündigt, über 1.000 Namen von Ku-Klux-Klan-Mitgliedern veröffentlichen zu wollen. Was für Namen dabei sind, ist noch nicht bekannt.

Es gibt Gerüchte, dass in dieser Liste Politiker sind, bekannte US-Politiker, deren Karriere wahrscheinlich beendet ist, wenn bekannt ist, dass sie im Ku-Klux-Klan sind. – Fabian Scherschel, Redakteur vom Computermagazin c’t

„We do not forgive, we do not forget“

In der offiziellen Pressemitteilung vom 1. November heißt es, dass es dem Kollektiv erneut gelungen sei, den Twitter-Account des Geheimbundes zu hacken. Die Hacker von Anonymous richten an den Geheimbund die Worte: „Your hateful ideas and words remain yours to keep“ (zu deutsch: „Behaltet eure hasserfüllten Ideen und Worte für euch“). Außerdem erweiterten sie ihr übliches Motto „We do not forgive, We do not forget“ („Wir vergeben nicht, wir vergessen nicht“) mit „Ku-Klux-Klan, expect us“ („Ku-Klux-Klan, erwartet uns“).

Gedenken an Guy Fawkes

Dass sich das Kollektiv ausgerechnet den 5. November ausgesucht hat, um die Liste mit Namen zu veröffentlichen liegt in der englischen Geschichte begründet: Am 5. November 1606 versuchte der katholische Offizier Guy Fawkes das englische Parlament in die Luft zu sprengen. In England wird jedes Jahr mit der „Guy Fawkes Night“ an diesen Tag erinnert. Die Guy Fawkes-Maske dient außerdem als Erkennungsmerkmal des Hacker-Kollektivs.

Reaktionen ungewiss

Wie der Ku-Klux-Klan auf die Veröffentlichung der Namen reagieren wird, ist ungewiss. Neben den Namen sollen auch Adressen öffentlich gemacht werden.

Da könnte man schon eventuell Angst haben, dass jemand da hin fährt und sich in der wirklichen Welt an jemandem rächt. Da geht der Cyber-War dann in Straftaten in der wirklichen Welt über. – Fabian Scherschel, Redakteur vom Computermagazin c’t

Über den Streit zwischen dem Ku-Klux-Klan und Anonymous und über eventuelle Folgen, die aus der Veröffentlichung der Namen resultieren könnten, hat detektor.fm-Moderator Gösta Neumann mit Fabian Scherschel vom Computermagazin c’t gesprochen.

Fabian ScherschelMan muss bei Anonymous sehen, dass das eine sehr organische Ansammlung von Personen ist.Fabian Scherschelist unsicher über die Konsequenzen der Veröffentlichung der Namensliste.  

Redaktion: Mirjam Ratmann


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