Apple wehrt sich gegen FBI

Kein Generalschlüssel für iPhones

19.02.2016

Im Film hackt der Computerspezialist ein paar Zeilen in die Tastatur und schon liegen ihm all Daten offen. Doch in der Realität ist das natürlich anders: Das FBI scheitert gerade dabei, das iPhone eines mutmaßlichen Terroristen zu knacken. Die US-Behörde hat Apple jetzt zur Mithilfe aufgefordert, doch Apple will nicht.

Apple wirbt mit Datenschutz

Auch der Gerätehersteller aus Cupertino hat die Enthüllungen Edward Snowdens im Sommer 2013 nicht ignoriert. Er vermarketet sich seitdem als Gerätehersteller, dem Datenschutz und  Verschlüsselung wichtig sind. Seit der achten Version des iOS-Betriebssystems für iPhone und iPad sind die Daten auf den Geräten nicht mehr hinter einem einfachen Sperrbildschirm versteckt, sondern auch richtig verschlüsselt.

Wer das Passwort nicht kennt, der kommt an die Daten nicht dran – auch nicht Strafverfolgungsbehörden wie das FBI. Apple behauptet, keinen Zugriff auf das iPhone zu haben. Die einzige Möglichkeit sei, das Passwort für den Sperrbildschirm zu erraten. Bei einem vierstelligen Zahlencode ist das noch relativ einfach und möglich.

Doch Apple hat gegen so ein Passwortraten vorgesorgt. Es gibt es nach jeder falschen Eingabe eine Sperrfrist, bis ein neuer Versuch möglich ist. Diese summiert sich sogar und liegt schon nach neun Fehlversuchen bei einer Stunde. Zum anderen kann man eine Funktion am iPhone aktiveren, die nach zehn Fehlversuchen sämtliche Daten löscht. Das FBI verlangt jetzt per Gericht, dass Apple diese Maßnahmen mit einem speziellen Programm deaktivert.

Ein Gesetz so alt wie die USA selbst

Die Rechtsgrundlage auf der sich das FBI den Zugang zum iPhone ermöglichen will, stammt aus dem Jahr 1789. Der sogenannte All Writs Act ermöglicht Gerichten, quasi jede Person zur Unterstützung in einem Gerichts- oder Untersuchungsverfahren aufzufordern.

Ein Blanko-Scheck, der schon 2014 gegen Apple in einem anderen Verfahren angewandt wurde. Mit dem offenen Brief stellt sich Apple erstmals direkt gegen diese Praktik, denn das Gesetzt wurde in den letzten Jahren immer häufiger gegen Technologieunternehmen angewandt.

Verhaltene Töne von Google & Co.

Edward Snowden kritiserte schon kurz nach Veröffentlichung des offen Briefes den Konzern Google, der zu diesem Zeitpunk noch verdächtig schmallippig zum Datenschutzstreit geblieben war.

Erst später äußerte sich dann auch Google-Chef Sundar Pichai auf Twitter. Doch genau wie die Statements von Twitter-CEO Jack Dorsey und anderen Tech-Firmen, war Googles Stellungnahme nur sehr Verhalten. Alle lobten Apple-Chef Tim Cook für seinen Schritt, aber vermieden sehr deutliche Verurteilungen.

Ist Apples Verweigerung gegenüber dem FBI nur ein PR-Coup oder steckt mehr dahinter? Darüber haben detektor.fm-Moderator Konrad Spremberg und Redakteur Christopher van der Meyden gesprochen.

Redaktion: Christopher van der Meyden