Digitales Bezahlen | The Coinspondent über PayPal, Geld und Macht

Am längeren Geldhebel

03.03.2015

Obwohl das Angebot vollkommen legal sei, kündigt das US-Unternehmen PayPal dem neuseeländischen Cloud-Speicherdienst Mega. Der Grund: Mega ist der amerikanischen Filmindustrie ein Dorn im Auge, denn der Anbieter verschlüssele die Daten seiner Nutzer zu gut. Weil das jedoch nicht rechtswidrig ist, soll das Unternehmen nun über Finanzsanktionen abgestraft werden. Dass das nicht funktionieren wird, hat vor Jahren schon ein anderes prominentes Beispiel gezeigt: Wikileaks.

Geld regiert die Welt

„Demokratie ist gut, solange alle machen, was ich will.“ Nach dieser Weisheit, so wirkt es, agieren einige Entscheidungträger in den USA. Anders ist die willkürliche Entscheidung den neuseeländischen Cloud-Speicherdienst Mega über indirekte Finanzsanktionen abstrafen zu wollen, kaum zu erklären. Nur weil das Unternehmen die Daten der Nutzer so gut verschlüssele, dass es selbst keinen Zugriff darauf hat, habe PayPal die Zusammenarbeit mit sofortiger Wirkung aufgekündigt, schreibt das Unternehmen in einem Blogbeitrag.

Wobei PayPal in diesem Zusammenhang nur als verlängerter Arm der US-Filmindustrie diene. Weil dieser das Angebot von Mega missfalle, habe sie ihre politischen Beziehungen spielen lassen, Druck auf Visa und MasterCard ausgeübt, die diesen wiederum an PayPal weitergegeben hätten, das letztlich handeln musste, obwohl es das Geschäftsmodell von Mega als legal bestätigte.

Dieses Beispiel zeigt, welche Gefahren drohen, wenn Geld und Macht zu eng miteinander verknüpft sind. Die große Bedeutung amerikanische Finanzdienstleister für weltweite Zahlungsabwicklungen ist problematisch und die geballte Kraft regionaler politischer Macht und globaler Kapitalkontrolle kann mit Leichtigkeit Rechtsstaatlichkeit umgehen und demokratische Grundrechte aushöhlen. Nicht nur im eigenen Land, sondern in jedem Land der Welt.

Aber es gibt Hoffnung

Schon einmal haben die USA versucht einen Internet-Dienstleister mittels geballter Finanzsanktionen zur Aufgabe zu zwingen. Als Wikileaks 2012 geheime Dokumente ins Netz stellte, wurden Konten eingefroren, Kreditkarten-Unternehmen sperrten ihre Zugänge und Online-Zahlungen waren nahezu unmöglich. Dass Wikileaks unter diesem geballten Druck finanziell nicht zusammenbrach, ist auch einer alternativen Bezahloption zu verdanken: Bitcoin. Nicht zensierbar und von keinem Staat der Welt manipulierbar, hat Bitcoin damals das Fortbestehen von Wikileaks und die Offenlegung weiterer Skandale ermöglicht.

Damals steckte Bitcoin jedoch selbst noch in den Kinderschuhen. Heute ist es eine verbreitetere und bedeutendere Alternative zu PayPal und den verhängten Online-Finanzsanktionen. Und auch Mega-Gründer Kim Dotcom weiß das, wie dieser Tweet zeigt, sehr gut.

The Coinspondent Friedemann Brenneis über die Hintergründe.

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