Fake-Fotos im Netz

Echt oder Ente?

31.07.2017

Fake-Fotos zu erkennen ist gar nicht so einfach. Zumindest, wenn man den Ergebnissen einer Studie der Universität Warwick folgt. Sind wir manipulierten Bildern also hilflos ausgeliefert?

Nicht alle bearbeiteten Bilder sind Fake-Fotos

Fotos zeigen nicht immer das, was vor der Linse wirklich passiert ist. Mit dem richtigen Bildbearbeitungsprogramm ist vieles möglich. Kleine Fältchen kaschieren oder der Lieblingsstar mit ins Bild kopieren. Was für den Privatgebrauch ganz lustig ist, kann schnell bedenklich werden. Spätestens dann, wenn es um Fälschungen im politischen Kontext geht.

Eine gängige Definition für eine Manipulation bei Bildern ist, dass die Bildaussage verändert wird. Außerdem muss die Fälschung mit der Absicht einhergehen, jemanden zu täuschen. – Christian Riess, Lehrstuhl für Informatik der Universität Erlangen-Nürnberg

Forscher der Universität Warwick in England haben in einer Onlinestudie untersucht, wie gut wir Fälschungen erkennen können. Hierfür legte man den Versuchspersonen zehn Fotos mit alltäglichen Motiven vor, von denen die Hälfte zuvor auf unterschiedliche Weise bearbeitet worden war. So enthielten einige der Bilder zum Beispiel nachträglich hinein kopierte Gegenstände. Auf anderen Fotos war der Fall der Schatten unlogisch. Die Teilnehmer der Studie sollten diese Änderungen erkennen und orten.

Chillen mit dem Star: Photoshop macht’s möglich

Die Erfolgsquote war ernüchternd. Denn die Versuchspersonen schätzten nur 66 Prozent der Bilder richtig ein. Zunächst mag das Ergebnis des Fototests nicht allzu dramatisch klingen.

Für Privatleute ist es schwierig, eine qualifizierte Prüfung der Bilder vorzunehmen. Die technischen Hürden sind für sie oft zu hoch. – Christian Riess.

Die Forscher argumentieren aber, dass das Resultat nicht viel schlechter ausgefallen sei, wenn die Versuchspersonen einfach geraten hätten. Noch weniger Teilnehmer der Studie konnten übrigens einschätzen, wo genau die Änderungen zu finden waren: Nur 45 Prozent lagen hier richtig.

Warum fällt es Menschen augenscheinlich so schwer, Fake-Fotos zu erkennen? Darüber hat detektor.fm-Moderator Christian Bollert mit Christian Riess von der Universität Erlangen-Nürnberg gesprochen. Er beschäftigt sich am Lehrstuhl für Informatik mit Bildforensik.

arbeitet und forscht am Lehrstuhl für Informatik der Universität Erlangen-NürnbergHäufig ist es so, dass Fotos einfach im falschen Kontext verwendet werden. Das Bild selbst ist dann gar nicht manipuliert, aber die Geschichte um es herum wird verändert. Es soll dann als Beweis für eine Gegebenheit stehen, mit der es gar nichts zu tun hat.Christian Riess arbeitet und forscht am Lehrstuhl für Informatik der Universität Erlangen-Nürnberg. 

Redaktion Hanna Gerwig