Digitaler Faschismus

Radikal, National, Digital

Social-Media-Kanäle sind für rechtsradikales Gedankengut ein fruchtbarer Boden. Das nutzen rechte Parteien und andere Organisationen, wodurch ihre Reichweite im Netz weiter steigt. Warum „Digitaler Faschismus“ so gut funktioniert, erklärt eine neue Studie.

Die „Neue Rechte“ im Netz

Das Internet ist ursprünglich als idealistisches Projekt gestartet. Von weltweiter Vernetzung, offenem Meinungsaustausch und unbegrenztem Zugang zu Wissen hatte man sich ein neues Maß an Freiheit erhofft. Es gibt allerdings auch Schattenseiten der unbegrenzten Kommunikation. Eine davon heißt „digitaler Faschismus“.

Hass und Hetze im Internet nehmen zu. In den sozialen Medien wird ein neuer rechter Lifestyle beworben. Gerade die Identitäre Bewegung ist dort sehr erfolgreich. Sie probiert, eine rechte Jugendkultur aufzubauen. Vieles wirkt beim ersten Hinsehen harmlos, denn Inhalte, die eindeutig rechtsextrem sind, werden eher versteckt verbreitet.

Sich die Wahrheit zurechtlegen

Auch die AfD macht sich das Internet zu Nutze. Die Verbreitung von Fake News  ist eine gängige Methode der Partei. So werden zum Beispiel Prognosen darüber, wie viele Geflüchtete in ein Land einreisen, bewusst verzerrt, um die politische Agenda der Partei zu untermauern. So werden bereits vorhandene Ängste der Menschen aufgegriffen und verstärkt, weil sich die Nutzer durch die scheinbar eindeutigen Fakten in ihren Ansichten bestätigt fühlen. Die radikale Rechte ist dadurch im Internet deutlich präsenter, als in den Parlamenten.

Es ist charakteristisch für rechtsextreme Bewegungen, dass sie einen radikalen Pragmatismus und ein etwas instrumentelles Verhältnis zur Wahrheit haben. Insofern können sie auch von breiteren Möglichkeiten der Manipulation Gebrauch machen. — Holger Marcks, forscht zu Radikalisierung im Netz

Dieses Phänomen wird „digitaler Faschismus“ genannt und wurde kürzlich in einer Studie von Holger Marcks und Maik Fielitz vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg untersucht.

detektor.fm-Moderatorin Lara-Lena Gödde hat darüber mit Holger Marcks gesprochen. Er ist Mitautor der Studie „Digital Fascism“ und forscht zur Radikalisierung von Rechtsextremen und Islamisten im Internet.

Holger_Marcks_PortraitDie strukturellen Elemente von sozialen Medien sind besonders gut geeignet für die rechte Agenda, weil sie selber dazu neigen, die Ängste zu verstärken. Holger Marcksist Mitautor der Studie "Digital Facism". 

Redaktion: Jonas Dietz und Helen v. der Lancken