Fortschritt | Audiorekorder – Wie es wirklich was auf die Ohren gibt

31.01.2012

Mobile Audio-Rekorder, auch Field Recorder genannt, erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. In den vergangenen Jahren sind die Geräte günstiger und besser geworden - ein paar Tipps.

Kleiner, mächtiger: digitale Audio-Rekorder passen inzwischen in jede Jackentasche. / © detektor.fm

Heute schauen wir in „Fortschritt“ ein weiteres Mal auf einen Bereich, der in den letzten Jahren eine beeindruckende Entwicklung durchgemacht hat: diesmal geht es um Audio-Rekorder.

Audio-Aufnahmen – oder besser: die dazu nötigen Geräte – waren noch vor einigen Jahren für Laien kaum erschwinglich, zumal man auch immer noch Mikrofone dazu kaufen musste. Doch das hat sich gehörig gewandelt.

Für relativ kleines Geld bekommt man heute ziemlich mächtige Aufnahme-Maschinen: klein, handlich, und mit integrierten Mikrofonen. Wie gut die sind, darüber spricht Stefanie Gerressen mit Marcus Engert.

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Das Gespräch zum nachlesen

Marcus, als Thema heute hast du dir Mobile Audio-Rekorder rausgesucht – ist das nicht was für Freaks?

Das dachte ich auch erst. Ich hatte befürchtet, das interessiert jetzt nur so Radio-Macher wie uns. Aber ich musste mich korrigieren lassen. Zum einen verkaufen sich die vor allem im mittleren Preissegment, über das wir heute sprechen, ziemlich gut. Mittleres Preissegment ist, sagen wir mal, alles unter 300 Euro. Und zum anderen gibt es scheinbar mehr Menschen, die das nutzen, als man glaubt.

Wer denn?

Naja, da wären zum Beispiel Hobbymusiker, die sich selbst beim proben aufnehmen. Oder Eltern, die eine Aufführung ihrer Kinder aufzeichnen wollen. Im professioneller Bereich: Radiomacher, oder bei Gericht, bei Anwaltskanzleien etwas mitschneiden müssen. Manche Menschen legen Akustische Tagebücher, das ist bei Sehbehinderten oft sehr beliebt. Manche sind auch mit dem Mikrofon ihres Camcorders sehr unzufrieden. Und oftmals ist es auch so, dass man in der Uni, in Vorlesungen, das Mikrofon mitlaufen lassen möchte. (obwohl man das, in Klammern gesagt, nicht darf, wenn man nicht vorher gefragt hat).

Dann zur Frage der Fragen: die Aufnahmequalität dieser mobilen Rekorder, wie gut ist die?

Die ist erstaunlich gut, das muss man so sagen. Da haben die Hersteller in den letzten Jahren enorm zugelegt. Das liegt sicherlich auch daran, dass im Bereich der kleinen Mikrofone sich der Markt gut bewegt hat. Die Geräte haben alle mindestens 2 Mikrofone, die können also alle stereo aufnehmen.
Und was das Beste ist: diese Kompakten Geräte überfordern Laien nicht. Man muss da kein übergroßes Technikverständnis oder viel Audio-Know-How mitbringen, und bekommt trotzdem respektable Ergebnisse zustande.

Nun ist es ja eine alte Weisheit: das Gerät ist nur so gut, wie der Mensch dahinter. Worauf sollte ich denn achten, damit die Aufnahmen auch echt gut werden?

Also, der erste Punkt: Aussteuern! Aussteuern heißt, einzustellen, wie sensibel die Mikrofone arbeiten sollen – oder anders: wie laut oder leise ist das, was ich aufnehmen möchte. Wir nennen das auch Einpegeln, weil man da eben den Signalpegel einstellt. Diese Geräte können alle auch automatisch aussteuern. Das ist okay für Sprache. Aufnahmen mit großer Dynamik aber, also stark wechselnder Lautstärke, wie zum Beispiel Konzertaufführungen, sollte man lieber manuell aussteuern. Während des Aufnehmens: immer diesen Pegel kontrollieren – ist er zu leise, nachregeln, ist er im roten Bereich, runterregeln.

Zweiter Punkt: die Qualitätsstufe einstellen. Als Anhaltspunkt nehmen wir eine Audio-CD, da sind es 16bit und 44,1 kHz, das reicht vollkommen aus.

Dritter Punkt: das Format – das sollte am besten unkomprimiert sein, also wave.

Viertens, und eigentlich das wichtigste: Immer Kopfhörer tragen. Unser Gehör blendet Dinge aus, gewöhnt sich an Störgeräusche – Mikrofone tun das nicht. Die nehmen immer alle Geräusche gleich auf. Und man muss ja hören, was auf dem Gerät landet. Also, beim Aufnehmen, Kopfhörer aufsetzen.

Letzter Tipp: wenn man draußen unterwegs ist, können schon kleinste Windstöße sehr störend wirken. Draußen also Windschutz tragen. Und wenns irgendwo laut ist, zum Beispiel von einer Straße, dann mit dem eigenen Körper zwischen Mikrofon und Lärmquelle stellen.

Was sind denn die typischen Nachteile mobiler Audiorekorder?

Die sind eben kein Studio, das heißt: die sind anfällig für Störungen. Hier spielt das Gehäuse eine große Rolle.

Alle, wirklich alle mobilen Rekorder sind anfällig für Griffgeräusche oder Handgeräusche. Also: man hört dann auf der Aufnahme, wie die Hand etwas rutscht, wie man Knöpfe drückt etc. – das ist natürlich sehr unschön. Man kann sich abhelfen, indem man das Gerät auf ein Stativ stellt, in eine Hülle packt, wenn man nichts davon da hat, tut es auch ein Handschuh, mit dem das Gerät anfasst.

Und worauf sollte man da also achten beim Kauf? Auf ein stabiles Gehäuse?

Auf jeden Fall, das ist ein ganz wichtiger Punkt. Wenn das ein sehr leichtes, sich klapprig anfühlendes Gehäuse ist, ist das kein gutes Zuhause für ein Mikrofon. Damit zusammen hängt oft: die Handlichkeit. Also, das Ding mal in die Hand nehmen, gucken ob man ergonomisch gut an alle Knöpfe kommt, ob man das Display erkennen kann.

Neben dem Gehäuse und dem Display ist die Batterielaufzeit noch ein wichtiger Punkt. Da gibt es welche mit 4 Stunden, und andere in der gleichen Preisklasse kratzen an der 30-Stunden-Marke. Ebenfalls nicht unwichtig: wie groß ist der Speicher? Der muss nun nicht tagelang laufen können, aber ein bisschen was schon. Mit austauschbaren Speicherkarten herumhantieren, ist auch nicht jedermanns Sache, kann aber auch Vorteile haben. Das sollte man sich also vorher überlegen, was man möchte.

Und was sich natürlich nur schwer vorab testen lässt: der Klang. Da kann man sich einerseits in Foren belesen, andererseits gibt es oft auch im Netz Klangproben zum anhören, auch im direkten Vergleich verschiedener Geräte. Da muss man einfach googeln. (Anm.: siehe dazu acuh die Links am Ende dieses Artikels)

Dann abschließende Frage: moderne Smartphones können auch alle Ton aufnehmen. Mir kommt das auch relativ gut vor, was die da machen. Macht es heute noch Sinn, ein Aufnahmegerät zu kaufen?

Ja, macht es. Es stimmt zwar: die Alleskönner im Handy-Kleid nehmen echt gut auf inzwischen. Mittlerweile arbeiten die ersten Radio-Macher sogar damit. Aber, ganz klar: das geht nur für Sprache und wenn es einigermaßen ruhig ist. Die können kein Stereo aufnehmen, die lassen sich nicht gut auspegeln – das wird alles kommen, keine Frage, die werden das lernen. Aber noch ist ein Aufnahmegerät hier die bessere Wahl.