Das brand eins Magazin zum Hören | Schwerpunkt „Digitalisierung“

Digital ist besser – sicher?

03.07.2016

Digital ist besser? Das brand eins Magazin geht dieser Frage nach. Warum wir gar nicht weniger Langeweile haben als früher. Warum es vielleicht gar nicht stimmt, dass gerade jetzt alles immer schneller wird. Warum sich kaum einer darüber Gedanken gemacht hat, wie man Computer- und Medienkunst für die Nachwelt bewahren kann. Und warum ein Land zum Schlaraffenland für IT-Start-ups wird.

Warum die Welt sich gar nicht schneller dreht

Früher haben wir einen Brief geschrieben, und mit Glück hatten wir eine Woche später Antwort. Heute werden wir nervös, wenn jemand nicht am gleichen Tag auf eine Mail antwortet. Wer in einem Chat, auf Twitter oder bei Skype nicht sofort reagiert, provoziert Nachfragen.

Die Kommunikation wird mit der Digitalisierung schneller. Und unsere Erfahrung und Wahrnehmung der Welt wird es auch. Ob Fotos, Filme, Musikalben, Lexikonartikel: Wir klicken uns einfach durch. Und wenn uns etwas langweilt – im nächsten Fenster wartet schon etwas ganz anderes.

Alles scheint immer schneller zu werden. Viele Menschen sagen: Gesund ist das nicht. Der Historiker Andreas Rödder sagt: alles schonmal da gewesen und kein Grund zur Sorge. Der Autor des Buches „21.0 – eine kurze Geschichte der Gegenwart“ erklärt uns im Interview, wie er das meint.

So, wie man aus einem ungeregelten Kapitalismus eine soziale Marktwirtschaft gemacht hat, so stehen wir vor der Herausforderung, aus einer ungeregelten Digitalisierung so etwas wie eine soziale Digitalwirtschaft zu machen. – Andreas Rödder, Autor

Warum der Computerkunst die Zeit wegrennt

Computer- und Medienkunst mag uns neu erscheinen – manchem vielleicht auch gar nicht so richtig gleichwertig mit einem wertvollen Ölgemälde an der Wand. Doch während wir noch darüber debattieren, ob das nun Kunst ist oder weg kann, macht die Kunst sozusagen von sich aus Druck.

„Uns rennt die Zeit davon“, sagen Experten wie Dorcas Müller vom Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie, kurz ZKM. Dahinter steht eine Einrichtung, die sich für die Rettung und Konservierung von Computer- und Medienkunst zum absoluten Spezialisten entwickelt hat. Und das für Kunden weltweit. Peter Laudenbach war dort, hat sich das einmal angesehen und berichtet uns, wieso das weltweit einmalig ist.

Man muss sich das vorstellen: Karlsruhe kann etwas, was das MIT und das MoMA nicht kann. – Peter Laudenbach

Das brand eins Magazin gibt’s auch als Podcast.

Wo das Militär für ein Start-up-Paradies sorgt

Es gibt ein Land, das wird für junge Firmen mit digitalen oder technischen Ideen immer mehr zum Schlaraffenland. Längst gilt eine der großen Städte dort als der eigentliche Hot-Spot der Start-up-Kultur. Und obwohl dort weniger Menschen als in Baden-Württemberg leben, hat dieses Land bereits 92 Firmen an die US-Börse Nasdaq gebracht.

Politiker, Forscher und Unternehmer pilgern dahin – nach Israel. Um einer Frage nachzugehen: Wie machen die Israelis das? Ist der israelische Innovationsgeist so einmalig wie das Land? Oder gibt es konkrete Ideen und Weichenstellungen, die man kopieren könnte?

Mareike Enghusen hat ein paar Antworten auf diese Frage gefunden und spricht mit uns darüber.

Dieses Gefühl, dass man um jeden Preis überleben muss, um jeden Preis gut sein muss, das ist eine Mentalität, die die meisten Israelis schon sehr früh annehmen. – Mareike Enghusen

Warum wir gar nicht weniger Langeweile haben

Früher, also da hatte man noch Zeit, mal durchzuatmen. Da war nicht immer irgendein Bildschirm an, irgendeine Nachricht da, irgendein Foto oder Video oder eine Sprachnachricht. Früher war weniger Digitalisierung und mehr Langeweile, doch das ist vorbei. Schade eigentlich. Sagen manche.

Stimmt gar nicht, sagt Johnny Haeusler. Die Menschen früher hatten nicht mehr und nicht weniger Langeweile als wir. Sie haben sich nur andere Ablenkung gesucht. Und wenn überhaupt, dann müssten wir mal über etwas ganz anderes nachdenken: die Verherrlichung der Arbeit.

Warum er glaubt, das sei unser eigentliches Problem, haben wir Johnny Haeusler gefragt.

Ich glaube schon, dass wir verlernt haben, Freizeit zu haben. Ich glaube aber nicht, dass daran die digitalen Geräte Schuld sind. – Johnny Haeusler


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Zu jedem brand eins Magazin suchen wir auch passende Musik raus. Der zugehörigen Spotify Playlist kann man folgen, dann gibt es die neuen Songs jeden Monat automatisch ins Ohr.

Diesmal dabei: unter anderem natürlich Kraftwerk, ein geradezu visionärer Song zum Thema Online-Dating aus dem Jahr 1968 und das erste Lied, das jemals in eine mp3 konvertiert wurde.