Die elektronische Gesundheitskarte

Wenn Gesundheit mit Daten bezahlt wird

25.06.2015

Seit 2003 soll die elektronische Gesundheitskarte auf den Weg gebracht werden. Wie das aber bei politischen Projekten gerade im Trend ist, verzögert sich die Einführung. Über zehn Jahre und eine Milliarde Euro später ist die elektronische Version nun verpflichtend, die angepriesenen Funktionen werden aber noch längst nicht genutzt.

Die Gesundheitskarte

Die einzige merkliche Neuerung der jetzigen elektronischen Gesundheitskarte ist eine banale: Das Foto. Ansonsten hat sich nicht viel verändert. Seit 2011 haben die Krankenkassen schrittweise die alten Gesundheitskarten ersetzt. Mit dem 1. Januar 2015 wurde die elektronische Version verpflichtend. Die gespeicherten Daten sind mit Name, Geburtsdatum, Adresse und Krankenversichertennummer größtenteils gleich geblieben. Angesichts des Kostenpunktes von 1 Milliarde Euro eine eher schlechte Bilanz.

Wir befinden uns noch im Offline-Szenario: Die Karte ist noch nicht soweit, dass wir sie online nutzen können. Erst dann würde sie das ganze Potenzial auch nutzen. – Ann Marini, Spitzenverband gesetzlicher Krankenkassen

Sensibles Thema: Datenschutz

Die elektronische Gesundheitskarte soll in erster Linie die Kommunikation zwischen Patienten, Ärzten, Kliniken und Krankenkassen erleichtern. So sollen zum Beispiel Arztbriefe oder Patientenakten auf der Karte gespeichert werden. Solche Informationen kann der Patient dann über einen Zahlencode für andere Ärzte freischalten. In der Praxis ist das noch lange nicht etabliert. Das könnte wahrscheinlich auch an den sensiblen Daten liegen. Viele Datenschützer und Ärzte haben bereits Bedenken geäußert.

Alles für umsonst?

So steht unter anderem die Frage im Raum, wie die persönlichen Daten sicher verschlüsselt werden können. Denn wenn die elektronische Gesundheitskarte die Sicherheit der Daten nicht ausreichend gewährleistet, befürchten Datenschützer, dass es zu „gläsernen Patienten“ kommen könnte. Mit dem geplanten e-Health-Gesetz möchte die Bundesregierung dennoch die „zügige Einführung nutzbringender Anwendungen“ der elektronischen Gesundheitskarte bis 2018 vorantreiben.

Dazu hat detektor.fm-Moderatorin Teresa Nehm mit Ann Marini vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen gesprochen.

Ann Marini PressefotoJetzt muss die elektronische Gesundheitskarte ihr Potenzial ausspielen dürfen. Vor dem Hintergrund des e-Health-Gesetzes blicken wir aber zuversichtlich in die Zukunft.Ann Mariniarbeitet beim Spitzenverband gesetzlicher Krankenversicherungen 

Was wird eigentlich an der elektronischen Gesundheitskarte kritisiert? Die Hintergründe zur Debatte hat Hannah Ziegler in einem kurzen Beitrag zusammengefasst.

Redaktion: Mona Ruzicka, Sandro Schroeder, Hannah Ziegler