web.de, 1&1 und GMX bieten nun E-Mail-Verschlüsselung an

Ein bisschen Sicherheit

21.08.2015

Pretty Good Privacy - das klingt fast niedlich, ist es aber überhaupt nicht. Es steht für eine Technik, die E-Mails verschlüsselt. Geheimdienste, Ermittlungsbehörden und Hacker haben es schwer, die Mails dann noch mitlesen zu können. Doch es machen längst nicht alle mit. Drei der großen Mail-Anbieter wollen das nun ändern. Wie einfach ist die Lösung?

Spätestens die NSA-Affäre und Edward Snowdens Enthüllungen haben gezeigt, wie gefährdet und unsicher Daten im Internet sind. Trotzdem gehen viele nicht verantwortungsbewusst mit ihren Daten um. Ein bisschen mehr Sicherheit soll die Verschlüsselungstechnik der E-Mail-Anbieter „web.de“, „gmx.net“ und „1&1.de“ bieten. Sie alle gehören zu dem börsendotierten Internetprovider United Internet.

Aus alt mach neu

Die Technik ist nicht neu. Schon seit 20 Jahren kann man E-Mails mit PGP (pretty good privacy) verschlüsseln. Doch das Prozedere ist vielen zu aufwendig. Bisher haben sich die gängigen deutschen E-Mail-Anbieter deswegen gegen die Verschlüsselung gewehrt.

Vor allem weil der Empfänger der verschlüsselten Nachricht auch die Möglichkeit haben muss, sie zu entschlüsseln. Sender UND Empfänger müssen also einen E-Mail-Anbieter nutzen, der die Verschlüsselung unterstützt. Dass nun „web.de“, „gmx.net“ und „1&1.de“ die Möglichkeit anbieten, könnte andere Anbieter dazu veranlassen, nachzuziehen.

Komplett ausgereift ist das Angebot aber noch nicht. Bisher können Nachrichten nur in den Browsern „Firefox“ und „Chrome“ verschlüsselt werden. Wann für andere Browser nachgerüstet wird, ist noch nicht klar.

Langsames Umdenken

Die Verschlüsselung der eigenen E-Mail ist für den Nutzer hierbei nicht ganz einfach. Ein Browser-Add-On muss installiert, Schlüsselpaare müssen erstellt werden.

Das ist einfach umständlicher, dauert länger und man muss ein bisschen mehr tun, als nur auf ‚Senden‘ drücken. – Norbert Pohlmann, Professor für Internet-Sicherheit

Seit den Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden scheint sich allerdings etwas zu ändern. In einer internationalen Umfrage gaben 39 Prozent der Deutschen an, seitdem Maßnahmen zur Sicherung persönlicher Daten ergriffen zu haben. Damit liegt Deutschland genau im Durchschnitt. In anderen europäischen Ländern wie Frankreich oder Schweden gaben weniger als ein Drittel der Befragten an, persönliche Daten jetzt besser zu schützen. Spitzenreiter bei der Umfrage ist Indien. Die USA, die ja besonders betroffen waren, liegen mit 36 Prozent Zustimmung gerade einmal auf Platz 13.

Warum es so lange gedauert hat, dass ein E-Mail-Anbieter von sich aus eine Verschlüsselungsmöglichkeit anbieten und ob die Deutschen vorsichtig genug mit ihren Daten im Internet umgehen, hat detektor.fm-Moderatorin Maj Schweigler mit Norbert Pohlmann besprochen. An der Westfälischen Hochschule hat er den Lehrstuhl für Internet-Sicherheit inne.

Norbert_Pohlmann_Professor_InternetSicherheitDie Technologie für Verschlüsselung ist wichtig, die müssen wir nutzen. Aber der Nutzer braucht auch eine Kompetenz, mit all diesen Dingen wie Browser, E-Mail-Client oder Verschlüsselungssystemen umgehen zu können.Norbert Pohlmannforscht an Verschlüsselungssystemen, die wirklich unhackbar sind. 

Redaktion: Maren Schubart