Fortschritt | B-Ware: Schnäppchen oder Schrott?

03.09.2013

Alle machen gerne ein Schnäppchen, besonders wenn es um den Kauf von teuren elektronischen Geräten geht. Besondere Angebote versprechen Geräte, die als "B-Ware" ausgezeichnet sind. Was genau das ist, und worauf man achten sollte, fragen wir eine Expertin.

Bei B-Ware handelt es sich manchmal um Bestellungen, die vom Käufer einfach wieder an den Händler zurückgesandt wurden. Oft ist dann nur die Originalverpackung beschädigt, trotzdem werden solche Waren wesentlich günstiger weiterverkauft. Foto: © hobvias sudoneighm / Flickr

Aktionen, Rabatte und Sonderpreise: Wer im Internet etwas bestellen will, hat die Qual der Wahl. Auf unzähligen Schnäppchen-Webseiten werden zwar die neuesten Angebote aufgelistet und Preise verglichen – aber es geht manchmal noch günstiger.

Geld sparen – Nach B-Ware suchen

rät dazu, sich bei B-Ware die Produktbeschreibung genau durchzulesen.Lena Kamprolfrät dazu, sich bei B-Ware die Produktbeschreibung genau durchzulesen. 

Denn etwas verborgener sind die Online-Shops, die sogenannte „B-Ware“ mit großen Preisnachlässen verkaufen. Besonders bei elektronischen Geräten verkaufen die Händler beispielsweise Rücksendungen, Vorführartikel oder reparierte Reklamationen sehr viel günstiger weiter.

Was sich hinter dem Begriff  „B-Ware“ verbirgt, ob es sich um echte Schnäppchen oder und was der Unterschied zwischen den verschiedenen Bezeichnungen (B-Ware, 1A-Ware, refurbished usw.) ist, das hat uns Lena Kamprolf, Redakteurin bei Stiftung Warentest, verraten.

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+++ Das Gespräch zum Mitlesen +++

Wenn ich mir B-Ware bestelle: Laufe ich da Gefahr, mir Schrott ins Haus zu holen?

Nicht zwangsläufig, das muss nicht so sein. B-Ware ist nicht zwangsläufig ein kaputtes Gerät, sondern B-Waren sind eben auch Artikel, wo teilweise nur die Verpackung Gebrauchsspuren hat oder wo vielleicht ein kleiner Kratzer am Gerät ist. Es können Ausstellungsstücke sein, Vorführgeräte, Messeartikel. Das Gerät selbst kann also top in Ordnung sein, es ist eben nicht mehr neu, deswegen dürfen die Händler es nicht mehr als Neuware verkaufen.

 

 

Da gibt es so viele Begriffe: B-Ware, „refurbished“ Ware, Mängelartikel, Vorführmodelle… Wo liegt da der Unterschied?

Im Grunde ist das alles das Gleiche. Was für den Kunden wichtig ist, ist dass er bei dem Händler guckt und die Produktbeschreibung zu dem jeweiligen Gerät liest. Darin ist der Händler nämlich verpflichtet, aufzuschreiben, welche Mängel hat das Gerät, fehlt vielleicht sogar Zubehör, oder liegt es einfach nur an der Verpackung. Das ist eben ganz wichtig, damit ich weiß, was ich mir da nach Hause bestelle. Ansonsten gilt einfach: Ein bisschen suchen, ein bisschen Geduld mitbringen und dann kann man da schon Schnäppchen schlagen.

Wo suche ich denn am besten nach B-Ware, wenn ich sicher gehen will, dass die dann auch funktioniert?

Das lässt sich generell so nicht sagen. Es ist eben so, dass große Anbieter von Elektronikwaren, das ungerne so prominent auf ihren eigenen Seiten präsentieren. Also da muss man schon ein bisschen gucken unter Sonderangebote, auch mal die Seite runterscrollen und ein bisschen suchen. Die Händler wollen natürlich ihre Neuware verkaufen, daran verdienen sie mehr. Und deshalb ist der Kunde darauf angewiesen, auch ein bisschen mehr Zeit zu investieren.

Bei welchen Geräten lohnt es sich denn besonders, nach B-Ware zu suchen?

Also hauptsächlich haben wir uns Elektronikartikel angeguckt, weil da eben diese Spannen dann auch relativ groß sind. Bei einer guten Kamera, da geht es eben schon, dass die manchmal für 50 oder 60 Euro weniger angeboten wird, vielleicht nur weil es ein Versandrückläufer ist. Das lohnt sich dann natürlich für den Kunden.

Heißt B-Ware automatisch, dass sie am günstigsten verkauft wird, oder sollte ich trotzdem noch die Preise vergleichen?

Man sollte trotzdem natürlich auch die Preise vergleichen. Nur weil es eben als B-Ware angekündigt ist, muss es nicht zwangsläufig das günstigste Angebot sein. So weit kann man da nicht gehen – aber es lohnt sich, da mal zu gucken und sich vielleicht ein bisschen auf die Suche zu machen.

Gibt es was, wo Sie sagen: „Schaffen Sie sich das bloß nicht als B-Ware an.“?

Eigentlich nicht.

Wir haben natürlich mehr geguckt, welche Händler bieten das an und was sind vielleicht im Rechtsbereich die Kniffe? Es ist eben so, dass bei B-Waren die Händler diese Gewährleistung, die normalerweise 2 Jahr gilt, bei B-Ware auf 1 Jahr beschränken können. Das heißt: Da ist der Kunde in seinem Recht beschnitten. Was jetzt nicht wirklich schlimm ist, aber das sollte man eben wissen.

Also alles in allem – B-Ware kaufen: Ja oder Nein?

Da würde ich ganz klar sagen: Ja! Gucken, Produktbeschreibung lesen, sich das Gerät bestellen. Wenn ich dann merke, es ist was nicht in Ordnung, habe ich ja die gleichen Rechte wie bei einem Neukauf eben auch. Also es gelten die Fernabsatzregeln: Das heißt innerhalb von 14 Tagen kann ich meinen Kauf, den ich im Internet getätigt habe, ohne Angabe von Gründen zurücksenden. Und damit gehe ich im Grunde gar kein Risiko ein.